Fahrradanhänger für Kinder sind eine geniale Erfindung, um den Nachwuchs früh an ein Leben auf zwei Rädern zu gewöhnen – und dabei die eigenen Nerven zu schonen. Als frischgebackener Papa eines Sohnes habe ich mich aus rein … äh … wissenschaftlichen Gründen in dieses Thema gestürzt. Nachdem ich das sündhaft teure High-End-Modell von Thule über 500 Kilometer durch den Alltag gepeitscht habe, steht nun die Konkurrenz auf der Matte: der Tour 2 von den Kinderwagen-Spezialisten ABC Design, der nur die Hälfte kostet. Ob hier an den richtigen Ecken gespart wurde oder ob die Schweden einfach nur unverschämt teuer sind, klären wir jetzt. Anschnallen, es geht los!

Als BikeX-Redakteur habe ich das riesige Glück, fast wöchentlich neue E-Bikes auf Herz und Nieren zu testen. Vom schicken City-Cruiser über den treuen Touren-Begleiter bis hin zur E-MTB-Trail-Maschine ist wirklich alles dabei. Schaut doch mal rein, was ich schon alles gefahren bin: Alle getesteten Räder findest du hier in der Übersicht.
Und übrigens: Mach mit bei unserer Leserwahl zum E-Bike des Jahres und gewinne Preise im Gesamtwert von rund 25.000 Euro.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Kurz & knapp: ABC Design Tour 2
- Fahrradanhänger speziell für den Kindertransport
- nur als Modell mit zwei Sitzplätzen verfügbar
- 23,7 kg mit vier Rädern, 19,97 kg mit zwei Rädern (Herstellerangabe)
- mit bis zu 49 kg beladbar, max. 22 kg je Sitzplatz plus 5 kg im Einkaufskorb
- optional auch zum Jogger umbaubar (130 Euro Aufpreis)
- ab 799,90 Euro
- zwei Farben verfügbar: Olive oder Falcon (im Test)
Erstkontakt mit Kinderanhänger der Kinderwagen-Profis

Im Tour 2 von ABC Design sitzen die Kids besser als in manch einem Luxus-Pkw.
Der Tour 2 von ABC Design kommt quasi tourenfertig in einer stabilen Pappkiste nach Hause. Ausgepackt, Reifen per sehr pfiffigem Steckachs-System eingeklickt, auseinandergeklappt, die Deichsel installiert: Schon kann es losgehen. Wer auf seine Rahmengarantie Wert legt, sollte schauen, dass sein (E‑)Bike eine Freigabe für den Anhängerbetrieb hat. Wir haben den Tour 2 an zwei E-Bikes ausprobieren können: einmal an Victoras Avyon als klassisches Herrenrad (hier im Test!) und Kalkhoffs Luxustiefeinsteiger Image 5+ Advance (hier im Test!), denn beide Pedelecs sind herstellerseitig explizit für die Nutzung mit Anhängern freigegeben. Wichtig hierbei: Während das Avyon dank seiner "klassischen" Boost-Steckachse eine von vielen entsprechenden Adaptern nutzen kann, benötigt die Enviolo-Nabenschaltung einen Adapter wie diesen hier von Radoxx.
ABC Design setzt, wie die Konkurrenz, auf ein eigenes Verbindungsstück. Eine Zweitkupplung für Mamas oder Papas Rad kostet aber nur 10 Euro. Ein kleiner Unterschied zum schwedischen Luxusliner: Die Deichsel wird mit einem Splint gesichert, nicht per Klicksystem. Das ist zwar nicht ganz so elegant, aber funktional über jeden Zweifel erhaben. Zudem saß der Splint auch auf den ruppigsten Testkilometern bombenfest – meckern wäre hier also Jammern auf allerhöchstem Niveau.
Tolle Verarbeitung, simple Bedienung

