Die schlaue Alternative zum 26-Kilo-Tourer: Canyons neues Leicht-E-Bike im Test!

Canyon Pathlite:ONfly 8 im Test
So leicht geht E-Bike-Trekking heute!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.05.2026
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Kleine Geschwister haben es nie leicht, man wird schließlich oft mit den größeren, erfahrenen Geschwistern verglichen. Das Canyon Pathlite:ONfly muss sich genau diesem Vergleich stellen – denn mit dem Pathlite:ON SUV hat Canyon bereits ein schweres, komfortabel gefedertes Trekking-E-Bike mit großem Bosch-CX-Motor und dickem Akku im Programm. Das Pathlite:ONfly geht bewusst den anderen Weg: weniger Akku, weniger Drehmoment, dafür deutlich weniger Gewicht. Ob das im Alltag wirklich einen Nachteil bedeutet – oder ob das leichtere Geschwisterchen am Ende sogar die cleverere Wahl ist? Wir haben das Pathlite:ONfly 8 für 3.499 Euro über mehrere Wochen im Alltag und auf Touren bewegt. Hier haben wir weitere E-Bikes ab fairen 900 Euro in der Test-Zusammenfassung.

Moritz Schwertner, Redakteur BikeX
Moritz Schwertner
BikeX-Redakteur und E-Bike-Experte

Kurz & knapp: Canyon Pathlite:ONfly 8

  • vollausgestattetes Trekking-E-Bike
  • Alu-Rahmen (S bis L, Diamant- oder Trapezrahmen)
  • 22 kg schwer
  • Angetrieben von Bosch Performance Line SX (60 Nm)
  • ... kombiniert mit einem entnehmbaren 400-Wattstunden-Akku
  • 12-Fach Shimano-XT-Kettenschaltung, 100-mm-Federgabel
  • Preis: 3499 Euro (Modellreihe ab 2999 Euro)

Canyon Pathlite ONfly 8: Von wegen nur für die Kurzstrecke!

Nach heutigen Maßstäben wirkt das Konzept vom Pathlite:ONfly irgendwie überholt: "Nur" 60 Newtonmeter Drehmoment? "Nur" 400 Wattstunden Akku? Das geht doch alles besser! Zahlenseitig stimmt das natürlich – Bosch liefert im CX mittlerweile bis zu 100 Nm, DJI in ausgewählten E-MTBs sogar irrwitzige 150. Auch die Akkus sind gefühlt überall größer. Wieso macht Canyon das?

Das hat seinen Grund: Gewicht. Allein der kleine Bosch-SX-Motor im schön gefertigten Alu-Rahmen ist nicht ganz ein Kilo leichter als der große Bruder CX, auch die entnehmbar gelagerten 400 Wattstunden im Unterrohr sind mit 2 Kilo leichter, als etwa ein 800er mit 4 Kilogramm. So kommt das Pathlite:ONfly trotz vollständiger Alltagsausstattung mit Licht, Gepäckträger und Co. auf sehr kompetitive 22,1 Kilo samt Pedalen. Zum Vergleich: Das "normale" Pathlite:ON SUV ist insgesamt satte vier Kilo schwerer. Übrigens: Welcher Akku zu dir passt, und welche Reichweiten realistisch sind, sagen wir dir hier.

Ausstattung: viel Fahrrad für dein Geld

Canyon Pathlite:ONfly im Test!
Moritz Schwertner

Für 3.499 Euro bekommst du beim Pathlite:ONfly 8 ein erstaunlich erwachsenes Gesamtpaket. Die Shimano Deore XT mit zwölf Gängen zählt zu den besten Kettenschaltungen am Markt und liefert knackige, präzise Schaltvorgänge – auch unter Volllast. Vorne sorgt eine SR-Suntour-Federgabel mit 100 Millimetern Federweg dafür, dass Wurzeln, Bordsteinkanten und Schlaglöcher nicht ungefiltert in den Händen ankommen. Hinten ist zwar ein starres Heck verbaut, Canyon spendiert dem Rad aber eine gefederte und absenkbare Sattelstütze, die zumindest die gröbsten Stöße vom Gesäß fernhält.

