Wenn die Ingenieure von Pirelli in der Nähe von Mailand tüfteln, weht meist ein Hauch von Formel-1-Luft durch die Hallen. Mit dem P Zero Race TLR RS hat Pirelli einen Rennradreifen am Start, der in direkter Zusammenarbeit mit den Athleten der World-Tour-Teams entstanden ist. Gefertigt wird das schwarze Gold in Pirellis historischem, frisch modernisiertem Werk in Bollate – und ist somit 100 % "Made in Italy". Doch was steckt drin in der Italo-Pelle?

Seit vielen Jahren fahre ich mit großer Leidenschaft bei jeder Gelegenheit mit dem Gravelbike oder dem Rennrad. Ob es die Schotter-Hausrunde ist, die Ausfahrt mit dem Radsportverein oder episch lange Touren bei Ultracycling-Events – meist kommen so am Jahresende um die 14.000 Kilometer zusammen.
Auch als Redakteur, wo immer wieder neue Räder aller Art getestet werden, lassen sich spannende Entwicklungen ausmachen. Herauszufinden, wo der Mehrwert liegt, sich Räder vom Vorgänger unterscheiden oder neue Produkte auszuprobieren und sie der Leserin und dem Leser verständlich vorzustellen, sind mein Ansporn, dem ich mit viel Begeisterung nachkomme. Denn auch als Redakteur bin ich genauso ein Verbraucher, wie jeder andere und möchte selbst möglichst alles über neue Produkte zu unserem liebsten Hobby erfahren.
Kurz & knapp: Pirelli P Zero Race TLR RS
- Getestete Reifenbreite 30-622
- Gewicht: 312 Gramm
- Karkasse mit 120 TPI
- Tubeless-Ready (TLR)
- Editionen: Erhältlich in den Varianten Standard, Classic, Retro und Team Edition
- Preis UVP: 94,90 Euro
Motorsport-Grip trifft Aramid-Schutz
Das Herzstück des P Zero Race TLR RS ist das überarbeitete SmartEVO²-Compound. Für diese Gummimischung hat Pirelli tief in die hauseigene Motorsport-Trickkiste gegriffen und eine Mischung aus drei verschiedenen Polymeren kreiert. Das Versprechen der Italiener: Der Rollwiderstand soll auf ein Rekordniveau in dieser Reifen-Kategorie sinken, während der Grip – egal ob bei knochentrockenen oder nassen Bedingungen – nochmals spürbar zulegen soll.
Damit der Pneu auf fiesem Asphalt nicht direkt in die Knie geht, setzt Pirelli auf eine 120-TPI-Karkasse, kombiniert mit der sogenannten SpeedCore-Technologie. Der Clou: Die dünne, luftdichte Gummischicht auf der Innenseite des Tubeless-Ready-Reifens ist mit Aramidpartikeln angereichert. Das soll nicht nur den Pannenschutz und die mechanische Widerstandsfähigkeit massiv erhöhen, sondern den Reifen auch angenehm flexibel halten und die Luft besser halten verbessern.
Schnell und nachhaltig im Profi-Peloton
Ein Novum im High-Performance-Bereich: Der P Zero Race TLR RS ist der weltweit erste Reifen für den Profiradsport, der mit FSC-zertifiziertem Naturkautschuk gebacken wird. Gut 23 Prozent des Reifengewichts entfallen auf das nachhaltig gewonnene Material, erklärt der Hersteller.
Apropos Gewicht: In der von uns getesteten, angesagten 30-Millimeter-Breite (30–622) bringt der Reifen wettkampftaugliche 312 g auf die Waage. Erhältlich ist der Reifen je nach optischer Vorliebe in Standard, Classic, Retro oder als Team Edition.

Wir haben den schnellen Pirelli P Zero Race TLR RS in 30 mm getestet.
So fährt sich der Pirelli-Pneu
Papier und Hersteller-Versprechen sind das eine – doch wie schlägt sich Pirellis Top-Reifen, wenn es wirklich um Watt, Kurvenhalt und Pannenschutz geht? Wir haben den P Zero Race TLR RS auf die Straßen NRWs geschickt und rund 1200 Kilometer mit den unterschiedlichsten Bedingungen abgespult.

Wenig Verschleiß, hier am Hinterrad, nach 1200 km zu verzeichnen. Dafür hervorragende Rolleigenschaften.
Dabei war die Montage auf Storck Zeitjäger 47 R-Laufrädern mit etwas Kraftaufwand verbunden. Dass dies jedoch kein 08/15-Reifen ist, stellt sich schnell heraus. Roll- und Racefreudig, satter Grip auf der Straße und bei Kurvenfahrten vermitteln ein erfreulich beruhigendes, sicheres Gefühl. Selbst die Herausforderung feuchter Straßen nimmt er klaglos an. Somit kann schnell ein Haken hinter drei von vier Punkten gemacht werden, die ein ambitionierter Rennradfahrer einfordert. Daher würden wir ihn wegen seiner Performance direkt neben den Top-Reifen von Continental und Schwalbe einordnen.
Als vierter Punkt auf der Liste steht der Pannenschutz. Wir konnten bis dato auf rund 1200 Kilometern dahingehend keine Panne verzeichnen. Dabei wurden auch Asphaltwege mit fiesen Kieselsteinchen befahren oder kurze, feine Schotterwege, wo die Chance auf eine Panne durchaus gegeben ist. In unserem Test war stets Verlass auf den italienischen Pneu, was zu einem guten Sicherheitsgefühl beitrug. Auch dieser Punkt kann somit erfolgreich abgehakt werden.

Besonders auffällig: der satte Grip auch in rasanten Kurvenlagen.
Der Verschleiß, sprich der Abrieb des P-Zero Race TLR RS fällt bislang erfreulich gering aus. Daher würden wir dem Pneu noch einige tausend Kilometer zutrauen, ohne dass er Leistungseinbußen verzeichnen dürfte. Prima.
Rolleigenschaften/ Performance
satter Grip
Im Test pannenunauffällig
nachhaltige Produktion
verschleißarm
Montage
hoher Preis





