2023 stellte Pinarello das Dogma X als High-End-Endurance-Rennrad vor (Originalartikel mit Fahreindruck vom 22.09.2023 siehe unten), jetzt folgt eine neue Generation. Pinarello positioniert das neue Dogma X als Gegenentwurf zum "entweder/oder": entweder Race-Rakete oder Sofabike. Das X soll beides können – nur eben mit Technik statt Bauchgefühl. Positioniert zwischen Dogma F (Rennmaschine) und Dogma GR (Gravel) bleibt es ein Straßenrad, das lange Tage im Sattel nicht als Ausrede nutzt, um langsam zu werden.

Die neue Generation des Pinarello Dogma X kommt mit X‑Stays 2.0, M40X-Carbon wie beim Dogma F und mehr Aero-Feinschliff.
Herzstück des Updates sind die X‑Stays 2.0. Pinarello baut die markanten Sitzstreben nicht nur als Design-Statement, sondern als gezielte Schwingungs-Architektur. Neu ist ein Doppelarm-Layout mit vier Anbindungspunkten am oberen Strebenbereich. Dazu wandert die Anlenkung tiefer an das Sitzrohr. Die Idee: Vibrationen sollen sich über mehrere Knotenpunkte verteilen, statt als konzentrierter Impuls ins Sitzrohr "durchzuschlagen". Gleichzeitig verspricht die tiefere Verbindung weniger unerwünschtes Rebound-Verhalten – also weniger Nachfedern, mehr kontrollierte Nachgiebigkeit, wenn der Asphalt grob wird. Endurance nicht als Watte, sondern als Dämpfung mit Ansage.

Herzstück des Updates des Pinarello Dogma X sind die markanten Sitzstreben X‑Stays 2.0.
Beim Material greift Pinarello in die gleiche Schublade wie beim Dogma F: Torayca M40X-Carbonfasern. Das Layup soll mit hoher Zugfestigkeit leicht und zugleich robust sein – und dennoch vor allem feinfühlig reagieren. Übersetzt: Der Rahmen soll nicht nur Komfort "wegfiltern", sondern Lastwechsel sauber annehmen, wenn nach sechs Stunden doch noch der Antritt am kurzen Stich kommt.
Auch die Aerodynamik bekommt ein Update, ohne das X in ein kompromissloses Aero-Brett zu verwandeln. Auffällig: ein elliptisches Steuerrohr, kombiniert mit einem breiteren Steuerkopfbereich. Das soll den Luftstrom glätten und gleichzeitig die Torsionssteifigkeit erhöhen – ein klassischer Zielkonflikt, den Pinarello über Formgebung lösen will. Dazu kommt ein schmaler, konisch zulaufender Unterrohrquerschnitt: weniger Stirnfläche, mehr Seitensteifigkeit. Klingt paradox, ist aber typisch moderne Rohrprofil-Optimierung: Material dorthin, wo es arbeitet, Luft weg von dort, wo sie bremst. Vorne setzt Pinarello auf "closed" Dropouts, also geschlossene Ausfallenden zur Beruhigung des Airflows. Ergebnis laut Datenblatt: mehr Stabilität und präzisere Linie, gerade bei Highspeed-Abfahrten.

Details des neuen Pinarello Dogma X, unter anderem mit "Closed Dropouts" an der Gabel.
Zur Praxis gehört heute auch die Schnittstellenpolitik. Das Dogma X kommt mit 35 mm Reifenfreiheit – genug, um moderne Tubeless-Setups wirklich auszureizen: geringerer Druck, mehr Grip, weniger Ermüdung. Gleichzeitig gibt’s einen Dual‑Mount zur Kompatibilität mit SRAM UDH. Für ein Highend-Straßenrad ist das ein klares Signal: Servicefreundlichkeit und Standardisierung sind angekommen, auch am italienischen Olymp.

Geschwungene Rohre sind ein Markenzeichen von Pinarello - und finden sich auch am neuen Dogma X.
Bei den Aufbauten geht’s erwartbar edel zu: Shimano Dura‑Ace Di2, SRAM Red AXS oder Campagnolo Super Record, dazu Laufradsätze wie Campagnolo Bora WTO 4S, DT Swiss ERC 1100 oder Princeton Grit 4540. Preislich bleibt’s ein typisches Dogma – sprich: kein Schnäppchen. Das Rahmenset kostet 6700 Euro, Komplettbikes sind ab 14 900 Euro zu haben. Wer sparen will, spart hier höchstens Zeit – am Berg, im Gegenwind und vielleicht vor allem am Ende eines sehr langen Tages.

