Seit einigen Wochen auf dem Markt, bespielt das Garmin Cirqa das Segment der minimalistischen Fitness- und Gesundheitsarmbänder. Quasi als Gegenpol zu "klobigeren" Sportuhren, besteht es nur aus einem displaylosen Messkörper, der mit einem modern anmutenden Armband versehen wird. Das Gerät soll ein lückenloses 24/7-Fitness- und Gesundheits-Tracking ermöglichen, ähnlich dem bekannten Whoop-Armband, das auch Radprofis wie Mattheau van der Poel tragen.
Beim Radsport setzen auch wir mit dem Cirqa an. Wir wollten wissen, wie sich das smarte Fitness-Armband beim Radtraining, auf Ausfahrten und sogar auf Extrembelastung bei Langdistanzen schlägt. Welchen Nutzen bietet es Radsportlern, die gezielt trainieren wollen und Wert auf Belastungssteuerung legen? Kann das Garmin Cirqa dabei ein wertvolles Helferlein sein?
Kurz & knapp: Garmin Cirqa
- Typ: displayloses 24/7-Fitness- und Gesundheitsarmband
- Display: ohne
- Armband: zwei Größen, vier Farben
- Akkulaufzeit: bis zu ca. 10 Tage im normalen Tracking-Modus
- Sensoren: optischer Herzfrequenzsensor (u. a. zur Messung von Puls, HFV/Herzfrequenzvariabilität und Stress)
- GPS: kein integriertes GPS (nutzt für ortsbezogene Outdoor-Work-outs das GPS des verbundenen Smartphones)
- Konnektivität: Bluetooth, ANT+
- Sport- und Fitnessfunktionen: Unterstützung für über 80 Work-outs, automatische Aktivitätserkennung, Schlafanalyse, Body Battery und Trainingsbereitschaft
- Konnektivität & Ökosystem: Kopplung und Datensynchronisation über die Garmin Connect-App (kompatibel mit anderen Garmin-Geräten)
- Abo-Modell: keine monatlichen Abo-Gebühren für die App-Nutzung oder Datenauswertung
- Preis: 199,99 Euro

Das Cirqa Smart Band von Garmin musste sich auch beim Ultracycling beweisen.
Funktionsweise
Mit dem Cirqa erweitert Garmin also sein Portfolio um ein displayloses Fitness-Armband, das konsequent auf die lückenlose Erfassung von Gesundheits- und Leistungsdaten im Hintergrund ausgelegt ist. Der Fokus liegt dabei auf einem unauffälligen Design, ohne dass man von Smartwatch-Benachrichtigungen abgelenkt wird. Zudem fügt es sich nahtlos in das bestehende Garmin Connect-Ökosystem ein.
Im Zentrum der Funktionen steht dabei das 24/7-Tracking von Vitalwerten wie Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HFV) sowie Parametern zu Schlaf, Stress und Erholung. Auch die sportliche Komponente kommt nicht zu kurz: Das Armband unterstützt eine Vielzahl von Trainingsmodi und kommt mit Aktivitätserkennung. Für präzises Outdoor-GPS ist es auf die Verbindung zu einem Smartphone angewiesen. Durch den Verzicht auf ein Display positioniert sich das Gerät als dezente Tracking-Alternative zu klassischen Sportuhren. Erfreulich: ein kostenpflichtiges Abo braucht's nicht.
Anmutung
Das Gehäuse des Cirqa besteht aus faserverstärktem Polymer, in dem ein Elevate-Sensor der 4. Generation eingelassen ist. Dazu später mehr. Um das Gehäuse ist ein strapazierfähiges Comfort Fit-Armband aus Nylon gelegt, das zur Befestigung am Arm mit einem Klettverschluss angebracht wird und sich so individuell anpassen lässt. Zum Waschen lässt es sich schnell abnehmen. Die Anmutung des Armbands ist hochwertig und modern.

Das Klettarmband lässt sich hervorragend an das Handgelenk anpassen, der Klett selbst ist sehr hochwertig, das Armband modern und äußerst robust.
