Keine Watt-Verluste mehr abseits des Asphalts? Mit dem Extreme X bringt Northwave einen kompromisslosen High-End-Schuh für Gravel und MTB, der pure Straßenrad-DNA ins Gelände transferiert. Nachdem wir das Performance-Wunder bereits in den News vorgestellt hatten, musste der knapp 300 Euro teure Carbon-Treter nun im harten Praxistest beweisen, ob er seinen Angaben gerecht wird.
Kurz & knapp: Northwave Extreme X
- Geeignet für: Gravel, Cross Country, Marathon
- Sohle: Hyperlight HT-Sohle (100 % unidirektionales Carbon)
- Verschluss: zwei SLW3-Drehverschlüsse
- Besonderheiten: austauschbare Stollen; zwei verschiedene Einlegesohlen (3 mm und 5 mm) im Lieferumfang
- Größen: 36 bis 50 (Halbgrößen von 39,5 bis 45,5)
- Gewicht Paar inkl. SPD-Cleats: 794 g
- Farben: Weiß, Schwarz und jetzt neu: White-Lilac-Red (Extreme X Plus)
- Preis: 299,99 Euro

Mussten im Test so einiges über sich ergehen lassen: Gravelschuhe Northwave Extreme X
Manchmal reicht ein Blick in die Nachbarabteilung, um die nächste Evolutionsstufe zu zünden: Für den neuen Extreme X haben die Offroad-Spezialisten von Northwave kurzerhand die Technologien ihrer Road-Schuhe adaptiert, die ursprünglich mit Zeitfahr-Weltmeister Filippo Ganna für den glatten Asphalt entwickelt wurden. Das Ziel der Italiener ist klar: Die Grenzen zwischen Straße, Cross-Country und pfeilschnellen Gravel-Rennen sollen endgültig verschwimmen.
Das Herzstück dieser Mission ist die neue "Hyperlight HT"-Sohle. Das aus 100 Prozent unidirektionalem Carbon konstruierte, äußerst steife Chassis basiert auf dem sogenannten "High-Tail-System". Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein asymmetrischer Aufbau, bei dem die Sohle an der äußeren Ferse hochgezogen ist. Dieser Kniff soll den Fuß stabilisieren, das Fußgewölbe bei hohen Kadenzen massiv stützen und für eine gänzlich verlustfreie Kraftübertragung sorgen. Fixiert wird der Fuß dabei passgenau über zwei hauseigene SLW3-Drehverschlüsse.

Mit dem Indikator 15 besitzt der Extreme X den höchsten Steifigkeitsindex von 15 im Hause Northwave, die Sohle ist also besonders steif.
Auf dem Datenblatt klingt das stark nach einer neuen Benchmark für Schotter-Racer. Doch wie performt der kompromisslose Rennschuh in der dreckigen Realität? Zieht die extrem steife Sohle auf langen Gravel-Epics den Komfort-Stecker oder geht das Konzept auf? Wir haben den Northwave Extreme X in den Dreck geschickt und gecheckt, ob wirklich jedes Watt im Pedal ankommt …

Seit vielen Jahren fahre ich mit großer Leidenschaft bei jeder Gelegenheit mit dem Gravelbike oder dem Rennrad. Ob es die Schotter-Hausrunde ist, die Ausfahrt mit dem Radsportverein oder episch lange Touren bei Ultracycling-Events – meist kommen so am Jahresende um die 14.000 Kilometer zusammen.
Auch als Redakteur, wo immer wieder neue Räder aller Art getestet werden, lassen sich spannende Entwicklungen ausmachen. Herauszufinden, wo der Mehrwert liegt, sich Räder vom Vorgänger unterscheiden oder neue Produkte auszuprobieren und sie der Leserin und dem Leser verständlich vorzustellen, sind mein Ansporn, dem ich mit viel Begeisterung nachkomme. Denn auch als Redakteur bin ich genauso ein Verbraucher, wie jeder andere und möchte selbst möglichst alles über neue Produkte zu unserem liebsten Hobby erfahren.
Kompromissloser Test für einen kompromisslosen Gravelschuh
Dass der Schuh klar aufs Racen ausgelegt ist, zeigt unter anderem, dass die Extreme X von Teams wie Rose Racing Circle oder Radfritzen in Gravel-Rennen erste Wahl sind. Wir haben uns den Schuh geschnappt und haben geschaut, welche Vorteile der teure Schlappen bietet, wenn es ins raue Gelände geht. Epische Staub- und Schotter-Rides über 200 Kilometer am Stück durch Deutschland und die Niederlande, sportlich-rasante Hausrunden durch den Ruhrpott – Halde rauf, Halde runter – und brachiales Geschotter auf so manchen Tagestouren geben einen enormen Einblick in die Performance.
Zunächst gefällt, dass dem Schuh zwei unterschiedlich dicke Einlegesohlen mit 3 und 5 mm beiliegen und der Fuß sich dadurch noch etwas individueller im Fußbett unterstützen lässt.

