32-Zoll-MTB im Test: Ist das die Zukunft?

32-Zoll-Bike im ersten Test!
Werden 32-Zoll-Laufräder das nächste große Ding?

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.03.2026
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Die Diskussion um Laufradgrößen ist dabei keineswegs neu: Bereits vor rund 15 Jahren setzten die 29er zu ihrem Siegeszug gegenüber den 26-Zöllern an. Wiederholt sich die MTB-Geschichte? "Die können mich mal, es geht doch nur darum, wieder etwas Neues verkaufen zu können." "Sieht das bescheiden aus!" "Ich glaube nicht, dass kleine Fahrer von dem Hype profitieren können." Kritische Stimmen rund um die XXL-Laufräder gibt es seit ersten Messeauftritten Anfang 2025 sowie in Leserbriefen an MOUNTAINBIKE und Diskussionen in der Online-Szene reichlich.

Unabhängig von möglichen Vorteilen für größere Fahrer, gewinnt die Diskussion spürbar an Brisanz. In Zeiten einer wirtschaftlich angespannten Lage und daraus resultierender Kaufzurückhaltung liegt der Verdacht nahe, dass Hersteller sich davon neue Kaufimpulse versprechen. Zeit für uns, on Trail zu prüfen, ob 32-Zoll-Laufräder wirklich das nächste große Ding sind.

Henri Lesewitz

Der Start der großen 32-Zoll-Debatte

Steigt bald die 32-Zoll-Welle? Was Ende 2024 mit ersten 32-Zoll-Pneus von Maxxis sowie Einzelanfertigungen kleiner Manufakturen wie DirtySixer als Randerscheinung begann, hat sich innerhalb weniger Monate zu einem echten Hype entwickelt. 32-Zoll-Prototypen bestimmen Berichte und Kommentare der MTB-Szene. Immer mehr Hersteller testen – teils im Verborgenen, teils medienwirksam – auf Racetracks und in Feldversuchen, welches Disruptionspotenzial die neue Laufradgröße tatsächlich mitbringt.

Potenzial im Cross-Country-Bereich

Große Hoffnungen ruhen dabei auf der Cross-Country-Kategorie: Die UCI hat das Laufradmaß für den MTB-Weltcup freigegeben, sodass zeitnah mit Einsätzen bei großgewachsenen Fahrern wie Filippo Colombo, Chris Blevins und Co. gerechnet werden darf. Bei der Serienreife der XXL-Laufräder zeigt sich das Bild bislang jedoch verhaltener. Kleinserien-Hersteller wie Stoll oder Actofive haben erste 32-Zoll-Bikes zur Vorbestellung angekündigt, weitere dürften folgen.

Auch bei Reifen- und Laufradherstellern wie Maxxis oder Bike Ahead befinden sich entsprechende Produkte in der Pipeline. Deutlich kleiner fällt die Auswahl bei den Federgabeln aus: Lediglich Intends Upside-down-Federgabel Samurai ist derzeit für 32 Zoll ausgelegt. Im Prototypenstatus waren vereinzelt Gabeln zu sehen, deren Designs an die Handschrift von Fox erinnern. Nach Einschätzung von Brancheninsidern dürfte 32 Zoll jedoch frühestens ab 2027 in größerem Maßstab durchstarten.

Technik-Grundlagen 32 Zoll vs. 29 Zoll: Durchmesser, Gewicht, Trägheit

In Laufraddebatten wird oft die Zollzahl des Reifenaußendurchmessers genannt – diese variiert jedoch mit Luftdruck und Felgeninnenmaulweite. Aussagekräftiger ist der ETRTO-Innendurchmesser (Sitz des Reifens auf der Felge). Mit 686 mm liegt 32 Zoll rund zehn Prozent über dem Twentyniner.

Wo der Durchmesser wächst, steigt das Gewicht. Erwartbar sind je Reifenpaar etwa +150 Gramm gegenüber 29 Zoll; bei gröberen Profilen könnte das Delta größer werden. Bei den Laufrädern beträgt der Unterschied zwischen 29 und 32 Zoll etwa 250 Gramm. Diese Masse sitzt weiter von der Achse entfernt – das erhöht das Trägheitsmoment.

Mehr Trägheitsmoment bedeutet: Es braucht mehr Kraft für Beschleunigen und Verzögern – kleinere Kettenblätter und größere Bremsscheiben werden bei 32 Zoll naheliegen. Gleichzeitig steigen die Kreiselkräfte: 32er halten Tempo besser, laufen ruhiger und spurtreuer – insbesondere bei Highspeed. Kompromiss: trägeres Einlenken. Der größte Vorteil bleibt das Überrollverhalten. Der flachere Anrollwinkel lässt Kanten "kleiner" wirken, reduziert Energieverluste und erhöht Komfort und Geschwindigkeit in ruppigem Terrain.

Diese Anpassungen am Bike braucht es bei 32 Zoll!

Die großen Laufräder verändern das Sitz- und Lenkgefühl merklich und fordern Anpassungen.

