Keine Gänge mehr, trotzdem schalten? Wie Avinox’ neuer Motor das E-Bike neu erfinden will

Avinox MG Concept
Kommt ein Mittelmotor mit integriertem Getriebe?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.06.2026
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Kommt ein Mittelmotor mit integriertem Getriebe?
Foto: Mondraker

Auf der Eurobike 2026 in Frankfurt zeigt Avinox den MG Concept Motor – das erste Konzeptprodukt des Unternehmens. Der Clou: Ein Mittelmotor mit integriertem Getriebe, entwickelt zusammen mit Canyon, Commencal, Forbidden, Mondraker und Megamo. Noch ist vieles vage, aber die Richtung ist klar.

Kurz & knapp: Avinox MG Concept Motor

Avinox
  • Integriertes Getriebe im Mittelmotor – Schalten in unter 0,1 Sekunden, auch unter Volllast und sogar im Stillstand
  • Flexibel schaltbar: Manuell, kadenzbasierter Automatikmodus oder AI+-Modus für schnelles Fahren – gang- oder blockweise Schaltung möglich
  • Nahezu wartungsfrei: Getriebeeinheit soll über die gesamte Lebensdauer ohne Wartung auskommen, hinten reicht eine Single-Speed-Kette oder ein Riemen – kein Schaltwerk, keine Kassette
  • Kompakt und leicht: Neues Systemkonzept soll für eMTB, eTrekking, eSUV, Gravel und mehr funktionieren
  • Natürliches Fahrgefühl: Auch bei einem Systemgewicht von über 150 kg (Fahrer + Ausrüstung + Bike) soll "nichts schwammig" werden
  • Smarter Diebstahlschutz: Echtzeit-Verriegelung des Motors, funktioniert auch ohne Strom
Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur und E-Bike-Experte

Mit Industrie-Playern entwickelt

Avinox geht den MG Concept nicht im Alleingang an, sondern hat sich mit fünf namhaften Herstellern zusammengetan: Canyon, Commencal, Forbidden, Mondraker und Megamo. Dass gleich so viele Marken – darunter mit Canyon ein echter Schwergewichtler – von Anfang an mit im Boot sitzen, zeigt: Die Branche nimmt Avinox ernst. Ferdinand Wolf, Product Experience Director bei Avinox, betont, dass man "mit den Besten der Branche" zusammenarbeite, um "das bestmögliche Fahrerlebnis zu bieten." Klingt nach großen Ambitionen.

Details noch sehr vage

Mondraker

So spannend die Bullet-Point-Liste auch klingt – Stand jetzt bleibt Avinox vieles schuldig. Konkrete technische Daten? Fehlanzeige. Wie viele Gänge das Getriebe haben wird, wie schwer die Einheit ist, wann mit serienreifen Produkten zu rechnen ist – all das verrät Avinox noch nicht. Wir reden hier ausdrücklich von einem Konzeptprodukt. Zwischen einer Konzeptvorstellung auf der Messe und einem fertigen Motor, der tatsächlich in Serienrädern steckt, kann bekanntlich noch einiges an Zeit und Entwicklungsarbeit liegen. Die Kernversprechen – wartungsfreies Getriebe, blitzschnelles Schalten unter Last, universelle Plattform – klingen fast zu gut, um wahr zu sein. Ob Avinox das alles wirklich liefern kann, muss sich erst noch zeigen.

E-CVT-System: kein "klassisches" Getriebe?

Avinox

Auf dem rechten Motorgehäuse steht "E-CVT System" eingestanzt – Automobilisten werden sich (teils anerkennend, teils gruselnd) an die vornehmlich von Honda eingesetzten "stufenlosen" Getriebe erinnern. Denn genau das beschreibt die Abkürzung "CVT" nämlich auch: Continuously Variable Transmission, also ein stufenloses Getriebe. Das "E" davor steht dabei für die elektrische Variante des Ganzen.

Im Automobilbereich haben CVT-Getriebe einen wie eben angedeutet etwas zwiespältigen Ruf: Einerseits sind sie effizient, weil sie stets die optimale Übersetzung wählen können, andererseits sorgt das berüchtigte "Gummiband-Gefühl" – der Motor dreht hoch, aber das Auto zieht erst verzögert nach – bei vielen Fahrenden für Stirnrunzeln. Genau hier wird es spannend: Avinox verspricht mit dem MG Concept ja explizit ein "natürliches Fahrgefühl" ohne schwammiges Ansprechverhalten. Ob das bei einem E-CVT im Fahrrad tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten.

Der entscheidende Unterschied zum Auto-CVT: Beim E-Bike arbeitet der Elektromotor ohnehin in einem anderen Drehzahlbereich und mit anderen Kräften. Das klassische Gummiband-Problem, das im Auto vor allem durch die Kombination aus Verbrennungsmotor und CVT entsteht, muss hier also nicht zwangsläufig auftreten. Zudem passt das Konzept eines stufenlosen Getriebes grundsätzlich hervorragend zum E-Bike: Keine festen Gangstufen bedeutet theoretisch, dass der Motor immer im effizientesten Betriebspunkt laufen kann – gut für Reichweite, gut für ein gleichmäßiges Fahrgefühl. Und es erklärt auch, warum Avinox in der Pressemitteilung von "vollständig anpassbarer Gangschaltung" und verschiedenen Automatik-Modi spricht: Bei einem stufenlosen System gibt es eben keine klassischen Gänge mehr, die man durchklickt – sondern ein kontinuierliches Spektrum an Übersetzungen.

Übrigens: Gobao plant einen sehr ähnlichen Motor

Gobao

Auch Gobao zeigt auf der Eurobike einen Mittelmotor mit integriertem Getriebe. Aber: Ganz so viel Strahlkraft wie Avinox hat der Newcomer nicht – immerhin gibt's schon Handfestes zu Ladezeiten und Leistung. Und die Infos haben es in sich. Hier haben wir alle verfügbaren Infos zusammengetragen:

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