Jahrelang war der E-Bike-Markt klar verteilt: Bosch gab den Ton an, Shimano folgte dicht, Brose und Yamaha folgten mit Respektabstand. Doch 2024 betrat ein brandneuer Akteur die Bühne, den man hier kaum vermutet hätte: DJI, bekannt für seine Drohnen und Kamera-Stabilisierungssysteme. Mit dem "Avinox" getauften System will DJI nicht weniger, als den E-Bike-Antrieb neu zu denken. Wir haben uns das System genau angesehen und stellen die entscheidende Frage: Kann der Tech-Gigant dem Branchenprimus Bosch das Fürchten lehren?
DJI Avinox M2: Power-Upgrade
Der Avinox M1 war schon kein Kind von Traurigkeit, doch der neue M2 legt noch einmal eine Schippe drauf. Mit einer Spitzenleistung von 1.100 Watt und einem maximalen Drehmoment von 125 Nm hat der M2 ordentlich Punch für steile Anstiege und technische Trails. Trotz der Power soll der Motor dank Schrägverzahnung noch leiser sein und störende Klappergeräusche im ruppigen Gelände eliminieren. Mit nur 2,65 kg bleibt er dabei erstaunlich leicht – wenn auch nicht auf dem Niveau des direkten Vorgängers.
DJI Avinox M2S: Das kann der neue Mega-Motor

Kettensprenger: Der Avinox M2 leistet bis zu 150 Nm Drehmoment und wahnwitzige 1500 Watt in der Spitze!
Für alle, denen "viel" nicht genug ist, kommt jetzt der M2S – eine echte Kampfansage an die Konkurrenz. Dieses Aggregat ist das neue Flaggschiff und strotzt nur so vor Leistung: Brachiale 1.500 Watt Spitzenleistung und massive 150 Nm maximales Drehmoment (130 Nm Dauerdrehmoment) schieben dich jeden Berg hinauf, als gäbe es keine Schwerkraft. Damit die Power auch dauerhaft abrufbar bleibt, hat Avinox dem M2S neue Kühlrippen und eine verbesserte Wärmeableitung spendiert. Ein cleveres Doppelzahnraddesign soll zudem das Getriebespiel und den Rückschlag am Pedal eliminieren. Und das alles bei (für die Leistung!) federleichtem Gewicht von 2,59 kg!
So fährt sich die neue Motoren-Generation!

Die Erwartungshaltung war gigantisch: Wenn der M1 schon überzeugen konnte, was passiert dann mit der folgenden Generation?
Ursprünglich stand ich dem Ringen nach maximaler Leistung und höheren Drehmomenten eher skeptisch gegenüber. Wird diese Power überhaupt noch kontrollierbar? Als es dann aufs Rad ging, war die Vorsicht jedoch verflogen. Natürlich habe ich gleich in den Turbo-Modus geschaltet, wenn schon, denn schon. Überraschenderweise waren das Rad und die Power trotzdem gut zu managen.
Kein Zittern, schon beim ersten Pedalkontakt, keine überraschenden Unterstützungsschübe: Avinox oder DJI (wird dass das "X, vormals Twitter" der Bike-Industrie?) haben ihre Hausaufgaben gemacht und keine unkontrollierbare Höllenmaschine geschaffen, sondern einen fein abgestimmten E-MTB-Motor, der neue Kletter-Challenges ermöglicht.
Gibt man dem Motor die Sporen, schiebt er spürbar kraftvoller an als die Vorgängerversion, dann sollte man auch im Uphill den Kopf anheben und stärker als normal auf die Fahrtlinie achten. Teilweise muss man Uphill-Schotterkurven nun sogar anbremsen, um mit den 25 km/h nicht von der Linie zu rutschen. Für geübte Fahrer erhöht das natürlich den Uphill-Flow, Personen, die neu im Sport sind, können aber definitiv von der Power überfordert werden und sollten aus Sicherheitsgründen und eigenem Ermessen den Motor-Output über die App reduzieren.
Weiterhin sind auch einige andere spannende Features verbaut, die sich über experimentelle Funktionen aktivieren und deaktivieren lassen. Überprüfen sollte man, ob die "Wheelie-Control" de- oder aktiviert ist. Das ist ein Tool, das die Unterstützung abschaltet, sollte das Rad einen bestimmten Neigungswinkel erreichen. Schaltet dieses die Unterstützung in einer steilen Kletterpassage unerwartet ab, können unschöne Stürze passieren. Daher: besser nicht nachmachen.
Aber: Die Möglichkeit, solche Tools nutzen zu können, ist auf jeden Fall positiv anzuerkennen und ermöglicht es einem, das eigene Fahrerlebnis anzupassen. Hier könnten sich meiner Meinung nach auch andere Motorenhersteller etwas weiter aus dem Fenster lehnen und den Kunden mehr Kontrolle überlassen. Ein weiteres Highlight ist in meinen Augen die geringere Motorlautstärke und zumindest gefühltermaßen bietet er weniger Trittwiderstand, sollte man die 25 km/h überschritten haben.
Mein erstes Fazit: Ein herausragender Motor mit erstklassiger Personalisierbarkeit. Bleibt abzuwarten, ob er auch im Dauereinsatz bestehen kann, oder ob sich Haltbarkeitsprobleme herauskristallisieren werden.
Neue Akkus: entnehmbar & riesen Range-Extender

