Nachhaltigkeit gehört inzwischen zu den großen Schlagworten der Fahrradbranche. Oeko-Tex-Trikots, refurbished E-Bikes, Reifen-Recycling: Viele Hersteller wollen den ökologischen Fußabdruck, den auch die eigentlich klimafreundliche Mobilitätsform Radfahren hat, verringern.
Vom sauerländischen Licht- und Spiegelhersteller busch+müller gibt’s jetzt einen ungewöhnlichen Ansatz: ein Fahrradlicht mit Gehäuse aus biobasierten Kunststoffen. Die Grundlage dafür liefern nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Zuckerrohr.
Kunststoff aus Mais und Zuckerrohr: essbare Scheinwerfer?

Besser nicht reinbeißen: Obwohl das Gehäuse aus Bio-Kunststoff besteht, sind im IQ-XS friendly auch klassische Elektrobauteile verbaut.
Die Idee zum Öko-Licht – das heute als IO-XS friendly (79,90 Euro) auf dem Markt ist – entstand vor rund drei Jahren im Rahmen des Projekts "friendly". Ziel war es, nachhaltigere Materialien für Fahrradkomponenten zu finden. Dabei ging es laut Unternehmen nicht nur darum, erdölbasierte Kunststoffe zu ersetzen. Die neuen Materialien sollten möglichst auch biologisch abbaubar sein.
Die Suche erwies sich allerdings als komplex. Neben Nachhaltigkeitsaspekten mussten zahlreiche technische Anforderungen erfüllt werden: Das Material muss sich verarbeiten lassen, unterschiedliche Temperaturen aushalten, formstabil bleiben und langfristig seine Eigenschaften behalten.
Das Ergebnis sind Biokunststoffe auf Basis von Stärke, die unter anderem aus Mais oder Zuckerrohr gewonnen werden können.
Ganz ohne klassische Materialien geht’s (noch) nicht
Ein sichtbares Ergebnis dieser Entwicklung ist der Fahrradscheinwerfer IQ-XS friendly. Das Gehäuse besteht teilweise aus dem neu entwickelten Biokunststoff, während die Lichttechnik weiterhin auf konventionelle elektronische Komponenten setzt.
Ganz ohne klassische Materialien kommt das Produkt also noch nicht aus. Vor allem bei Elektronikbauteilen sieht das Unternehmen derzeit noch wenige nachhaltigere Alternativen. Dennoch versteht man das Projekt als wichtigen ersten Schritt.
Mittlerweile sei das Entwicklungsprojekt abgeschlossen. Die Erkenntnisse fließen nun in neue Produkte ein. Bei zukünftigen Entwicklungen werde grundsätzlich geprüft, ob biobasierte Kunststoffe eingesetzt werden können.
Nachhaltigkeit endet nicht beim Material

Nicht nur Fahrradlicht aus Mais: Im Hauptsitz in Meinerzhagen denkt Busch+müller ganzheitlich.
Für Geschäftsführer Guido Müller ist Nachhaltigkeit deutlich mehr als die Frage nach dem richtigen Werkstoff. Das Familienunternehmen betrachtet das Thema als umfassende Verantwortung für die Zukunft.
Dazu gehören unter anderem die Nutzung von Ökostrom aus Wasserkraft, Photovoltaikanlagen auf den Unternehmensdächern sowie die Nutzung von Abwärme aus der Produktion zum Beheizen von Gebäuden. Nach Unternehmensangaben lassen sich dadurch jährlich rund 850 Tonnen CO₂ einsparen.
Auch in der Fertigung selbst setzt busch+müller auf Ressourcenschonung. Kunststoffreste aus dem Spritzgussverfahren werden wieder zu Granulat verarbeitet und erneut verwendet. Zudem verzichtet das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit Jahren auf Kunststoff-Blisterverpackungen.





