Aero-Rennrad mit 2-Gang-Nabe im Test: Genialer Speed Vorteil oder unnötiger Ballast?

Test: Merida Reacto One
Aero-Renner mit 2-Gang-Nabe: Schneller als 2-fach?

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.09.2026
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Alles auf Speed: Meridas neues Reacto One wurde kompromisslos auf Aerodynamik getrimmt – und wartet darüber hinaus mit einigen spannenden Detaillösungen auf.

Christian Brunker, ROADBIKE-Redakteur
Christian Brunker
ROADBIKE Testredakteur

Einfach oder zweifach? Immer häufiger entscheiden sich die Profis für ein Set-up mit nur einem Kettenblatt. In erster Linie, um Gewicht zu sparen und die Aerodynamik zu verbessern. Das geht allerdings auf Kosten einer feineren Gangabstufung. Doch warum nicht beides haben? Das verspricht der belgische Anbieter Classified mit seiner Powershift-Nabe. Die emuliert über ein Planetengetriebe in der Hinterradnabe ein zweites Kettenblatt: Bei nur einem Kettenblatt vorn entspricht die Gangabstufung der eines 2-fach-Antriebs. Ein spannendes System, das Merida auch in seinem neuen Reacto One anbietet – und es damit zu einem noch spannenderen Testkandidaten macht.

Mit Blick auf den Rest ist der Verzicht auf ein zweites Kettenblatt absolut sinnvoll, denn das Reacto ist kompromisslos auf Tempo getrimmt: mit aerodynamischen Rohrprofilen, hohen Felgen und nicht zuletzt mit dem markanten neuen Cockpit mit leichtem Aufwärtsknick im Oberlenker. Zudem fällt der Lenker mit 32 Zentimetern zwischen den Bremsgriffen trendig schmal aus – im Unterlenker weitet sich der Bügel dagegen auf gemäßigte 40 Zentimeter. Perfekt, um sich tief nach unten zu kauern und die Beine kreisen zu lassen! Weil das Testrad ohne zusätzliche Spacer aufgebaut wurde, fällt die Sitzposition maximal sportlich aus, der Fahrer bietet dem Wind kaum Angriffsfläche. Da steigt der Schnitt fast automatisch um einige km/h. Und je schneller das Reacto unterwegs ist, umso satter liegt es auf der Straße.

Cockpit des Merida Reacto One mit leicht erhöhtem Oberlenker.
Björn Hänssler

Die hohen Felgen der noblen ARC 1100 von DT Swiss sind leicht genug für explosive Antritte, einmal in Schwung gebracht, braucht es nur wenig Kraft, um den Speed auf langen Flachetappen zu halten. Ein eindrücklicher Nachweis der guten Aerodynamik des Reacto. Auch schon die Vorgängermodelle beeindruckten bergab mit satter Straßenlage und präzisem Handling durch schnelle Kurvenkombinationen. Mit kaum einem Renner kann man so zügig schnelle Abfahrten runterknallen und sich dabei so sicher fühlen. Bergauf klettert das Reacto dank des mit 7,61 Kilogramm noch guten Gewichts für einen Aero-Renner erfreulich leichtfüßig. Beim Laufradgewicht von 3144 Gramm ist wichtig zu wissen, dass hier die etwas schwerere Classified-Nabe enthalten ist. Weil dieses Gewicht aber zentral an der Nabe sitzt, wirkt es sich kaum negativ auf das Beschleunigungsverhalten aus.

ARC-1100-Laufrad von DT Swiss mit Continental Aero-111-Reifen.
Björn Hänssler

Doch jetzt noch ein genauerer Blick auf das Classified-System: Geschaltet wird über die Di2-Schalthebel, die Tastenbelegung ist konfigurierbar. Die Übersetzung entspricht etwa einer 52/36-Semikompaktkurbel. Geladen wird die Nabe per Micro-USB an der hinteren Steckachse, der Akku soll je nach Nutzung bis zu 6 Monate halten. Die "Kettenblattwechsel" funktionieren dabei sehr direkt und teils etwas härter als mit einem klassischen Umwerfer – man gewöhnt sich aber recht schnell daran.

Großer Vorteil: Auch unter voller Last schaltet die Nabe problemlos. Gewichtsmäßig bringt das System allerdings keinen Vorteil. Zwar spart der fehlende Umwerfer samt zweitem Kettenblatt rund 200 Gramm ein, die Classified-Nabe plus Steckachse mit Elektronik sorgt hingegen für 400 Gramm Mehrgewicht. Um das zu kompensieren, bietet Classified eine eigene, superleichte Kassette an, die 160 Gramm weniger wiegt als eine Standard-Kassette. Bleibt ein kleines Plus von 40 Gramm.

So geschmeidig die Nabe auch schaltet, ein kleines Detail macht sicht negativ bemerkbar: Das zentral sitzende Kettenblatt sorgt an den äußeren Ritzeln für mehr Kettenschräglauf – das hört man. Wer sich damit arrangieren kann, bekommt mit Meridas Reacto One eine absolute Highspeed-Maschine für die Sekundenjagd. Und einen Renner, der in dieser Form immer noch etwas Besonderes ist.

Die Modell-Alternativen

Merida bietet das neue Reacto in zahlreichen Varianten an, die aerodynamische Rahmenform ist bei allen Modellen identisch. Den Einstieg in Meridas Aero-Segment bildet das Reacto 4000. Es kommt mit Shimanos mechanischer 105 und Meridas Expert CW-Laufrädern ab 2599 Euro. Preislich sehr interessant ist das Reacto 7000: Für 5299 Euro montiert Merida eine Sram Rival AXS und Vision SC 60-Carbon-Laufräder. Specs mit Ultegra Di2 kosten ab 5499 Euro. Das neue Cockpit bleibt allerdings den drei Topversionen vorbehalten: dem Reacto Team mit Dura-Ace Di2 für 10299 Euro, dem Reacto 10k mit Sram Red AXS für 10199 Euro und dem hier getesteten Reacto One. Das kommt mit der Classified-Nabe, die beiden anderen Modelle mit klassischer 2-fach-Kurbel.

👍 Das gefällt

Die Straßenlage des neuen Reacto ist absolut beeindruckend – ein Tempobolzer wie aus dem Bilderbuch.

👎 Das weniger

Die Classified-1-byLösung verursacht auf kleinstem und größtem Ritzel einen auch hörbaren Kettenschräglauf.

♥️ Das perfekte Rad für...

... alle, die ein aerodynamisches 1-by-Set-up an einem endschnellen Aero-Renner suchen und gleichzeitig nicht auf die Vorteile eines 2-fach-Antriebs verzichten wollen.

Geometrie Daten des Merida Reacto One
Björn Hänssler

* Gesamtgewicht ohne Pedale

** Größe M