Vor 30 Jahren entstand Rotwild als Schaufenster eines Ingenieurbüros, heute gehört die Marke zu den etablierten Premiumherstellern im Mountainbike-Segment. Gründer Peter Schlitt blickt auf die Anfänge zurück, spricht über mutige Entscheidungen und erklärt, warum Innovation für Rotwild bis heute an erster Stelle steht.

Kaum eine Minute vergeht, an dem ich nicht über Bikes oder die neuste Innovationen nachdenke. Ob E-MTB, Trailbike oder Enduro – ich teste zudem alles, was die Bike-Branche zu bieten hat. Mich interessieren nicht nur Daten und Ausstattung, sondern vor allem das Fahrgefühl auf dem Trail. Genau daraus entstehen unsere Tests, Kaufberatungen und Vergleiche bei BikeX und im Magazin MOUNTAINBIKE. Eine aktuelle Test-Übersicht der spannendsten E-MTBs des Jahres findest du hier.
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Viel Spaß beim Lesen!
Peter Schlitt: 1994 hatten Peter Böhm und ich die ADP Engineering GmbH gegründet und bereits mit unserem ersten Produkt, dem Carbon Brake Booster, den Eintritt in die Bike-Szene geschafft. Die Idee hinter Rotwild war zunächst, Werbung für unser R&D-Office zu machen und zu zeigen, was machbar ist. Dann ging 1996 alles sehr schnell: Downhill-WM-Titel Master mit Stefan Herrmann, erste Kleinserie und der 2. Platz bei der Leserwahl der MOUNTAINBIKE in der Kategorie High-End.
Peter Schlitt: Ich bin auf viele Entwicklungen von Rotwild stolz. Wir sind gestartet mit dem generellen Anspruch, keine Mitläufer in der Branche sein zu wollen, sondern neue Wege und Konzepte aufzuzeigen. Deshalb bin ich stolz darauf, dass es uns gelungen ist, Rotwild als international anerkannte Marke zu etablieren.
Dabei gehört der Mountainbike-Rennsport von Beginn an zu unserer DNA. Herausragende Erfolge wie mehrere WM-Titel, eine Olympia-Medaille und viele weitere Titel als kleine Marke mit begrenzten Mitteln feiern zu können, unterstreichen die Leistungsfähigkeit unserer Bikes im internationalen Wettbewerb. Eines der für mich wichtigsten Rotwild-Bikes ist das RDH.04 PS, das ich 1999/2000 noch selbst konstruiert hatte. Das Downhill-Bike besaß eine innovative Kinematik und ist auch heute noch immer spektakulär und unverkennbar.

Das Rotwild RDH.04 PS mit Pullshock-Dämpfer und Shimano-Airline-Luftschaltung. Ein echtes Technik-Highlight der 2000er.
Mit dem Trailbike R.X290 haben wir die Entwicklung superleichter E-Mountainbikes nach vorne gebracht, für mich ist das ein MTB 2.0. Worauf ich aber besonders stolz bin, das ist mein Team. Gemeinsam haben wir noch viel vor!
Das Wunderbare in dieser Branche ist die vielfältige Inspiration, permanent entwickeln sich neue Ideen. Die große Herausforderung dabei ist die kommerzielle, wirtschaftliche Umsetzung unserer Vorhaben. Allgemein stellen vernünftige Lieferketten, faire Preise und verlässliche Kooperationen große Anforderungen an die gesamte Branche, vor allem aber für uns als kleiner Hersteller. Und natürlich ganz banal: Wachstum verlangt Liquidität.
Hierzu ein klares Ja. Wir haben mit Rotwild 2013 als Erste einen Antrieb konsequent in ein Bike integriert und kein Bike um einen Motor gebaut. Das war sicherlich eine Blaupause für das sportive E-MTB. Zu Beginn war das sehr umstritten, dann folgten nahezu alle. Für die gesamte Branche war unser Konzept ein riesiger Step.
Viele Faktoren prägen gerade den Markt, teilweise auch mit sehr individuellen Themen der jeweiligen Hersteller. Mit dem Corona-Boom wurden Totgesagte wiederbelebt, darunter leidet die Branche noch immer. Dazu kommt die Gier einiger, immer mehr zu wollen. Fahrrad ist zwar immer noch hip und der Markt beruhigt sich langsam. Dennoch ist der Markt aktuell geprägt von entweder Innovation oder Discount. Unser Ansporn ist es deshalb, mit Know-how und neuen Ideen vorn zu stehen.
Oh je, dann bin ich schon ein wirklich alter Mann. Wir achten sehr auf die Marke und entwickeln diese in verschiedenen Einsatzbereichen weiter. Das optimale Bike für den individuellen Anspruch bleibt unser Engineering-Konzept. Neben allen technischen Aspekten, dem Streben nach Performance und Qualität kommt immer mehr das Biken als Erlebnis, die Gemeinschaft zum Tragen. Auch neue innovative Mobilitätslösungen warten auf Umsetzung, es bleibt also spannend und ich freue mich darauf!

Wer noch mehr über Rotwild, die Anfangsjahre und die Entwicklung der Bikeszene erfahren möchte, erhält mit dem 206-seitigen Bildband ein schönes Stück Bike-Geschichte. (Preis: 69 Euro)