Endlich sind die Akkus entnehmbar!
Darauf haben viele gewartet: Avinox bringt endlich entnehmbare Akkus! Die neuen Modelle RS800 und RS600 lassen sich per Schnellverschluss einfach aus dem Rahmen nehmen und bequem in der Wohnung laden.
- Avinox RS800: Der große Bruder mit satten 800 Wh Kapazität für extralange Touren.
- Avinox RS600: Die leichtere Variante mit 600 Wh. Der Clou: Dieser Akku kann zusätzlich als externer Range-Extender am Rahmen montiert werden, was die Reichweite massiv erweitert und Reichweitenangst endgültig der Vergangenheit angehören lässt.
Für Fans von integrierten Lösungen gibt es weiterhin den FP700 mit 700 Wh, der sich dank Schnellladetechnik in nur 1 Stunde und 16 Minuten auf 80 % aufladen lassen soll.
Software: Im Detail verbessert

Das neue Oled-Display kann nun rudimentär navigieren.
Auch bei der Steuerung und Konnektivität tut sich einiges. Die neuen 2-Zoll-OLED-Farbdisplays (DP100-F & DPC100) bringen smarte Features mit:
- Turn-by-Turn-Navigation: Routen aus anderen Apps können importiert und direkt auf dem Display angezeigt werden.
- Herzfrequenz-Steuerung: Koppel einen Pulsgurt, und der Motor passt die Unterstützung automatisch an, um dich in deinem Ziel-Pulsbereich zu halten.
- Apple "Wo ist?"-Integration: Finde dein Bike jederzeit wieder (nur mit DPC100 Display).
Die Avinox Ride App wird ebenfalls aufgewertet und erlaubt nun eine noch tiefere Anpassung von Fahrparametern wie Drehmoment und Unterstützungsstufen. Neue Sicherheitsfunktionen wie ein Alarm bei ungewöhnlicher Bewegung runden das Paket ab.
Die Flut kommt: Diese Hersteller setzen auf Avinox M2 und M2S
Avinox meint es ernst und hat sich eine beeindruckende Liste an Partnern gesichert. Über 60 Fahrradmarken werden die neuen Systeme in ihren Bikes verbauen. Die Liste liest sich wie das Who's Who der Bike-Branche und zeigt, dass der Angriff auf die etablierten Platzhirsche begonnen hat.
Hier nur ein kleiner Auszug der Marken, die auf den Avinox-Zug aufspringen wollen: Canyon, Commencal, Mondraker, Pivot, Propain, Rotwild, Atherton, BH, Forbidden, Thömus, Whyte und viele mehr.
Im Vergleich: Avinox M1 gegen M2, M2s und Bosch!
Kommentar: Quo vadis, DJI?

