12.399 Euro. Ja, richtig gelesen – so viel kostet das etwas sperrig "S16 MGU Explorer" getaufte E-SUV der niedersächsischen Alu-Profis von Nicolai. Moment, Nicolai? Richtig: Hinter dem Namen steckt eine waschechte Kult-Mountainbike-Marke, und genau das merkt man dem S16 auf jedem Meter an. Basis ist ein Speed- und Downhill-hungriges E-Enduro mit 160 mm Federweg, Fox-Factory-Fahrwerk und satter Pinion-MGU-Power. Dazu gesellen sich ein riesiger Akku, eine Luxus-Ausstattung bis in die letzte Schraube – und stolze 31 Kilogramm auf der Waage. Ob der Spaßfaktor den Preis rechtfertigt? Wir haben das Geschoss ausgiebig über Straßen, Touren und Trails gejagt. Übrigens: Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Ich sitze für euch quasi täglich im Sattel und teste fast jede Woche die neusten E-Bikes – mit Motoren von Bosch, DJI, Shimano & Co., vom City-Cruiser bis zum E-MTB. Kurz gesagt: Ich hab’ den besten Job der Welt!
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Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Kurz & knapp: Nicolai S16 MGU EXP
- E-Enduro mit High-End-Vollausstattung und Alurahmen
- 160/160 mm Federweg, Rahmengröße S bis XXL
- gemessene 31,0 kg schwer (Größe M)
- Besonderheit: Getriebe in Motor integriert, 12 Gänge
- Angetrieben von Pinion MGU (bis zu 160 Nm) …
- … kombiniert mit einem entnehmbaren 800- oder 1060-Wh-Akku
- Preis: ab 12.399 Euro
Nicolai S16 MGU EXP: E-Enduro zum Touren?!

Pinions Getriebe-Motor ist technisch beeindruckend, aber leider kein Leisetreter.
Man könnte meinen, jemand hätte ein kompromissloses Downhill-Bike mit einem Tourenrad in einen Teleporter gesteckt – und heraus kam das Nicolai S16 MGU EXP. Die Basis? Ein lupenreines E-Enduro, wie es die Niedersachsen seit Jahren für die Mountainbike-Elite schmieden. Doch statt nur bergab zu ballern, soll das S16 in der Explorer-Variante mit Seitenständer, Lichtanlage und Ortlieb-Taschen auch im Alltag und auf ausgedehnten Touren glänzen.
Herzstück ist dabei die Pinion Motor Gearbox Unit – kurz MGU. Statt auf die üblichen Verdächtigen wie Bosch, DJI oder Shimano zu setzen, vertraut Nicolai hier auf schwäbische Getriebe-Ingenieurskunst. Der Clou: Die komplette 12-Gang-Schaltung steckt direkt im Motorgehäuse. Bis zu 160 Nm Drehmoment liefert die Einheit je nach eingelegtem Gang, was besonders am Berg für ein breites Grinsen sorgt. Mit einer Bandbreite von 600 Prozent stehen für jede Steigung und jede Abfahrt passende Übersetzungen bereit – und wer keine Lust auf manuelles Schalten hat, überlässt das Ganze einfach der integrierten Automatik. Kombiniert wird das Ganze mit einem entnehmbaren 800-Wh-Akku, optional steht sogar ein 1060-Wh-Energiespeicher zur Wahl. Wem selbst das nicht reicht, der greift zum Range-Extender. Reichweitenangst? Nicht mit dem S16 MGU! Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.
Bedient wird der Antrieb über eine Schaltereinheit am Lenker. Vor dem Fahrer thront ein großes, farbiges FIT-Comfort-Display – ungefähr auf dem Niveau eines Bosch Kiox 500 – das alle relevanten Informationen übersichtlich darstellt. Dazu gibt es sogar einen USB-C-Ladeport, damit das Smartphone unterwegs nicht schlappmacht.
Ausstattung: alles vom allerfeinsten

Hier ist noch Gold, was glänzt: Nicolai verbaut für den obszönen Preis nur allerfeinste Ware.
