Die Leichtbau-Spezialisten von Tune erweitern ihr Portfolio: Nach der Gravel-Serie rollt die Nano-Plattform jetzt auch auf die Straße. Mit insgesamt sechs neuen Laufradsätzen für das Rennrad will die deutsche Marke den Spagat zwischen geringem Gewicht, hoher Robustheit und Alltagstauglichkeit schaffen. Wir haben uns die Details und vor allem die neu patentierte Nabentechnologie der CS-Modelle genauer angesehen.
Kurz & knapp: Tune Nano Road/ Road CS
- drei Felgenhöhen: 35, 45 und 60 mm
- Innenmaulweite 24 mm, Außenbreite 32 mm
- Gewicht Nano Road CS 1180 g (35mm) / 1250 g (45 mm)/ 1350 g (60 mm)
- Gewicht Nano Road 1280 g (35 mm)/ 1340 g (45 mm)/ 1440 g (60 mm)
- Preis Nano Road ab 2290 Euro (Standard), ab 2920 Euro (Keramiklager)
- Preis Nano Road CS ab 2790 Euro (Standard), ab 3420 Euro (Keramiklager)
- Preis Nabensatz: 750 Euro/ 1380 Euro (Standard/ Keramiklager)

Ziel bei der neuen Nano Road/ Road CS-Serie war es laut Tune "Leichtbaukompetenz mit hoher Alltagstauglichkeit, Robustheit und Vielseitigkeit zu verbinden".
Während die extrem leichte Yokto-Serie bei Tune weiterhin das Flaggschiff für den reinen High-End-Leichtbau bleibt, positioniert sich die Nano-Serie deutlich breiter. Das Ziel: Ein Laufradsatz, der vom harten Renneinsatz bis hin zum Langstreckentraining alles mitmacht. Das zeigt sich vor allem beim Gewichtslimit: Die neuen Naben und Laufradsysteme sind für ein Fahrergewicht von stolzen 120 Kilogramm sowie ein maximales Systemgewicht (Fahrer, Bike plus Ausrüstung) von 130 Kilogramm freigegeben – angesichts des Fliegengewichts der Laufräder eine Ansage.

Die neue Tune Nano-Serie gibt es in 60, 45, und 35 mm (v. l.)
Die neuen Laufradsätze kommen in drei Felgenhöhen (35, 45 und 60 Millimeter) und sind jeweils als Standard-Version (Nano Road) oder als CS-Version mit Carbon-Speichen (Nano Road CS) erhältlich. Alle Felgen setzen auf ein "Hooked"-Design mit 24 Millimetern Innenmaulweite, was ideal für moderne Reifenbreiten von 28 bis 45 Millimetern sein soll.
Nano CS: Das Problem mit den Carbon-Speichen gelöst
Besonders spannend für Technik-Nerds ist die CS-Serie. Carbon-Speichen sind extrem steif und leicht, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Im Gegensatz zu Stahlspeichen verzeihen sie keine Biegung. Werden sie in einen unnatürlichen Winkel gezwungen, entstehen Spannungen, die das System schwächen.

Bei den Nano‑CS‑Modellen kommen Carbon-Speichen zum Einsatz. Das Problem, dass diese in der Theorie empfindlicher sind, wenn sie in einen unnatürlichen Winkel gezwungen werden, hat Tune mit einem patentierten Nabengehäuse gelöst, bei dem die Speichenaufnahme kugelgefräst ist. So entsteht ein geradliniger, spannungsfreier Speichenverlauf, erklärt der Hersteller.
Bisher erforderte eigentlich jede Felgengeometrie eine speziell darauf abgestimmte Nabe, um den Winkel der Carbon-Speiche perfekt zu treffen. Tune löst dieses Problem nun mit einem patentierten Nabengehäuse: Die Speichenaufnahme ist kugelgefräst. Dadurch wird der Speichenkopf nicht in eine feste Position gezwungen, sondern kann sich auf natürlichem Weg exakt in Richtung des Felgenlochs ausrichten. Das Resultat ist ein geradliniger, spannungsfreier Speichenverlauf, der die Langlebigkeit massiv erhöhen soll. Getestet wurde das System laut Tune bis zu einem Drehmoment von extremen 700 Nm.
Das steckt hinter der Marke Tune
Falls du die Marke noch nicht so genau kennst: Das 1989 von Uli Fahl im badischen Buggingen gegründete Unternehmen Tune ist ein echtes Urgestein in der Welt des Fahrrad-Leichtbaus. Die Schwarzwälder Marke steht seit jeher für High-End-Komponenten und Präzisionsfräskunst "Made in Germany". Bekannt wurde Tune in den frühen 90er-Jahren durch extrem leichte Aluminium-Schraubenkits und Schnellspanner, mit denen Biker das Gewicht ihrer Mountainbikes erstmals unter die magische 13-Kilo-Marke drücken konnten.
Doch der Leichtbau-Hype schwappte schnell auf die Straße über: In den Neunzigerjahren gehörte Jan Ullrich zu den prominentesten Fahrern der Tune-Teile. Bei seinem legendären Tour-de-France-Sieg 1997 und in den Folgejahren vertraute das Team Telekom bei den entscheidenden Bergetappen auf die extrem leichten Naben aus dem Schwarzwald. Tune entwickelte für Ullrichs Tour-Einsatz damals sogar ein spezielles Keramik-Innenlager, um auch das letzte überflüssige Gramm am Rennrad einzusparen.
Heute umfasst das Portfolio der Edelschmiede längst nicht mehr nur Tuning-Kleinteile, sondern vor allem hochwertige Naben, komplette Laufradsätze, Vorbauten und Sättel für Rennrad, Gravel und MTB. Ein besonders cooles Detail aus der Firmenhistorie bleibt unvergessen: In den 90er-Jahren flogen Titan-Schnellspanner von Tune sogar mit der russischen Raumstation MIR ins Weltall, um dort im schwerelosen Raum ganz profan Klapptische und Stühle zu fixieren.

Die Naben gibt es im edlen Silber oder im klassischen Schwarz.
Gewichte und Preise
Dass Tune beim Thema Leichtbau liefert, zeigen die Zahlen auf der Waage. Die Gewichte für die Nano Road Standard-Laufräder liegen bei 1280 g (35 mm), 1340 g (45 mm) und 1440 g (60 mm). Preislich startet diese Serie bei 2290 Euro.
Noch leichter wird es bei den Nano Road CS Modellen mit Carbon-Speichen: Hier drückt das 35-Millimeter-Set das Gewicht auf 1180 g, gefolgt von 1250 g (45 mm) und 1350 g (60 mm). Der Einstiegspreis für die CS-Variante liegt bei 2790 Euro. Wer optional Hybrid-Keramiklager verbauen möchte, zahlt bei beiden Versionen jeweils einen Aufpreis von 630 Euro.