Einrichtung mit Garmin Connect
Natürlich ist das Cirqa eingebunden in Garmins Connect-Ökosystem. Die gesamte Einrichtung und Auswertung erfolgt über die entsprechende App. Die Kopplung erfolgt über Bluetooth und ist schnell erledigt. Falls du bereits ein Garmin-Konto besitzt, sind die meisten Angaben schon vorhanden. Mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung werden zudem Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht abgefragt. Schummeln solltest du hier nicht, denn die Angaben sind wichtig, um die möglichst genaue Berechnung von Kalorienverbrauch, Belastung oder Schlafqualität sicherzustellen.
Die Garmin Connect-App bietet eine gewaltige Fülle an Informationen. Diagramme, Statistiken und zahlreiche Analyse-Möglichkeiten können Einsteiger jedoch schnell überfordern. Zum Teil lässt sich das Dashboard mithilfe von Widgets an persönliche Vorlieben anpassen. Wünschenswert wäre eine eigene Seite für den schnellen Überblick mit den wichtigsten Daten alternativ zur umfassenden, tiefgreifenden Analyse.
Beeindruckend: Das Garmin Cirqa unterstützt mehr als 80 verschiedene Sport- und Fitnessaktivitäten, die sich über die Garmin-Connect-App verwalten und aufzeichnen lassen. Da das Armband über kein Display verfügt, werden Work-outs entweder manuell über das gekoppelte Smartphone gestartet oder von der automatischen Aktivitätserkennung des Trackers registriert (etwa bei zügigem Gehen, Laufen oder Radfahren).
Die Auswahl an Aktivitäten reicht von klassischen Ausdauersportarten wie Joggen, Rennradfahren, Schwimmen und Indoor-Rudern bis hin zu Krafttraining, Yoga und Pilates. Achtung: Während das Band im Alltag und beim Training sämtliche Vitalwerte wie Herzfrequenz und Belastung autark aufzeichnet, ist es für Sportarten mit präzisem Streckenbedarf (wie Outdoor-Laufen oder Graveln) auf das GPS des verbundenen Smartphones angewiesen.
Wer sich, wie in unserem Fall, besonders auf den Radsport konzentriert, hat auch hier viele Möglichkeiten. Die Auswahl reicht über Radfahren, Rennrad, Mountainbike, Gravelbike, Pendeln mit dem Fahrrad, Tourenfahren, E-Bike, E-Mountainbike, Indoorcycling bis BMX.
Interessant für Nutzer ist, dass keine monatlichen Abokosten anfallen und die Werte allesamt in der App auslesbar sind. Dennoch bietet Garmin zusätzlich Connect+ an, worüber unter anderem Trainingspläne abgerufen werden können, die dann mithilfe des Smartphones absolviert werden können.

In der Garmin Connect-App lassen sich alle Tracking-Daten präzise auswerten, die Menü-Struktur insgesamt könnte aber übersichtlicher sein.
Ab sofort verlässliche Daten?
Jein. Klar, von Beginn an werden sämtliche Daten erfasst und aufgezeichnet. Bis jedoch verlässliche, personalisierte und vor allem aussagekräftige Metriken ausgespielt werden, benötigt die App eine Lernphase. Die üblichen Basiswerte, wie etwa der Schrittzähler oder die Aufzeichnung der Herzfrequenz, funktionieren selbstverständlich sofort. Für ein Schlafmuster braucht es etwa fünf Tage, bis erste Analysen starten können.
Das Gleiche gilt für den HFV-Status (Herzfrequenzvariabilität) oder die sogenannte Body-Battery. Beide Metriken benötigen noch mehr Zeit, um verlässliche Durchschnittswerte zu liefern. Das gilt auch für aussagekräftige Angaben zu Trainingszustand bzw. Trainingsbereitschaft. Am Ende zeigte sich im Test, dass die Analysen nach etwa drei bis vier Wochen verlässlich wurden. Wer auf schnellere Ergebnisse hofft, sollte das wissen. Je länger Daten erfasst werden, desto genauer wird die Analyse.
