Magdalena Neuner: Vom Biathlon aufs Rennrad - warum sie für den guten Zweck radelt

„Ich finde es wichtig, etwas zurückzugeben“
Magdalena Neuner: Vom Biathlon aufs Rennrad

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.09.2026
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IBU Biathlon World Championships - Women's Relay
Foto: Getty Images Europe
Magdalena Neuner, Sie sind in diesem Jahr zum ersten Mal beim Lila Logistik Charity Bike Cup dabei. Wie ist es dazu gekommen?

Meine ehemalige Biathlon-Kollegin Simone Hauswald hat mich angerufen und mir von der Veranstaltung erzählt. Sie meinte, dass es dort immer sehr familiär und nett ist – und natürlich für einen guten Zweck. Sie hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einmal mitzumachen. Da habe ich spontan zugesagt.

Lila Logistik Charity Bike Cup
Der Lila Logistik Charity Bike Cup ist ein jährlich stattfindendes Radsport-Benefizevent, das traditionell am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) in der Region Stuttgart stattfindet. Teilnehmende können bei einem Jedermann-/-fraurennen (Race) auf einem ca. 15 Kilometer langen Rundkurs Gas geben oder bei einer etwas entspannteren Radtour (Tour) auf identischer Strecke fahren. Zudem gibt es im Start-/Ziel-Bereich ein Rahmenprogramm, u.a. mit Kinderrennen und Expo. Ein Teil des Startgeldes wird für wohltätige Zwecke gespendet, allein 2026 kamen bereits 60 000 Euro zusammen. Eine Besonderheit ist, dass alle Teilnehmenden in verschiedenen Teams starten, zu dem eine oder mehrere aus der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten zählen. In der Vergangenheit waren dies aktive oder ehemalige Radstars wie Hanka Kupfernagel, André Greipel oder Mario Kummer, aber auch Schauspieler wie Richy Müller oder Fußballer wie Guido Buchwald – nun eben auch Ex-Biathlonstar Magdalena Neuner.

Sitzen Sie in Ihrer Freizeit denn häufiger auf dem Rad?

Ja, schon. Ich fahre aber eigentlich fast nur Mountainbike. Wir wohnen in einer sehr bergigen Region, auf den Straßen ist unglaublich viel los. Deshalb bin ich lieber etwas abseits unterwegs. Für den 3. Oktober musste ich mir tatsächlich erst einmal wieder ein Rennrad besorgen. (Lacht.)

Wie lange ist es denn her, dass Sie zuletzt auf einem Rennrad gesessen haben?

Früher bin ich viele tausend Kilometer im Jahr gefahren. Aber mittlerweile bin ich seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr auf dem Rennrad gesessen. Mountainbike fahre ich dagegen viel, auch mit den Kindern.

IBU Biathlon World Championships - Women's Relay
Bongarts
15 Jahre? Dann wird der Lila Logistik Charity Bike Cup ja fast zu einem kleinen Rennrad-Comeback. Können Sie da überhaupt gemütlich mitfahren oder kommt irgendwann doch die ehemalige Leistungssportlerin durch?

Ich bin sehr froh, dass wir die Tour machen und nicht das Race. Für das Race fühle ich mich im Moment nicht fit genug und ich glaube, da würde dann doch wieder der Ehrgeiz durchkommen. Man möchte ja irgendwie gut sein und nicht völlig hinterherfahren.

Der Ehrgeiz ist also doch noch ein bisschen da.

Ein bisschen schon. (Lacht.) Aber mit der Tour bin ich sehr happy. Ich glaube, da werden wir einfach ein schönes, gemütliches Tempo fahren. Es geht ja nicht ums Gewinnen, sondern darum, einen schönen Tag zu haben – und etwas Gutes zu tun.

Sie engagieren sich regelmäßig für soziale Zwecke.

Ich finde es unglaublich wichtig, etwas zurückzugeben. Es gibt in unserer Gesellschaft viele Menschen, die es nicht einfach haben. Für mich sind besonders Kinder eine Herzensangelegenheit, auch weil ich selbst Mama von einer Tochter und zwei Jungs bin. Ich finde, dass Kinder das schwächste Glied in unserer Gesellschaft sind.

Wie präsent ist Biathlon noch in Ihrem Leben?

Gar nicht mehr so viel. Natürlich, Biathlon war 16 Jahre quasi mein Leben. Und vieles von dem, was ich heute beruflich machen darf, ist noch mit dem Sport verbunden. Trotzdem habe ich inzwischen einen gewissen Abstand.

Sie wurden sehr früh zu einem Gesicht des Biathlons. Die Menschen haben sich plötzlich nicht mehr nur für die Ergebnisse, sondern auch für die Person dahinter interessiert.

Das ging bei mir wirklich relativ schnell. Bei der Weltmeisterschaft 2007 war ich noch ein totaler Newcomer. Aber schon nach meiner ersten Goldmedaille habe ich sofort gemerkt: Die Menschen interessieren sich plötzlich für viel mehr als nur für das sportliche Ergebnis.

Sie waren gerade einmal 19 Jahre alt. Wie geht man mit dem ganzen Trubel um?

Gerade am Anfang war noch sehr viel Unbeschwertheit dabei. Aber natürlich kamen irgendwann auch Dinge dazu, die sich eher schwer als leicht angefühlt haben. Heute, mit fast 40, würde ich wahrscheinlich vieles bewusster genießen.

Sie haben Ihre Karriere sehr früh mit 25 Jahren beendet. Wenn Sie heute zurückblicken: War das der richtige Zeitpunkt?

Absolut. Mein Bauchgefühl und mein Kopf haben mir damals gesagt, dass es die richtige Entscheidung ist. Von außen waren viele der Meinung, es sei falsch. Aber es geht nicht darum, was andere denken. Für mich war es auch ein Erfolg, meiner eigenen Stimme zu folgen. Ich bin sehr dankbar, dass ich selbst entscheiden konnte aufzuhören, während ich noch Spaß am Sport hatte.

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AFP
Welchen Sport betreiben Sie heute am liebsten?

Ich bin mittlerweile eigentlich eine richtige Breitensportlerin. Im Urlaub haben wir zum Beispiel Tennis und Tischtennis gespielt, waren klettern, Fußball spielen, auf dem Trampolin und reiten. Wir haben eigentlich für die Kinder ein Pferd gekauft – aber mittlerweile nehme ich selbst Reitunterricht. (Lacht.) Ich merke dann, dass auch wieder ein gewisser Ehrgeiz kommt und ich mich verbessern möchte. Da steckt schon die Sportlerin in einem.

Da haben wir ihn also wieder, den Ehrgeiz vom Anfang.

Ein bisschen ist er schon noch da. Ich mag einfach diese Vielfalt. Wir machen gerne Bergtouren, fahren Fahrrad oder gehen schwimmen. Alles ohne Druck, aber mit Bewegung. Ich bin einfach gerne draußen und in der Natur.

Dann passt der Lila Logistik Charity Bike Cup ja sehr gut. Was erwarten Sie von dem Tag?

Ich freue mich auf ein schönes Miteinander. Gerade bei Charity-Veranstaltungen finde ich die Stimmung häufig besonders schön. Die Menschen haben Lust, dabei zu sein, und alle verbindet ein guter Gedanke. Ich wünsche mir ein freundschaftliches, friedvolles und harmonisches Miteinander, bei dem wir gemeinsam Sport für die gute Sache machen und am Ende jeder etwas für sich im Herzen mitnimmt.