Schluss mit der Winterpause: Wenn Trails und Radwege unter einer Eis- und Schneeschicht verschwinden, musst du dein Bike nicht in den Keller verbannen. Mit Spikereifen holst du dir den Grip zurück – und kannst die Ruhe im Wald, knirschenden Schnee unter den Stollen und diese ganz besondere Winterstimmung auf dem Rad genießen.
Das Problem: Fertige Spikereifen sind alles andere als günstig. Ein guter Satz für Mountainbike oder Trekkingrad kostet schnell bis zu 200 Euro. Muss aber nicht sein. Mit ein bisschen Geduld, einem alten Reifen und ein paar Schrauben baust du dir deine Winterreifen einfach selbst – und sparst dabei ordentlich Geld.
In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Bildergalerie zeigen wir dir, wie du aus normalen MTB-Reifen funktionierende DIY-Spikereifen machst. Plus: Tipps zu Material, Sicherheit und Fahrverhalten.
Was bringen Spikereifen überhaupt beim Mountainbiken?
Spikereifen sind immer dann spannend, wenn es wirklich glatt wird. Die kleinen Metallspitzen in den Stollen krallen sich in Eis und harten Schnee und sorgen für deutlich mehr Traktion beim Anfahren, Bremsen und in Kurven. Wo du mit normalen Reifen nur noch rutschst, fährt sich ein Spikereifen erstaunlich kontrolliert.
Wichtig ist aber: Spikes haben auch ihre Nachteile. Auf blankem Asphalt rollen sie schwerer, sind lauter und können den Bremsweg verlängern. Sie sind eine Lösung für echte Wintertage, nicht für das ganze Jahr.
Rechtliches: Darfst du mit Spikes fahren?
Die gute Nachricht: Am Fahrrad sind Spikereifen in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die strengen Regeln, die Spikes bei Autos fast überall verbieten, beziehen sich auf die deutlich höheren Gewichte und Fahrbahnschäden von Kraftfahrzeugen. Beim Fahrrad ist das kein Thema. Nähere Infos zur rechtlichen Lage rund um Spikes findest du in unserem Artikel.
Material & Vorbereitung: Das brauchst du für dein Projekt
Für deinen selbst gebauten Spikereifen brauchst du keine Spezialteile – vieles findet sich im Keller oder der Restekiste.
- 1 MTB-Reifen pro Laufrad, gern gebraucht, mit kräftigem Profil (26", 27,5" oder 29", ca. 2,0"–2,4")
- 1 neuer Schlauch pro Laufrad in passender Größe
- 1 alter Schlauch oder anderes stabiles Material (z. B. alter Rennradreifen, Feuerwehrschlauch, Spanngurt) als Schutzlage
- ca. 250-400 kurze Blech- oder Universalschrauben ("Spax") pro Reifen
- möglichst kurze Länge (typischerweise ca. 8–12 mm, je nach Profiltiefe)
- optional gehärtete Blechschrauben für längere Haltbarkeit
- Akku-Schrauber oder Schraubendreher
- dünner Bohrer oder Dorn
- Cutter oder robuste Schere
- Gewebe- oder Panzerband
- Reifenheber, Standpumpe
- Handschuhe + Schutzbrille
Schlauch statt Tubeless: Darum geht es nicht ohne
Auch wenn du dein Bike sonst tubeless fährst: Für DIY-Spikereifen brauchst du einen klassischen Schlauchaufbau.
Der Grund ist simpel: Du durchbohrst die Karkasse an Dutzenden Stellen und schraubst Metallspitzen hinein. In einem Tubeless-System würde dir durch diese Schraubenlöcher permanent Dichtmilch austreten, und das System wird nie wirklich zuverlässig dicht. Du kämpfst mit Druckverlust, matschiger Felge und im schlimmsten Fall mit plötzlichem Luftverlust.
Mit Schlauch, sauberer Schutzlage und einem zusätzlichen "Puffer" aus altem Schlauch über den Schraubenköpfen bist du auf der sicheren Seite – und dein DIY-Spikereifen wird deutlich pannenresistenter.
Spikeriefen selbst bauen
Mit ein bisschen Schrauberlaune und Geduld baust du dir deinen Spikereifen ganz einfach selbst. Alles, was du brauchst: zwei Reifen – gern auch gebrauchte – mit halbwegs kräftigem Profil. Material checken, Werkzeug bereitlegen – und los geht’s mit deinem DIY-Winterprojekt.

