Rennrad im heißen Auto? Nicht das Carbon ist das Problem, sondern dieses kleine Teil

Es gibt keine dummen Fragen!
Kann mein Carbon-Rennrad im Auto schmelzen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.06.2026
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Packing up my bicycle
Foto: E+

Von der voll klimatisierten Komfortlimousine zum Backofen in wenigen Minuten: Schon ein kurzer Stopp auf dem Parkplatz lässt die Temperaturen in einem Auto rasant ansteigen – je nach Außentemperatur auf mehr als 60 °C, auf dem Armaturenbrett sogar um die 80 °C. Aber kann das einem Carbon-Renner etwas anhaben?

Das sagen die Experten

Wir von ROADBIKE haben bei den Experten aus der Industrie nachgefragt. "Tatsächlich führen wir Temperaturtests mit unseren Rädern durch, um Schäden beim Transport zu vermeiden", sagt Max Könen, Head of Road Bike Engineering bei Scott. "In den Schiffscontainern oder Lkws auf dem Transport zum Bestimmungsort steigen die Temperaturen häufig auf bis zu 80 °C an. Die Harzsysteme, welche typischerweise bei der Fahrradproduktion verwendet werden, sind duroplastisch – das heißt, dass sie nach der Aushärtung nicht mehr schmelzbar und sehr formstabil sind. Auch die verwendeten Lacke härten unter Temperaturen jenseits der 80°C aus und bleiben nach dem Trocknen hitzebeständig. Die größte Gefahr besteht wohl eher durch die Verflüssigung der Schmiermittel wie Kettenwachs oder Lagerfett."

Auch Frank Greifzu von Cube gibt Entwarnung: "Die Kunststoffanteile im Verbundwerkstoff ändern ihre Eigenschaften im Aushärtungsprozess erst bei gut 120–150 °C. Alles, was sich an späterer Einwirkung unter 100 °C abspielt, kann man unterm Strich als unkritisch betrachten."

Wie sieht es bei den Reifen aus?

Schließlich dehnt sich warme Luft aus. Können also Rennradreifen platzen? "Wir testen unsere Schwalbe-Reifen in Kombination mit ETRTO-konformen Felgen weit über den ISO-Standard hinaus – mit einem Sicherheitsfaktor des 1,6-fachen des maximalen Luftdrucks für mindestens eine Stunde. Erst dann geben wir die Reifen frei", sagt Steffen Jüngst von Schwalbe. "Ein Schwalbe-Reifen sollte im beschriebenen Fall auf einer ETRTO-konformen Felge also in der Regel nicht platzen. In Extremsituationen mit Vorschäden an Felge oder Reifen kann es jedoch trotzdem zu einem Ablösen kommen – das ist dann vom Fall abhängig. Die Dichtmilch sollte in einem solchen Fall nicht schneller austrocknen."

Young female athlete preparing to ride a bike through countryside
E+

Tipp: Auch auf Akkus bei Hitze achten

Deutlich kritischer als Carbonrahmen oder Reifen sind jedoch die Akkus: Li-Ion-Akkus mögen generell keine übermäßige Hitze, das gilt auch für die Akkus etwa der Shimano Di2. Diese haben einen vorgegebenen Betriebstemperatur-Bereich, während der Entladung – also der normalen Fahrt – zwischen –10 °C und 50 °C. Geladen werden soll er nur zwischen 0 °C und 45 °C. "Falls der Akku außerhalb des Temperaturbereichs verwendet oder aufbewahrt wird, besteht die Gefahr eines Brandausbruchs oder von Verletzungen oder es können Probleme bei der Verwendung auftreten", schreibt Shimano in seinem Benutzerhandbuch. "Der Akku darf nicht an Orten zurückgelassen oder verwendet werden, an denen die Temperatur auf über 60 °C ansteigen kann. Bei Nichtbeachtung kann der Akku auslaufen oder sich überhitzen und es besteht die Gefahr von Verbrennungen und anderen Verletzungen."

Cannondale SuperSix Evo Di2 Akku und Tretlager
Cannondale

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