Jeder passionierte Rennradfahrer kennt die steilen Alpenpässe oder die verlässlichen Trainingsstrecken auf Mallorca. Doch was kommt danach? Wenn du das ultimative Abenteuer suchst, musst du die gewohnte Komfortzone verlassen. Wir haben zehn extrem außergewöhnliche Destinationen rund um den Globus für dichzusammengestellt. Von brutalen Vulkan-Anstiegen über wilde Dschungel-Routen bis zur stürmischen Ozeanküste: Diese Ziele dürften jede Ausfahrt unvergesslich machen.
1. Taiwan: Der Wuling Pass
Warum? Weil es der vielleicht brutalste und faszinierendste Anstieg der Welt ist.

Unterwegs in der Hehuanshan National Forest Recreation Area in Nantou, Taiwan.
Wenn wir über epische Pässe reden, denken wir an den Mont Ventoux. Der Wuling Pass lacht darüber. Die Route startet an der Ostküste Taiwans auf Meereshöhe am Pazifik und führt durch die atemberaubende Taroko-Schlucht – direkt hinein in den Dschungel. Das Ziel liegt auf 3.275 Metern Höhe. Das bedeutet: 87 Kilometer am Stück bergauf. Die letzten 10 Kilometer haben teilweise zweistellige Steigungsprozente, während die Luft immer dünner wird.
2. Ruanda: Das Land der tausend Hügel
Warum? Weil es das aufstrebendste Radsport-Land der Welt ist .

Ruanda ist im Radsport angekommen und begeistert das ganze Land. Nicht erst seit der letztjährigen Austragung der UCI-Weltmeisterschaft, die abertausende Menschen an die Strecke lockte.
Afrika und Rennrad? Oh ja! Ruanda ist längst kein Geheimtipp mehr unter Profis, wie die UCI Weltmeisterschaft 2025 zeigte, aber für Hobby-Fahrer absolut außergewöhnlich. Die Hauptstadt Kigali und das Umland bieten perfekten, butterweichen Asphalt, extrem wenig Autoverkehr und eine Topografie, bei der man kaum einen flachen Meter findet. Dazu kommt eine lokale Bevölkerung, die absolut radsportverrückt ist – man fühlt sich auf Trainingsfahrten oft wie bei einer Tour-de-France-Etappe, weil Kinder und Erwachsene am Straßenrand jubeln.
3. Färöer-Inseln: Auf dem Asphaltband durch den Nordatlantik
Warum? Weil es die dramatischste und raueste Kulisse Europas bietet.

Gilt noch als Geheimtipp: Rennradfahren auf den Färöer-Inseln. Einsame Straßen und eine imposante Landschaft warten auf die Radfahrer.
Vergiss warme Trainingslager. Die Färöer-Inseln sind etwas für Ästheten, die kein Problem mit Windwesten und Armlingen haben. Die Inselgruppe zwischen Schottland und Island bietet Straßen, die sich wie graue Schleifen um tiefgrüne, schroffe Klippen legen, während der Nordatlantik gegen die Felsen peitscht. Mit grandiosen Unterseetunneln kann man per Bus (Fahrräder werden mitgenommen) zwischen den Inseln per hoppen.
4. Kolumbien: Der Alto de Letras
Warum? Weil er der längste kategorisierte Pass der Erde ist.

Auf den Märkten überall in Kolumbien lässt es gut verpflegen.
Wir bleiben bei Rekorden. Kolumbien ist das Land der Kletterer (man schaue sich Egan Bernal oder Nairo Quintana an). Wer wissen will, warum die Kolumbianer am Berg so fliegen, muss den Alto de Letras fahren. Von Mariquita auf knapp 468 Metern kurbelt man sich auf wahnwitzige 3.679 Meter hoch. Die Distanz? Knapp 80 Kilometer. Man durchquert alle Klimazonen: von schwülen Kaffeeplantagen bis hinauf in das nebelige, karge Páramo-Ökosystem.
5. Oman: Der Jebel Akhdar (Der grüne Berg)
Warum? Ein arabischer Wüstentraum mit Scharfrichter-Qualitäten.

Mehr als eine Wüstenlandschaft und spannende Radfahr-Destination: die Region am Jebel Akhdar.
Die "Tour of Oman" hat dieses Land auf die Landkarte des Radsports gesetzt. Wer dem europäischen Winter entfliehen will und etwas Extremeres als die Kanaren sucht, fliegt nach Maskat. Die dortigen Straßen sind makellos. Das Highlight ist der Jebel Akhdar: Ein Anstieg, der sich aus der flirrenden Wüstenhitze erhebt und auf 10 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von über 10 % aufweist (Rampen bis 20 % inklusive).
6. Australien: Die Great Ocean Road
Warum? Weil es die spektakulärste Küstenstraße der Welt ist – mit offiziellem Pro-Tour-Siegel.

