Seit einigen Wochen gibt es für viele Pendlerinnen und Pendler Ärger an der Zapfsäule: Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Preise für Benzin und Diesel durch die Decke gegangen – wer nicht gerade per E-Auto unterwegs ist (am besten noch mit eigener PV-Anlage auf dem Dach), muss fürs Tanken deutlicher tiefer in die Tasche greifen. Manch einer schaut sich da nach Alternativen zum Auto um – zumal der Frühling mit milden Temperaturen lockt. Eine Möglichkeit: mit dem Fahrrad die Arbeits- und Alltagswege zurücklegen. Besonders dafür geeignet: das Gravelbike. Und damit an Regentagen nicht der innere Schweinehund gewinnt am besten: ein vollausgestattetes Gravelbike.
So wie das Daily Grinder 3 der Kölner Fahrradmarke Bulls. Der Aluminium-Rahmen wurde komplett überarbeitet und ist mit UDH-Standard, integrierten Schaltzügen und Bremsleitungen sowie großer Reifenbreite technisch up-to-date. Ins Auge stechen für Pendlerinnen und Pendler aber eher die Schutzbleche, der Gepäckträger, die fest intstallierte Lichtanlage samt Nabendynamo und der Radständer. Wir haben das Daily Grinder 3 beim Pendeln ausgiebig getestet. Unsere Erfahrungen? Siehe unten.

"10 Years of Gravel Bike Experience" - der Jubiläumsschriftzug prangt stolz auf dem Unterrohr.
Kurz & knapp: Bulls Daily Grinder 3
- überarbeiteter Aluminiumrahmen jetzt mit UDH-Montagestandard
- Bulls Machete Carbongabel mit Montageösen
- Shimano GRX 822/610 1 × 12 und 10–51er Kassette
- integrierte Zugverlegung
- 45 mm breite Schwalbe G-One Comp-Pneus
- Reifenbreite jetzt bis 45 mm möglich
- Laufräder: Ryde Road 21 Disc
- Frontlicht Fuxon FS-70, 70 Lux
- zulässiges Gesamtgewicht 135 kg
- Preis: 1799 Euro
Was ist neu am Bulls Daily Grinder 3?
Das Gravelbike, das seit 2016 die Gravel-Szene mitprägt, bekommt im Jubiläumsjahr ein ordentliches Upgrade verpasst. Die wohl größte Veränderung im Vergleich zum Vorgänger, von dem wir in unserem letztjährigen Test schon angetan waren, sind die breiteren Reifen. 45 mm Schwalbe G-One Comp sind werksseitig montiert (vorher 40 mm G-One Allroad). Das sorgt nicht nur für besseren Grip, sondern auch für mehr Komfort, wenn es auf weniger befestigte Wege geht. Auch die Schaltung hat ein Update bekommen: Mit der Shimano GRX 1 × 12 40T ist das neue Daily Grinder 3 nicht nur für den Alltag gewappnet, sondern durchaus für ernsthafte Offroad-Abenteuer geeignet. Die breite Kassetten-Abstufung (10–51, beim Vorgängermodell 10–41) bringt eine Vielseitigkeit mit, die viele Fahrer im Gelände zu schätzen wissen.
Das Daily Grinder 3 setzt auf moderne Standards: Leichter Aluminiumrahmen, Carbongabel und Steckachsen sowie der UDH-Standard sollen ein angenehmes Fahrgefühl, viel Stabilität und Sicherheit für zukünftige Montage von Schaltgruppen bieten, während die zahlreichen Montagepunkte (für Taschen, Zubehör und Gepäckträger) das Fahrrad für lange Touren oder den Pendelverkehr in der Stadt flott machen sollen.

Das Bulls Daily Grinder 3 im Einsatz. Praxiseindrücke siehe weiter unten im Artikel.
Auch auf Details wurde bei der neuesten Generation geachtet. So ist die Zugführung nun komplett integriert, die Gabelspitzen verkleidet. Das bietet seinem Vorgänger gegenüber einen deutlich sauberen Look. Und: Das zulässige Systemgewicht aus Fahrer, Gravelbike und Gepäck erhöht sich um 10 kg auf nun 135 kg.
Komplette Ausstattung für den Alltag
Bulls hat das Daily Grinder 3 mit allem ausgestattet, was für den Alltag notwendig ist. Dazu gehören 55 mm breite Schutzbleche, eine Fuxon-Lichtanlage mit Nabendynamo und 70 Lux und der praktische Usus U-Mount 44 Seitenständer, der auch bei Beladung für sicheren Stand sorgt. Die SP-Connect-Halterung für Smartphones am Vorbau soll das Paket abrunden.

