Radsport: So trainiert die ROADBIKE-Crew für Rennen, Radmarathon und Ultracycling

Tipps für Radmarathon, Radrennen und Ultracycling
Radsport: So trainiert die ROADBIKE-Crew für 2026

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.02.2026
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Man using exercise bike in basketball court at night
Foto: The Image Bank RF

Drei Leute, drei Herangehensweisen in der Saisonvorbereitung zu unterschiedlichen Radsportevents. Wie Emilia, Jakob und Tom für ihre Radmarathons, Rennen und fürs Ultracycling trainieren, welche Unterschiede, aber auch Ähnlichkeiten im Training bestehen, erfährst du hier.

🎤 Das ganze Gespräch im ROADBIKE-Podcast

Radmarathon – Emilia

Emilia Welte
Emilia Welte
Physikerin

Emilia verbindet ihre Radmarathon-Vorbereitung eng mit dem Alltag als Arbeitnehmerin. Unter der Woche fährt sie kürzere Einheiten mit vielen Intervallen, am Wochenende lange Touren von fünf bis sieben Stunden, oft mit Höhenmetern im Schwarzwald – nah an ihrem Wohnort. Lange Einheiten im Training machen Events wie den Giro Dolomiti machbar, sagt sie: "Wenn du im Training regelmäßig fünf, sechs Stunden auf dem Fahrrad sitzt, brauchst du keine Angst zu haben." Im Winter dominiert die Rolle, mit einem Mix aus HIT-Intervallen, Zwift-Rennen und Ausdauereinheiten, für Outdoor priorisiert sie den Umfang.

Realistische Selbsteinschätzung

Bei Alpenmarathons wie dem Dolomiti rät Emilia zu sicherem Tempo von Anfang an. Viele starten zu schnell, um bei der Gruppe zu bleiben, und scheitern an Pässen – sie lässt lieber Lücken und fährt ihren eigenen Rhythmus. Kernkompetenz sei "Durability": auch nach acht Stunden Sattelzeit noch einen Pass hochfahren zu können. Selbsteinschätzung macht mehr Spaß, als erschöpft oben anzukommen, sagt Emilia.

Emilia Welte,ROADBIKE Testfahrerin,Action,Canyon
Bjoern Haenssler

Intuitive Planung

Urlaubstage bestimmen ihre Events, Anmeldungen erfolgen meist spät wegen des Wetters – bei größeren Events, wie dem Ötztaler Radmarathon, nutzt sie Tauschbörsen, um kurzfristig noch einen Startplatzzu ergattern. Ihr Training bleibt ganzjährig ähnlich, mit hohem Kilometeranteil. Kurz vor dem Ziel kombiniert sie dann Intensität und Umfang intuitiv. Sie ignoriert starre Trainingspläne bei Müdigkeit oder Arbeitsstress, wägt Krankheitsrisiken in ihrem Umfeld ab, um konstant zu trainieren und um seltener zu erkranken.

Regeneration und Ausgleich

Alle paar Wochen wird das Training dann lockerer, bei geistiger Erschöpfung pausiert sie: "Den Kopf auspusten und den Trainingsplan einfach mal ignorieren." Dehnen beim Physio und Spaziergänge ergänzen das Programm. Krafttraining findet sie bei Sitzen den ganzen Tag ratsam, und es ist für sie auch ein bisschen Ausgleich. Zu wenig Essen sei der größte Fehler, gibt sie zu. Sowohl in der Vorbereitung als auch beim Wettkampf.

Mentale Haltung

Bei Motivationslöchern fährt sie einfach nur locker mit Freunden: "Irgendwas machen ist besser als nichts." Spaß zählt für sie mehr als Perfektion, Events sind Highlights, nicht verkopfte Ziele.

Fazit

Radmarathon-Vorbereitung dreht sich bei Emilia um intuitive Konstanz, realistische Ziele und Spaß, um Highlights zu genießen und zu meistern.