Henri Lesewitz

So fährt sich 32 Zoll: Erster Test

Was auf dem Papier und in der Theorie sinnvoll erscheint, muss im Trailbetrieb noch lange nicht performen – das haben viele vermeintliche Innovationen im MTB-Sport gezeigt. Höchste Zeit also, ein erstes 32er im Geländeeinsatz zu testen! Die Carbonschmiede Bike Ahead ist als erster deutscher Hersteller auf den 32-Zoll-Zug aufgesprungen, wobei zunächst nur die ikonischen Biturbo-Laufräder in dieser Größe angeboten werden. Der Versuchsträger Project 32 Zoll wird ein Einzelstück bleiben, eine Serienfertigung ist nicht geplant. Als Basis dient das Twentyniner The Frame, wobei der Rahmen am Hinterbau verlängert und neu laminiert wurde – auch die Bremsaufnahme wurde am Prototyp modifiziert. Wir durften das Bike einige Stunden auf Flowtrails und knackigen Anstiegen als erstes Magazin ausprobieren.

Fahrverhalten auf dem Trail

Man steigt auf das 32-Zoll-Mountainbike und erwartet erst einmal ein gewisses Maß an Umgewöhnung: eine höhere Front, ein anderes Gefühl in Kurven, vielleicht eine Spur Behäbigkeit. Doch die ersten Meter überraschen. Die Kontaktpunkte liegen quasi dort, wo man sie intuitiv von einem 29er vermuten würde. Nur das Innenlager wirkt am Bike-Ahead-Prototyp etwas höher positioniert, sodass man sich minimal "über" dem Rad thronend fühlt. Das Bike verhält sich auf den ersten Metern erstaunlich unaufgeregt. Der visuelle Eindruck – große Räder, viel Bike vor einem – verliert schon nach wenigen Minuten an Bedeutung.

Beim Antritt aus dem Stand oder aus sehr langsamer Fahrt fühlt sich das Rad weniger explosiv an als ein leichtes 29-Zoll-XC-Bike. Das ist physikalisch logisch: Mehr rotierende Masse bedeutet mehr Aufwand, um sie in Schwung zu bringen. Doch einmal auf Geschwindigkeit, zeigt sich eine andere Seite: Das Rad hält sein Momentum extrem gut. Im Gelände mit vielen kleinen Hindernissen wirkt das 32-Zoll-Bike fast wie ein Gummiband – man verliert weniger Geschwindigkeit, muss weniger nachtreten und fließt besser durch ruppige Passagen.

Wird der Trail zorniger, speziell auf Wurzelpassagen und bei mehreren Unebenheiten, zeigt sich der Charakter des neuen Laufradmaßes: Das Bike rollt recht unbeeindruckt über Hindernisse und lässt diese kleiner wirken, dennoch ist dabei eine gewisse Prise Körpereinsatz gefordert. Das Rad baut Geschwindigkeit behäbiger auf, hält diese dafür im Gelände spürbar länger. Korrekturen am Volant sind deutlich seltener nötig. Der Effekt ist bergab am stärksten, aber auch bergauf spürbar. Am Hinterrad bleibt man seltener hängen.

Grafik 32 Zoll Laufradgröße
Gunild Carle

Ein überraschendes Sicherheitsgefühl stellt sich ein: Schlüsselstellen wirken weniger bedrohlich, das Rad liegt satter auf dem Trail. Man steht zentral zwischen den großen Rädern, was Vertrauen gibt – besonders in steileren Sektionen. Einen großen Anteil hat dabei auch der Kurvengrip: Trotz herbstlich-schmieriger Verhältnisse grippten die kahlen Maxxis Aspen prima.

Wendigkeit und Agilität

Einer der größten Vorbehalte gegenüber 32-Zoll-Bikes betrifft die Wendigkeit. Auf dem Papier klingen größere Laufräder nach trägen Richtungswechseln und wenig Agilität. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Das Bike lässt sich gut in Kurven legen, erfordert etwas mehr Gegenhalt, belohnt aber mit einer ruhigen, kontrollierten Linie. Enge Kurven und selbst Spitzkehren fühlen sich nicht wie eine Schwachstelle an – schnelle Richtungswechsel sind möglich, ohne dass das Rad übermäßig sperrig wirkt.

Der Effekt ist weniger spektakulär als das Überrollverhalten, aber dafür umso überraschender: Wendigkeit ist kein grundsätzliches Thema. Viel hängt vom Setup ab – Vorbau, Fahrwerk, Reifen –, doch 32 Zoll fühlen sich keineswegs wie ein "Schiff" an. Gerade bei moderaten Geschwindigkeiten und technischen Kurven bleibt das Bike erstaunlich handlich. Trotz des größeren Durchmessers bleibt das Bike auffallend verspielt. Kleine Kuppen und Wellen animieren dazu, das Rad abzuheben, Hindernisse lassen sich leicht überspringen.

Doch nicht alles wirkt ohne Einschränkung perfekt. Besonders auffällig ist der Bereich zwischen Hinterrad und Hinterteil in extremen Steilstücken: Bei aktiver Fahrweise und größeren Federwegsbereichen kann es eng werden. Dieser Faktor dürfte eine der markantesten Limitierungen für Fahrer unter etwa 1,80–1,85 m werden – vor allem bei Bikes jenseits der 140 mm Federweg. Das Tretlager des Versuchsträgers von Bike Ahead könnte tiefer positioniert sein, um tiefer im Rad zu stehen.

Trail-Hardtail-Test
Lukas Hoffmann
Redakteur

Pro

 rollt besser über Hindernisse

 hält den Speed konstanter

 bietet mehr Traktion

 erhöht den Komfort

 läuft ruhiger

Contra

 weniger agil

 mehr Kraft beim Beschleunigen

 höheres Gesamtgewicht

 Probleme bei der Clearance zum Fahrer