S-Works-Niveau zum halben Preis? Was die neuen China-Rennräder wirklich taugen.

Seka, Tavelo & Winspace im Labor
Tanz der chinesischen Drachen

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.10.2026
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Foto: Bjoern Haenssler

"Die Werkbank der Fahrradwelt." Dass heute fast alle hochwertigen Carbon-Rahmen aus China kommen, ist bekannte Praxis. Kaum ein anderes Land bietet den großen Herstellern diese einmalige Kombination aus verhältnismäßig geringen Lohnkosten bei gleichzeitig riesiger Expertise in Sachen Carbon-Verarbeitung, die mittlerweile nötig ist, um wirkliche High-End-Rahmen mit ihren ausgefeilten Lay-ups in gleichbleibend hoher Qualität zu liefern. So überrascht es kaum, dass sich mittlerweile immer mehr Unternehmen aus dem Reich der Mitte auf diese Stärken berufen und mehr sein wollen als reine Lohnfertiger: Sie versuchen, mit eigenen Marken auf dem europäischen Markt Marktanteile zu gewinnen. Verwundern kann höchstens, dass das so lange gedauert hat.

Doch können die Newcomer mit den hierzulande etablierten Marken mithalten? Wir haben drei von ihnen zum Test eingeladen, um ihnen in Labor und Praxis gründlich auf den Zahn zu fühlen. Namentlich die Marken

🐉 Seka

🐉 Tavelo

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Moritz Schwertner

Die Herausforderer: starke Preise und viel Garantie

Weil diese Namen vermutlich noch den wenigsten geläufig sind, zunächst ein paar Infos: Seka Bikes hat seine Zentrale in Shanghai, die Modellpalette umfasst insgesamt vier verschiedene Rahmenmodelle inkl. Cockpits; Komplettbikes werden nicht angeboten. Importeur für Europa ist Florian Bikes im niederländischen Groningen. In diesem Test ist Seka mit seinem Topmodell Spear RDC vertreten. Tavelo Bikes kommt aus Xiamen und bietet das Straßenrad Arow sowie die Gravel-Plattform Wild an, hinzu kommt die Laufradmarke Pertual. Zentraler Ansprechpartner für Deutschland und Österreich ist Radsport Gessler in Wüstenrot-Neuhütten. Unserem Test stellte sich der Allrounder Arow. Der Anbieter Winspace – Dritter im Bunde – hat seinen Sitz ebenfalls in Xiamen, mit insgesamt sechs verschiedenen Rahmen von Aero- bis Endurance- inkl. Gravelbikes bietet er eine breite Modellpalette an. Dazu kommt mit Lún eine eigene Laufradmarke. Importeur für Deutschland ist Winspace Germany in Trebbin. Zum Test haben wir den brandneuen Aero-Renner Milemaster bekommen.

In Sachen Garantie zeigen sich alle drei Hersteller großzügig: Tavelo gewährt eine lebenslange Garantie auf das Rahmen-Set (inklusive Gabel). Bei Seka gilt die Garantie für den Rahmen ebenfalls lebenslang, für die Gabel sind es fünf Jahre. Winspace wiederum gewährt drei Jahre Garantie auf das Rahmen-Set.

Preislich startet das günstigste Rahmen-Set – in diesem Fall das Arow von Tavelo – bei 2299 Euro. Für das Spear RDC von Seka werden 3199 Euro fällig und auch das Milemaster von Winspace liegt in diesem Bereich. Nur zum Vergleich: Canyon verlangt für sein Ultimate CFR-Rahmen-Set 3999 Euro, für ein S-Works Tarmac SL8-Set ruft Specialized stolze 5499 Euro auf.

Zumindest in puncto Preis können die China-Rahmen also punkten. Aber wie sieht es mit der Qualität aus? Bestehen die Frame-Sets von Seka, Tavelo und Winspace auch im ROADBIKE-Labor? Halten sie in Sachen Gewicht, aber vor allem natürlich bei Steifigkeiten und Komfort mit – oder müssen sich Käufer Sorgen machen, dass die Qualität nicht gewohnten Standards entspricht? Dafür haben wir die Rahmen einem umfangreichen Testprogramm unterzogen und ordnen sie mit unserer 20-jährigen Testerfahrung ein. Zum besseren Vergleich der Steifigkeitswerte haben wir außerdem einen Xlite 06-Rahmen von Rose mitgemessen.

Auf dem Prüfstand: So gut ist das China-Carbon wirklich

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Motor Presse Stuttgart

Bei den Rahmengewichten setzt das Spear RDC von Seka den Bestwert: In Größe L wiegt er schlanke 812 Gramm und damit 92 Gramm weniger als der Xlite-Rahmen (Gr. 57) mit 904 Gramm. Das Arow von Tavelo haben wir mit 1002 Gramm (Gr. XL) gewogen, das Milemaster von Winspace mit 1041 Gramm (Gr. M). Kurzer Hinweis: Die nominellen Größenbezeichnungen der Hersteller sind leider nicht vergleichbar, alle Rahmen in unserem Test sind aber für Fahrer mit einer Größe um 180 cm ausgelegt. Insgesamt liegen die Gewichte damit auf ordentlichem Niveau, aber doch deutlich hinter der aktuellen Weltspitzenklasse: Hier setzt derzeit Scott mit seinem Addict RC Ultimate den Bestwert – mit 599 Gramm.

