Die Kultmarke Steppenwolf ist zurück – und wie! Mit dem Transterra Sport schicken die Wiedergänger ein Trekking-E-Bike ins Rennen, das auf dem Papier nach absolutem Oberklasse-Material klingt: Ein schicker Carbon-Rahmen trifft auf den derzeit wohl meistdiskutierten Antrieb der Branche – DJIs Avinox M2S. Dazu gibt es einen fetten 800-Wattstunden-Akku, eine robuste Enviolo-Nabenschaltung und einen Preis, der mit 5.199 Euro durchaus selbstbewusst daherkommt. Wir haben das Transterra Sport ausführlich durch den Alltag bewegt und verraten, ob hier tatsächlich zusammenwächst, was zusammengehört – oder ob der hohe Kurs am Ende mehr Schein als Sein ist. Übrigens: Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Ich sitze für euch quasi täglich im Sattel und teste fast jede Woche die neusten E-Bikes – mit Motoren von Bosch, DJI, Shimano & Co., vom City-Cruiser bis zum E-MTB. Kurz gesagt: Ich hab’ den besten Job der Welt!
Lust auf ehrliche Tests? Alle getesteten E-Bikes in der Übersicht.
Neugierig, was kommt? Das sind die E-Bike-Neuheiten 2027!
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Kurz & knapp: Steppenwolf Transterra Sport 9.0
- klassisches Trekking-Rad mit Carbon-Rahmen
- 120 mm Federweg, Rahmengröße M oder L
- gemessene 25,5 kg schwer (Größe M)
- Angetrieben von Avinox M2S (bis zu 150 Nm) …
- … kombiniert mit einem nicht entnehmbaren 800-Wh-Akku ...
- … und einer Envilo-Nabenschaltung
- Preis: ab 3899 Euro (Baureihe), 5199 Euro (Testrad)
Steppenwolf Transterra Sport: DJI-Power!

Bosch fürchtet diesen Antrieb - zu Recht: Der Avinox M2S hat Power, ist leise und läuft sehr effizient.
Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum – reden wir über den Elefanten im Raum. Oder besser: den Raketenantrieb im Tretlager. Der DJI Avinox M2S im Steppenwolf Transterra Sport schiebt, als gäbe es kein Morgen mehr. In den regulären Unterstützungsstufen liefert er seine bis zu 150 Newtonmeter und bis zu 1300 Watt Spitzenleistung so seidig-smooth ab, dass man sich unweigerlich fragt, ob hier tatsächlich ein Motor arbeitet oder ob jemand heimlich eine unsichtbare Hand ans Hinterrad gelegt hat. Ruckartiges Anfahren? Fehlanzeige. Lautstärke? Flüsterleise. Laufkultur? Schlichtweg herausragend.
Und dann gibt es da noch den Turbo-Modus. Wer sich traut – und ein gewisses Maß an Abenteuerlust mitbringt – zündet per Knopfdruck quasi den Afterburner: Für 30 Sekunden schießt der Avinox alles durch die Kette, was er hat. Das Ergebnis? Selbst unser Benchmark-Anstieg mit satten 15 Prozent Steigung wird zur mühelosen Fingerübung. In diesem Modus lässt das Transterra sämtliche Mitbewerber-Antriebe schlicht und ergreifend stehen. Wer jetzt allerdings befürchtet, der Avinox sei ein "Witwenmacher", wie man einst gewisse Verbrenner-Motorräder zu betiteln pflegte, der irrt sich. Gewaltig. Die Kraftentfaltung bleibt selbst im Turbo-Modus jederzeit kontrollierbar und berechenbar – hier hat DJI wirklich ganze Arbeit geleistet.
Insgesamt – und das muss man so deutlich sagen – muss sich Platzhirsch Bosch an dieser Front warm anziehen. Das Steppenwolf Transterra Sport ist unser erstes DJI-Trekking-Rad im Test, und der erste Eindruck ist mehr als vielversprechend. Einziger Wermutstropfen: Zur Dauerhaltbarkeit können wir, anders als bei den seit Jahren etablierten Schwaben-Antrieben, noch keinerlei Langzeit-Rückmeldung geben. Das wird die Zeit zeigen müssen.