Bei einem Preis jenseits der 12.000-Euro-Marke darf man einiges erwarten – und Nicolai liefert. Geradezu verschwenderisch.
Das Highlight, das jeden Mountainbike-Kenner sofort ins Schwärmen bringt, funkelt in edlem Gold: Die Federelemente stammen komplett aus der High-End-Factory-Linie von Fox. Vorn arbeitet eine Fox 38 Factory Grip X2 mit satten 160 mm Federweg, hinten sorgt ein Fox Float X2 Factory-Dämpfer für ebenso üppige 160 mm. Beide Fahrwerkskomponenten sind vielfältig einstellbar – Zugstufe, Druckstufe etc. pp – und lassen sich präzise auf Fahrergewicht und persönliche Vorlieben abstimmen. Das ist Fahrwerkstechnik, wie sie sonst in reinrassigen High-End-Mountainbikes zum Einsatz kommt und in der Klasse der E-SUVs und Touren-E-Bikes absolut ihresgleichen sucht. Aber: Einfach zu managen ist das Ganze nicht.
Gebremst wird mit Magura Gustav Pro: fette Vierkolben-Anker, die in 203-mm-Scheiben vorn wie hinten beißen und als extrem temperaturstabil gelten. Die braucht es auch, denn bei 31 Kilogramm Radgewicht plus Fahrer und eventueller Zuladung ist maximale Bremspower keine Option, sondern Pflicht. Für den Kontakt zum Fahrer sorgen SQ Lab-Produkte aus dem obersten Regal: Der SQLab-60X-Sattel und die SQLab-702-2.0-Griffe in Größe M schmiegen sich komfortabel an. Die Sattelstütze stammt von Bikeyoke – eine Divine mit stattlichen 185 mm Hub, die auf Knopfdruck butterweich abtaucht. Am Lenker selbst sitzt ein Bikeyoke-Barmate, gehalten von einem E*thirteen-TRS-Base-Stem-Vorbau. Die Pedale hingegen liefert Acros in Form der A-Flat MD. Das sind solide Plattformpedale, die auch bei matschigen Bedingungen guten Grip bieten. Die Kurbel stammt direkt von Pinion: ein geschmiedetes Crankset mit 160 mm Länge, passend zur MGU-Einheit.
Wie derzeit bei vielen modernen E-Mountainbikes und E-SUVs üblich, setzt Nicolai auf einen Mixed-Wheel-Ansatz: Vorn rollt ein großer 29-Zöller für Laufruhe und Überrolleigenschaften, hinten ein verspielterer 27,5-Zöller für mehr Agilität. Als Laufräder kommen kreuzstabile DT Swiss HX 1700 zum Einsatz. Bereift wird das Ganze allerdings nicht mit aggressiven Mountainbike-Stollen, sondern mit Schwalbe Johnny Watts 365 (in den Maßen 29/27,5″ × 2,6 ″), also alltagstauglichen Tourenreifen, die auf der Straße leise rollen und im leichten Gelände noch genügend Grip bieten.
Für Sichtbarkeit sorgt eine Lichtanlage, die ihresgleichen sucht: Das Supernova-Frontlicht leuchtet locker auf Pkw-Niveau, und kommt sogar inklusive Fernlicht-Funktion. Hinten sitzt ein kompaktes TL3-Mini-Rücklicht, das zwar winzig, aber wirklich bestialisch hell nach hinten leuchtet. Abgerundet wird das Paket durch ein Ortlieb Gravel Pack: kleine, aber wie immer hervorragend verarbeitete Packtaschen, die für Touren und den täglichen Einsatz bestens gerüstet sind.
Und weil wir schon beim Thema Luxus sind: Unser Testrad kam in der Farbe "Illusion Orange Cherry" (Hauptrahmen und Hinterbau), kombiniert mit "Titan Anodized" und "Anthracit Metallic" an der MGU-Einheit. Ein echter Hingucker, wie wir finden.
