Diese Studie zeigt den großen Irrtum beim Überholen von Radfahrern

Aggressionen auf der Straße
Diese Studie zeigt den großen Irrtum beim Überholen von Radfahrern

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.08.2026
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Verschwommene Bewegung eines Mannes, der auf einer stark befahrenen Straße im Zentrum von London, Großbritannien.
Foto: coldsnowstorm / Getty Images

Jeder Radfahrer kennt die Situation: Man ist auf dem Radfahrstreifen oder auf der Straße unterwegs und wird unangenehm bis gefährlich eng von einem Fahrzeug überholt. Für den Autofahrer am Steuer fühlt sich die Situation offenbar häufig ganz anders an. Denn laut einer neuen Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sagen 92 Prozent der Autofahrer: "Ich überhole Radfahrer besonders rücksichtsvoll."

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Jana Wagner
BikeX-Autorin

Fast jeder hält sich selbst für den besseren Autofahrer

In der gleichen Befragung sagen aber 86 Prozent der Autofahrer auch, dass sie häufig zu enge Überholmanöver bei anderen Autofahrern beobachten.

Die Zahlen zeigen damit einen bemerkenswerten Widerspruch: Fast jeder hält sich selbst für rücksichtsvoll – gleichzeitig scheint es auf Deutschlands Straßen jede Menge Autofahrende zu geben, die sich eben nicht so verhalten.

Genau diese Lücke zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung zieht sich durch die gesamte Studie. Das eigene Verhalten wird offenbar deutlich positiver eingeschätzt als das Verhalten der anderen – nicht nur beim Überholen von Radfahrern.

Der Ton auf Deutschlands Straßen wird rauer

Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass aggressives Verhalten im Straßenverkehr weiter zunimmt. "Nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie 2023 nochmal weiter verschlechtert, einige sogar deutlich", sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer.

Besonders auffällig ist der Umgang mit Ärger: 55 Prozent der Autofahrenden geben an, sich zumindest gelegentlich sofort abreagieren zu müssen, wenn sie sich über andere Verkehrsteilnehmende ärgern. 2023 waren es noch 50 Prozent, 2016 sogar nur 29 Prozent.

Auch Radfahrer sind Teil des Problems

Ein Radfahrer und eine Autofahrerin diskutieren.
Westend61 / Getty Images

Die Studie stellt allerdings nicht nur Autofahrende an den Pranger. Auch Radfahrende zeigen laut Befragung teilweise aggressives oder riskantes Verhalten – und schätzen sich dabei ebenfalls besser ein als andere.

43 Prozent der Radfahrenden geben an, hin und wieder die Vorfahrt zu erzwingen. 2023 waren es noch 28 Prozent.

Noch häufiger geht es ums Überholen: 48 Prozent sagen, dass sie Autos auch mal links überholen oder sich durch den Verkehr schlängeln, wenn sie rechts nicht vorbeikommen.

Gleichzeitig beobachten 83 Prozent dieses Verhalten bei anderen Radfahrenden.

Auch hier zeigt sich also derselbe Effekt: Das eigene Verhalten erscheint weniger problematisch als das der anderen.

Warum werden Verkehrsteilnehmer immer aggressiver?

Fahrrad im dichten Verkehr
ADFC/april agentur

Für Kirstin Zeidler hat die Entwicklung auch mit dem allgemeinen Alltag zu tun. "Das Leben wird immer hektischer, wir sind quasi permanent erreichbar, der Druck nimmt zu", sagt sie. Das gehe auch am Straßenverkehr nicht vorbei. Die "Zündschnur" werde kürzer.

Gerade Radfahrende bekommen diese Entwicklung häufig unmittelbar zu spüren. Sie sind im Straßenverkehr besonders verletzlich und können aggressives Verhalten anderer nicht einfach mit einer stärkeren Karosserie ausgleichen.

Ein knappes Überholmanöver ist deshalb nicht bloß eine Frage des guten Benehmens. Schon ein kleiner Schlenker des Fahrrads oder eine unerwartete Bewegung des Autos kann gefährlich werden.

Über die Studie: Für die aktuelle UDV-Studie wurden zwischen März und April 2026 insgesamt 2.004 Menschen ab 18 Jahren repräsentativ online befragt. Die Untersuchung wird regelmäßig durchgeführt und reicht bis ins Jahr 2010 zurück. Mehr Infos gibt es bei GDV.de.