Ultracycling – Tom

Fizik Kudo,Expertenbox
Thomas Terbeck
Redakteur

Wellenförmiges Training

Tom fährt nicht nur ewig lange Touren zur Vorbereitung. Neben Hausrunden von 30–40 km gehören Hunderter und gelegentlich Zweihunderter dazu, dazwischen fährt er auch kürzere Einheiten und legt Ruhetage ein, wenn er eine Ermüdung der Beine spürt. Immer nur lange Touren seien kontraproduktiv, da sie zu viel Ermüdung, gerade im Kopf, verursachen. Ultra-Distanzen fordern mental mehr als Eintagesrennen, sagt er: "Gleichmäßiges Tempo über 200 km wirkt eintöniger, anders als der fokussierte Tunnelblick bei Rennen." Sich die geistige Frische zu erhalten sei entscheidend.

Nachtfahrten: Gut für mentales Training

Nachtfahrten trainiert Tom gezielt, da man in der Regel ja nicht um Mitternacht auf dem Rad sitzt. Dabei verändert sich auch die Wahrnehmung: Nur der Lichtkegel vor der Lampe schafft eine gewisse Monotonie. Auch die gefühlte Geschwindigkeit kann täuschen – wie Tom schon erfahren musste. Bei ihm kommt das Tief meist um 4 Uhr morgens und verschwindet nach etwa einer Stunde. Er beherrscht Power-Napping, was er sich über die Zeit antrainiert hat: 20 Minuten auf einer Bank mit Ohrstöpseln und gestelltem Wecker funktionieren. Beim ASA Epic fühlte er sich danach erholt und fuhr die komplette Nacht durch – selbst sein Mitfahrer war äußerst erstaunt darüber.

Für Neulinge rät er, schrittweise vorzugehen: Erst 2–3 Stunden in die Dämmerung hinein, um dies peu à peu zu steigern. "Hast du ein halbes Jahr Zeit für die Vorbereitung, solltest du mindestens zwei volle Nächte einmal durchgefahren sein. Schließlich hat das Auswirkungen auf deinen Biorhythmus und deine Reaktionsfähigkeit. Daher ist es wichtig, zuzuschauen, wie du damit zurechtkommst."

Ultracycling,ASA Epic 2025,Tag vor dem Start
Youri Zwart

Instinktives Training

Als "Instinktfahrer" wählt er Events, die ihn mit epischen Bildern, Landschaften und Erfahrungsberichten packen müssen. Bei Höhenmetern integriert er gerne in seiner Heimat die Halden im Ruhrgebiet, an denen es zahlreiche knackige Steigungen gibt und sich besser trainieren lässt, als man denkt. Bei Touren um die 100 km fährt er zudem "natürliche" Intervalle. Strukturierte Pläne liegen ihm einfach nicht; das Terrain simuliert für ihn den Wettkampf und macht ihm einfach mehr Spaß. Dadurch fällt ihm das Training leichter.

Wann er eine Ruhephase benötigt, erkennt er mittlerweile intuitiv: Er setzt sich Wochenziele, bei müden Beinen legt er ein, zwei Tage eine Pause ein. Muskelkater kennt er selten durch sein Vielfahren und nimmt reines Creatinmonohydrat zur Regeneration.

Athletik und Logistik

Krafttraining hat er jahrelang trotz besseren Wissens unterschätzt, gibt Tom zu. Eine gezielte Unterstützung durch eine Physio für spezielle Rumpf-Übungen würde er zukünftig gerne einbinden. Gerade auf Langdistanz und bei tagelangem Auf und Ab meldet sich sonst der Rücken. Er hätte dadurch früher sicherlich besser fahren können, glaubt Tom.