Die 20-Zoll-Bereifung wird je Rad durch eine gut ansprechende Feder unterstützt.
Man merkt sofort, dass ABC Design aus der Kinderwagen-Ecke kommt. Die Materialien fassen sich wertig an, die Verarbeitung ist tadellos und für einen wetterunabhängigen Outdoor-Einsatz gemacht. Doch bei den Abmessungen zeigt sich der erste große Unterschied zum Thule-Sportmodell: Der Tour 2 ist ein echter Brocken. Aufgeklappt misst er stattliche 109 × 80,5 × 111 cm. Selbst kofferraumfreundlich zusammengefaltet bleibt er ein voluminöses Paket, ohne Räder ist er immer noch 62 × 75 × 48,5 cm groß (immer L × B × H).
Zum, zugegeben, etwas unfairen Vergleich: Der Chariot Sport 2 fällt aufgebaut mit 94,8 × 79,8 × 87 cm deutlich niedriger und kürzer aus, das Faltmaß ohne Räder ist mit 86,3 × 77,3 × 37,5 cm zwar flacher und minimal schmaler, aber merklich länger. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Gewicht: 23,7 kg gibt ABC Design mit allen vier Rädern an – der Thule ist satte 7 Kilo leichter. Zwar kann man mit dem Entfernen der beiden Vorderräder gut vier Kilo einsparen, das geht dann aber zulasten der Alltagstauglichkeit – ich würde auf die Kinderwagenfunktion auch auf der Tour ehrlicherweise nicht verzichten wollen. Kurzum: Der Tour 2 ist kein Leichtgewicht, sondern eher ein Schwergewichts-Champion, was er versucht, mit möglichst viel Komfort wettzumachen. Dafür ist die Bedienung im Alltag kinderleicht, vom Modi-Wechsel bis zum Zusammenfalten, bei dem Farbindikatoren signalisieren, ob alles sicher eingerastet ist.
Perfekte Ausstattung ab Werk, wenig Aufpreis-Extras

Gute Nacht: Der Nachwuchs kann bei akutem Schlafbedarf fast horizontal liegen.
Hier kommt die absolute Paradedisziplin des Tour 2! Während man bei Thule für jedes Extra tief in die Tasche greifen muss, ist beim ABC Design quasi alles serienmäßig an Bord. Eine robuste Schmutzwanne für dreckige Kinderfüße? Klar, ist dabei! Ein praktischer Organizer auf dem Dach für die Wickeltasche oder das Laufrad? Logisch! Dazu gibt es eine echte Einzelradfederung, ein fest installiertes 3-in-1-Verdeck (Moskito, Regen, Sonne) und unzählige kleine Taschen im Innenraum und eine geräumige Garage, die leider ohne Reißverschluss auskommen muss.
Ein absolutes Highlight, das Eltern lieben werden: Die Rückenlehnen lassen sich stufenlos in eine beinah komplett horizontale Liegeposition bringen. Unser kleiner Testpilot hat diese Funktion für ausgedehnte Nickerchen geliebt und unsere Pausen-Picknicks oft einfach verschlafen. Ein Wermutstropfen im Ozean der Glückseligkeit: Das geniale, integrierte Rücklicht des Thule-Anhängers vermissen wir schmerzlich. Bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis ist das in meinen Augen aber verkraftbar und zudem easy selbst nachgerüstet.
Test: So gut gelingt der Alltag mit dem ABC Design Tour 2

Insgesamt rund 300 Kilometer Alltagsfahrten und Touren konnten wir bislang mit dem Tour 2 abfahren.
Im Alltag entpuppt sich der Tour 2 als wahres Komfortwunder. Die Federung bügelt Unebenheiten sanft weg, die Sitze sind plüschig gepolstert und der riesige, abnehmbare "Kofferraum" schluckt den Tageseinkauf oder die Picknickdecke ohne Murren. Dank cleverer Belüftungsschlitze herrscht auch an warmen Tagen ein gutes Klima im Innenraum, die Seitenfenster lassen sich prima hochrollen. Und natürlich: Der Nachwuchs thront zufrieden und sicher im 5-Punkt-Gurt und genießt die Aussicht.
Aber: Dann kommt die erste Steigung. Und mit ihr der buchstäbliche Elefant im Raum: das Gewicht. Selbst mit den bärenstarken Motoren unserer Test-E-Bikes werden steile, andauernde Anstiege zur schweißtreibenden Angelegenheit. Und wehe, man muss das Gespann mal schieben – dann wird der komfortable Tourer zur mobilen Muckibude. Das hohe Gewicht ist klar der Preis für die robuste Bauweise und die üppige Ausstattung.