Für kleine Geldbeutel ist das Pinarello Dogma X erwartungsgemäß nicht: 6700 Euro für das Rahmenset und ab 14 900 Euro für Kompletträder sind eine Ansage...
Pinarello Dogma X 2023 – Artikel vom 22.09.2023
Immer längere Distanzen sind unter Hobby-Rennradfahrern längst nicht mehr ungewöhnlich. Auch im Hause Pinarello hat man diesen Trend erkannt – und bietet mit dem neuen Endurance-Rennrad Pinarello Dogma X ein neues High-End-Rennrad der Dogma-Serie, das sich gegenüber dem Dogma F der Profis von Ineos Grenadiers an Hobbysportler mit Langstrecken-Ambitionen richtet.
Jenes Pinarello Dogma F war die Vorlage für das neue Pinarello Dogma X: Denn das Profi-Rennrad wurde gezielt in Richtung Komfort weiterentwickelt. Während das F bei Pinarello für die Race-Linie steht, zeichnet das X die Endurance-Linie aus. In erster Linie zeugt davon die Reifenfreiheit von bis zu 35 Millimetern (beim Pinarello Dogma F passen "nur" 30er-Schlappen in Rahmen und Gabel). Pinarello betont zudem, dass das Pinarello Dogma X damit den modernsten Anforderungen an dickere Reifen, breitere Laufräder sowie Tubeless-Setups entspricht.

Reifenfreitheit von bis zu 35 Millimetern ziert das Pinarello Dogma X - hier in der neuen Farbe Xolar Sun.
"Das Rad ist somit gewissermaßen ein Allroad-Bike, das auch für den Einsatz auf Gravel taugt", erklärt Maurizio Bellin, Chief of Operations bei Pinarello gegenüber ROADBIKE. "Es ist zudem die ideale Wahl für einen langen Gran Fondo oder harte Bodenbeschaffenheiten wie bei Paris-Roubaix oder der Strade Bianche." Dennoch werde das Team Ineos laut Bellin bei der Königin der Klassiker weiterhin zum Pinarello Dogma F greifen – wie bei allen anderen Rennen auch, egal ob Berg- oder Flachetappe.
Neues Heck am Pinarello Dogma X
Grund für die Entscheidung der Profis sind laut Bellin die längeren Sitzstreben am Pinarello Dogma X. Diese ermöglichen mehr Reifenfreiheit und sollen dem Rad seinen komfortablen Charakter verleihen – Profis mögen es eben lieber sportlicher. Denn während die Front des Pinarello Dogma X sehr der am Pinarello Dogma F gleicht – mit Ausnahme der breiteren Gabel für mehr Reifenfreiheit sowie 3,9 mm weniger Reach und 15,4 mm mehr Stack in mittlerer Rahmengröße 53 – wurde vor allem das Heck überarbeitet, um hier mehr Komfort zu erzielen. Am Pinarello Dogma X setzen die Sitzstreben daher gleich doppelt am Sitzrohr an und sind zudem knapp über dem Hinterreifen gekreuzt.
"Diese sogenannten X-Stays verleihen dem Rad mehr Steifigkeit am Heck, ohne den Komfort zu mindern", erklärt Maurizio Bellin auf Nachfrage von ROADBIKE. Gemeinsam mit der japanischen Marke Toray wurde eine neue T1100-1k-Carbon-Faser entwickelt, was bislang das leichteste und steifste Carbon bei Pinarello sein soll. Das Gewicht des 53er-Rahmens bleibt mit 950 Gramm laut Pinarello unter der 1-kg-Marke, die Gabel schlägt mit 400 Gramm zu Buche.

Die markante Kreuzung über dem Hnterreifen macht das Heck des Pinarello Dogma X unverkennbar.
Den Aero-Nachteil gegenüber dem Pinarello Dogma F beziffern die Italiener auf fünf Prozent – ein Wert, der sich auf langer Tour nach vielen Stunden durch mehr Komfort und somit mehr Kraft rentieren sollte. Dafür maßgeblich ist vor allem die breitere Gabel, die mehr Reifenfreiheit ermöglicht. Am Pinarello Dogma X zeugen dennoch flächige Aero-Shapes von der Formgebung durch das Pinarello Dogma F, zudem sind alle Leitungen in Pinarellos innenverlegtem TICR-System in der Gabel integriert, was in Summe fünf Watt gegenüber außenverlegten Kabeln und Leitungen sparen soll. Zudem setzt Pinarello am Dogma X auf seine markante Asymmetrie, damit die rechtsseitigen Kräfte durch den Antrieb dem Rad Symmetrie verleihen sollen.