1. Die richtigen Schrauben
Als Spikes nutzt du einfache Holz- oder Universalschrauben aus dem Baumarkt, oft unter dem Namen „Spax“ zu finden. Pro Reifen solltest du grob zwischen 250 und 400 Schrauben einplanen. Greif am besten zur kürzesten verfügbaren Länge – meist sind das rund 12 Millimeter. Noch robuster sind gehärtete Blechschrauben, die die Eiskontakte besser wegstecken, dafür aber deutlich teurer sind.

2. Vorbohren
Bevor du die Schrauben von innen durch den Mantel drehst, musst du von außen vorbohren. Am einfachsten geht das mit einem Akku-Schrauber und einem dünnen Bohrer, etwa 1 Millimeter. Setz den Bohrer möglichst genau in der Mitte des jeweiligen Stollens an – so bekommen die Schrauben später genug Seitenhalt und wackeln nicht. Wie viele Löcher du setzt, hängt von deinem Profil und deinem Geschmack ab: Mehr Bohrungen bedeuten mehr Grip auf Eis und Schnee, machen den Reifen aber auch schwerer.

3. Schrauben eindrehen
Die kleinen Löcher vom Vorbohren zeigen dir innen im Reifen genau, wo die Schrauben hinmüssen. Setz dort die Spax an und dreh sie mit dem Akku-Schrauber von innen in den Stollen, bis der Schraubenkopf satt im Gummi sitzt. Wichtig: Geh dabei mit Gefühl vor – wenn du die Schrauben zu weit hineindrehst, leiert das Gewinde im Gummi aus und der Spike sitzt später nicht mehr richtig fest.

4. Schutzschicht
Bevor der Schlauch wieder rein darf, braucht dein Spikereifen unbedingt eine Schutzlage zwischen Schlauch und Mantel – sonst sorgen die Schraubenköpfe sehr schnell für Platten. Für DIY-Spikereifen fährst du übrigens zwingend mit Schlauch: Durch die vielen Schraubenlöcher würde bei einem Tubeless-Setup die Dichtmilch dauerhaft austreten, das System wird nicht zuverlässig dicht.
Praktisch: Du kannst für die Schutzlage super upcyceln – etwa alte Rennradreifen, einen ausrangierten Feuerwehrschlauch oder einen stabilen Spanngurt. Schneide das Material so zu, dass es einmal komplett innen im Mantel entlangläuft und sich die Enden leicht überlappen. Diese Extraschicht liegt später direkt über den Schraubenköpfen und schützt deinen Schlauch zuverlässig.

5. Schrauben ablängen
Jetzt bringst du deine Spikes auf die richtige Länge. Am einfachsten lässt du die Spax mit der Flex „auf Maß“ bringen – entweder mit der Trennscheibe ablängen oder mit einem Schleifaufsatz die Spitzen auf die gewünschte Länge schleifen. Grundregel: Längere Schrauben greifen besser in weichem Schnee und matschigem Untergrund, machen den Reifen aber schwerer und ruppiger. Stehen die Spitzen nur wenige Millimeter aus dem Profil, sinken Gewicht und Rollwiderstand, dafür wird der Effekt im Tiefschnee etwas geringer. Hier darfst du je nach Einsatzbereich bewusst abwägen.

6. Kontrolle
Bevor es raus in den Winter geht, checkst du unbedingt die Freigängigkeit: Drehe das eingebaute Laufrad langsam durch und achte darauf, dass die Schraubenspitzen – auch wenn du das Rad seitlich belastest oder leicht „verkantest“ wie in der Kurve – weder Rahmen noch Gabel touchieren. Hörst du Schleifgeräusche oder siehst Kontaktstellen, musst du die betreffenden Spax noch einmal nacharbeiten und weiter kürzen.

7. Schutzblech
Im Gegensatz zu den kleinen, abgerundeten Spikes in gekauften Winterreifen sind Spax deutlich gröber unterwegs – und damit auch ein größeres Verletzungsrisiko. Vor allem am Hinterrad können die herausstehenden Schrauben schnell mal Hosenboden oder Wade erwischen. Deshalb: Fahr dein DIY-Spikereifen-Setup am besten immer mit Schutzblech, mindestens hinten. So bist du vor unschönen Abschürfungen besser geschützt – und bleibst nebenbei auch noch ein bisschen sauberer.












