Schmolke: In Rennradfahrer-Kreisen steht der Name seit mehr als 30 Jahren für Carbon-Leichtbau auf allerhöchstem Niveau, vor allem in Sachen Laufräder und Anbauteile. Doch seit 2022 zählen auch Kompletträder zum Sortiment – allen voran das superleichte Leggerissima (wir berichteten hier), das nur 5,4 Kilogramm auf die Waage bringt und damit zu den aktuell leichtesten Rennrädern zählt.

Ich fahre seit mittlerweile rund 25 Jahren Rennrad und bin seit rund 10 Jahren für die Radtests verantwortlich. In dieser Zeit habe ich mehrere Hundert Rennräder aller Klassen und Kategorien gefahren. Auch in meiner Freizeit bin ich auf dem Rennrad unterwegs, mit ca. 7000 bis 8000 km pro Jahr, gerne im Schwarzwald, aber auch in den Alpen bei ausgedehnten Pässetouren und Rennen, wie dem Granfondo La Fausto Coppi.
Jüngster Spross der Firma um Carbon-Pionier Stefan Schmolke ist der Aero-Renner Aerrow 2.0, der aber – extrem beachtlich – trotz aerodynamischer Rohrprofile und höherer Carbon-Felgen nur 5,69 Kilogramm auf die ROADBIKE-Waage bringt. Dabei ist der Rahmen gar nicht mal rekordverdächtig leicht; laut Schmolke wiegt er in Größe M 705 Gramm und damit deutlich mehr als die aktuelle Referenz, das Addict RC Ultimate mit 599 Gramm. Zusammen mit der 351 Gramm schweren Gabel ergibt sich so für das Aerrow 2.0 ein Set-Gewicht von 1056 Gramm. Am Ende machen die extrem noblen und besonders leichten Anbauteile den Unterschied.
Angefangen mit den von uns mit 1911 Gramm gewogenen Schmolke-TLO-Carbon-Laufrädern über die Clavicula-Carbon-Kurbel von THM bis hin zu Schmolkes Frontale Aero-Cockpit und dem superschlanken Schmolke Carbon-Sattel (der sich deutlich bequemer fährt, als es das Material vermuten lässt). Kehrseite der Medaille: Die grazilen Bauteile setzen besondere Sorgfalt bei Wartung und Montage voraus, sonst ist schnell ein mehrere Hundert Euro teures Teil hinüber.

Die D-Shape-Carbon-Sattelstütze stammt aus eigenem Haus und bietet sehr ordentlichen Sitzkomfort.
Dass sich der Aufwand lohnt, spürt man indes sofort: Dank der leichten Laufräder beschleunigt das Aerrow 2.0 explosiv und schießt nach wenigen Pedaltritten nur so nach vorn. So präsentiert sich das Aerrow 2.0 als ausgesprochen sprintstark, zumal sich auch der Rahmen als ausreichend steif erweist, um kräftige Antritte in Beschleunigung umzusetzen.
Dazu passt die sportliche Sitzposition mit kurzem Steuerrohr und ausgeprägter Sattelüberhöhung samt schmalem 38er-Lenker. Allerdings notierten die Tester auch, dass mit der Clavicula-Kurbel Kettenblattwechsel nicht ganz so geschmeidig erfolgen wie mit einem Dura-Ace-Modell.
Neben der fulminanten Beschleunigung und der Tempohärte beeindruckt vor allem die Bergauf-Performance des Aerrow 2.0. Egal wie steil sich die Straße nach oben windet, das Rad nimmt alles mit faszinierender Lässigkeit. Fast fühlt man sich schwerelos. Nur bei hohem Tempo bergab fehlt es den Laufrädern etwas an rotierender Masse, um das Rad besser zu stabilisieren. Auch kurzer Radstand und kurze Kettenstreben machen das Rad sehr agil, was eine geübte Hand am Lenker erfordert.
👍 Das gefällt
Das Aerrow bietet Leichtbau auf höchstem Niveau. Bergauf beeindruckt es mit fast schon spielerischer Überlegenheit.
👎 Das weniger
Die grazilen Anbauteile erfordern bei Montage und Wartung besondere Sorgfalt und verzeihen keine Fehler.
♥️ Das perfekte Rad für...
... alle, denen es um wirklich jedes Gramm geht und die bereit sind, sich einen superleichten, kletterstarken Renner auch etwas kosten zu lassen.

* Größe L