Das Cadel Evans Great Ocean Road Race ist benannt nach dem ehemaligen beliebten Radprofi Cadel Evans.
Wer stundenlang an der Küste entlanggleiten will, während die Wellen des Southern Ocean gegen die Klippen krachen, muss nach Victoria. Nicht umsonst hat Australiens Tour-de-France-Held Cadel Evans genau hier sein eigenes Profi-Rennen (und einen begleitenden Gran Fondo) etabliert. Die Strecke zieht sich ab Torquay wie ein endloses, geschwungenes Asphaltband an der schroffen Südküste entlang – vorbei an Surf-Mekkas, steilen Klippen und natürlich den berühmten Kalksteinfelsen der "Twelve Apostles". Aber es ist nicht nur flach: Wer ins Landesinnere in den Great Otway National Park abbiegt, klettert plötzlich durch dichten, mystischen Regenwald (und sieht mit etwas Glück Koalas in den Eukalyptusbäumen).
7. USA / Hawaii (Maui): Der Haleakalā
Warum? Weil es der längste durchgehende Vulkan-Anstieg der Welt ist.

Spektakulärer Ausblick in den Haleakala-Vulkan. Der Ausblick muss hart erkämpft werden. Die Mühen lohnen sich.
Der Teide auf Teneriffa war gestern. Der Haleakalā auf der hawaiianischen Insel Maui ist ab jetzt das absolute Endlevel für Vulkan-Liebhaber. Du klickst am Strand des Pazifiks in die Pedale (bei tropischen 30 Grad) und fährst 58 Kilometer am Stück nur bergauf, bis du auf 3.055 Metern über dem Meeresspiegel am Kraterrand stehst. Die Straße ist komplett asphaltiert und windet sich in unzähligen Kehren durch verschiedene Klimazonen – von Zuckerrohrfeldern und Eukalyptuswäldern bis hinauf in eine völlig karge, rote Mondlandschaft über den Wolken. Der Ausblick: Unvergesslich.
8. Rumänien: Die Transfăgărășan-Hochalpenstraße
Warum? Weil es die wahnwitzigste Straßenarchitektur Europas ist.

Rumänien hat mit der in Transsilvanien liegenden Transfăgărășan-Straße ein echtes Highlight für Rennradfahrer zu bieten.
Das britische Automagazin Top Gear nannte sie einst "die beste Straße der Welt", aber für Rennradfahrer ist sie noch viel besser. In den rumänischen Karpaten (in "Draculas Hinterhof" Transsilvanien) ließ Diktator Ceaușescu in den 70er Jahren dieses Asphaltband über den Bergkamm sprengen. Die Nordseite windet sich in atemberaubenden, fast schon absurd dichten Serpentinen ins Tal hinab – es sieht von oben aus wie eine riesige Carrera-Bahn. Der höchste Punkt liegt am Bâlea-See auf 2.042 Metern.
9. Bhutan: Im Land des Donnerdrachens
Warum? Weil es die exklusivste und spirituellste Radreise der Erde ist.

Exotisch wird's in Bhutan am Himalaja. Die Eindrücke sind fast exklusiv und Stopps bei solch farbenfroher Kulisse sind ein Muss.
Bhutan, das kleine Königreich im Himalaya, misst seinen Wohlstand in "Bruttonationalglück" und lässt nur sehr limitiert Touristen ins Land. Wer hier mit dem Rennrad unterwegs ist, erlebt etwas absolut Einzigartiges. Beim berühmten Tour of the Dragon-Rennen (oder auf privater Tour) überquert man Pässe wie den Dochula Pass (3.140 m). Die Straßen winden sich durch tiefe Täler, dichte Wälder und vorbei an jahrhundertealten Dzongs (Klosterburgen), überall flattern bunte buddhistische Gebetsfahnen im Wind.
10. Japan: Mount Norikura
Warum? Weil er der höchste asphaltierte Pass Japans ist – und für Autos gesperrt!

Radsport ist auch in Japan populär. Shimano hat sicherlich einen Anteil daran.
Wenn Rennradfahrer von Japan träumen, denken sie oft an den Mount Fuji. Aber der wahre Geheimtipp der japanischen Bergfahrer liegt in den Japanischen Alpen: Der Mount Norikura. Das Unglaubliche an diesem Anstieg auf 2.702 Meter: Die Straße ist für private Autos komplett gesperrt! Man teilt sich den perfekt glatten japanischen Asphalt nur mit wenigen Bussen, anderen Radfahrern und vielleicht ein paar Bergaffen.