Aero-Sattelstütze und eine versenkte Sattelklemung wie am Pinarello Dogma F zieren das Pinarello Dogma X. Das macht schnell, eine runde Stütze würde aber den Komfort zusätzlich erhöhen.
ROADBIKE-Fahreindruck des Pinarello Dogma X
ROADBIKE-Redakteur Eric Gutglück hatte Gelegenheit, das Pinarello Dogma X bei dessen Vorstellung im norditalienischen Treviso bereits zu testen. Auf der anspruchsvollen Testrunde stach sofort der Mix aus gutem Komfort bei gleichzeitig hoher Steifigkeit bei Antritten hervor – wobei sich beim Komfort nicht zweifelsfrei ausmachen ließ, ob dieser nicht hauptsächlich von den am Testrad montierten 32 mm breiten Continental GP 5000 S TR-Tubeless-Reifen als aus dem Rahmen stammt.

Bergab zeigt sich das Pinarello Dogma X stabil, mit einem guten Mix aus agilem Handling und hoher Spurtreue.
Dank der breiten Tubeless-Reifen rollt das Pinarello Dogma X in der Ebene ausgesprochen gut, auch die Aero-Formen am Rahmen sowie die montieren Princeton-Laufräder trugen ihren Teil zur Reisegeschwindigkeit bei. Bergauf zeigt sich das Pinarello Dogma X erwartungsgemäß nicht als übermäßig explosiver Kletterer, aber eben auch nicht als nasser Lappen im Wiegetritt. Bergab wiederum war unser Redakteur von der hohen Spurtreue, auch in schnellen Kurven und bei Seitenwind begeistert – ein guter Mix aus agilem Handling aber ruhigem Fahrverhalten.
Auch eine drei Kilometer lange, kurvige und stellenweise nasse Gravelpassage meisterte das Rad problemlos. Einzig Sportler mit sehr empfindsamem Popometer bzw. Tendenz zu Rückenbeschwerden auf langen Touren könnten mit der harten, kaum flexenden Aero-Sattelstütze ihre Probleme bekommen – eine runde Stütze lässt sich am Pinarello Dogma X jedoch leider nicht montieren.

Auch Gravelpassagen meistert das Pinarello Dogma X bedenkenlos - dank bis zu 35 mm Reifenfreiheit.
Größen, Farben und Preise vom Pinarello Dogma X
Das Pinarello Dogma X kommt in 11 Rahmengrößen und vier Farben (Xolar Black, Xolar Sun, Xolar Green, Xolar Blue) – sodass jede/r Pinarello-Pilot sein/ihr Modell finden sollte. Zudem sind die Räder im Online-Konfigurator beliebig anpassbar, um einen individuellen Endurance-Renner zusammenzustellen. Dafür sollte man allerdings das nötige Kleingeld mitbringen – denn mindestens 15.050 Euro sind für eine Shimano Dura-Ace Di2-Ausstattung inkl. Laufrädern, wahlweise DT Swiss ARC 1400 oder Princeton Peak 1450, fällig. In der Spitze kostet das Rad mit Campas Super Record Wireless und Bora-WTO-Laufrädern 16.350 Euro. Günstigere Versionen des Pinarello Dogma X – etwa mit Ultegra, Force, Rival oder 105-Ausstattung gibt's hingegen nicht, was den Fahrspaß des Pinarello Dogma X sündhaft teuer macht. Immerhin: Für (etwas) günstigere Eigenaufbauten ist das Rahmenset des Pinarello Dogma X für 6700 Euro zu haben.
Erweiterung der Pinarello X-Serie
Wem die Preise für das Pinarello Dogma X zu heftig sind, der findet womöglich in der X-Serie der Italiener sein neues Gefährt. Diese ist von Pinarello knapp unterhalb des Pinarello Dogma X angesiedelt, mit Preisen, die bei 3900 Euro für das X1 starten. Ab sofort bietet Pinarello neben dem X1 und X3 nun auch ein X5, X7 sowie X9 an. Alles über die X-Serie liest du hier.