Die hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen mit 180-Millimeter-Rotoren verzögern zuverlässig, verlangen im Vergleich zu Vierkolben-Stoppern allerdings etwas mehr Handkraft – mehr dazu im Praxisteil. Ansonsten fehlt es an nichts: Integrierte Beleuchtung vorn und hinten, stabile Schutzbleche, ein belastbarer Gepäckträger und eine Klingel sind ab Werk montiert. So ist das ONfly 8 direkt nach dem Aufbau pendel- und alltagstauglich – ohne dass du noch einen Cent extra in Zubehör investieren musst.

Im Alltag gefahren: Canyon Pathlite:ONfly 8

Auf den ersten Metern fällt sofort auf, wie leichtfüßig sich das Canyon anfühlt. Die 22 Kilo merkt man: beim Anfahren, beim Rangieren im Keller und vor allem dann, wenn der Akku mal leer sein sollte. Denn anders als manches 26-Kilo-Schlachtschiff lässt sich das Pathlite:ONfly auch ohne Motorunterstützung noch vernünftig nach Hause treten – kein unwichtiger Punkt.

Der Bosch Performance Line SX-Motor begeistert mit seinem natürlichen Fahrgefühl. Die 60 Newtonmeter klingen auf dem Papier bescheiden, in der Praxis reichen sie für den Alltag aber vollkommen aus. Der Motor spricht feinfühlig an, unterstützt harmonisch und fällt bei Tempo 25 sanft ab, statt eine harte Kante zu setzen. Wer von einem CX-getriebenen Rad umsteigt, wird den Unterschied bergauf spüren – aber ehrlich: Im Flachland, auf dem Weg zur Arbeit und selbst bei moderaten Steigungen liefert der SX mehr als genug Schub. Die Kadenzabhängigkeit fällt positiv auf: Wer flott tritt, wird belohnt. Das erzieht zu einem sportlichen, effizienten Fahrstil und schont gleichzeitig den Akku.

Apropos Akku: Die 400 Wattstunden reichten im gemischten Betrieb – also mal Eco, mal Tour, an Ampelstarts auch mal Turbo-Modus – in unserem Test für rund 50 bis 70 Kilometer, je nach Topografie und Eigenleistung. Das ist für den täglichen Pendlerweg absolut praxistauglich. Wer mehr will, kann den optionalen 250-Wh-Range-Extender nachrüsten und kommt damit auf insgesamt 650 Wattstunden – genug selbst für ausgedehnte Wochenendtouren.

Die Sitzposition ist ab Werk eher sportlich-gestreckt. Der Vorbau steht in der niedrigsten Position, was Vielfahrern und sportlich Ambitionierten entgegenkommt. Wer es gemütlicher mag, sollte den Vorbau unbedingt hochsetzen oder über einen kürzeren, steileren Vorbau nachdenken. Ganz zum Komfort-Tourer wird das ONfly aber auch dann nicht: Der steife Alu-Rahmen und das starre Heck lassen auf schlechten Wegen durchaus spüren, worüber man rollt. Die gefederte Sattelstütze mildert das ab, ersetzt ein vollwertiges Hinterbau-Fahrwerk aber natürlich nicht.

👍 Das gefällt

  • voll- und hochwertig ausgestattet, vor allem gemessen am Preis
  • gute Gabel, mitfedernde und versenkbare Sattelstütze
  • starker Motor, ausreichende Akku-Ausdauer
  • optional 250-Wh-Range-Extender
  • für heutige Verhältnisse und Rad-Klasse sehr leicht

👎 Das weniger

  • eher knackig-sportlich, Vorbau ab Werk sehr niedrig gestellt
  • Fahrwerk trotz federnder Sattelstütze kein Komfortwunder
  • Bremsen brauchen Handkraft

💗 Das perfekte Rad für ...

  • ... sportliche Pendler und Tourenfahrer, die ein leichtes, agiles Trekking-E-Bike suchen

Fazit