Klingt wie Science-Fiction, soll aber laut der Bekleidungsspezialisten Santini und Polartec jetzt Realität werden: ein Radtrikot, dessen Fasern aus industriellen CO₂-Emissionen gewonnen werden. Mit dem neuen "Aero Race Trikot" präsentieren die beiden Marken eine Zusammenarbeit, die Aerodynamik und einen neuen Nachhaltigkeitsansatz unter einen Hut bringen will. Da fragt man sich unweigerlich: Ist das ein genialer Marketing-Schachzug oder der Beginn einer neuen Ära in der Funktionsbekleidung?

Kurz & knapp: Santini x Polartec Aero Race Trikot
- Material: Polartec Power Dry mit Recycled Carbon
- Technologie: Fasern hergestellt aus recyceltem Kohlenstoff (Carbon-Capture-Verfahren)
- Stoffgewicht: 128 g/m²
- Aerodynamik: Im Windkanal getestet, Rippenstruktur an den Ärmeln zur Optimierung des Luftstroms
- Passform: Unisex-Schnitt, enganliegend
- Features: Drei Rückentaschen, nahtlose Ärmelabschlüsse, Silikongripper am Saum
- Verfügbarkeit/ Preis: ab sofort/ 160 Euro
Vom Abgas zum Aero-Trikot: Santini und Polartec spinnen Garn aus CO₂
Herzstück dieser futuristisch anmutenden Entwicklung sei der Stoff "Polartec Power Dry mit Recycled Carbon". Dieser basiere auf einem sogenannten Carbon-Capture-Verfahren. Dabei würden industrielle CO₂-Emissionen abgefangen, bevor sie in die Atmosphäre gelangen könnten. Diese Emissionen würden dann in ein Recyclingpolyestergarn umgewandelt. Aus diesem Garn stricke Polartec schließlich den Funktionsstoff. Laut Herstellerangaben könne durch dieses Verfahren der CO₂-Fußabdruck des Materials im Vergleich zu herkömmlichem, primärem Polyester um bis zu 66 Prozent reduziert werden. Santini sei 2026 weltweit die erste Marke und die einzige Radsportmarke in Europa, die diese Technologie einsetzt, erklärt der Hersteller.

Fasern aus industriellen CO₂-Emissionen: klingt nach Zukunftsmusik, doch Santini und Polartec bieten laut eigener Aussage diese Technik als erste Hersteller in Europa an.
Was kann das Trikot auf der Straße?
Laut Santini wurde das Aero Race Trikot im Windkanal auf maximale Effizienz getrimmt. Seine Konstruktion sei auf eine nahtlose, zweite Haut ausgelegt, um den Luftwiderstand zu minimieren. Eine entscheidende Rolle würden dabei die Ärmel spielen: Eine spezielle Rippenstruktur solle den Luftstrom durch die Erzeugung von Verwirbelungen (Vortex-Effekt) optimieren und so den aerodynamischen Widerstand verringern. Für Atmungsaktivität und einen guten Feuchtigkeitstransport sei der mit 128 g/m² recht leichte Polartec Power Dry-Stoff verantwortlich.

Zur Farbauswahl stehen drei Modelle des Aero Race-Trikots.
Klassische Features wie drei Rückentaschen, ein elastischer Saum mit Silikongripper und nahtlose Ärmelabschlüsse runden das Gesamtpaket ab. Das Aero-Trikot ist in drei Farben und in Unisex-Größen ab sofort für 160 Euro erhältlich. Ob die Umwandlung von Treibhausgasen in High-Tech-Garn tatsächlich der große Wurf für mehr Nachhaltigkeit und Performance ist, wird die Praxis zeigen müssen. Die Idee allein ist aber schon mal bemerkenswert und zeigt, wohin der Weg bei Funktionskleidung gehen könnte.
Wie funktioniert das Carbon-Capture-Verfahren?Das als "Carbon Capture and Utilization" (CCU) bezeichnete Verfahren ist ein Prozess, bei dem Kohlenstoffdioxid (CO₂) nicht in die Atmosphäre gelangt, sondern als Rohstoff für neue Produkte wiederverwendet wird. Im ersten Schritt werden CO₂-Emissionen direkt an ihrer Quelle, beispielsweise bei industriellen Prozessen, abgeschieden. Anschließend wird dieses Gas in einem komplexen chemischen Verfahren umgewandelt und dient als neuer Grundbaustein. Für die Textilherstellung wird aus diesem recycelten Kohlenstoff ein Polymer erzeugt, das sich zu Polyester-Garn verspinnen lässt. Dieses Verfahren ersetzt somit den herkömmlichen Rohstoff Erdöl, der für die Produktion von Polyester benötigt wird, und wandelt ein Treibhausgas in eine nutzbare Faser um





