Das Imperium schlägt zurück: Bosch kontert DJI mit einem fetten 120‑Nm‑Update & vielem mehr

Das Imperium schlägt zurück?!
120 Newtonmeter Drehmoment für Bosch CX und CX-R!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.05.2026
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Bosch Performance Upgrade 2.0
Foto: Bosch

Bosch dreht am Rad – und zwar ordentlich. Mit dem Performance Upgrade 2.0 bekommt das smarte System das bislang umfangreichste Update seiner Geschichte. Mehr Drehmoment, mehr Unterstützung, ein vorgespannter Antriebsstrang, ein brandneues Schnellladegerät und erstmals eine offene Schnittstelle zu Drittanbietern wie Garmin. Wir haben alle Neuheiten im Überblick.

Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur

Kurz & knapp: Bosch-Update Sommer 2026

  • Performance Upgrade 2.0: Bis zu 120 Nm Drehmoment und 600 % Unterstützung für Performance Line CX (Gen 5) und CX-R
  • Drivetrain Tensioner: Softwarebasierte Freilauf-Vorspannung eliminiert den Leerweg am Pedal – verfügbar ab Mitte 2026 in den Modi eMTB+ und Race
  • Extended Boost jetzt einstellbar: Nachlauflänge lässt sich pro Fahrmodus individuell per Schieberegler in der Flow App justieren
  • Trick Check: Automatische Erkennung und Messung von Jumps, Wheelies, Manuals und Stoppies – inklusive Bestleistungs-Tracking in der App
  • 12A Charger: Rund 500 Watt Ladeleistung dank GaN-Technologie – lädt bis zu 3x schneller, wiegt unter 1 kg, erhältlich ab Ende 2026
  • Live Data Interface: Neue BLE-Schnittstelle überträgt Echtzeit-Fahrdaten an Drittanbieter-Geräte – Garmin ist erster Kooperationspartner
  • Garmin-Kompatibilität: Edge 540, 840, 1040, Edge 550, 850, 1050 und Edge MTB werden unterstützt – ab sofort im Garmin Public Beta-Programm

Das Imperium schlägt zurück: 120 Nm im CX Gen 5 und CX-R!

Bosch Performance Upgrade 2.0
Bosch

Man könnte meinen, Bosch hätte die Diskussionen der letzten Monate sehr genau verfolgt. Während die Konkurrenz mit immer höheren Drehmomentwerten um sich wirft, hat Bosch bislang auf die bewährten 85 Nm gesetzt – und sich dafür regelmäßig Kritik eingefangen. Damit ist jetzt Schluss.

Mit dem Performance Upgrade 2.0 lassen sich die Performance Line CX (BDU38) und die Performance Line CX-R auf bis zu 120 Nm Drehmoment und 600 % Unterstützung hochschrauben. Das sind satte 41 Prozent mehr Drehmoment als im Ausgangszustand. Die Einstellung erfolgt bequem über die eBike Flow App, wobei der jeweilige Fahrradhersteller den maximal freigegebenen Wert definieren kann.

Der Clou dabei: Bosch gibt die volle Kraft nicht stumpf als Dauersalve frei, sondern setzt auf eine situative, intelligente Kraftentfaltung. Die Fahrsoftware erkennt technisch anspruchsvolle Situationen – etwa eine steile Stufe, eine verblockte Kehre oder ein wurzeliger Anstieg – und stellt die Spitzenleistung gezielt in genau diesen Schlüsselmomenten bereit. Voraussetzung: Der Fahrer muss selbst dynamisch in die Pedale treten. Wer kurzzeitig mehr Eigenleistung bringt, bekommt den entscheidenden Kraftzuschuss. Unmittelbar danach regelt das System wieder auf ein effizientes Niveau zurück.

Das Prinzip dahinter ist durchdacht: Die 600 % Unterstützung greifen nur bis 15 km/h und nur in speziellen Fahrsituationen. So wird die Spitzenleistung dort eingesetzt, wo sie wirklich zählt – nicht auf dem Forstweg bei Tempo 25. Bosch verspricht dadurch nicht nur ein intensiveres Fahrerlebnis, sondern auch geringeren Verschleiß an Kette, Kassette und Freilauf sowie eine optimierte Reichweite.

Wichtig: Die vollen 120 Nm und 600 % stehen ausschließlich den BDU38-Motoren (sprich: CX Gen 5 und CX-R) zur Verfügung. Die älteren BDU37-Varianten (CX und CX Race Ltd.) bekommen immerhin die erhöhte Unterstützung bis 600 %, nicht aber das gesteigerte Drehmoment. Auch die Performance Line SX geht beim Drehmoment-Upgrade leer aus.

Zusätzlich hat Bosch den Extended Boost überarbeitet: Der nachschiebende Schub von bis zu zwei Metern, der beim Überfahren von Hindernissen auch ohne volle Pedalumdrehung unterstützt, lässt sich ab Mitte 2026 pro Fahrmodus individuell einstellen. Ein neuer Schieberegler in der Flow App macht es möglich. Das System reagiert dabei intelligent – kürzer bei kleinen Absätzen, länger und dynamischer bei hohen Stufen. Pedalaufsetzer sollen so endgültig der Vergangenheit angehören.

