Nur 17 Kilo & Carbon-Rahmen: Der Haken an diesem E-Bike ist ein echter Dealbreaker

Tezeus C8 im Test
So gut ist das supersmarte E-Bike im Alltag!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.06.2026
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Das Tezeus C8 will nichts weniger als das smarte City-E-Bike der Zukunft sein: Ein Carbonrahmen, ein integrierter Mittelmotor, Riemenantrieb mit automatischer Nabenschaltung, ein großes Display und jede Menge vernetzte Technik. Auf dem Papier liest sich das beeindruckend – doch wie schlägt sich das schicke Stadtrad im Alltag? Wir haben das C8 durch Stuttgart bewegt und dabei Höhen und Tiefen erlebt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Übrigens: Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur und E-Bike-Experte

Kurz & knapp: Tezeus C8

  • City-E-Bike mit Vollausstattung und Carbonrahmen
  • One-Size-Rahmen (empfohlen von 1,65 bis 1,95m)
  • gemessene 17 kg schwer, 110 kg zulässiges Systemgewicht
  • Angetrieben von eigenem Mittelmotor (75 Nm) ...
  • ... kombiniert mit einem entnehmbaren 360-Wattstunden-Akku
  • 3-Fach-Automatik-Nabenschaltung
  • Preis: 3299 Euro (derzeit im Angebot für 2699 Euro)

Tezeus C8: Toller Rahmen, großer Akku

Tezeus C8 im Alltagstest!
Moritz Schwertner

Beim ersten Kontakt mit dem Tezeus C8 fällt sofort der Carbonrahmen ins Auge – und das nicht nur, weil das Wort "Carbon" bei günstigen E-Bikes immer noch exotisch klingt. Rahmen und Gabel bestehen aus Kohlenstofffaser, was maßgeblich dazu beiträgt, dass das komplette Rad inklusive Akku und Seitenständer nachgewogen nur gut 17 Kilo auf die Waage bringt. Im City-E-Bike-Segment ist das bemerkenswert leicht. Auch designtechnisch ist das C8 ein echter Hingucker. Unser Testrad kam in der Farbvariante Schwarz/Weiß, genauer gesagt in einem matten Weiß, das dem Rad eine elegante, moderne Anmutung verleiht. Allerdings – und das ist ein wichtiger Praxishinweis – erweist sich genau dieser matte Lack als äußerst empfindlich. Im Testzeitraum zeigte sich, dass der mattweiße Lack schnell verschmutzt und sich Dreck regelrecht in die Oberfläche einzuarbeiten scheint. Wer das Rad auf einem Fahrradträger mit Gurt oder Schelle befestigt, muss damit rechnen, dass die Spuren dauerhaft sichtbar bleiben und sich kaum mehr entfernen lassen. Für ein Rad in dieser Preisklasse ist das ärgerlich.

Ausstattung: reduziert, aber sehr modern

Tezeus C8 im Alltagstest!
Moritz Schwertner

Das Tezeus C8 setzt voll auf moderne Technik – und das merkt man an jeder Ecke. Im Zentrum steht ein hauseigener Mittelmotor mit üblicher Nennleistung von 250 Watt und einem maximalen Drehmoment von 75 Nm. Der Motor soll laut Hersteller nur 2,6 Kilogramm wiegen und arbeitet auf dem Geräuschniveau vergleichbarer Mittelmotoren. Unterstützt wird er von einem umfangreichen Sensor-Set-up: Neben dem obligatorischen Geschwindigkeits- und Drehmomentsensor verbaut Tezeus zusätzlich einen Gyroskopsensor und sogar ein Millimeterwellenradar – Technologien, die man eher aus der Automobilbranche kennt.

Die Energieversorgung übernimmt ein integrierter Samsung-Lithium-Akku mit 360 Wh Kapazität. Dank GaN-Schnellladung soll der Akku in nur 2,5 Stunden vollständig geladen sein – ein Wert, der im Alltag echte Vorteile bringt, etwa wenn man das Rad über die Mittagspause am Arbeitsplatz nachladen möchte. Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.

Das Display ist mit 5,0 Zoll und einer HD-Auflösung ungewöhnlich groß und scharf für ein E-Bike. Es ist nach IP65 gegen Strahlwasser geschützt und dient unter anderem als Navigationssystem. Doch genau hier liegt ein Problem: In unserem Test in Stuttgart erwies sich das Routing als unbrauchbar. Bei einer Fahrt von der Stadtmitte nach Degerloch führte die Navigation über die Karl-Kloß-Straße am Waldfriedhof – eine Route, die für Radfahrer ein absolutes No-Go ist. Ob sich ein dedizierter Fahrrad-Modus aktivieren lässt, konnten wir im Testzeitraum nicht abschließend klären. Der erste Eindruck deutet jedoch auf eine reine Auto-Navigation hin, die Radfahrer im Ernstfall auf unsinnige und potenziell gefährliche Wege schickt. Zum Thema Vernetzung: Das Tezeus C8 möchte per App verbunden werden und bietet dabei auch einen Fingerabdruckscanner als Startknopf auf der rechten Seite. In der Praxis funktionierte dieser allerdings unzuverlässig. Zudem drängt die App bei der Einrichtung zur Installation einer zusätzlichen Fitness-App – ein Punkt, der datenschutzsensiblen Nutzern sauer aufstoßen dürfte. Immerhin lässt sich die Fitness-App-Installation umgehen, indem man sie schlicht nicht installiert.

