Ist teuer wirklich besser? Schützt ein Wet-Lube effektiver vor Rost als ein Dry-Lube? Und kann sogar simples Olivenöl eine Alternative sein? Statt auf Marketing-Versprechen zu vertrauen, haben wir die Fakten geschaffen und 13 Kettenöle auf Herz und Nieren geprüft. In den Speziallaboren von Dr. Wack und Tunap haben wir die Schmiermittel standardisierten Prüfungen nach DIN-Norm unterzogen, ihr Verhalten im Salzsprühnebel analysiert und den Leistungsverlust auf einem deutschlandweit einzigartigen Kettenprüfstand gemessen. Unser umfassender Test liefert die ungeschönten Antworten und zeigt, welcher Schmierstoff sich den Testsieg wirklich verdient hat.
13 Kettenöle für nasse & trockene Bedingungen im Test

Insgesamt 13 handelsübliche Kettenöle haben wir im Labor überprüft.
Für unseren großen Vergleichstest haben wir ein breites Feld an Schmiermitteln ins Labor geschickt: Insgesamt 13 Produkte, aufgeteilt in acht Wet-Lubes und fünf Dry-Lubes, decken die unterschiedlichen Einsatzgebiete ab. Während die dickflüssigeren Wet-Lubes speziell für den Einsatz bei schlechtem Wetter und Nässe optimiert sind, sollen die dünnflüssigeren Dry-Lubes bei Trockenheit und Staub mit geringer Schmutzanhaftung punkten. Auch preislich zeigt sich eine große Spanne: Die Kosten für die Öle von Herstellern wie Antidot, Brunox, F100, Motorex, Peaty’s, Pedro’s, R.S.P. und Tunap Sports reichen von günstigen 8 Euro bis zu sportlichen 18 Euro pro 100 ml.
8 Kettenöle für nasse Bedingungen im Test
Nass-Kettenöle sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter optimal. Ein dickeres Grundöl ist mit Haftvermittlern versehen. Die Kette wird mit einem Schutzmantel umgeben. Nachteil: Auch Schmutz haftet besser an der Kette.
5 Kettenöle für trockene Bedingungen im Test
Öl für trockenes Wetter (nicht zu verwechseln mit Trockenschmiermittel) ist dünner, und dringt besser in die Laschen und Glieder ein. Es ist weniger sichtbar, wäscht sich aber auch schnell wieder ab.
So haben wir Kettenöl im Labor getestet & bewertet

Ob Korrosion, Schmutzanhaftung oder wie hier Verschleiß: Alle Öle wurden im Labor ordentlich gefordert.
Unser großer Labortest in Zusammenarbeit mit Tunap und Dr. Wack bewertete die Kettenöle in verschiedenen Kategorien, die zusammen das Endergebnis bilden. Hier sind die einzelnen Prüfungen im Detail:
- Verschleißschutz (40 % der Gesamtnote): Dies war der wichtigste Test. Er wurde zweigeteilt:
- Ein Test simulierte kurze, harte Sprints und Schaltvorgänge unter Last, indem ein geölter Metallzylinder gegen einen rotierenden Ring gepresst wurde.
- Ein zweiter Test ahmte die gleichmäßige Bewegung der Kettenglieder nach, indem eine Kugel auf einer geölten Metallplatte hin- und herbewegt wurde.
- Korrosionsschutz (30 %): Um den Schutz vor Rost zu prüfen, wurden mit Öl benetzte Metallplättchen für 24 Stunden in eine Kammer mit Salznebel gehängt und danach optisch bewertet.
- Schmutzanhaftung (15 %): Es wurde gemessen, wie viel Sand an eingeölten Eisenplättchen haften bleibt, nachdem sie auf eine Sandoberfläche gelegt wurden.
- Leistungsverlust (5 %): Auf einem speziellen Prüfstand mit zwei Motoren wurde über eine simulierte 100-km-Strecke gemessen, wie viel Tret-Leistung (in Watt) durch die Reibung in der Kette verloren geht.
- Anwendung (5 %): In der Werkstatt wurde bewertet, wie gut und präzise sich das Öl aus der jeweiligen Flasche dosieren lässt.
- Abschleuderverhalten (nur bei Dry-Lubes, 5 %): Es wurde getestet, wie viel Öl von einer schnell rotierenden Scheibe abgeschleudert wird. Dies zeigt, wie gut das Öl nach dem Auftragen an der Kette haftet.
Zusätzlich wurde die Kriechfähigkeit geprüft, also ob das Öl tief genug in die Kettenglieder eindringen kann. Diesen Test haben alle Öle im Testfeld bestanden.
Fachbegriffe beim Kettenöl leicht erklärt
Additive sind die Zusätze, die dem Basisöl beigemischt werden. Sie verbessern zum Beispiel die Schmierfähigkeit.
Das bedeutet, dass das Öl zu einem bestimmten Prozentsatz innerhalb eines bestimmten Zeitraums biologisch abgebaut wird. Chemische Bestandteile, zwischen 5 und 40 Prozent, bleiben meist aber als Rückstände übrig.
Graphit ist ein Trockenschmierstoff wie Keramik, der in Pulverform dem Öl beigemischt wird. Graphit verbessert die Schmierfähigkeit. Es färbt das Öl schwarz.
Keramik erhöht als Additiv die Schmierfähigkeit des Öls. Es ist zudem extrem druckbeständig und meist teurer.
Mineralisch sind die meisten Kettenöle. Da Kettenöle zu 95 bis 97 Prozent aus einem Trägeröl bestehen, ist es günstiger, ein preiswertes Mineralöl zu verwenden.
Polymere sind Kunststoffpartikel, die das Öl binden bzw. dicker machen. PTFE ist auch als Teflon bekannt. Es dient als Additiv für eine bessere Schmierfähigkeit und ist wasserabweisend. Zudem ist es kunststoffverträglich.
Darunter versteht man, dass das Basisöl künstlich hergestellt wird. Es eignet sich für hohe Drehzahlen oder hohe Temperaturen, ist aber teurer als Mineralöl.
Silikon verbessert die Schmierfähigkeit, ist kunststoffverträglich und zudem wasserabweisend.
Wachs dient ebenfalls als Schmiermittel bzw. als Basis für ein Kettenöl. Es wird synthetisch hergestellt.