Logistik ist ebenfalls ein ganz entscheidender Faktor. Daher wiegt Tom selbst seine Ohrstöpsel, hat eine genaue Packliste für jedes Event mit allen Gewichtsangaben, sodass er am Start ganz entspannt sein kann: kein Herumbasteln mehr, nur die Tasche montieren und los. Für ihn ist das schon ein mentaler Vorteil.

Fazit

Ultracycling dreht sich für Tom um mentale Stärke, Instinkt, physische/logistische Vorbereitung, um am Ende am besten epische Erlebnisse zu haben.

Radrennen – Jakob

Jakob Henni
Jakob Henni
Agrarwissenschaftler

Jakob fährt fürs Lizensteam Racing Students im süddeutschen Raum, hauptsächlich Kriterien und kurze Rundstrecken. Als Sprinter liegen ihm Belastungen von drei bis fünf Minuten, längere Intervalle trainiert er gezielt, um nach Angriffen dranzubleiben. "Die Rennen sind schneller geworden", sagt Jakob. Es gibt mehr Ausscheidungsfahren mit weniger langsamen Fahren im Rennen – wer lange mithält, sprintet um den Sieg. Flache Strecken erfordern Sprintkraft, bergige Rennen erfordern ein Verstecken im Feld, um am Ende noch dabei zu sein, gibt Jakob an.

Saisonplanung

Mit dem Team liebäugelt Jakob für einen Saisonstart im März mit einem Rennen in Frankreich. Dazu geht es im Februar in ein Trainingslager bei Girona. Trainiert werde aber schon jetzt mit größeren Umfängen. Jetzt, mit einem Kind, sei es nicht so einfach, alles miteinander zu verbinden, aber er versuche es so gut wie möglich. Bei Kälte fährt er lieber mit dem MTB im Wald. Er fahre zudem lieber im Regen als auf der Rolle: "Draußen macht mir mehr Spaß."

Jakob Henni, ROADBIKE Testfahrer,Action,Sprint
Bjoern Haenssler

Intensives Training

Früher gab es All-out-Intervalle bis zum Zusammenbruch, sodass er hinterher zwei Tage kaum fahren konnte. Jetzt geht Jakob es kontrollierter an. Etwas weniger intensiv, dafür längere Einheiten. 4 × 8 Minuten beispielsweise. An seinem Hausberg direkt vor der Tür. Dabei geht es weniger um ein Watt-Maximum. Er arbeitet gerne im Tempobereich, da könne er am nächsten Tag auch wieder aufs Rad steigen, das sei unterm Strich effektiver. Er isst zudem auch mehr während des Trainings, was zu einer besseren Regeneration führe, was er früher weniger gemacht habe. Mit Kind sei es nun so, dass er bei weniger Umfang versuche, mehr Intensität einzubauen.

Kraft und Regeneration

Täglich rund 10 Minuten zu Hause an der Stabilität zu arbeiten, das schaffe er: Liegestütze, Planks, Kniebeugen für Rumpf und Beine. "Solche Dinge", sagt er. Auch Krafttraining würde ihm eigentlich guttun, er macht dies aber tatsächlich seit letztem Jahr gar nicht mehr. "Ich bin einfach meistens auf dem Rad", gibt er zu.

Mentale Vorbereitung

Der Spaß ist der Schlüssel, sagt Jakob: Bei Lustlosigkeit sollte man auch mal pausieren und auf den Körper hören. Denn dann ist es vielleicht auch ein Zeichen, mal zu sagen: "Nee, heute vielleicht mal nicht." Aber generell freue er sich jedes Mal, wenn er sich aufs Rad setzen könne. Das dürfe man nicht verlieren. Bikepacking macht er für die Abwechslung auch gerne, Ultracycling dagegen eher nicht. Das sei für ihn als Sprintertyp "einfach zu lang".

Fazit

Die Straßenrennen-Vorbereitung bei Jakob basiert auf angepasster, kontrollierter Intensität, bewusster Regeneration und einem gesunden Körpergefühl. Dabei ist Spaß ein ganz wichtiger Faktor.