Es ist leicht, steif, präzise formbar, gut recycelbar. Für Kunden attraktiv: Alu ist einfach zu pflegen, sehr korrosionsbeständig, robust – etwa beim Transport. Es steckt auch Stürze weg, Defekte und Bruchstellen sind im Gegensatz zu Carbon in der Regel gut sichtbar. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut. Für Hersteller ist zudem attraktiv, dass das manufakturmäßige Bauen von hohen Stückzahlen besser und wirtschaftlicher möglich ist als mit dem Werkstoff Stahl. Alu liefert zudem noch performance-orientiertere Rahmen als Stahl. Schon klar, mit Carbon können noch leichtere, aerodynamischere und komfortablere Rahmen gebaut werden. Für Hersteller ist der Entwicklungsaufwand bei Carbon aber höher – die Gewinnmargen dann allerdings auch.

Maxe Faschina ist als Produktchef bei Standert für alle Entwicklungs- und Sales-Prozesse zuständig - und koordiniert in dieser Funktion die Arbeit der Ingenieure, Produzenten, Ein- und Verkäufer. Der Elite Amateur-Rennfahrer lebt in Berlin.
Für Rennfahrerinnen und -fahrer, Individualisten, Fans von robusten Alleskönnern und allgemein alle, die ein direktes Feedback von der Straße wollen. Achtung: Direkt bedeutet nicht unkomfortabel! Alu-Rahmen können mit Carbonsattelstütze und vor allem breiten Reifen sehr ordentlichen Komfort bieten. Aber das Fahrgefühl bleibt unverwechselbar – eben sehr direkt, sehr authentisch. Es gibt eine sehr treue Alu-Fangemeinde, und die verlangt auch nach High-End-Alu – nicht "nur" nach Einstiegsrahmen. Das würde auch dem Potenzial des Werkstoffs nicht gerecht.
Ganz eindeutig die Nachhaltigkeit. Der allergrößte Anteil unseres Rahmenmaterials ist recycelt. Wenn man wollte, könnte man eine regelrechte Kreislaufwirtschaft aufziehen. Bei Carbon sind die Klebstoffe nach wie vor sehr schädlich, die Fasern lassen sich kaum recyceln, die Produktionsbedingungen sind mitunter fragwürdig.

Ein Rennrad fasziniert immer auch mit seiner Technik - einfach und hochkomplex zugleich.
Europäische Produktion ist teurer, technisch aber nicht unbedingt besser. Die Produktion in Asien ist handwerklich hochpräzise, die Transportwege sind kurz, das Grundmaterial wird vor Ort abgebaut beziehungsweise recycelt. Nachhaltigkeit muss den ganzen Lebenszyklus betrachten, inklusive Lieferkette, Produktion, Transport und Materialkreislauf. Da ist China mittlerweile ganz vorn dabei. Die Nachhaltigkeit eines Produktes nur aufgrund seines Herkunftslandes zu beurteilen, greift zu kurz. Und ist mittlerweile auch sachlich falsch: China macht das mittlerweile einfach gut – aus wirtschaftlichen Gründen.
Legierungen von Alu-Rohren sind ein Thema, das viel zu wenig beachtet wird. Man muss dazu wissen, dass reines Aluminium für viele Anwendungen zu weich ist. Um Eigenschaften wie Festigkeit, Härte, Korrosionsbeständigkeit oder Bearbeitbarkeit zu verbessern, werden gezielt andere Elemente wie Magnesium, Silizium, Kupfer oder Zink beigemischt. Hier kann man toll experimentieren und den Rohrsatz stark beeinflussen. Welche Zusätze in welchem Verhältnis beigemischt werden, kann man am vierstelligen Zahlencode der Legierung entnehmen. Wir sind der Überzeugung, dass die Legierung 6061 für Fahrradrahmen der beste Kompromiss ist: leicht, steif, fest, robust, leicht zu schweißen, mit gut verfügbaren Ausgangsmaterialien. 6069 oder 7000er-Serien haben eine höhere Festigkeit, sind aber schwieriger zu verarbeiten. Dann gibt es noch Scandium – ein Zusatz, dessen Verwendung bei uns historisch gewachsen ist. Ich würde sagen, Standert ist weltweit der größte Hersteller von Scandium-Rahmen. Die Rohre haben eine sehr homogene Mikrostruktur und können sehr dünn gezogen werden, sind also sehr leicht. Aber Scandium ist sehr schwer zu verarbeiten, das Ausgangsmaterial gibt es an nur vier Orten weltweit, von denen drei politisch schwierig sind.

Rennräder mit Aluminiumrahmen erfreuen sich einer treuen Fangemeinde - und haben eine Daseinsberechtigung, auch wenn Carbonrahmen in mancherlei technischer Hinsicht überlegen sind.
Zumindest Carbonteile bieten wir in unseren Rädern ja an: Gabeln, Anbauteile, Laufräder. In unserer Gründungszeit war Carbon als Rahmenmaterial schlicht zu teuer, mittlerweile ist unsere Konzentration auf Alu und Stahl unsere feste Überzeugung und DNA: Einerseits wegen der Langlebigkeit, der Zeitlosigkeit, dem Design, dem Kultfaktor von Alu und Stahl, andererseits wegen der deutlich besseren Umweltverträglichkeit.
Das Potenzial von Aluminium ist meiner Meinung nach noch lange nicht ausgeschöpft. Wenn man Finanzmittel in die Hand nehmen und investieren würde, könnte man noch viel mehr aus dem Werkstoff Aluminium im Rahmenbau herausholen – Legierungen, additive Verfahren, 3D-Druck, Recyclingfähigkeit… Aber: Die notwendigen Investitionen sind schwierig aufzutreiben. Die traditionell etwas hemdsärmelige und aktuell krisengeplagte Branche kriegt so was nicht koordiniert. Für einen einzelnen Hersteller wiederum passt das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht. Und der Markt verlangt ohnehin eher nach Carbon. Ich bin trotzdem überzeugt: Alu hat Zukunft und wird noch lange eine Zielgruppe haben!
ROADBIKE-Test von High-End-Alu-Rennrädern
Aluminium gibt's am Rennrad "nur" noch bei einfachen, preisgünstigen Einstiegs-Rennern? Weit gefehlt! In ROADBIKE 04/26 haben wir fünf Alu-Renner mit aufwendig entwickelten und produzierten High-End-Rahmen getestet. Erkenntnis: Alu ist schneller denn je! Die Ausgabe gibt es ab 17. März 2026 am Kiosk oder hier als ePaper.





