Das Stevens Izoard ist ein alter Bekannter in ROADBIKE-Tests – und ein Bestseller im Angebot der Hamburger Fachhandelsmarke. Mit gerade mal 28 Millimetern Reifenfreiheit, außen liegender Sattelstützklemmung, klassisch anmutenden Rohrquerschnitten und nahezu waagerechtem Oberrohr wirkte das Rad zuletzt jedoch etwas in die Jahre gekommen. Dem hat Stevens nun Rechnung getragen – und das Izoard komplett überarbeitet.

Aerodynamisch und schnell, aber auch entspannt und komfortabel soll das neue Stevens Izoard sein.
Kurz und knapp
- Bestseller Izoard komplett überarbeitet
- aerodynamische Rohrformen, agile Lenkung, entspanntere Sitzposition
- jetzt 32 mm Reifenfreiheit, UDH-Schaltauge und vollintegrierte Bremsleitungen
- erhältlich sowohl als Komplettrad, Rahmenset oder individuell konfiguriert
- vier Komplettausstattungen zwischen 2399 und 4599 Euro
- hier getestet: Izoard ULT mit Shimano Ultegra Di2 für 3999 Euro
Aero meets Endurance
Ins Auge fallen beim neuen Stevens Izoard sofort die aerodynamisch optimierten Rohre: Vor allem die Front erinnert mit tailliertem Steuerohr samt kleiner Nase, kantigen Kammtails und mächtigem Unterrohr an den hauseigenen Aero-Renner Arcalis. Im leicht abfallenden Oberrohr, dem D-förmigen Sitzrohr, filigranen Sitzstreben, dem Sitzknoten und nun 32 Millimetern Reifenfreiheit erkennt man hingegen Elemente des Endurance-Renners Xenith. Dank UDH-Schaltauge ist das Rahmen-Set auch technisch zeitgemäß.
In der Praxis gefällt die Mischung aus aerodynamisch-schnell und komfortabel-entspannt richtig gut: Draufsetzen, losfahren, wohlfühlen. Die Haltung auf dem neuen Izoard ist ausgewogen: sportlich, mit gewisser Sattelüberhöhung, aber nicht zu gestreckt. Das Handling ist agil, fast schon feurig – keine Spur von norddeutscher Kühle. Dabei bleibt das Izoard stets präzise und vorhersehbar – eine attraktive Kombination. Die schlanke Carbon-Sattelstütze sorgt für ordentliche, aber keine überragende Dämpfung. Feedback von der Straße ist spürbar, reinrassige Endurance-Renner dämpfen stärker. Das zeigt sich beim Fahren wie bei der Komfortmessung im ROADBIKE-Labor mit einem Wert von 241 N/mm.

Aero meets Endurance: Das neue Izoard soll schnell und aerodynamisch sein, gefällt aber dank einer etwas entspannteren Sitzposition auch (und gerade) auf längeren Touren.
Zum Konzept des Izoard passt diese Abstimmung. Auch der Vortrieb stimmt: Der Sitzwinkel ist steil, das Rad möchte nach vorne, beschleunigt gut und hält mühelos einmal erreichtes Tempo. Komplettrad und Laufräder sind zwar nicht extrem leicht, bremsen aber auch nicht spürbar aus. Mit dieser Kombination ist das neue Stevens Izoard eine gute Basis für lange Ausfahrten wie auch für schnelle Runden.
Licht und Schatten bei der Ausstattung
Dazu passt die Ausstattung: Shimanos Ultegra Di2 schaltet und bremst gewohnt präzise, die Übersetzung mit Kompaktkurbel und 11–34er-Kassette deckt ein Einsatzspektrum von Flachland bis Hochgebirge ab. Die Hochprofillaufräder von Leeze rollen leicht, neigen auch bei Seitenwind nicht zu Eskapaden und verschieben die Optik des Izoard eindeutig Richtung schnittig. Problem: Das Hinterrad war deutlich aus der Mitte zentriert, dadurch blieb an den Kettenstreben auf einer Seite wenig Platz zwischen Reifen und Rahmen. Schade, denn an sich haben wir mit Leeze-Laufrädern sehr gute Erfahrungen gemacht. Schnell: die 30 Millimeter breiten Grand Prix TR-Reifen von Continental mit brauner Flanke.

Die Shimano Ultegra Di2-Gruppe schaltet und bremst gewohnt präzise.
Auf wenig Gegenliebe stieß der Deda-Lenker: Entweder weist der abgeflachte Oberlenker nach oben oder die Griffe weisen nach unten – eine ausgeglichene Position ließ sich nicht einstellen. Und die strammen Flaschenhalter geben Trinkflaschen verschiedener Größe und Breite nur äußerst widerwillig frei. Die letztgenannten Punkte lassen sich immerhin leicht beheben: im Konfigurator auf der Herstellerwebsite. Denn Stevens bietet das neue Izoard sowohl in vier Ausstattungsvarianten als auch vollständig individualisierbar an (siehe Infokasten weiter unten).

Die Leeze-Laufräder mit Carbonhakenfelgen sind schnell und drehen das Izoard optisch weiter in Richtung schnittig - leider stand das Hinterrad außermittig. Weitere Fotos findet Ihr übrigens in der Bildergalerie.
In allen Ausführungen mit dabei ist eine Rahmentasche von Vaude, die Platz bietet für Ersatzschlauch, Minitool, Pumpe, Riegel und Co. und mittels Fidlock-Magnetverschluss unter dem Oberrohr befestigt wird. Ein Alleinstellungsmerkmal, aber auch ein potenzieller Aufreger – in jedem Fall beweist Stevens Mut. Im ROADBIKE-Test hielt das System einwandfrei, allerdings können die Knie bei jeder Kurbelumdrehung an der recht breiten Tasche anstoßen.
Plus und Minus
Zeitgemäß, schnell, hoher Spaßfaktor – Stevens macht viel richtig und zeigt sich mit der Oberrohrtasche innovativ
Lenker und Flaschenhalter stören den an sich tadellosen Auftritt, an den Kettenstreben wird es zudem eng.

Die Rahmentasche von Vaude wird per Fidlock-Magnetverschluss befestigt. Ein mutiges Alleinstellungsmerkmal der Hamburger, das aber polarisieren dürfte. Wer die Lösung nicht mag, kann die Tasche aber natürlich einfach weglassen.
Mein Fazit

*Test-Rad Größe 58
Stevens Izoard 2027: Weitere AusstattungenDas neue Izoard gibt es in vier Serienausstattungen oder als Individualaufbau. Das Topmodell kommt für 4599 Euro mit Sram Force AXS-Gruppe und Vision-Hochprofillaufrädern. Neben dem hier getesteten Ultegra Di2-Modell gibt es noch zwei Versionen mit Shimano 105, jeweils mit flachen DT Swiss-Alu-Laufrädern: mit elektronischer 105 Di2 für 2999 Euro und mechanischer 105 für 2399 Euro. Positiv: Auch die günstigeren Ausführungen sparen nicht am Reifen, montiert ist immer Continentals Grand Prix TR.
Wer sich das Izoard lieber individuell aufbauen möchte, wählt im Online-Konfigurator aus Shimano- und Sram-Gruppen und bestimmt Übersetzung, Laufräder, Reifen und Lenker samt Dimensionen. Das Wunschbike kommt dann zu einem von 600 Fachhändlern im DACH-Raum.

Das Konzept des neuen Stevens Izoard überzeugt im ROADBIKE-Test - die Erfolgsgeschichte des Modells düfte weitergehen.





