Wer sagt eigentlich, dass Regeln für den Schotter gelten? Mit dem G85 Cezal möchte der französische Carbon-Pionier Look eine Brücke zwischen straßenerprobter Präzision und einer Prise MTB schlagen. Das Ergebnis soll ein Carbon-Gravelbike sein, das für all jene gebaut wurde, die ihr eigenes Ding machen wollen – egal ob auf Landstraßen, endlosen Schotterpisten oder knackigen Singletracks, heißt es vollmundig.
Kurz & knapp: Look G85 Cezal
- Rahmenmaterial: Carbon
- Schaltung: Sram Force XPLR AXS, 40T x 10-46T
- Laufräder: Fulcrum Soniq Carbon 2WF
- Reifen: Hutchinson Touareg, 45 mm
- Gewicht: 8,96 kg (inkl. Look X One G-Pedale, bereits am Testrad montiert)
- Preis: 6499 Euro
Das G85 Cezal verstehe sich daher als vielseitiger Allrounder und decke dennoch drei große Fahrertypen ab: den schnellen Gravel-Racer, den trainierten und neugierigen Allrounder sowie den Langstrecken-Bikepacker, erklärt der Hersteller.
Technisch basiert das Rad auf einem Carbon-Frameset aus eigener UD-High-Modulus-Entwicklung, das mit einer durchdachten Geometrie punkten soll: Ein 70° steiler Lenkwinkel sorgt für die nötige Offroad-Kontrolle, ein 74° steiler Sitzwinkel (in Kombination mit einem 5-mm-Offset) für eine optimale Zentrierung des Fahrers sowie maximale Pedaleffizienz. Kurze Kettenstreben und ein kurzer Radstand sollen das Bike reaktionsschnell und in engen Kurven agil zirkeln lassen. Dazu kommen wir noch.
Auch bei der Alltagstauglichkeit und Anpassbarkeit möchte Look nichts anbrennen lassen: Das G85 Cezal schluckt Reifen bis zu 57 mm vorn beziehungsweise 50 mm hinten (bei 1-fach-Antrieben, 2-fach sind bis 45 mm möglich) in den Laufradgrößen 700c oder 650b. Wer es noch geländegängiger mag, kann sich über eine Rahmengeometrie freuen, die für Federgabeln mit bis zu 60 mm Federweg ausgelegt ist, ohne dass die Fahreigenschaften negativ beeinflusst werden.
Für Ordnung am Cockpit sorgt eine nahtlose, interne Kabelführung, während eine integrierte Rahmenbox mit Tasche im Unterrohr Platz für die wichtigsten Utensilien bietet. Abgerundet wird das Setup durch T47-Tretlager, UDH-Schaltaugen, 12-mm-Steckachsen und 160-mm-Bremsscheiben mit Flat-Mount-Aufnahme.

Seit vielen Jahren fahre ich mit großer Leidenschaft bei jeder Gelegenheit mit dem Gravelbike oder dem Rennrad. Ob es die Schotter-Hausrunde ist, die Ausfahrt mit dem Radsportverein oder episch lange Touren bei Ultracycling-Events – meist kommen so am Jahresende um die 14.000 Kilometer zusammen.
Auch als Redakteur, wo immer wieder neue Räder aller Art getestet werden, lassen sich spannende Entwicklungen ausmachen. Herauszufinden, wo der Mehrwert liegt, sich Räder vom Vorgänger unterscheiden oder neue Produkte auszuprobieren und sie der Leserin und dem Leser verständlich vorzustellen, sind mein Ansporn, dem ich mit viel Begeisterung nachkomme. Denn auch als Redakteur bin ich genauso ein Verbraucher, wie jeder andere und möchte selbst möglichst alles über neue Produkte zu unserem liebsten Hobby erfahren.