Wir empfanden die 5-mm-Sohle als sehr komfortabel und unterstützend für die Fußwölbung.
Die zwei Northwave-eigenen SLW3-Drehverschlüsse lassen sich weit genug öffnen, um bequem in den Schuh zu schlüpfen. Die Breite fällt normal aus. Die präzise Anpassung an den Spann überzeugt, der Fuß hat permanent sicheren Halt. Unterstützt wird er dabei zusätzlich von der asymmetrischen, sogenannten High-Tail-Fersenkonstruktion sowie einer "Underlap"-genannten, inneren Konstruktion, die sich um den Fuß legt und die Stabilität fördert und Druckstellen vermeiden soll. Die Zehenbox bietet zudem ausreichend Platz.
Deutlich zu spüren ist die steife Konstruktion des gesamten Schuhs, die an manchen Stellen unnachgiebig, aber keinesfalls unangenehm ist. Die Schuhzunge benötigt eine kurze Eingewöhnungszeit, bis sie sich an den eigenen Fuß angepasst hat. Dennoch waren während des gesamten Tests keine Druckstellen zu verzeichnen. Der Fuß sitzt stets sicher und fest im Gravelschuh.

Die stabile Zunge braucht ein, zwei Ausfahrten, bevor sie sich perfekt an den Fuß angepasst hat. Druckstellen gibt es nicht zu vermelden.
Dass der Extreme X kein Laufschuh, sondern ein waschechter Race-Gravelschuh ist, merkt man spätestens an der steifen Hyperlight HT-Sohle, die mit 15 den höchsten Steifigkeitswert des Hauses hat. Die direkte Kraftübertragung aufs Pedal ist deutlich spürbar. Wenn es darauf ankommt, wird bei jeder Umdrehung pure Energie umgesetzt. Das sorgt für Eindruck. Kein Wunder also, dass auch Lukas Pöstelberger als österreichischer Gravelmeister große Stücke auf die Schuhe hält.
Dass es bei schweißtreibender sportlicher Betätigung auf der Schotterpiste nicht zu qualmenden Füßen kommt, dafür sorgen fein perforierte Belüftungsöffnungen auf dem Spann sowie oberhalb und seitlich der Zehenbox. Selbst Temperaturen über 30 Grad sind in den Gravelschuhen gut auszuhalten.

Die zwei Northwave-eigenen SLW3-Drehverschlüsse lassen sich hervorragend feinjustieren.
Ausgezeichnet gefällt auch die Verstärkung rings um die Front, die die Zehen hervorragend vor äußeren Einwirkungen schützt. Diese Verstärkung findet sich ebenfalls an der Ferse. Top.
Die Laufsohle dagegen besteht vorn an der Spitze aus einem kleinen, geriffelten Gummi, zwei austauschbaren Stollen und unter dem Fußballen sind links und rechts zwei dünne Stege sowie an der Ferse noch zwei weitere kleinere, unterschiedlich große zu finden. Wer im Gelände auf einer Tragepassage unterwegs ist, dürfte diese Konstruktion möglicherweise als etwas zu "kippelig" empfinden. Unserer Meinung nach dürften die Stege gerne etwas breiter sein, um eine verbesserte Auflagefläche im Gelände zu haben.

Die Stege der Laufsohle sind nicht besonders ausgeprägt und können im Gelände als etwas kippelig empfunden werden.
Die Extreme X sind mit rund 300 Euro kein Pappenstiel und sollten entsprechend gepflegt werden, um lange Freude an ihnen zu haben. Das Oberflächenmaterial zeigt sich robust und leicht zu pflegen. Mit wenig Aufwand bewirken warmes Wasser und etwas Schuh-Shampoo ein strahlend weißes Antlitz.
Mein Fazit
pure Kraftübertragung
perfekt für hartes Racing
fein zu justierender Drehverschluss
Belüftung auch bei hohen Temperaturen
Verstärkungen an Zehenbox und Ferse
Lauf-Gummis und Stollen austauschbar, die…
… aber im Gelände aufgrund der schmalen Bauweise teilweise einen sehr kippeligen Eindruck erwecken.
Schuhe aufgrund ihres Konzepts nicht auffallend komfortabel.
nicht günstig
Jetzt in zusätzlich neuer FarbeDen Northwave Extreme X gibt es ab sofort übrigens auch in der Farbe White/Lillac/Red. Dieses Modell wird mit vier zusätzlichen lilafarbenen SLW3-Drehverschlüssen geliefert. Beim Extreme Plus liegen vier weiße Ersatzverschlüsse bei. Auf diese Weise haben Fahrerinnen und Fahrer die Möglichkeit, die Erscheinung ihres Schuhs auf ihre eigene Art und Weise zu gestalten und ihm eine individuelle Note zu verleihen.

Neben dem klassischen "weiß" und "schwarz" gibt es ab sofort den Extreme X Plus, der etwas mehr Farbe ins Gravel-Game bringt.





