Licht und Schatten liegen manchmal nah beieinander. Auch und ganz besonders im Radsport. Der Fahrradhersteller Bianchi ist ein aktuelles Beispiel. Gleich vier spannende Meldungen rund um die traditionsreiche Marke aus Norditalien erreichten uns in den vergangenen Tagen. So etwa die Nachrichten von der Eröffnung eines neuen Factory Outlets und des neuen Firmenmuseums in der Bianchi-Zentrale in Treviglio am 2. November. Pünktlich zum Tag der Eröffnung berichtete Escape Collective einen Bericht über finanzielle Probleme bei Bianchi. Und nur wenige Tage zuvor verkündete das Profi-Radteam Bahrain Victorious die vorzeitige Auflösung des Ausrüstervertrags mit Bianchi.
Wir haben das Unternehmen kontaktiert und um die Beantwortung einiger Fragen gebeten. Auch wenn viele Fragen nicht konkret beantwortet wurden, ergibt sich ein etwas klareres Bild.

Das frisch neu eröffnete Museum in der Bianchi-Zentrale erzählt die Geschichte der Marke.
Bianchi hat über seine italienische Betriebsgesellschaft Gläubigerschutz beantragt und ein Verhandlungsverfahren zur Restrukturierung eingeleitet. Dieses in Italien unter dem Titel "composizione negoziata della crisi” (CNC) gesetzlich geregelte Verfahren soll eine Insolvenz oder Liquidation abwenden.
Das Unternehmen berichtet, ähnlich wie die Fahrradbranche insgesamt, mehrere schwierige Jahre hinter sich zu haben. Im italienischen Firmenregister einsehbare Daten weisen für das Jahr 2023 einen Verlust von 7,3 Millionen Euro bei 109,9 Millionen Euro Umsatz aus. Im Jahr 2024 stieg der Umsatz demnach auf 114,4 Millionen Euro und der Verlust auf 7,7 Millionen Euro.

Die Eröffnung von Eduardo Bianchis Fahrradwerkstatt im Jahre 1885 gilt als Ursprung der Marke.
Bianchi hat im Zuge des Verfahrens nun bis mindestens Ende Januar und höchstens Ende Mai Zeit, unter der bestehenden Geschäftsführung Lösungen zu finden, etwa durch Verhandlungen mit Gläubigern.
Aktuell sind keine direkten Auswirkungen zu erwarten. Das Unternehmen betont, unter der aktuellen Geschäftsführung weiter tätig zu bleiben und zu seinen Händlern und Kunden zu stehen. Explizit erwähnt werden vereinbarte Lieferungen, Garantieverpflichtungen und der Kundendienst.
Die Marke will sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und spricht dabei besonders von Rennrädern und Gravelbikes. In diesem Jahr wurden etwa die Rennrad-Modelle Infinito und Specialissimo neu vorgestellt. Anfang 2027 sollen laut Bianchi weitere Modelle folgen.

Im Frühjahr präsentierte Bianchi das neue Infinito. In den kommenden Monaten sollen weitere Modelle folgen.
Bianchi ist eine Marke mit enormer Tradition und einer großen Erfolgsgeschichte. Eng verbunden mit den Rennrädern in dem markanten Celeste-Blau sind etwa die Erfolge von Fausto Coppi oder Marco Pantani. Auch Jan Ullrichs Fahrt bei der Tour de France 2003 auf einem Bianchi-Renner dürfte vielen Fans noch in Erinnerung sein. In jüngeren Jahren trat Bianchi als Radpartner der Teams Jumbo-Visma, BikeExchange, Arkéa-Samsic und zuletzt Bahrain Victorious auf. Aktuell ist nicht bekannt, ob Bianchi im kommenden Jahr ein Profi-Team unterstützen wird. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfte die Sichtbarkeit der Marke spürbar nachlassen. Andererseits würde Bianchi die Kosten für ein solches Engagement einsparen.

Jan Ullrich auf seinem Bianchi-Zeitfahrrad bei der Tour de France 2003. Die italienische Marke ist dem Rennsport eng verbunden.