Etwas schade finden wir hingegen die Akku-Integration: Der dicke 800-Wattstunden-Energiespeicher sitzt fix im Rahmen – eine einfach zugängliche Klappe zum werkzeuglosen Entnehmen, wie man es in der E-Bike-Welt mittlerweile eigentlich gewohnt ist, sucht man leider vergebens. Wer in einer Mietwohnung im dritten Stock ohne Aufzug wohnt und den Akku zum Laden mit nach oben nehmen möchte, schaut in die Röhre. Hier muss das komplette Rad an die Steckdose. Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.
Das Infotainment-Paket verdient eine differenzierte Betrachtung: Das kleine OLED-Display ist kontrastreich, auch bei Sonneneinstrahlung hervorragend ablesbar und reagiert sogar auf Touch-Gesten – soweit, so gut. Allerdings wirken manche Infoseiten etwas arg verschachtelt und nicht immer intuitiv aufgebaut. Man muss sich ein wenig einarbeiten, bis man die gewünschten Informationen auf Anhieb findet. Als Alternative stehen zwei Armaturen mit je zwei Schaltern zur Verfügung, über die sich die wichtigsten Funktionen ebenfalls steuern lassen.
Ausstattung: guter Tourenstandard

Gates-Carbon-Riemen sind in der Trekking-Welt der Goldstandard und sorgen für viele sorgenfreie Kilometer.
Das unbestrittene Highlight des Transterra Sport ist zweifelsohne sein Carbon-Rahmen. Nahtlos gefertigt, toll verarbeitet und in "Atlas Blue Glossy" äußerst wertig lackiert – hier bekommt man schon rein optisch einen Eindruck davon, wo ein Teil des Kaufpreises hingeflossen ist. Und leicht ist das Ganze obendrein: Auf unserer Redaktionswaage zeigte die Anzeige bei der Rahmengröße M mit klobigen Testpedalen gute 25,5 Kilogramm an. Wohlgemerkt: mit dem dicken 800-Wattstunden-Akku an Bord. Das ist nach heutigen Maßstäben ein absolut konkurrenzfähiger Wert für ein vollausgestattetes Trekking-E-Bike.
Weniger euphorisch betrachten wir die Ausstattung im Verhältnis zum aufgerufenen Preis von 5.199 Euro. Shimano liefert Bremsen aus der klassenlosen MT-Serie zu, immerhin mit Vierkolben-Sätteln, was wir ausdrücklich begrüßen. Allerdings verbaut Steppenwolf trotz der brachial möglichen 150 Newtonmeter und 1300 Watt Spitzenleistung lediglich kleine 180-Millimeter-Bremsscheiben. Das funktioniert im Alltag zwar ordentlich, aber besonders schwere Fahrer mit Ambitionen am Berg und/oder ordentlich Zuladung im Gepäck sollten über ein Upgrade auf größere Scheiben nachdenken. Immerhin: Die zulässige Zuladung fällt mit satten 125 Kilogramm erfreulich großzügig aus – umso mehr ein Grund, die Bremsen im Zweifel aufzurüsten.
Der Rest der Ausstattung bewegt sich auf gutem, soliden Tourenniveau: Schwalbe-Reifen in 29 Zoll sorgen für ordentlichen Grip und Pannenschutz, ein starkes Litemove-Licht mit 110 Lux macht die Nacht zum Tag, und tadellose Spritzschützer halten bei Schmuddelwetter die ärgste Gischt vom Fahrer fern. Dass Steppenwolf sogar an eine Vario-Sattelstütze mit integrierter Federung gedacht hat, verdient ein Extralob – das ist im Trekking-Segment keineswegs selbstverständlich und ein echtes Komfort-Plus. Die Kraftübertragung übernimmt ein wartungsarmer Gates Carbon Drive Riemen, der in Kombination mit der Enviolo Heavy Duty Nabenschaltung einen pflegeleichten und robusten Antriebsstrang ergibt.