120 Newtonmeter Drehmoment, bis zu 1000 Watt Spitzenleistung – auf dem Papier klingt der aktuelle DJI-Antrieb nach brachialer Kraft. Und ja: Diese Power ist auf dem Trail definitiv spürbar. Aber das eigentlich Beeindruckende ist etwas anderes.
In unseren zahlreichen Tests zeigt sich der Motor als erstaunlich fein abgestimmt. Trotz der enormen Leistung lässt sich die Unterstützung sehr gut dosieren. Technische Uphills, verblockte Passagen oder enge Kehren? Funktionieren – und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen der Power. Die Nachlaufregelung ist sauber umgesetzt, das System bleibt kontrollierbar. Steilanstiege werden damit fast zur Nebensache.
Natürlich hat die Medaille auch eine Kehrseite. Wer dauerhaft im Boost-Modus unterwegs ist, wird das merken – am Reifenverschleiß und vermutlich auch am Antrieb. Im Dauertest konnten wir das noch nicht final belegen, aber: Beim Schalten unter Last hört man deutlich, was hier an Kräften wirkt. Da knallt es schon mal im Gebälk.
Unterm Strich hat DJI mit dem Avinox-System dennoch einen echten Volltreffer gelandet. Das Gesamtpaket wirkt durchdacht: vom gut integrierten Touchdisplay über sinnvolle Features wie Diebstahlschutz bis hin zur intuitiven App. Auch das Schnellladegerät passt ins Bild – kurze Ladezeiten, schnell wieder auf den Trail.
Dazu kommt: Die Bikes überraschen mit ihrem Gewicht. All-Mountain-Modelle um 21 Kilo sind aktuell möglich – trotz großer Akkus mit 600 oder 800 Wattstunden. Das ist eine Ansage.
Klar ist aber auch: In Sachen Verfügbarkeit und Modellvielfalt liegt DJI noch hinter den etablierten Playern zurück. Die großen Bike-Marken zögern teilweise noch, aktuell setzen eher kleinere Hersteller auf das System. Doch genau das dürfte sich schnell ändern.
Denn eines ist offensichtlich: Dieses Konzept funktioniert. Und es setzt die Konkurrenz – allen voran Bosch – ordentlich unter Druck.
DJI Avinox M1: Das kann der Motor
Der neue Motor von Drohnen-Profi DJI ist mit nur 2,52 kg sehr leicht, liefert aber enorme Power. Er bietet 105 Nm "Dauer"-Drehmoment, im Turbo sind es gar kurzzeitig bis zu 120. Irre auch: Per Firmware-Update steigt die Spitzenleistung auf bis zu 1000 Watt. Dank zehn Sensoren, die Fahrer und Rad in Echtzeit überwachen, reagierte er in unseren Tests trotzdem extrem feinfühlig und natürlich. Zudem konnte er seine Hitzebeständigkeit unter Beweis stellen und zeigte auch bei langen, steilen Anstiegen keinen Leistungsverlust.
DJI Avinox M1: Dicke Akkus, schnell geladen
Das System ist mit 600-Wh- oder 800-Wh-Akkus erhältlich, wobei der große Stromspeicher mit nur 2,87 kg beeindruckend leicht ist. Ein echtes Highlight ist die Ladezeit: Dank Schnelllader ist der 800-Wh-Akku in nur 1,5 Stunden von 0 auf 75 % geladen. Diese Effizienz zahlt sich auch bei der Reichweite aus, die im Test mit fast 2000 Höhenmetern im Turbo-Modus überragend war.
Software: Mit allen Wassern gewaschen!
Auch bei der Software überzeugt DJI auf ganzer Linie. Das brillante OLED-Display im Oberrohr dient als zentrale Schnittstelle und zeigt nützliche Daten wie die minutengenaue Restladedauer an. Über die mächtige und intuitive App lassen sich alle Fahrmodi bis ins kleinste Detail individualisieren. Gesteuert wird das System über zwei kabellose Remotes am Lenker, ergänzt durch smarte Features wie die "Auto-Hold"-Schiebehilfe, die das Bike am Berg sichert.
Fahrbericht: So gut ist der Motor wirklich!
Im Fahrtest zeigt der Motor zwei Gesichter: In der Ebene agiert er flüsterleise und so natürlich, dass das Ein- und Aussetzen der Unterstützung kaum spürbar ist. Am Berg verwandelt er sich jedoch in ein wahres Uphill-Monster, das seine volle Kraft entfesselt, wenn es mit hoher Trittfrequenz gefordert wird. Trotz der enormen Power bleibt er stets sensibel und gut kontrollierbar. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Gesamtpaket, das den Avinox als hochgradig sensiblen, ausdauernden und perfekt individualisierbaren Antrieb positioniert, der zur absoluten Marktspitze gehört.




