Der Antrieb erfolgt über einen wartungsarmen Riemenantrieb in Kombination mit einer automatischen 3-Gang-Nabenschaltung. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen, die im Test eine gute Bremsleistung zeigten: sauberes Ansprechen, kein Druckverlust – auch bei längeren Abfahrten in Stuttgart bewährten sich die Stopper zuverlässig. Auch Laufräder und Reifen sind gute Standardware, die Laufräder bestehen für die Preisklasse üblich aus Alu. Bereift ist das C8 mit 700x38C-Reifen, die einen guten Kompromiss aus Laufruhe und Agilität auf Asphalt bieten. Die verbauten Pedale verdienen derweil ein Sonderlob: Sie bieten exzellenten Grip und machen einen hochwertigen Eindruck.

Im Alltag gefahren: Tezeus C8

Auf dem Rad fühlt man sich auf Anhieb wohl. Die Ergonomie stimmt: Die Lenkerbreite ist sowohl für die Stadt als auch für längere Touren gut gewählt, der Sattel-Lenker-Abstand passt, und die Sitzposition ist angenehm. Das geringe Gewicht macht sich beim Handling positiv bemerkbar.

Doch dann kommt die Schaltung – und mit ihr das größte Problem des Tezeus C8 im aktuellen Zustand. Die automatische 3-Gang-Nabenschaltung erwies sich in unserem Praxistest teilweise als Katastrophe. Das Grundproblem: Nach dem Losfahren schaltet das System nahezu sofort in den dritten – und damit höchsten – Gang. Was folgt, ist ein frustrierendes Singlespeed-Fahrgefühl, bei dem man kurbelt "wie ein Ochse" und das Rad kaum vorwärts kommt. Möchte man dies vermeiden, muss direkt in die höchste Unterstützungsstufe geschaltet werden. Doch auch diese hilft nur bedingt, weil der Motor im zu hohen Gang schlicht zu wenig Schub liefert.

Ein Praxisbeispiel verdeutlicht das Dilemma: Auf einer sanften Gefällstrecke von rund einem Kilometer lässt sich das C8 wunderbar mit 38 km/h herunterrollen. Beim anschließenden Rückweg – dieselbe Strecke, nur als leichte Steigung – schaltet das System direkt nach dem Anfahren in den dritten Gang. Das Ergebnis: Man quält sich den Kilometer bergauf, als hätte man gar keinen Motor. Eine manuelle Rückschaltung durch Rückwärtstreten ist zwar möglich, doch sobald man wieder antritt und das System eine gewisse Geschwindigkeit erkennt – ohne dabei die Steigung korrekt zu erfassen – springt es prompt wieder in den dritten Gang zurück. Das ist schlicht nicht praxistauglich.

Erst das Neukalibrieren des Rads in der Ebene, das über das Menü möglich ist, brachte in unserem Test eine nachhaltige Besserung. Wie man die automatische Schaltung dauerhaft deaktiviert und rein manuell schaltet, ließ sich im Testzeitraum nicht abschließend klären – hier fehlt es an einer intuitiven Lösung, und ohne intensives Studium der Betriebsanleitung kommt man nicht weiter. Doch selbst neu kalibriert schaltet das Tezeus zu früh in die längste Übersetzung.

Einen Lichtblick gab es ausgerechnet an der steilsten Stelle: Am berühmten Hexenbuckel in Stuttgart-Degerloch, einer recht steilen Straße, fuhr das C8 im dritten Gang in die Steigung und schaltete zunächst nicht zurück. Nach einem erzwungenen Stopp und Neustart im ersten Gang blieb die Schaltung dann aber im niedrigen Gang, und das Rad ließ sich bei voller Motorunterstützung und ordentlicher körperlicher Anstrengung den Hexenbuckel hinaufbewegen. In Extremsteigungen, wo die Nabe nicht automatisch hochschaltet, funktioniert das System also.

Das integrierte Frontlicht hinterließ ebenfalls einen gemischten Eindruck. Der Lichtkegel fällt nur rund fünf bis sechs Meter vor das Vorderrad und ist dabei zu breit gestreut. Für Fahrten durch Parks oder auf unbeleuchteten Wegen bei Dunkelheit – in Stuttgart keine Seltenheit – ist die Ausleuchtung in Fahrtrichtung schlicht zu kurz. Hier wäre ein fokussierterer, weiter reichender Lichtkegel wünschenswert.

👍 Das gefällt

  • Hochwertiger Carbonrahmen mit geringem Gewicht (ca. 17 kg komplett)
  • sehr gute Ergonomie: Lenkerbreite, Sitzposition und Sattel-Lenker-Abstand überzeugen
  • Hydraulische Scheibenbremsen mit zuverlässiger Bremsleistung, auch bei langen Abfahrten
  • Exzellenter Grip der verbauten Pedale
  • GaN-Schnellladung des Akkus in nur 2,5 Stunden
  • Schickes, modernes Design

👎 Das weniger

  • Automatische 3-Gang-Nabenschaltung schaltet praxisfremd und ist im Alltag bei Steigungen kaum brauchbar
  • Navigation routet wie ein Auto-Navi – gefährliche und unsinnige Strecken für Radfahrer
  • Matter Weißlack extrem empfindlich: wird schnell schmutzig, Spuren lassen sich kaum entfernen
  • Frontlicht mit zu kurzem und zu breit gestreutem Lichtkegel für dunkle Wege
  • Fingerabdruckscanner funktioniert unzuverlässig
  • App drängt zur Installation einer Fitness-App (Datenschutzbedenken)
  • Manuelle Schaltung und Menüführung nicht intuitiv – ohne Betriebsanleitung kaum zu durchschauen

💗 Das perfekte Rad für ...

  • ... designverliebte Stadtfahrer auf überwiegend flachen Strecken, die ein leichtes, stylisches Carbon-E-Bike suchen und bereit sind, über die Software-Schwächen der ersten Generation hinwegzusehen – oder auf baldige Updates zu hoffen

Fazit