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Motor Presse Stuttgart

In Sachen Steifigkeit reichen die chinesischen Herausforderer allerdings nicht ganz an das Xlite heran, sowohl im Tretlager (wichtig für eine effiziente Kraftübertragung von der Kurbel) als auch im Lenkkopf (wichtig für eine präzise Lenkung). Dessen Werte von 81 Nm/° im Lenkkopf und 114 N/mm im Tretlager sind in beiden Fällen unerreicht. Das Milemaster von Winspace kommt mit 79 Nm/° bzw. 109 N/mm allerdings nah dran. Tavelos Arow erreicht mit 66 Nm/° und 90 N/mm ebenfalls noch ein ordentliches Niveau. Einzig das Spear RDC von Seka fällt etwas ab und erweist sich im Lenkkopf mit 48 Nm/° wie auch im Tretlager mit 64 N/mm als weniger steif. Auf den Testrunden zeigten sich in der Praxis aber keine spürbar negativen Auswirkungen, das Spear lenkte sich auch durch schnelle Kurvenkombinationen präzise. Bei schweren Fahrern könnte die Lenkperformance etwas leiden, nicht ohne Grund begrenzt Seka das maximale Systemgewicht wohl auf recht geringe 109 Kilo.

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Motor Presse Stuttgart

Nichts zu beanstanden gibt’s hingegen beim Komfort am Heck, hier liefert das Seka den absoluten Bestwert mit 167 N/mm, noch deutlich vor dem Xlite von Rose mit 220 N/mm. Sowohl das Tavelo Arow als auch das Milemaster von Winspace geben sich mit Werten jenseits der 300 N/mm spürbar härter. Selbst für einen Aero-Renner wäre etwas mehr Flex an der Sattelstütze wünschenswert.

Fazit: Insgesamt bieten die China-Rahmen ein sehr gutes bis ordentliches Niveau, vor allem das Winspace überzeugt auf den Prüfständen und liegt mit dem Rose Xlite nahezu gleichauf.

Alle drei Rahmen machen fast durch die Bank einen qualitativ hochwertigen Eindruck. – Jens Kraft, Werkstattleiter

Die Testkandidaten

Seka Spear RDC

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Bjoern Haenssler

Das Seka Spear RDC hat in unserem Labor für ordentlich hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Mit federleichten 812 Gramm Rahmengewicht lässt er selbst teurere, etablierte Konkurrenten hinter sich und glänzt obendrein mit Bestwerten in Sachen Sitzkomfort. Doch reicht eine starke Gewichts-Diät, um sich auf dem europäischen Markt als echte High-End-Alternative zu etablieren? Wir haben das 3199 Euro teure Rahmen-Set auf den Prüfstand geschnallt und schonungslos über den Asphalt gejagt. Ob das Seka auf der Straße wirklich hält, was sein beeindruckendes Datenblatt verspricht – und warum kräftigere Fahrer vor dem Kauf genauer hinsehen sollten –, erfährst du in unserem ausführlichen Test.

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Bjoern Haenssler

Mit dem Arow schickt die aufstrebende chinesische Marke Tavelo einen waschechten Aero-Allrounder auf die Straße, der die etablierte Konkurrenz gehörig ins Schwitzen bringen soll. Die nackten Zahlen klingen bereits wie eine Provokation für die Platzhirsche: Ab äußerst fairen 2299 Euro wechselt das Rahmen-Set den Besitzer – lebenslange Garantie inklusive. Doch reicht ein aggressiver Preis, um ein echtes Top-Rennrad auf die Räder zu stellen? Wir haben das Tavelo Arow ins Labor geführt und auf unseren Testrunden ans Limit gebracht. Ob der günstige China-Bolide in Sachen Steifigkeit wirklich mit Canyon und Co. mithalten kann und warum du bei diesem Rahmen lieber keine Sänfte erwarten solltest, liest du in unserem ausführlichen Test.

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Moritz Schwertner

Wenn es um nackte Leistung geht, fackelt Winspace mit dem brandneuen Milemaster nicht lange. Der aggressiv gezeichnete Aero-Renner bläst zum direkten Angriff auf die etablierte Konkurrenz – und liefert im Labor prompt ab. Mit herausragenden Steifigkeitswerten im Tretlager und Lenkkopf schrammt der China-Bolide nur hauchdünn an den Top-Werten eines Rose Xlite vorbei. Eine echte Ansage für ein Rahmen-Set in der 3000-Euro-Klasse! Doch kompromisslose Aerodynamik und maximale Kraftübertragung haben ihren Preis: Am Heck gibt sich das Milemaster unnachgiebig und verlangt vom Fahrer ordentlich Nehmerqualitäten. Ob der pfeilschnelle Herausforderer auf der Straße genauso glänzt wie auf dem Prüfstand, verrät unser detaillierter Test.