Nach den Boomjahren steht die Fahrradbranche vor einer schwierigen Aufgabe: Der Markt dürfte bis 2030 weitgehend stagnieren. Gleichzeitig zeigt eine neue Untersuchung von Women in Cycling Germany und IFH KÖLN, dass es durchaus noch erhebliches Wachstumspotenzial gibt – bei einer Zielgruppe, die größer ist, als es ihr bisheriger Anteil am Markt vermuten lässt.

Als BikeX-Autorin bekomme ich täglich die aktuellen News aus der Welt der Fahrräder und E-Bikes mit: Wo gibt’s neue Produkte? Welche Themen werden in der Branche gerade diskutiert? Welche Trends sind berichtenswert? Mein Ziel: Meine Artikel so zu schreiben, dass alle Fahrrad-Fans schnell und umfassend informiert sind.
Und natürlich darf auch eine gute Portion Spaß und Unterhaltung für zwischendurch nicht zu kurz kommen! Mein Tipp? Checkt mal unsere Quizzes für Radfahrer aus: Welcher Fahrrad-Promi steckt in dir? Kennst du die Bedeutung dieser Schilder? Und für echte Nerds: Wie heißen diese (unbekannten) Fahrradteile?
Viel Spaß beim Lesen!
Frauen sind größte Wachstumschance der Fahrradbranche

Beim Fahrradmarkt liegt der Umsatzanteil von Frauen deutlich unter ihrem Anteil an der Bevölkerung.
Die Zielgruppe sind Frauen. Sie stellen rund 51 Prozent der Bevölkerung, kommen beim Fahrradmarkt bislang aber nur auf 38 Prozent des Umsatzes. Bei Fahrradbekleidung liegt ihr Anteil sogar bei 28 Prozent, bei Reparaturen bei 32 Prozent.
Die Studie kommt deshalb zu einer bemerkenswerten Prognose: Werden Frauen gezielter angesprochen und bestehende Hürden abgebaut, könnten bis 2030 520 bis 950 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz im deutschen Fahrradmarkt entstehen. Allein beim Fahrradverkauf liegt das mögliche Plus bei bis zu 570 Millionen Euro.
Noch heute setzen Frauen bereits rund 4,46 Milliarden Euro mit Fahrrädern, Zubehör, Bekleidung und Service um. Das Problem scheint also weniger fehlendes Interesse zu sein. Vielmehr gibt es offenbar eine Lücke zwischen dem vorhandenen Interesse und dem tatsächlichen Kauf- und Nutzungsverhalten.
Eine wichtige Hürde: Sicherheit

Fast jede zweite befragte Frau fühlt sich beim Radfahren im Straßenverkehr unsicher.
Einer der größten Bremsfaktoren ist laut Studie die Sicherheit. 49 Prozent der befragten Frauen fühlen sich im Straßenverkehr unsicher. Für 56 Prozent ist Sicherheit zudem ein wichtiges Kriterium beim Fahrradkauf – bei Männern sind es lediglich 37 Prozent.
Die Branche kann also nicht allein mit neuen Produkten punkten. Auch die Bedingungen, unter denen Fahrräder genutzt werden, beeinflussen die Kaufentscheidung.
Hinzu kommt der Wunsch nach Orientierung. Persönliche Empfehlungen, Beratung und vertrauenswürdige Ansprechpartner spielen laut Studie eine wichtige Rolle. Technische Details stehen dagegen nicht zwangsläufig an erster Stelle.
Bessere Kommunikation und gute Angebote sind gefragt
Die Konsequenz für Hersteller und Handel: Wer diese Kundinnen erreichen will, muss nicht einfach nur mehr Fahrräder verkaufen. Gefragt sind verständliche Kommunikation, gute Beratung, mehr Vertrauen und Angebote, die sich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen im Alltag orientieren. Auch Leasing und Service könnten eine größere Rolle spielen.
Die Studie zeigt damit ein ungewöhnliches Bild für einen stagnierenden Markt: Das Wachstumspotenzial liegt nicht unbedingt in einer neuen Produktkategorie, sondern in einer Kundengruppe, die längst da ist. Wenn bestehende Hürden abgebaut und Frauen gezielter angesprochen werden, könnte daraus bis 2030 ein zusätzliches Marktvolumen von bis zu 950 Millionen Euro entstehen.