Dezente Farben geben den Ton an beim 2026er Jahrgang des Daily Grinder 3.
Überraschender Preis
Trotz der großzügigen Ausstattung bleibt der Preis des ab sofort in drei Farben erhältlichen Bulls Daily Grinder 3 mit 1.799 Euro erstaunlich fair für ein Gravelbike dieser Klasse. Kostete der Vorgänger noch 2299 Euro, bietet Bulls hier viel Fahrrad für weniger Geld und könnte somit ein echter Preis-Leistungs-Knüller werden.
Erhältlich ist das Bulls Daily Grinder 3 in drei Rahmenfarben und vier Rahmengrößen. Übrigens: Als Daily Grinder 1 und Daily Grinder 2 gibt es das Rad etwas einfacher ausgestattet auch zu kleineren Preisen, darüber hinaus gibt es drei Grinder-Varianten ohne Schutzbleche, Gepäckträger, Lichtanlage und Radständer. Und wie schlägt sich das Bulls Daily Grinder 3 nun in der Praxis?

Unter hohen Spritpreisen und Bewegungsmangel leiden? Dann doch lieber auf einem vollausgestatteten Gravelbike wie dem Bulls Daily Grinder 3 auf dem Arbeitsweg Kilometer fressen und Fitness aufbauen!
Praxistest: Bulls Daily Grinder 3
Beim Blick auf die Waage erschrickt der an leichte Rennräder gewöhnte Redakteur zunächst: 13,96 Kilogramm wiegt das Bulls Daily Grinder 3 in Rahmengröße L – die Vollausstattung fordert ihren Tribut. In der Größe einstellen lässt sich das Rad schnell und einfach – dank einer klassischen Sattelklemme statt einer fancy versteckt-integrierten Lösung. Auch grundlegende Wartungsarbeiten wären einfach möglich: Geschraubte BSA-Tretlagerschalen lassen sich einfach ausbauen, Kurbel und Lager entsprechend schnell fetten, die Bremsleitungen und der Schaltzug sind unter dem Vorbau geführt und nicht vollintegriert.

Klassisches BSA-Tretlager am Bulls Daily Grinder, dazu schöne Schweißnähte und eine ansprechende Lackierung.
Vor der Jungfernfahrt streift der Blick erst einmal ausgiebig über das Rad. Ins Auge sticht sofort der optisch ansprechende Aluminiumrahmen: sichtbare, aber saubere Schweißnähte, harmonisch zueinander passende Rohrdimensionen, eine schicke Lackierung (in unserem Fall light green marbled black). Das Oberrohr ist stark gesloopt, zahlreiche, trotz Schutzblechen und Gepäckträger noch nicht belegte Anschraubpunkte zeigen, dass das Daily Grinder 3 für viele Schandtaten zu haben ist – und neben dem täglichen Weg zur Arbeit auch die Bikepacking-Reise quer durch Europa im Bereich des Möglichen liegt.

Fest installierte Schutzbleche halten Beine, Hintern und Füße trocken - womöglich der entscheidende Faktor, wie viele Jahreskilometer am Ende zusammenkommen.
Im Sattel wird dann auch direkt auf den ersten Metern klar, dass es sich um ein Gravelbike handelt, das Kilometer machen will – und keine Rennen gewinnen: Die Sitzposition ist auffallend kurz und aufrecht, dank langen Radstands, langer Kettenstreben und flachem Lenkwinkel ist der Geradeauslauf stark ausgeprägt. Insbesondere die Front ist sehr hoch, die Sattelüberhöhung überschaubar. Greift man in den Unterlenker mit geringem Drop, hat man nicht das Gefühl, auch tatsächlich sehr viel tiefer oder geduckter auf dem Rad zu sitzen.
Der mit 71 Grad recht flache Lenkwinkel trägt neben dem hohen Gewicht dazu bei, dass das Rad eher mit Nachdruck in Kurven gelegt werden will. Dank steilem Sitzwinkel sitzt man kompakt über dem Tretlager und bringt ordentlich Power aufs Pedal, Beweglichkeit zieht das Rad aber vor allem aus dem mit 70 Millimetern ungewöhnlich kurzen Vorbau – weniger aus einem dem Rad inne wohnenden Vortrieb.