Musste auf vielen hundert Kilometern so einiges aushalten: Das Look G85 Cezal Gravelbike
Highnoon auf der Schotterpiste
Genug der Theorie, kümmern wir uns um die harte Währung: den Praxiseindruck des schnieken Gravelbikes. Als Test-Bike hatten wir das G85 Cezal mit der 1×13 Sram Force AXS in der Hingucker-Farbe "Speckled Purple Neon Orange" zur Verfügung, die Look für 6.499 Euro anbietet.
Äußerlich fallen zunächst der leicht geschwungene Sitzknoten und das leicht abfallende Oberrohr auf, wobei die Sitzstreben ganz oben ansetzen. Das Sattelrohr wirkt eher filigran als wuchtig. So sind auch die übrigen Formen gehalten – "massiv" sucht man hier vergebens. Die Fulcrum-Soniq-Carbon-2WF-Laufräder mit ihrer FF80-Vollcarbon-Konstruktion und dem 2-Wave-Felgenprofil schlagen dagegen eine deutlich aggressivere Design-Sprache an.
Interessant: Die Hutchinson-Touareg-Pneus in 45 mm sind für trockene bis leicht feuchte Wege eine gute Wahl. Auf Asphalt rollen sie aufgrund ihrer Gummimischung im Vergleich zu den ansonsten profilierten Touareg Race jedoch etwas zäher. Wer eher racelastig unterwegs ist und des Öfteren über Straßen knallt, wird den montierten Reifen als limitierenden Faktor empfinden. Alle anderen sind mit diesem Pneu bestens aufgehoben.
Die Sitzposition ist für einen Allrounder sportlich und kommt dem Racer-Anspruch entgegen, ohne Komforteinbußen auf der Langstrecke befürchten zu müssen. Meines Erachtens findet Look hier einen sehr gelungenen Sweetspot für alle drei Einsatzbereiche.
Ebenfalls gelungen finde ich das sehr griffige und aufgeräumte Cockpit mit einem Oberlenker, der nicht übertrieben abgeflacht ist. Serienmäßig misst es 420 mm in der Breite. Auch hier zeigt sich das Augenmaß der Entwickler, die einerseits beim Bikepacking nicht auf Komfort verzichten wollen, den Lenker aber auch für Racer attraktiv halten. Passend dazu sind die Schalt- und Bremshebel deutlich nach innen gedreht, um eine körpernahe Armhaltung zu erzielen. Typisch für Race-Gravelbikes gelingt hier ein beachtlicher Spagat.
Einmal im Untergriff angetreten, ist schnell klar: Hier ist ein Wolf im Schafspelz auf der Schotterpiste unterwegs. Flotter Antritt, sehr wendig und reaktionsschnell – so lauten die Notizen auf dem Testzettel. Der Fahrspaß kommt beim lauffreudigen Cezal definitiv nicht zu kurz. Wer das Bike noch mehr in Richtung reinrassige Rennmaschine trimmen will, kann optional das leichtere Look Aero Carbon Cockpit nachrüsten, das weitere 200 Gramm des ohnehin leichten Gravelbikes einspart (8,96 kg in Größe M, inklusive Look X-One G-Pedale).
Am Heck geht es bei aller Lebendigkeit eher sanft als rustikal zu. Das Cezal bietet durch das "3D Wave Flex" genannte System am Sitzknoten spürbaren Komfort im Sattel, ohne zur reinen Sänfte zu mutieren. Die 45-mm-Bereifung unterstützt dies optimal. Für den Sattel gilt wie immer: Jeder Hintern ist anders. Bei mir funktionierte er auch auf langen Touren gut, ohne negativ aufzufallen.
Was hängen bleibt – Mein Fazit
Pro und Contra
Schafft den Spagat aus Racer, Allrounder und Abenteurer
Flotter Antritt und hohe Agilität
Fahrkomfort
Reifenfreiheit
Sattel
Reifen rollen auf Asphalt etwas zäh
Optik der Sattelklemmung samt Torx-Schraube geht besser
*Gewicht samt bereits montierter Look X-One G-Pedale
** Testrad Rahmengröße M