Etwas zwiegespalten sind wir bei der verbauten RockShox Judy: Zwar lässt sich die Federgabel per Luftkammer auf das individuelle Fahrergewicht einstellen, was grundsätzlich positiv ist. Allerdings fallen die 32-Millimeter-Standrohre für E-Bike-Verhältnisse eher schmal aus. In der Praxis zeigt sich die Gabel dadurch etwas soft – für ein Rad mit dieser Motorleistung und dem potenziellen Einsatzspektrum hätten wir uns einen Tick mehr Steifigkeit gewünscht.
Im Alltag gefahren: Steppenwolf Transterra Sport 9.0

Schade: Das Transterra gibt es nur in Rahmengröße M oder L – und fällt in M eher groß aus.
Fahrerisch kann man dem Transterra Sport allein des DJI-Antriebs wegen kaum etwas vorwerfen. Lautstärke, Power, Laufkultur – hier hagelt es durch die Bank Bestnoten. Der Avinox M2S ist schlicht und ergreifend ein Erlebnis, das man erfahren haben muss, um es zu glauben. Dazu hält der mächtige 800-Wattstunden-Akku Saft für wirklich lange Touren vor. Und dank der bequemen, eher etwas gestreckten denn kerzengeraden Sitzposition geht das auch locker und ohne schmerzenden Rücken über viele Kilometer.
Im Alltag funktioniert auch die Shimano-Bremse tadellos – unsere Empfehlung, für den Fall der Fälle auf größere Scheiben aufzurüsten, bleibt dennoch bestehen. Besser einmal zu viel Bremspower haben als einmal zu wenig, besonders wenn das Gepäck für den Wochenendtrip die Zuladung nach oben treibt. Die Enviolo-Nabenschaltung in der "Heavy Duty"-Variante passt in unseren Augen ebenfalls hervorragend ins Gesamtkonzept: Kombiniert mit der gewaltigen Motorleistung und dem Gates-Riemenantrieb ergibt sich ein tadelloser, langlebiger und vor allem wartungsarmer Alltagsbegleiter. Kein Kettenschmieren, kein Schaltauge-Verbiegen, kein Ärger. Einfach draufsetzen und fahren.
Etwas zwiegespalten sind wir beim Thema Preis-Leistung. 5.199 Euro sind – auch für einen Carbon-Rahmen, den Avinox-Übermotor und die Enviolo-Schaltung – ein Wort. Ein ziemlich gewichtiges sogar. Großserienheld Canyon beispielsweise bietet ein ähnliches Konzept mit Bosch-Antrieb und entnehmbarem Akku für deutlich weniger Geld auf: Rund 4000 Euro werden für das Koblenzer Modell fällig – allerdings "nur" mit Aluminium-Rahmen. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob der Carbon-Rahmen und der brachiale Avinox-Antrieb den Aufpreis von gut 1.200 Euro rechtfertigen. Wer einmal den Turbo-Knopf gedrückt hat, wird diese Frage allerdings vermutlich mit einem breiten Grinsen beantworten.
👍 Das gefällt
- bombastischer Motor, der Bosch in mancherlei Hinsicht überlegen ist
- großer, reichweitenstarker Akku
- robuste, gut funktionierende Nabenschaltung mit prima Bandbreite
- gute Alltagsausstattung
- schöner Carbon-Rahmen
👎 Das weniger
- trotz guter Ausstattung kein Schnäppchen
- kleine Bremsen trotz hoher möglicher Zuladung
- Akku kann nicht werkzeuglos entnommen werden
- nur zwei Rahmengrößen
💗 Das perfekte Rad für ...
- … alle, die ein leichtes, schickes Trekking-E-Bike mit dem derzeit wohl stärksten Antrieb am Markt suchen und bereit sind, dafür tief in die Tasche zu greifen.