Der Vorbau ist mit 70 Millimetern bei Rahmengröße L auffällig kurz. Die Klingel macht die Piste frei.
Spätestens berghoch bremst das hohe Komplettradgewicht aus: Auf der oft gefahrenen Arbeitsstrecke mit 450 Höhenmetern fallen die Anstiege deutlich schwerer als gewohnt. Dafür bleiben Hintern und Füße trotz Regens und aufgeweichter Schotterwege trocken – den ebenso breiten wie stabilen Schutzblechen sei Dank. Bergab schiebt das Gewicht ordentlich, die hydraulischen GRX-Scheibenbremsen verzögern aber zuverlässig und gute dosierbar. Was das Handling angeht, rutscht man vor allem bergab unwillkürlich sehr weit nach hinten im Sattel, um besser lenken zu können.

Der Shimano GRX 1x12-Antrieb ist eine Mischung der GRX410-, 610- und 810-Reihen, kombiniert aber auch Shimano Deore-Teile. Die Bandbreite der Übersetzung ist groß, die Abstufung in Ordnung.
Der Shimano GRX 1x12-Antrieb mit einzelnem 40er-Kettenblatt vorne und Shimano Deore 10-51-Kassette entpuppte sich in der Praxis als gute Wahl: Berghoch waren immer genug Gänge zur Verfügung, um flüssig zu treten, bergab ließ es sich bis über 50 km/h hinaus immer gut pedalieren, die Gangsprünge waren mitunter groß, aber immer noch gut verträglich. Tatsächlich gefiel der in sich stimmige 1-fach-Antrieb sogar besser und fügt sich schlüssig in das auf die wesentlichen Anforderungen fokussierte Daily Grinder 3-Konzept, als es ein 2-fach-Antrieb tun würde.

Ein ShutterPrecision PL-7 CL Nabendynamo versorgt die Fuxon FS-70-Frontleuchte mit Energie. Die 70 Lux LED-Leuchte erhellt dunkle Feldwege und sorgt für Sichtbarkeit im Straßenverkehr - mit Schalter, Sensor und Tagfahrlicht.
Positiv: Der Komfort im (zudem recht bequemen) Sattel ist ordentlich, auch die 45 Millimeter breiten Schwalbe-Reifen dämpfen gut. Die Lichtanlage, die einfach per Knopf auf der Rückseite der Lampe bedient wird, leuchtet in zwei Leuchtmodi außerorts dunkle Feldwege gut aus, innerorts erhöht sie die Sichtbarkeit und vermittelt dadurch ein gutes Gefühl.

Der Gepäckträger von Bulls ist nicht zu wuchtig, hinten leuchtet ein Fuxon RZ-60 Rücklicht.
Am Ziel zeigt der Blick auf die Uhr: Gegenüber der Fahrt mit einem leichten Race-Gravelbike dauert die Fahrt zur Arbeit auf der Standardstrecke zehn Minuten länger. Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Das Bulls Daily Grinder 3 ist nicht dahingehend konzipiert, bei idealen Witterungsbedingungen Rekorde zu brechen, sondern tagaus, tagein und auch bei ungemütlichem Wetter Kilometer zu fressen und den inneren Schweinehund zu überwinden.

Bulls Daily Grinder 3: vollausgestattetes Gravelbike für Pendeln und Bikepacking, erhältlich in drei Farben und vier Rahmengrößen für 1799 Euro. Zwei weitere vollausgestattete Versionen sind erhältlich, darüber hinaus drei Varianten als reine Gravelbikes ohne Schutzbleche, Gepäckträger, Lichtanlage und Ständer.
Insofern stellt sich auch die Frage, für wen das Bulls Daily Grinder 3 eine Empfehlung ist und für wen eher nicht. Nach unseren Eindrücken sagen wir: Wer schon etwas Erfahrung mit Gravelbikes oder Rennräder mitbringt, den Rausch der Geschwindigkeit liebt und ein sportlich-agiles Fahrgefühl sucht, ist mit dem Daily Grinder 3 vermutlich nicht ideal beraten. Wer hingegen Gravelbike-Einsteiger:in ist, nicht gleich auf ein zu nervöses oder leichtes Rad steigen will und/oder Wert auf eine aufrecht-entspannte Sitzposition legt, sollte sich das Rad einmal anschauen. In Pendler-Typen gesprochen: Wer immer eher spät dran ist und kräftig in die Pedale treten muss, um pünktlich zu sein, greift zu einem anderen Rad. Wer gerade eben nicht verschwitzt und ausgepumpt am Ziel ankommen will, weil dort womöglich keine Dusche bereit steht, ist ein potenzieller Daily Grinder 3-Kandidat. Und kann damit auch auf Weltreise gehen. Angesichts der Spritpreise die aktuell vielleicht günstigste und schönste Art zu reisen.