Das Fitness-Armband auch nachts zu tragen, gehört dazu. Durch das geringe Gewicht stört das Cirqa nicht weiter. Nach zwei, drei Nächten hat man sich daran gewöhnt.
Zur Kontrolle des Armbands wurde parallel zeitgleich eine Smartwatch am anderen Handgelenk getragen. Nach der Lernphase stimmten die gesammelten Werte weitestgehend überein, sodass man daraus schließen kann, dass die Daten korrekt erhoben werden.
Erkennung der Sportarten
Grundsätzlich erfasst das Cirqa automatisch eine begonnene Sportart. Ein Favorit kann in der App hinterlegt werden. Als zweiten Weg, oder wenn die Aufzeichnung punktgenau gestartet werden soll, kann der Knopf am Rande des Geräts gedrückt werden. Mit ihm stoppst du auch die Aufzeichnung. Ein kurzes, deutlich spürbares, aber nicht zu aufdringliches Vibrieren dient beim manuellen Start und Stopp als Feedback.

Kein Display, welches ablenkt, sondern nur eine einzige physische, haptisch gute Taste hat das Fitness-Armband.
Prinzipiell funktionierte die automatische Erkennung bei Sportarten, wie Laufen oder Radfahren gut, da das Gerät diese gängigen Aktivitäten durch typische Belastungsmuster schnell identifiziert.
Dennoch gab es im Test immer mal wieder Probleme, eine Aktivität zu erfassen. Eigentlich sollen der Beschleunigungssensor und der optische Herzfrequenzsensor diese Bewegungsmuster zuverlässig erkennen. Dafür muss die Messung aber mindestens über eine zehnminütige ununterbrochene Bewegung erfasst werden. Kommt es in diesem Zeitraum zu ungewollten Stopps, wird die Aktivität unter Umständen nicht erkannt oder führt, wie bei uns, mitunter dazu, dass gar nichts aufgezeichnet wird. Das ist ärgerlich.
Zum Start die Taste am Gerät zu drücken, mag weniger fancy erscheinen, erwies sich aber als deutlich zuverlässiger. Die Aufzeichnung ungewollter Aktivitäten war im Test kein Problem. So erkennt das Cirqa sehr sicher, wenn man einfach nur eine Treppe hochgeht, und ordnet das als normale Bewegung ein. Schließlich ist Wäschekorbtragen noch keine anerkannte Sportart ...
Ungenauigkeiten gab es bei der Differenzierung ähnlicher Bewegungsmuster, etwa zwischen Radfahren und Gravelbiken. So passierte es, dass eine Gravel-Tour als normale Radtour aufgezeichnet wurde. In der App lässt sich das jedoch nachträglich korrigieren.
Als größtes Manko im Test haben wir die fehlende automatische Pausenerkennung empfunden. Wer zu lange im Café an seinem Espresso nippt, startet mit der Weiterfahrt eine neue Aktivität. Nur in der App gibt es die Pausenfunktion. Daran muss man im Eifer des Gefechts allerdings denken.
Was sind die Vorteile beim Radsport?
Im radsportlichen Einsatz zeigt sich die Stärke des Garmin Cirqa vor allem in seiner Doppelfunktion: als unauffälliger Alltags-Tracker und praktischer Trainingshelfer.
Während der Ausfahrten fielen vor allem zwei Dinge positiv auf: Das flache, displaylose Band stört im Gegensatz zu klobigen Sportuhren nicht am Handgelenk. Und das Cirqa lässt sich problemlos als optischer Herzfrequenzsensor nutzen, der seine Pulsdaten direkt an einen (Garmin-)Fahrradcomputer am Lenker funkt – das erspart einen Brustgurt. Da dem Armband jedoch ein eigenes GPS fehlt und es für präzise Strecken- oder Geschwindigkeitsdaten auf das Smartphone angewiesen ist, ersetzt es keinen Radcomputer. Zudem erfordert die Erfassung von Leistungswerten wie Trittfrequenz oder Watt weitere Sensoren.
