Simplon ist gerettet! Nachdem der österreichische Hersteller aus der Bodenseeregion Ende letzten Jahres finanzielle Schwierigkeiten hatte, trug das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung mit neuem Investor nun Früchte.
Das mochten die Tester
geniales System für Vielfahrer und Tech-Freaks
niedriger Schwerpunkt
Baukastensystem ermöglicht Individualisierung
sehr guter Uphill-Charakter
Das mochten die Tester weniger
hohe Geräuschkulisse
wenig souverän in Kurven
hohes Gewicht
unglamouröse Ausstattung
hoher Preis
Ausstattung und Details
Unser Rapcon E-Pinion wurde mit Lagerware aufgebaut und bietet daher "nur" 150 mm Federweg an Front und Heck. Im hauseigenen Konfigurator bietet Simplon das E-Bike ausschließlich mit 160 mm Federweg vorne sowie robusterer Gabel an. Typisch für Simplon ist die umfangreiche Auswahl an Parts nach Baukastenprinzip.
Beim Motor setzt das Bike jedoch fix auf die Pinion-MGU. Für diese gab es kürzlich ein Akku-Update: Dank neuer Zellkonfigurationen sind nun Kapazitäten von 800 bis zu beeindruckenden 1495 Wh mit Range-Extender möglich. Unser Testbike kommt noch mit dem "älteren" 720-Wh-Akku. Bei den übrigen Teilen setzt Simplon auf bewährte, aber angesichts des hohen Preises von 8864 Euro eher unglamouröse Parts: Shimano-XT-Bremsen, Fox- und Rock-Shox-Federelemente der Mittelklasse sowie DT-Swiss-Alu-Laufräder.

Die Belüftungsschlitze am Steuerrohr sollen Akku und Pinion-Motor mit Frischluft versorgen, was im Gelände die Leistungsentfaltung sicherstellen soll.
Fahreindruck Simplon Rapcon E-Pinion
Obwohl das Simplon durch seine kompaktere Gabel etwas wendiger sein müsste, ist es für schnelle Kurvenwechsel weniger geeignet. Auch anspruchsvolle, verblockte Passagen meistert es mit geringerem Federweg und einfacherer Dämpfung vorn im Vergleich zur Konkurrenz weniger souverän. Hier spielt auch das höhere Gewicht eine große Rolle.
Die Performance des Hecks überzeugt: Es agiert sehr aktiv, was an der geringeren ungefederten Masse am Hinterrad liegen dürfte. Simplon wählt eine gemäßigte Sitzposition: Der Lenkwinkel ist flach, der Reach moderat. Der sehr steile Sitzwinkel von 79,1 Grad dürfte jedoch nicht jedermanns Geschmack treffen.
Insgesamt ist das Rapcon ein zuverlässiger Abfahrer, der auf flowigen Trails dank des tiefen Schwerpunkts spürbar in Fahrt kommt. Seinen unverwechselbaren Charakter offenbart die MGU bergauf: Abhängig vom gewählten Gang schiebt der Pinion-Antrieb mit zwar leicht mahlendem, aber angenehm brummigem Geräusch kraftvoll nach vorn.
E-MTB mit Pinion-Getriebe

Die Motor-Getriebe-Einheit von Pinion benötigt lediglich alle 10000 km einen Ölwechsel und ist ansonsten wartungsfrei.
Das kann die Gearbox Pinion genießt unter Technikbegeisterten und Vielfahrern einen exzellenten Ruf für seine unverwüstlichen Getriebeeinheiten, die viele Kettenschaltungen übertreffen. Umso größer war die Überraschung, als die Denkendorfer ihre MGU (Motor-Gearbox-Unit) präsentierten, bei der E-Bike-Motor und Stirnradgetriebe ein gemeinsames Gehäuse nutzen. Drei hintereinandergeschaltete Getriebesätze mit je vier Gängen ergeben insgesamt zwölf Gänge und eine beachtliche Bandbreite von über 600 Prozent. Ein weiterer Vorteil: Das Schalten unter Last ist erlaubt, auch wenn dabei gelegentlich ein leicht knirschendes Geräusch entsteht. Bei der Kraftübertragung zum Hinterrad haben Hersteller die Wahl: Rotwild setzt bei seinen MGU-Bikes auf die klassische Kette, während der Großteil des Marktes Zahnriemenantriebe bevorzugt. Diese bieten den enormen Vorteil der nahezu verschleißfreien Funktion. Die Motor-Getriebe-Einheit selbst benötigt lediglich alle 10000 km einen Ölwechsel und ist ansonsten wartungsfrei. Softwareseitig bietet die MGU einige interessante Schaltfunktionen: "Pre-Select" ermöglicht die automatische Gangwahl in Abhängigkeit von der Trittfrequenz. Beim Anhalten wählt das System selbstständig einen vordefinierten Startgang (Start Select). Im Alltag, beispielsweise an Ampeln, sind diese Funktionen genial, auf anspruchsvollen Trails überzeugen sie jedoch nicht immer vollständig.





