Raus aus dem Alltag und rein ins Abenteuer: So, oder so ähnlich, könnte Rad-Gigant Giant sein neues Fathom E+ in der EX-Version treffend beschreiben. Basis bildet die günstige E-Hardtail-Plattform, nur in unserem Fall würzen die Taiwanesen das Hardtail mit einer vollständigen Alltagsausstattung, kommt also ab Werk inklusive Licht, Gepäckträger und Schutzblechen. Unter dem quasi nahtlos geschweißten Alu-Rahmen steckt Giants SyncDrive-Pro-2-Antrieb mit 85 Newtonmetern, gepaart mit einem üppigen 750-Wattstunden-Akku für ausgedehnte Touren. Das alles gibt es für vergleichsweise faire 3599 Euro – doch wie schlägt sich das Fathom E+ EX im Alltag? Wir haben es ausführlich getestet. Übrigens: Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Als BikeX-Redakteur habe ich das riesige Glück, fast wöchentlich neue E-Bikes auf Herz und Nieren zu testen. Vom schicken City-Cruiser über den treuen Touren-Begleiter bis hin zur E-MTB-Trail-Maschine ist wirklich alles dabei. Schaut doch mal rein, was ich schon alles gefahren bin: Alle getesteten Räder findest du hier in der Übersicht.
Und übrigens: Mach mit bei unserer Leserwahl zum E-Bike des Jahres und gewinne Preise im Gesamtwert von rund 25.000 Euro.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Kurz & knapp: Giant Fathom E+ EX
- E-MTB mit vollständiger Alltagsausstattung
- ... und 130-mm-Federgabel von SR Suntour
- Alu-Rahmen (S bis XL)
- gemessene 27 kg schwer, 159 kg zulässiges Systemgewicht
- Angetrieben von SyncDrive Pro 2 (85 Nm) ...
- ... kombiniert mit einem entnehmbaren 750-Wattstunden-Akku
- 10‑fach-Shimano-Kettenschaltung
- Preis: 3599 Euro
Giant Fathom E+ EX: Toller Rahmen, großer Akku

Giants umgelabelter Yamaha-Antrieb fährt sich sehr harmonisch, ist aber längst nicht so stark wie die moderne Konkurrenz.
Kenner wissen das: Das Fathom gibt es sowohl mit als auch ohne Motor – wir haben jedoch die E+-Variante mit dem 85 Newtonmeter starken SyncDrive Pro 2-Antrieb im Test. Gesteuert wird der Motor über eine farbige, allerdings etwas klein geratene Bedienungseinheit am Lenker. Für ordentlich Ausdauer sorgt der große 750-Wattstunden-Akku, der sich recht einfach nach vorn heraus aus dem Unterrohr entnehmen lässt und entweder direkt oder über eine kleine Schnittstelle im Sitzrohr geladen wird. Etwas ulkig: Für die direkte Akkuladung benötigt das Ladegerät einen wulstigen Adapter – lösen andere Hersteller eleganter. Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.
Rahmen allerdings, das können die Taiwanesen: Das Alu-Herzstück ist quasi nahtlos geschweißt und sieht – besonders aus der Ferne – eher aus wie ein moderner Carbon-Rahmen. Die Verarbeitungsqualität ist auf diesem Preisniveau beeindruckend. Cool sind zudem die insgesamt drei Anschraubpunkte für Zubehör, die das Rahmendreieck bietet. Das ist mehr als mittlerweile üblich.
Ausstattung: Nicht edel, aber funktional

Das kleine Display ist sehr anzeigefreudig, könnte aber gerne größer ausfallen.
Auch der Rest passt: Shimanos Zehnfach-Schaltung namens Cues schaltet je nach Last zwar recht klangvoll, aber – Vorsicht, Wortwitz! – quasi reibungslos. Moderne, meist deutlich teurere E-MTBs setzen im Gegensatz zum Giant zwar auf zwei Gänge und zwei Zähne mehr, doch die 48 Zähne der Cues-Kassette reichen im Alltag vollkommen aus. Überrascht waren wir einmal mehr von der Suntour-Gabel: Sie bietet vergleichsweise satte 130 Millimeter Federweg, spricht sauber an und ist obendrein blockierbar sowie per Luftkammer auf das Fahrergewicht einstellbar – das ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich.
Schade hingegen: Giant verbaut die günstigen, aber prima funktionierenden MT200-Stopper von Shimano, kombiniert diese vorn wie hinten allerdings nur mit 180er-Bremsscheiben. Schwere Piloten sollten hier über ein Upgrade nachdenken. Lobenswert dagegen: Die Variosattelstütze lässt sich um immerhin 100 Millimeter versenken, bietet allerdings keine Zwischenrasterung – es heißt also: ganz oben oder ganz unten. Bei der Beleuchtung setzt Giant auf einen Mix: Das 50-Lux-Frontlicht stammt von der Eigenmarke, das Rücklicht hingegen von Axa. Besonders das Rücklicht ist gleißend hell, allerdings dürfte die Frontleuchte gerne etwas breiter und insbesondere heller ausleuchten. Der Gepäckträger ist funktional und MIK-kompatibel – Taschen und Körbe lassen sich also im Handumdrehen befestigen. Für Schreckmomente sorgen hingegen die Metall-Spritzschützer: Wer auf der Forstautobahn mal Kiesel zwischen Reifen und Schützer bekommt, dem wird das lautstark mitgeteilt.
Im Alltag gefahren: Giant Fathom E+ EX
Auf der Straße fährt sich das Fathom E+ EX durch den breiten Lenker und die grobstolligen Maxxis-Rekon-Reifen sehr E-MTB-lastig – es rollt nicht ganz so toll wie Räder mit echten Straßenreifen, zudem sind die Gummis recht laut. Das ist ja auch logisch: Im Herzen ist das Fathom E+ nämlich genau das: ein E-MTB. Dank der federfreudigen Suntour-Gabel kann man auch mal prima eine Treppe als Abkürzung nehmen – oder gleich den (leichten) Trail runter zur Arbeitsstelle herunterheizen. Denn da fühlt sich das Giant wohl, hier belohnen die Reifen mit hervorragendem Grip, selbst auf losen Forstautobahnen.
Der kräftige SyncDrive-Pro-2-Motor mit seinen 85 Newtonmetern liefert ordentlich Schub, fordert jedoch stets einen gewissen Eigeninput vom Fahrer. Wer sich gemütlich den Berg hochschieben lassen möchte, ist mit anderen Antrieben besser bedient. Wer hingegen sportlich unterwegs sein will, wird die natürliche Unterstützungscharakteristik zu schätzen wissen. Dank des großen 750-Wh-Akkus sind auch ausgedehnte Touren kein Problem.
👍 Das gefällt
- vergleichsweise preiswertes Gesamtpaket
- sehr gute Alltagsausstattung
- großer 750-Wattstunden-Akku
👎 Das weniger
- Motor fordert Eigeninput
- kleine Bremsscheiben vorne wie hinten
- klangvolle Schutzbleche
💗 Das perfekte Rad für ...
- … Alltagsradler, die ein abenteuerfreundliches E‑Bike suchen.