Die eigentliche Stärke für den Radsport entfaltet das Cirqa deshalb nach dem Training: Dank der lückenlosen Erfassung fließt jede Ausfahrt nahtlos in die Garmin-Connect-App ein, wo die Daten mit der bewährten Herzfrequenzvariabilität (HFV), dem Schlaf-Score und der Body-Battery verrechnet werden. So erhalten ambitionierte Radfahrer eine recht verlässliche, fundierte Rückmeldung über ihren Regenerationsstatus, um Übertraining zu vermeiden – auch im Alltag.
Interessant ist, darauf hinzuweisen, dass das eigene Empfinden zum Fitnesszustand, der Trainingsbereitschaft und der Trainingsbelastung ein anderes sein kann als das, was die Daten widerspiegeln. Schnell haben wir die Tipps zur Regenerations- und Trainingssteuerung schätzen gelernt. Die Daten geben wertvolle Hinweise zum besseren Verständnis des eigenen Fitnesszustands. Aber: Sie können keine ärztlichen Messinstrumente ersetzen und auch Ungenauigkeiten aufweisen.
So war zumindest ein kleiner Unterschied bei der Messung der Herzfrequenz zwischen klassischem Brustgurt und dem Cirqa-Fitness-Armband festzustellen. Teilweise waren die Belastungsspitzen leicht erhöht beim Cirqa gegenüber den seit Jahren aufgezeichneten Daten per Brustgurt. Nicht viel, aber so, dass dies mit Blick auf die bekannten persönlichen Werte auffällt. Grund dürfte der optische Sensor sein, der zwar meistens verlässlich arbeitet, in sehr anstrengenden Phasen aber etwas zur "Übertreibung" neigte.

Der verbaute optische Sensor ist nicht die ganz neue, 5. Generation, hat aber alle wichtigen Überwachungsfunktionen an Bord. Zudem wird dadurch der Preis des Geräts gedrückt.
Thema Sensor
Dass Garmin beim Cirqa auf den bewährten optischen Sensor der 4. Generation statt auf die allerneueste Gen-5-Architektur setzt, dürfte vor allem strategische, technische und wirtschaftliche Gründe haben: Der ältere Sensor soll im kompakten, displaylosen Gehäuse deutlich energieeffizienter arbeiten, was essenziell ist, um die angepeilte Akkulaufzeit von rund 10 Tagen für das 24/7-Tracking zu erreichen. Zudem hilft der Griff zu bewährter Technik, den durchaus attraktiven Einstiegspreis von 199 Euro zu halten, während die Messqualität für den alltäglichen Fokus auf Schlaf, Stress und Erholung absolut ausreicht; gleichzeitig "schützt" Garmin damit sein eigenes Portfolio, wo die fortschrittlichsten Sensoren inklusive EKG den deutlich teureren High-End-Sportuhren vorbehalten bleiben.
Was wir nicht getestet haben, ist die Genauigkeit des Sensors beim Sitz am Bizeps. Entsprechendes Zubehör gibt es im Handel, um den Sensor auch am Oberarm zu befestigen.
Das Cirqa beim Extremsport
Spannend war es, das Garmin Cirqa auf zwei Ultracycling-Events über viele Hundert Kilometer und mehrere Tage am Stück zu benutzen. Teilweise 16–18 Stunden im Sattel, war das Fitness-Armband permanent gefordert. Der Akku zeigte sich dabei verlässlich. Rund acht Tage lang hielt es durch und musste nicht an die Powerbank. Den vom Hersteller angegebenen zehn Tagen kommt das schon recht nahe. Gut zu wissen: In den ersten Tagen der Nutzung war der Akku schnell im roten Bereich, was zunächst verwunderte, jedoch möglicherweise mit der Lernphase einherging. Danach gab es keinerlei Probleme mehr.
Leider wurden die Daten der kompletten Strecke nicht als Ganzes aufgezeichnet. Am Ende waren aufgrund des fehlenden automatischen Pausenstopps viele kürzere Aktivitäten protokolliert. Auch die Sportart stimmte teilweise nicht. So wurde in einigen Fällen das Radfahren als Laufen erkannt. Wer beim Start der Aufzeichnung auf Nummer sicher gehen möchte, sollte also besser sein Smartphone bemühen.





