Besser spät als nie: Lange schien es, als wolle Campagnolo der Konkurrenz bei den elektronischen Schaltgruppen das Feld überlassen – insbesondere in der Mittelklasse. Vor mittlerweile sieben Jahren präsentierten die Italiener die Super Record EPS mit 2 x 12 Gängen. Seitdem warten Fans der Traditionsmarke auf einen günstigeren Ableger, doch statt einer Record oder Chorus EPS kamen zwei weitere Varianten der Super Record (WRL und WRL S), die vor allem eines waren: sehr exklusiv mit Gruppenpreisen jenseits der 4000 Euro. Während Shimano und vor allem Sram die elektronischen Schaltungen mit 105 Di2 und Rival AXS in immer niedrigere Preisbereiche brachten und den Markt damit unter sich aufteilten, geriet Campa zunehmend ins Abseits. Doch damit soll nun Schluss sein, mit der neuen Record 13 blasen die Italiener zur Aufholjagd. Kann das gelingen?

Ich fahre seit mittlerweile rund 25 Jahren Rennrad und bin seit rund 10 Jahren für die Radtests verantwortlich. In dieser Zeit habe ich mehrere Hundert Rennräder aller Klassen und Kategorien gefahren. Auch in meiner Freizeit bin ich auf dem Rennrad unterwegs, mit ca. 7000 bis 8000 km pro Jahr, gerne im Schwarzwald, aber auch in den Alpen bei ausgedehnten Pässetouren und Rennen, wie dem Granfondo La Fausto Coppi.
Fakten Campagnolo Record 13
Mit einem UVP von 2699 Euro liegt die Record 13 auf einem ähnlichen Niveau wie die Konkurrenz von Sram und Shimano mit Force AXS und Ultegra Di2. Das Gleiche gilt für das Gesamtgewicht, das Campagnolo je nach Konfiguration mit rund 2780 Gramm angibt. Die Unterschiede zu Ultegra und Force belaufen sich jeweils auf wenige Gramm.

Jeweils 14 Zähne an den Umlenkröllchen sollen die Kette am Schaltwerk optimal führen.
Technische Merkmale
Die Technik übernimmt die Record 13 nahezu komplett von ihrer großen Schwester, der im vergangenen Jahr vorgestellten Super Record 13. So kommen auch die neuen Record Ergopower-Hebel mit dem Campa-typischen Daumenschalter und dessen bewährter Ergonomie. Vor allem in ihrer Kernkompetenz, der Schaltung, überzeugt die Record 13 auf unseren Testfahrten und steht der Super Record 13 in nichts spürbar nach: Die – ab Werk gewachste – Kette wechselt genauso schnell und sehr geschmeidig über die Ritzel, der Kettenblattwechsel gelingt ebenso fix und auch unter Last ohne Probleme und ohne zu hakeln. Kettenabwürfe waren auf mehreren Hundert Kilometern nicht zu verzeichnen; dank guter Video-Tutorials gelingt auch das Feintuning der Schaltung problemlos. Praktisch: Die kann für jedes einzelne Ritzel vorgenommen werden. Dabei läuft die Kette sehr leise und auch die Stellmotoren arbeiten nur mit einem kaum hörbaren Surren. Mit etwas Gewöhnung ist der Daumenschalter aus vielen Griffpositionen gut zu erreichen. Und wie die Konkurrenz bietet auch die Record jeweils einen Zusatzbutton rechts und links. Über die MyCampy-App lassen sich alle Tasten nach Wunsch belegen, außerdem zeigt die App den Ladestand an und kann Firmware-Updates schnell und unkompliziert aufspielen.

Der Umwerfer wiegt gerade einmal 142 g.
Akkusystem
Wie Sram setzt auch Campa auf Akkus direkt im Schaltwerk und Umwerfer. Aus Patentschutzgründen dürfen diese aber nicht identisch sein. Die Ergopower arbeiten via Funk und werden von jeweils einer CR2032-Knopfzelle gespeist.
Einzigartige Eigenschaften
Größtes Alleinstellungsmerkmal ist jedoch das 13. Ritzel. So bietet die Kassette auf den ersten sieben Ritzeln nur jeweils genau einen Zahn mehr und damit die kleinstmöglichen Gangsprünge. Auch oben raus sind es maximal vier Zähne Differenz. So bietet die Record 13 dank des Zusatzritzels eine herausragende Kombination von großer Bandbreite und feiner Gangabstufung. Zwar bietet Campa nur zwei Kassetten an (10–33 und 11–36), bei den Kurbeln stehen dafür sieben Konfigurationen von 45/29 bis zu 55/39 in den Längen 165, 170 und 172,5 mm zur Auswahl. Optional kommen die Kurbeln mit integriertem Powermeter, der praktischerweise mit dem gleichen Kabel wie Umwerfer-/Schaltwerks-Akku geladen wird. Kurz: ein guter Start für eine hoffentlich erfolgreiche Aufholjagd.
Ausgewählte Rennräder mit der Campagnolo Record 13

Raymon Arva Elite, 6999 Euro
Zu den ersten Herstellern, die ein Komplettrad mit der neuen Campagnolo Record 13 anbieten, gehört Raymon. Das Arva Elite kommt außerdem mit Fulcrum Wind 57-Laufrädern und einem One-Piece-Cockpit von Vision.

Vanwoid Attaquer, 9500 Euro
Klein, aber fein: Vanwoid aus dem Bayerischen Wald hat sich auf Rahmen aus Titan spezialisiert, will sich aber mit Rädern wie dem Attaquer von der klassischen Formensprache verabschieden. Unter anderem gibt’s das schicke Rad auch mit Record 13.

Orbea Orca und Orca Aero, ab 6699 Euro
Die Spanier von Orbea bieten sowohl ihren Leichtgewichts-Renner Orca als auch das brandneue Orca Aero mit der Campagnolo Record an. Via Konfigurator lassen sich die weiteren Komponenten ganz nach Wunsch anpassen.
3 Fragen an...

Davide Belfiore, Global Marketing Manager Campagnolo
Das Feedback war äußerst positiv. Mit der Super Record 13 haben wir eine komplett neue Plattform eingeführt: Nun bietet die Record 13 dieselbe Technologie und dasselbe Fahrgefühl für ein breiteres Publikum. Fahrer und Journalisten loben immer wieder Schaltgeschwindigkeit und -präzision, die verbesserte Ergonomie, die Bremsleistung und den insgesamt hohen Fahrkomfort.
Die Gespräche mit den Herstellern verlaufen vielversprechend, schon bald werden mehr Räder mit Record 13 im Handel zu finden sein. Gleichzeitig investieren wir in die Unterstützung unserer OEM-Partner durch die Entwicklung von Traumrädern.
Unser aktueller Fokus liegt auf der erfolgreichen Markteinführung der 13-Gang-Plattform mit Super Record und nun auch Record. Wie immer evaluieren wir kontinuierlich zukünftige Produktentwicklungen, äußern uns aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu möglichen Erweiterungen des Sortiments.





