Der schnellste Rennradreifen der Welt? Pirellis PZero Race TLR SL-R im ROADBIKE-Test!

Im Test: Pirelli PZero Race TLR SL-R
Der schnellste Rennradreifen der Welt?

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.07.2026
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Der neue PZero Race TLR SL-R von Pirelli
Foto: Christian Brunker/ROADBIKE

Maximale Geschwindigkeit auf der Straße dank einer Verbindung von Aerodynamik, Rollwiderstand, Handling und Grip: Das verspricht Pirelli mit dem im Frühjahr vorgestellten PZero Race TLR SL-R. Kurzum: Er sei der aerodynamischste und schnellste Reifen, der jemals in der Rennradreifenserie P Zero Race entwickelt wurde. Ein durchaus ambitioniertes Versprechen. Doch kann der Reifen diesem auch in der Praxis gerecht werden? ROADBIKE-Redakteur Christian Brunker hat den Reifen auf mehr als 1000 Kilometern getestet!

Christian Brunker, ROADBIKE-Redakteur
Christian Brunker
ROADBIKE Testredakteur

Kurz & knapp: Pirelli PZero Race TLR SL-R

  • Gewicht: 285 Gramm (28–622), 295 Gramm (30–622), ROADBIKE-Messung/Mittelwert
  • Größen: 28–622, 30–622 und 32–622 (demnächst)
  • Preis: 104,90 Euro (UVP)

Das sagt der Hersteller

Der PZero Race TLR SL-R sei auf alle Situationen zugeschnitten, bei denen Geschwindigkeit oberste Priorität habe, von Zeitfahren über Straßenrennen bis hin zum Vergnügen auf der Sonntagstour, bis ans Limit zu gehen. Der neue Reifen biete ein einzigartiges Gleichgewicht aus fortschrittlicher Aerodynamik, Fahrkomfort und Leichtläufigkeit, struktureller Leichtigkeit, purer Geschwindigkeit und zuverlässiger Straßenhaftung auch bei nasser Fahrbahn. Bei der Entwicklung habe man außerdem von der Zusammenarbeit mit den Partner-WorldTour-Teams wie Alpecin-Premier Tech, Fenix-Premier Tech und Lidl-Trek profitiert.

Der neue PZero Race TLR SL-R von Pirelli
FRANCESCA LAZZARINI

Neue Technologie

Im Mittelpunkt dieser Neuentwicklung stehe die patentierte Technologie PAAS (Pirelli Advanced Aerodynamic System), die mit diesem Reifen ihr Debüt feiere. PAAS verändert laut Pirelli die Form des Reifens für eine verbesserte Interaktion zwischen Reifen und Felge, damit der Luftstrom gleichmäßiger fließt und der sogenannte Segeleffekt (sailing effect) auf das System Rad-Reifen maximal ausgenutzt werden kann.

Der Segeleffekt hänge auch vom Reifen ab, der als erstes Element des Laufrads mit dem Luftstrom in Kontakt komme. Wenn der Luftstrom nicht perfekt mit dem Rad ausgerichtet sei, setze dieser Effekt aerodynamische Kräfte frei, die den Widerstand in Fahrtrichtung reduzieren. Durch eine gezielte Auslegung der Geometrie beim aufgepumpten, auf der Felge montierten Reifen sowie der Positionierung seiner größten Reifenbreite bewirke PAAS eine verzögerte Ablösung des Luftstroms vom Reifen und die volle Ausschöpfung des Segel-Effekts, von dem die gesamte aerodynamische Effizienz des Laufradsystems profitiere.

Die PAAS-Technologie zeichne sich zudem dadurch aus, dass sie die aerodynamische Leistung steigere, ohne in irgendeiner Weise andere Reifeneigenschaften zu beeinträchtigen: Sie ermögliche es nämlich, Leichtläufigkeit, Fahrkomfort und Straßenhaftung auf höchstem Niveau zu halten und ein ausgewogenes Gesamtverhalten ohne Kompromisse zu gewährleisten.

Die aerodynamischen Studien von Pirelli führten zudem zur Entwicklung einer spezifischen Mikrotextur der Slick-Lauffläche dieses neuen Reifens, die darauf ausgelegt sei, den Luftstrom, die Aerodynamik und den Grip zusätzlich zu optimieren und das Fahrgefühl auch bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern.

Dank ihrer besonderen Form trage der PZero Race TLR SL-R dazu bei, den Luftwiderstand des Rads mit einer durchschnittlichen Einsparung von bis zu 5 Watt unter Seitenwind zu reduzieren, die unter bestimmten Bedingungen bis zu 15 Watt erreichen könne (bei firmeninternen Tests von Pirelli zum Vergleich zwischen P ZERO Race TLR SL-R und P ZERO Race TLR RS).