Im Alltag gefahren: Nicolai S16 MGU EXP

Ein Trekking-Rad für Stock und Stein: Logisch, die Basis ist ja auch ein echtes E-Enduro!
Und wie fährt sich ein 12.399-Euro-E-Enduro mit Tourenausstattung nun wirklich? Wir untertreiben nicht, wenn wir schreiben: brillant.
Der Federkomfort ist schlichtweg in einer anderen Liga. Einmal ordentlich auf Fahrergewicht und Zuladung eingestellt (was besonders für Novizen alles, nur nicht einfach ist), macht das Fox-Factory-Fahrwerk einen wahnsinnig guten Job. Man steht förmlich im Federweg, Gabel und Dämpfer schlucken normale Unebenheiten – Kopfsteinpflaster, Wurzeln, Bordsteinkanten – fast schon unmerklich weg. Das Rad schwebt dort, wo andere quasi holpern. Richtig Spaß macht es jedoch bei echten Trail-Einsätzen: Hier merkt man auf jedem Mikrometer, dass das S16 auch mit Seitenständer und Ortlieb-Taschen eigentlich zu Größerem bestimmt ist. Verblockter Waldweg? Wurzelteppich? Das S16 bügelt darüber, als wäre nichts gewesen, und bettelt förmlich nach mehr.
Generell spielt am Nicolai dem Preis angemessen alles auf Top-Niveau. Das Licht? Wie bereits erwähnt irre gut – die Fernlicht-Funktion ist im Dunkeln ein echter Gamechanger. Maguras Gustav Pro Stopper halten selbst das stattliche Radgewicht samt Fahrer überragend im Zaum, liefern bissige, gut dosierbare Verzögerung und beeindruckende Standfestigkeit. Allerdings sind sie keine Leisetreter – wer ein geräuschloses Bremserlebnis erwartet, muss damit leben, dass die Vierkolben-Anker gelegentlich akustisch auf sich aufmerksam machen.
Das gilt leider auch für den Antrieb selbst: Die Pinion MGU tritt sich buchstäblich recht laut. Besonders die Gänge eins bis neun sind gut hörbar, was sich je nach gewählter Motorunterstützungsstufe noch deutlich verstärkt. Flüsterleise durch den Wald treten? Eher nicht. Dafür zieht die MGU mit ihren bis zu 160 Nm kräftig den Berg hinauf, dass es eine wahre Freude ist. An der reinen Performance – auch was die Schaltqualität angeht – ist im Tourenbetrieb nichts zu meckern. Die Gänge legen sich sauber ein, die Automatik arbeitet nachvollziehbar, und die schiere Kraft beeindruckt immer wieder aufs Neue.
Im Endeffekt hinterlässt das S16 MGU EXP einen Eindruck, der genauso widersprüchlich ist wie das Konzept selbst: Es ist ein E-Enduro, das eigentlich Trails fressen will, sich aber mit Seitenständer und Ortlieb-Taschen brav zum Tourer zähmen lässt. Es ist irre teuer, liefert dafür aber eine Ausstattung und Fahrperformance, die man in der Touren-Klasse lange suchen muss. Wer das nötige Kleingeld hat und ein Rad sucht, das auf dem Trail genauso brilliert wie auf der Feierabendrunde, wird kaum etwas Besseres finden.
👍 Das gefällt
- dem Preis angemessen luxuriös ausgestattet
- kräftiger, aber eher lauter Motor mit riesigem Akku
- Fahrwerks-Performance sucht Seinesgleichen
- sehr wertige Vollausstattung, wahnsinnig gutes Licht
👎 Das weniger
- wirklich irre teuer
💗 Das perfekte Rad für ...
- … alle, die keine Kompromisse kennen wollen: Ein E-Enduro mit Tourenausstattung, das auf dem Trail ebenso zu Hause ist wie auf der Feierabendrunde – und dem es egal ist, ob am Ende des Monats noch Geld auf dem Konto liegt.





