Wer in den letzten Jahren das Geschehen im Gravel-Rennsport verfolgt hat, weiß: Die Disziplin hat sich drastisch gewandelt. Wo früher gemütliches Bikepacking im Vordergrund stand, wird heute oftmals Watt für Watt um Siege gekämpft. Genau hier setzt Look mit dem neuen G85 Cezal RS an, das direkt aus dem Rennsport hervorgeht und in enger Zusammenarbeit mit Profi Russell Finsterwald entwickelt wurde.

Farbe allein macht nicht schnell. Sie ist dennoch ein Hingucker beim neuen Look G85 Cezal Race GS.
Kurz & knapp: Look G85 Cezal RS
- Als Race-Modell positioniert
- 200 g leichter als das G85 Cezal
- 20 Prozent höhere Steifigkeit
- 3D Wave Flex System
- Maximal 57/ 50 mm Reifenbreite
- Laufräder: Fulcrum Sharq C25, 42 mm
- Reifen: Hutchinson Touareg Race, 700 x 45c
- Option für 60 mm Federgabel
- Für 1fach- und 2fach-Antriebe ausgelegter Rahmen
- Gewicht 7,9 kg (M) mit Sram Red XPLR
- Preise: 8990 Euro mit Sram Red XPLR, 6990 Euro mit Sram Force AXS und 3290 Euro für den Rahmen
Hatten wir kürzlich erst das schon leicht in Richtung Race tendierende, aber als Allrounder geltende G85 Ceza im Test und waren von dem Gravelbike angetan, geht der französische Hersteller jetzt mit dem G85 Cezal RS hin zu einer wahren Rennmaschine noch einen Schritt weiter. Es soll sich gezielt an ambitionierte Gravel-Racer richten, die auf mittleren bis langen Distanzen vor allem nach Gewicht, Effizienz und echten Race-Features verlangen. Um diesen Spagat aus Härte und Langstreckentauglichkeit zu meistern, haben die Ingenieure aus Nevers tief in die Trickkiste gegriffen.

Seit vielen Jahren fahre ich mit großer Leidenschaft bei jeder Gelegenheit mit dem Gravelbike oder dem Rennrad. Ob es die Schotter-Hausrunde ist, die Ausfahrt mit dem Radsportverein oder episch lange Touren bei Ultracycling-Events – meist kommen so am Jahresende um die 14.000 Kilometer zusammen.
Auch als Redakteur, wo immer wieder neue Räder aller Art getestet werden, lassen sich spannende Entwicklungen ausmachen. Herauszufinden, wo der Mehrwert liegt, sich Räder vom Vorgänger unterscheiden oder neue Produkte auszuprobieren und sie der Leserin und dem Leser verständlich vorzustellen, sind mein Ansporn, dem ich mit viel Begeisterung nachkomme. Denn auch als Redakteur bin ich genauso ein Verbraucher, wie jeder andere und möchte selbst möglichst alles über neue Produkte zu unserem liebsten Hobby erfahren.
Nochmals optimiert: der Rahmen
Das Ergebnis ist ein Rahmen aus UD-High-Modulus-Carbon mit einem komplett neuen RS-Layup, das im Vergleich zum "Standardmodell" G85 Cezal rund 200 Gramm einspart (der Rahmen in Größe M wiegt 1.050 g in Chrome Orange bzw. 1.070 g in Hypershift Blue). Dabei beruht das RS-Modell auf der identischen Plattform und derselben Geometrie, wird jedoch eben nicht als Allrounder positioniert. Ebenfalls an Bord: das 3D Wave Flex-System am Sitzknoten, das Unebenheiten nach oben hin filtert und das wir auch schon beim G85 Cezal durch sein Komfort-Plus lobten.
Die Ersparnis beim Gewicht ist ein weiterer Hinweis, dass das Gravelbike als waschechter Racer kommt: Die Gabel schlägt lediglich mit 470 g/ 480 g zu Buche. Auf ein integriertes Werkzeugfach wurde zugunsten des Gewichts ebenfalls bewusst verzichtet.

Die Geometrie ist identisch zum "normalen" G85 Cezal. Der Rahmen bekommt jedoch ein anderes Lay-Up und wird dadurch noch leichter.
Gleichzeitig schraubt Look die Steifigkeit anscheinend spürbar nach oben: Messungen sollen dem RS eine um 20 Prozent höhere Steifigkeit bescheinigen, ohne den Komfort gegenüber dem G85 Cezal zu schmälern.
Auch die Aero-Performance wurde gezielt dort platziert, wo sie bei Schotterrennen zählt – nämlich bei der Fahrerposition und im Cockpit, erklärt der Hersteller. Je nach Ausstattungsvariante (Sram Red XPLR oder Sram Force XPLR) greift Look auf eine eigene Aero-Carbon-Combo mit 5° Flare oder eine Deda-Kombination zurück. Wer beim Modell mit der Sram Force XPLR nicht auf das Aero-Carbon-Cockpit verzichten möchte, muss noch einmal 790 Euro extra auf den Tresen legen. Spacer sind bis in einem Bereich von 50 mm möglich. Beim Vorbau kann man sich aus sieben Längen bedienen.
Bei der Geometrie bleibt sich Look treu und setzt bewusst auf die kurze und agile Basis des G85 Cezal mit steilen Winkeln, kurzem Radstand und kurzen Kettenstreben. Dennoch soll das Gravelbike genauso auf langen Tagen im "Endurance-Modus" funktionieren, wie auch logischerweise bei knackigen, kurzen Gravel-Rennen.
Ergänzt wird das Ganze um eine Reifenfreiheit von 57 mm vorn und 50 mm hinten im 1‑fach-Setup (bzw. 45 mm bei 2-fach-Antrieben). Dabei kann ein Kettenblatt bis maximal 50 mm montiert werden.
Bei den Laufrädern bedient sich Look bei Fulcrum und setzt die Sharq C25 in 42 mm ein. Aufgezogen werden die Hutchinson Touareg Race GS in 45 mm. Einen Test der schnellen Reifen gibt es hier.

Zeigte unlängst Nehmerqualitäten in unserem Test: die Hutchinson Touareg Race GS-Pneus in 45 mm.
Wer das Rad noch geländegängiger machen will: Der Rahmen ist vorbereitet für Federgabeln mit bis zu satten 60 mm Federweg. Abgerundet wird das technische Fundament durch einen T47-Tretlagerstandard, UDH-Schaltaugen, 12-mm-Steckachsen und 160-mm-Bremsscheiben mit Flat-Mount-Aufnahme.
Ausstattung & Preise
Zwei Ausstattungen und ein Frame-Set bietet Look an. Zum einen kommt das G85 Cezal RS mit der Sram Red XPLR, 42er Kettenblatt und 10-46er Kassette für 8990 Euro. Zum anderen gibt es das Bike mit der Sram Force XPLR und 40 T × 10–46 T für 6990 Euro. Das Frame-Set gibt es für 3290 Euro.





