Wer sein E-Bike schneller machen will, findet im Internet zahlreiche Möglichkeiten. Genau dagegen wollen die europäischen Fahrradverbände nun stärker vorgehen. Bei einem Branchentreffen in Brüssel hat der europäische Dachverband European Cycling Industries (ECI) eine gemeinsame Selbstverpflichtung gegen E-Bike-Tuning vorgestellt und zugleich konkrete Forderungen an die EU und ihre Mitgliedsstaaten formuliert.
Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Maßnahmen: Der Handel mit Tuning-Kits soll stärker kontrolliert werden. Gleichzeitig sollen Polizei, Zoll und Marktaufsicht gezielter gegen illegale E-Bikes vorgehen.
Kurz & knapp: Das plant die Fahrradbranche gegen E-Bike-Tuning
- Der europäische Dachverband ECI hat eine Selbstverpflichtung gegen E-Bike-Tuning verabschiedet.
- Die Verbände fordern, den unkontrollierten Handel mit Tuning-Kits stärker zu unterbinden.
- Polizei, Zoll und Marktaufsicht sollen gezielter gegen illegale, häufig importierte E-Bikes vorgehen.
- ZIV und Zukunft Fahrrad planen ein eigenes Maßnahmenbündel gegen illegale E-Bikes.
Reminder: Wann ist ein E-Bike illegal getunt?
Ein normales Pedelec beziehungsweise EPAC gilt rechtlich als Fahrrad, solange es die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt: Die Motorunterstützung muss sich mit zunehmender Geschwindigkeit verringern und bei 25 km/h oder früher abschalten. Außerdem darf die Nenndauerleistung des Motors höchstens 250 Watt betragen.
Beispiele für E-Bike-Tuning laut ADAC:
❌ Ein Speedclip oder Tuning-Kit sorgt dafür, dass der Motor nicht mehr bei 25 km/h abschaltet, sondern beispielsweise bis 45 oder 50 km/h unterstützt.
❌ Eine technische Manipulation verhindert, dass die Motorunterstützung bei zunehmender Geschwindigkeit progressiv reduziert wird.
❌ Eine Veränderung an Sensoren oder Motorsteuerung sorgt dafür, dass der Motor weiter unterstützt, obwohl nicht mehr getreten wird.
❌ Über eine App oder veränderte Software wird die Unterstützungsgrenze so angepasst, dass der Motor auch oberhalb von 25 km/h weiterläuft.
Wichtig: Durch solche Veränderungen kann das Pedelec die Voraussetzungen für ein Fahrrad verlieren und rechtlich als Kraftfahrzeug eingestuft werden. Dann gelten andere Vorschriften – unter anderem hinsichtlich Zulassung und Betriebserlaubnis. Welche Fahrzeugklasse im konkreten Fall vorliegt, hängt von den technischen Eigenschaften des manipulierten Fahrzeugs ab.
Tuning-Kits stärker kontrollieren

Auch ein Hintergrund des Vorstoßes: Legale E-Bikes verursachen für Hersteller Aufwand durch Prüfungen, Zertifizierungen und Dokumentation. Nicht konforme Produkte können einen Wettbewerbsnachteil darstellen.
Nach Ansicht der europäischen Fahrradwirtschaft reicht es nicht, nur manipulierte E-Bikes zu kontrollieren. Auch der Handel mit Tuning-Kits soll stärker in den Blick genommen werden. Die Verbände fordern deshalb, den unkontrollierten Verkauf solcher Kits nach französischem Vorbild einzudämmen und gezielter gegen meist importierte illegale E-Bikes vorzugehen.
Dabei geht es auch um die Frage, wie sich ein legales E-Bike von einem manipulierten oder leicht manipulierbaren Fahrzeug unterscheiden lässt. Das neue ECI-Positionspapier definiert dafür technische Anforderungen an den Manipulationsschutz nach dem aktuellen Stand der Technik.
Die Maßnahmen sollen Herstellern als Orientierung dienen und gleichzeitig Polizei, Zoll und Marktaufsicht dabei helfen, manipulierte oder nicht ausreichend geschützte E-Bikes zu erkennen. Ziel ist es, die Manipulation bereits technisch zu erschweren.
Deutschland plant eigenes Maßnahmenpaket
Auch in Deutschland soll der Vorstoß umgesetzt werden. ZIV – die Fahrradindustrie und Zukunft Fahrrad planen eine deutsche Variante der Selbstverpflichtung sowie ein gemeinsames Maßnahmenbündel gegen illegale E-Bikes.
Die Verbände sehen darin ein wichtiges Thema für den deutschen Markt: 2025 waren nach ihren Angaben mehr als die Hälfte der verkauften Fahrräder E-Bikes, der Bestand liegt inzwischen bei mehr als 17 Millionen.
Auch Online-Handel im Fokus
Die Forderungen richten sich außerdem gegen nicht konforme E-Bikes aus dem Online-Handel, die häufig direkt von außerhalb der EU angeboten werden. Problematisch ist aus Sicht des ECI, dass bei solchen Produkten teilweise kein eindeutig verantwortlicher Anbieter innerhalb der EU vorhanden ist.
Der Verband fordert deshalb auch auf europäischer Ebene klarere Verantwortlichkeiten und verweist unter anderem auf das geplante Europäische Produktgesetz sowie die Regeln zur Produktsicherheit und den Digital Services Act.
Fazit: E-Bike-Tuning gerät stärker ins Visier
Die europäischen Fahrradverbände wollen Tuning nicht nur nachträglich kontrollieren, sondern Manipulation bereits technisch erschweren. Gleichzeitig sollen Handel, Online-Plattformen und Behörden stärker gegen Tuning-Kits und illegale E-Bikes vorgehen.
Für Deutschland planen ZIV und Zukunft Fahrrad dafür ein eigenes Maßnahmenpaket. Wie weit die Forderungen tatsächlich umgesetzt werden, hängt von den weiteren politischen und behördlichen Maßnahmen ab.