Und weil Bosch offenbar auch die Spielkinder unter den Trailfahrern nicht vergessen will, gibt es obendrauf noch Trick Check: Die Sensorik im Motor erkennt automatisch Jumps, Wheelies, Manuals und Stoppies, misst Höhe, Distanz, Dauer und Winkel und bestätigt den Erfolg per Signalton. Der letzte Trick wird acht Sekunden lang auf dem Display eingeblendet, in der Flow App sammeln sich alle persönlichen Bestleistungen. Verfügbar auf Kiox 300, Kiox 400C, Kiox 500, Purion 200 und Purion 400.

Mehr Spannung im Antrieb: Drivetrain Tensioner

Eine auf den ersten Blick unscheinbare, in der Praxis aber potenziell sehr wirkungsvolle Neuerung ist der Drivetrain Tensioner. Dahinter steckt eine reine Software-Optimierung, die den Freilauf zwischen Motor und Hinterrad schließt und so den Leerweg am Pedal auf ein Minimum reduziert.

Das kennt jeder eMTB-Fahrer: Man tritt nach einer kurzen Pause wieder in die Pedale, und bevor die Motorunterstützung greift, dreht die Kurbel erst einmal ein Stück ins Leere. In flachem Gelände ist das kein Problem, aber in einer technischen Passage – etwa beim Antritt vor einer Stufe oder beim Herausbeschleunigen aus einer engen Kehre – kann dieser Moment der Verzögerung den entscheidenden Unterschied machen.

Der Drivetrain Tensioner eliminiert genau diese Totzeit. Das Ergebnis: nahezu verzögerungsfreier Kraftschluss und ein deutlich direkteres, agileres Fahrverhalten. Bosch verspricht außerdem einen leiseren Freilauf als positiven Nebeneffekt. In Kombination mit dem Performance Upgrade 2.0 soll die Vorspannung zudem den Freilauf schonen und damit die Lebensdauer des Antriebsstrangs verlängern – weniger Reparaturkosten inklusive.

Stärkerer Antrieb, schneller laden: 12-Ampere-Ladegerät

Bosch Performance Upgrade 2.0
Bosch

Wer mehr Power auf dem Trail abruft, braucht auch schneller wieder vollen Saft im Akku. Bosch liefert die passende Antwort gleich mit: Der neue 12A Charger bringt es auf rund 500 Watt Ladeleistung und lädt damit bis zu dreimal schneller als der bisherige 4A-Charger.

Konkret bedeutet das: Eine PowerTube 800 erreicht rund 50 Prozent Ladestand in etwa einer Stunde. Für die Mittagspause auf der Hütte oder das schnelle Nachladen vor der Feierabendrunde kann das den Unterschied zwischen "reicht noch" und "Akku leer" ausmachen.

Technisch setzt Bosch auf GaN-Halbleiter (Galliumnitrid), die deutlich weniger Abwärme erzeugen als herkömmliche Silizium-Halbleiter. Das ermöglicht ein effizientes Wärmemanagement trotz der hohen Ladeleistung – und hält das Ladegerät trotzdem kompakt. Mit einem Gewicht von unter einem Kilogramm passt der 12A Charger in den Rucksack oder eine kleine Fahrradtasche und ist damit auch auf Mehrtagestouren ein realistischer Begleiter.

Mehr Integration wagen: Ab sofort mit Garmin kompatibel

Bosch Performance Upgrade 2.0
Bosch

Bislang war das smarte System von Bosch eine weitgehend geschlossene Welt: Fahrdaten ließen sich entweder auf den hauseigenen Displays (Kiox, Purion) oder über die eBike Flow App auf dem Smartphone anzeigen. Das ändert sich jetzt grundlegend.

Mit dem neuen Live Data Interface öffnet Bosch sein System erstmals für Geräte und Apps von Drittanbietern. Über Bluetooth Low Energy (BLE) werden Echtzeit-Fahrdaten an kompatible Devices übertragen – darunter Geschwindigkeit, Fahrerleistung, Trittfrequenz, prozentualer Akkustand, Gesamtstrecke und sogar der Status des Diebstahlschutzes eBike Lock.

Garmin ist der erste Kooperationspartner. Zum Start werden folgende Edge-Fahrradcomputer unterstützt:

  • Garmin Edge 550, 850, 1050 (aktuelle Generation)
  • Garmin Edge 540, 840, 1040 (Vorgängergeneration)
  • Garmin Edge MTB (speziell für Mountainbiker)

Für ambitionierte eBiker, die ohnehin mit einem Garmin Edge unterwegs sind, ist das eine echte Bereicherung: Die Fahrerleistung des Bosch-Systems kann direkt auf dem Edge angezeigt werden – ohne dass ein separater Leistungsmesser am eBike installiert werden muss. In Kombination mit Trittfrequenz und Geschwindigkeit lassen sich so gezielt Trainingszonen ansteuern. Dazu zeigt der Edge den Akkustand in Echtzeit an, und die Funktion Garmin eBike Smart Range berechnet die geschätzte verbleibende Distanz auf Basis der geplanten Route.

Bosch betont, dass der Datenschutz oberste Priorität hat: Fahrer entscheiden jederzeit selbst, ob und welches Gerät verbunden wird. Die Integration ist ab sofort im Garmin Public Beta-Programm verfügbar.

Und das Live Data Interface soll erst der Anfang sein: Bosch stellt die Schnittstelle ausdrücklich auch für weitere Drittanbieter bereit – künftig könnten also auch Fitnessuhren, smarte Brillen oder Helme Zugriff auf die eBike-Daten erhalten.

Fazit