Leichter, agiler & umweltfreundlich: Dieses Traum-E-Bike hat nur einen Haken

Focus Jam² Next im Test
Serienreif, aber chancenlos

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.07.2026
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Gute Ideen brauchen manchmal vermutlich einen zweiten Anlauf, bis sie final Realität werden können. Focus' Jam² Next könnte eine solche sein. Für das E-All-Mountain plante der Hersteller eine auf 200 Exemplare limitierte Kleinserie. Auf den Markt kommt das Bike nun leider (vorerst) jedoch nicht: Rein4ced, belgischer Hersteller des Hauptrahmens aus thermoplastischem Carbon, ging insolvent.

Detailaufnahme des Rahmens und Steuerrohrs eines Focus Jam2 Next E-Mountainbikes mit Fox-Federgabel.
Benjamin Zoeller

Kurz & Knapp: Focus Jam² Next

  • 160/150 mm Federweg
  • Bosch Performance CX Gen 5, 600-Wh-Akku
  • Carbon/Alu-Rahmen
  • Gewicht: 23,87 kg (Größe L)
  • Preis: 8999 Euro

Focus Jam² Next: Ausstattung und Geometrie

Dennoch: Die ehrgeizige Umsetzung des Jam²-High-End-Modells Next stellt einen wichtigen Fingerzeig in Richtung umweltfreundlicher Carbon-(Rahmen-)Produktion dar. Die nämlich ist mit dem klassischen Carbonfertigungsprozess, bei dem die Carbonfasern hochfest mit Epoxidharz verbunden werden, aus ökologischer Sicht grässlich. Da die Bestandteile herkömmlicher Carbonchassis nicht voneinander gelöst werden können, landen Carbonteile bei "Lebensende" auf der Mülldeponie, werden unter hoher Temperatur verbrannt oder als billiges Füllmaterial weitergenutzt. Anders der Thermoplast-Carbonrahmen des Jam² Next: Unter Hitze kann das Thermoplast-Carbon immer wieder eingeschmolzen, die Werkstoffe wiedergewonnen und für neue Produkte weitergenutzt werden.

Außerdem spricht für den Next-Thermoplast-Carbon-Hauptrahmen der Gewichtsvorteil: rund ein Kilo leichter ist er als die Aluvariante des Jam², so Focus. De facto ist das Jam² Next mit 23,9 kg deutlich leichter als das Alu-Äquivalent, beide ausgestattet mit Bosch-600-Wh-Akku.

Wir konnten ein Exemplar aus der existierenden Miniserie des "grünen" E-Fullys testen und, um es vorwegzunehmen: Die starken Allroundfahreigenschaften des Jam² Next wären absolut serienreif. Aber– der Reihe nach.

Fahreindruck am Focus Jam² Next

Was mit den ersten Antritten und auf kurvigen Trails auffällt, ist die neue Lebendigkeit und gesteigerte Verspieltheit des Next. Ein direktes Resultat des leichteren Bikes, nebst der tiefen Akkuposition im Rad, die einen günstigen Schwerpunkt ermöglicht.

Per durchschnittlich langem 480-mm-Reach platziert das Focus einen mittig über dem Bike, weshalb man es in Steilpassagen präzise durch Turns steuert. Dank schluckfreudigem, komfortablem Fox-Luftfahrwerk klebt das Bike bei wuchtigen Schlaglöchern und Full-Speed sicher am Boden, während der 65-Grad-Lenkwinkel solide Laufruhe herstellt.

Zugleich ist das Jam² aber keine Enduro-Ballermaschine für die schroffsten Trails. Vielmehr ist es ein spaßiges, Geometrie-seitig kürzer gezeichnetes Trailbike, das bei hohem Speed in groben Downhills etwas mehr Aufmerksamkeit am Focus-Carbon-Cockpit verlangt.

Das Parts-Ensemble des Next funktioniert insgesamt super. Mittels Shimanos elektronischer XT Di2 schaltet man seidenweich, kann das Bike mithilfe der extra grippigen Schwalbe-Radial-Reifen im Grenzbereich gut kontrollieren – und per XT-Vierkolben-Bremsen punktgenau verzögern.

Im Uphill-Modus agiert das Next ebenfalls leistungsstark, klettert dank bärenstarkem Bosch-CX-5-Motorschub (mit Boschs Motorupdate jetzt bis zu 120 Nm Drehmoment), gut steilem 76,5-Grad-Sitzwinkel plus traktionsstarkem Hinterbau zügig gen Trail-Head. Dabei bleibt der satte Motor-Wumms im Turbo-Modus Boschtypisch gut zu dosieren. Chapeau! Allein in kniffligen, technischen Steilanstiegen agiert das Focus Jam² Next teils fast zu agil und wuselig, verlangt somit auch hier etwas mehr Fahrereinsatz.

👍 Das gefällt

 recyclebarer Carbonrahmen

 top Allround-Eigenschaften

 verspielt und lebendig

 komfortables Fahrwerk

 kräftiger, gut dosierbarer Bosch-Motor

 hochwertige Parts

👎 Das weniger

 keine Serienproduktion geplant

 bei Highspeed etwas nervös