Der neue PZero Race TLR SL-R von Pirelli
FRANCESCA LAZZARINI

Geringer Rollwiderstand

Beim Aspekt Geschwindigkeit helfe die neue Karkasse LiteCORE mit, den Rollwiderstand im Vergleich zum leistungsstärksten Pirelli-Modell um weitere 10 % zu reduzieren. Der reduzierte Rollwiderstand beeinträchtige aber in keiner Weise das Fahrverhalten: LiteCORE sei die leichteste und leistungsstärkste Tubeless-Ready-Struktur, die jemals von Pirelli für Straßenreifen entwickelt wurde, und gewährleiste ein äußerst reaktionsschnelles Beschleunigen sowie eine präzise Kontrolle in jeder Situation. Daraus entstehe ein Reifen, der pure Geschwindigkeit und Fahrqualität vereine, schnell auf schnellen Abschnitten sei und zugleich stabil, präzise und gut manövrierbar bleibe. Er biete Sicherheit beim Beschleunigen und bei Richtungswechseln bis hin zur Kurvenfahrt bei hohen Geschwindigkeiten.

Der PZero Race TLR SL-R nutzt dabei die SmartEVO²-Compound – die bereits beim RS-Modell zum Einsatz kommt und zahlreiche Rennen gewonnen hat, darunter zwei prestigeträchtige Klassiker wie Mailand–Sanremo 2025 und Paris-Roubaix 2025 mit Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech). Diese High-End-Gummimischung trage wesentlich zur exzellenten Haftung und Fahrkontrolle auf trockenen und nassen Fahrbahnen bei und erweitere die Einsatzmöglichkeiten dieses Reifens auf unterschiedlichsten Asphaltverhältnissen.

Der neue Reifen entspricht laut Pirelli den neuesten ETRTO-Standards und wurde speziell für die modernen Felgen mit breitem Felgenbett und Innenbreiten von 22 bis 25mm optimiert. Bei Einhaltung der angegebenen Luftdruckwerte sei dieser Reifen mit Hookless-Felgen kompatibel und in den Größen 28–622 und 30–622 in der Version mit schwarzen Flanken und silberfarbenem Etikett sowie der gelben "Team Edition" erhältlich. Nach dem Sommer wird er auch in der 32-mm-Version bereitstehen.

Der neue PZero Race TLR SL-R von Pirelli
Christian Brunker/ROADBIKE

Der ROADBIKE-Test

Nun also die große und spannende Frage: Sind die PZero Race TLR SL-R wirklich so schnell und so gut, wie der Hersteller – nachvollziehbarerweise – behauptet? Zunächst das Gewicht: Wir haben bei unseren Testreifen in der Größe 30–622 einen Wert von 295 Gramm ermittelt, damit ist er ca. 5 Gramm leichter als der Referenz-Reifen GP5000 S TR von Continental. Außerdem ist festzuhalten, dass die Tubeless-Montage auf den Hadron-Laufrädern von SwissSide problemlos gelang. Auch ohne Reifenheber ließ sich der Pneu auf die Felge ziehen, das Befüllen ging durch die Silca-Tubeless-Ventile auch ohne Kompressor und war so eine Angelegenheit von wenigen Minuten.

Auf der Straße beeindruckt der Pirelli gleich auf den ersten Metern mit einem extrem geringen Rollwiderstand. Er rollt einfach beeindruckend leichtfüßig, lässt das Rad sehr explosiv beschleunigen. Gleichzeitig bietet er satten Grip auch in schnellen Kurven und lässt keine Unsicherheiten aufkommen. Ob er jetzt wirklich die versprochenen Watt im Vergleich zu anderen Reifen wie Contis Aero-Reifen 111 herausholt, ist in der Praxis nicht wirklich erfahrbar. Aber dass der PZero Race TLR SL-R ein wirklich schneller Reifen ist, können wir ohne Zweifel bestätigen. Bergauf profitiert er von seinem geringen Gewicht, in der Ebene erlaubt er die Jagd nach dem Streckenrekord dank des niedrigen Rollwiderstands.

Eine Frage trieb uns allerdings während der Testfahrten durchaus um. Denn so wortreich Pirelli den PZero Race TLR SL-R auch ankündigt: Über einen Aspekt schweigen sie sich wortreich aus – den Pannenschutz. Gerade für Hobbyfahrer ohne Materialwagen im Schlepptau ein durchaus relevanter Aspekt. Und als schneller, leichter Reifen hatten wir durchaus Sorge vor häufigen Defekten – trotz der Tubeless-Montage. Doch nach mittlerweile mehr als 1000 Kilometern hat uns der PZero Race TLR SL-R nie im Stich gelassen und alle Strecken ohne Platten gemeistert.

Allerdings zeigt sich auf der anderen Seite, dass der Reifen die Luft nicht ganz perfekt hält. Nach Ruhetagen zeigte sich, dass in unserem Fall der Hinterreifen immer wieder mal deutlich mehr Luft verloren hatte, als sein Pendant an der Front. Ein regelmäßiger Check des Reifendrucks vor dem Start ist also in jedem Fall empfehlenswert.