Orbeas irrer Plan: Sie nehmen einen Super-Motor & machen ihn absichtlich schwächer.

170 Millimeter Federweg, RS-Ökosystem, unter 21 Kilo
Orbeas neues E-Enduro setzt auf Avinox statt Bosch

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.06.2026
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Orbea stellt das Wild komplett neu auf. Dafür kombiniert der spanische Hersteller eine komplett neue Gravity-Plattform mit dem Avinox-M2S-Antrieb, einer rennsportinspirierten Kinematik und dem eigenentwickelten smarten RS-Ökosystem. Das Topmodell bleibt dabei sogar unter der 21-Kilo-Marke.

Orbea

Kurz & knapp: Orbea Wild LT

  • Neue Enduro-Plattform mit 170 mm Federweg
  • Avinox M2S statt Bosch CX im Wild LT
  • Topmodell unter 21 kg
  • RS-Ökosystem mit smarter Variostütze und RS-Trigger
  • 750 Watt in den Standardmodi, bis zu 1300 Watt im Superboost
  • Wahlweise 600- oder 800-Wh-Akku
  • Als 29er oder Mullet erhältlich
  • Carbon- und Aluminiumrahmen verfügbar
  • MyO-Konfigurator für individuelle Ausstattung und Lackierung
  • Preise ab 5.599 Euro (Alu) bzw. 6.999 Euro (Carbon)

Statt auf den bewährten Bosch CX setzt das neue Wild künftig auf den Avinox M2S. Das überrascht, denn das Wild gehörte seit 2020 zu den Referenzen unter den Bosch-E-MTBs.

Doch der Motorwechsel ist nicht die einzige Überraschung. Ausgerechnet beim als Leistungswunder bekannten Avinox-Antrieb tritt Orbea auf die Bremse und reduziert die maximale Unterstützung. Weshalb sich die Entwickler bewusst für diesen Schritt entschieden haben, klären wir später.

Nach Angaben der Entwickler stand zunächst erst mal die Frage im Raum, wie sich die Fahreigenschaften des Downhill/Enduro-Bikes Rallon möglichst unverfälscht auf ein E-MTB übertragen lassen. Ziel sei gewesen, ein Bike zu entwickeln, das sich trotz Motor möglichst natürlich fährt und sowohl bergauf als auch bergab Höchstleistungen ermöglicht. Erst nachdem Fahrwerk, Geometrie und Kinematik definiert waren, fiel angeblich die Entscheidung für den Avinox-M2S-Antrieb.

Zwei wesentliche Gründe dürften für den Wechsel zum Trend-Antrieb aus China gesprochen haben: Zum einen bietet der kompakte Avinox-M2S mehr Freiheiten bei der Rahmenkonstruktion. Der kleinere Bauraum ermöglicht es Orbea, den Hauptdrehpunkt exakt dort zu platzieren, wo er für die gewünschte Kinematik benötigt wird. Zum anderen erlaubt Avinox den Basken, eine eigene Hard- und Software-Abstimmung für den M2S zu entwickeln – eine Individualisierung, die Bosch nach aktuellem Stand nicht ermöglicht.

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Die Entwicklung des neuen Wild LT begann offenbar bereits vor mehreren Jahren. Wichtige Meilensteine waren dabei das neue Rallon DH/Enduro-Bike, dessen Kinematik unter anderem von Martin Maes im Downhill-Weltcup unter Rennbedingungen erprobt wurde. Da überrascht es kaum, dass der Rahmen sogar für Doppelbrückengabeln freigegeben ist. Auch das erst im Januar 2026 vorgestellte Rallon RS mit seiner smarten Fahrwerkslogik und der smarten RS-Variostütze lieferte wichtige Erkenntnisse für das neue E-Enduro.

Tiefergelegt

Durch den tief positionierten Dämpfer soll auch der Schwerpunkt möglichst tief sein. Gleichzeitig konnte durch den tiefer sitzenden Dämpfer das Sitzrohr verkürzt werden. Zusammen mit dem flachen Oberrohr entsteht so viel Bewegungsfreiheit.

Besonders stolz ist Orbea auf die Dropper-Kompatibilität. Bereits in Größe L und XL lassen sich Variostützen mit bis zu 240 Millimetern Hub vollständig versenken. Selbst kleinere Rahmengrößen nehmen serienmäßig 200- beziehungsweise 210-Millimeter-Dropper auf.

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Moderne Geometrie mit vielen Einstellmöglichkeiten

Das Wild LT kombiniert einen flachen Lenkwinkel von 63,9 Grad, der sich per Flip-Chip auf 63,3 Grad absenken lässt, mit einem steilen Sitzwinkel von 78 Grad für eine zentrale Kletterposition. Kurze Sitzrohre (400 bis 420 mm) ermöglichen Dropperstützen mit bis zu 240 Millimetern Hub in den Größen L und XL und schaffen viel Bewegungsfreiheit auf dem Trail.

Unabhängig von der Rahmengröße setzt Orbea auf 448 Millimeter lange Kettenstreben, während Reach (436 bis 511 mm) und der hohe Stack (624 bis 656 mm) eine laufruhige, abfahrtsorientierte Sitzposition erzeugen sollen. Neben dem Flip-Chip für Lenkwinkel und Tretlagerhöhe ist das Wild LT sowohl als 29er als auch als Mullet erhältlich.

Dafür verwendet Orbea jeweils eine eigene Umlenkung, damit Geometrie und Kinematik unabhängig von der Laufradgröße unverändert bleiben. Für technische Uphills verbaut Orbea zudem serienmäßig kurze 155-Millimeter-Kurbeln und hebt das Tretlager gegenüber dem Rallon um sieben Millimeter an. Das reduziert Pedalaufsetzer und sorgt für mehr Bodenfreiheit auf verblockten Anstiegen.

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Neue Kinematik soll mehr Traktion liefern

Ebenso viel Entwicklungsarbeit floss in den Hinterbau. Nahezu jeder Wert wurde überarbeitet.

So wurde der Anti-Squat gegenüber dem bisherigen Wild um rund 20 Prozent reduziert. Das soll für ein aktiveres Fahrwerk sorgen, das Unebenheiten (auch bergauf) besser "wegsteckt" und dem Hinterrad viel Traktion verschafft.

Nach monatelangen Testfahrten mit Profi- und Amateurfahrern zeigte sich wohl, dass ein Anti-Squat von rund 90 Prozent den besten Kompromiss aus Traktion und Pedaliereffizienz bietet.

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Warum der Wechsel auf Avinox?

Dass Orbea auf den Avinox-M2S-Antrieb setzt, überrascht zunächst. Schließlich bietet der Motor zwar hohe Leistung, tritt aber gegen etablierte Systeme wie Bosch an.

Nach Aussage der Entwickler fiel die Entscheidung allerdings nicht wegen der Leistungsdaten. Ausschlaggebend sei vielmehr die außergewöhnlich kompakte Bauweise gewesen. Sie ermöglichte es, den Hauptdrehpunkt, den Dämpfer und den Motor genau dort zu platzieren, wo die Entwickler ihn haben wollten.

Dadurch ließ sich der Schwerpunkt weiter senken, die Kettenstreben optimal gestalten und die gesamte Kinematik optimieren. Kurz gesagt: Nicht der Motor bestimmte das Fahrwerk – sondern das Fahrwerk bestimmte die Wahl des Motors.

Natürlich profitiert das Wild trotzdem von den Leistungsdaten des Avinox-Systems. Bis zu 130 Nm Drehmoment sowie 150 Nm im Superboost stehen zur Verfügung. Orbea betont jedoch immer wieder, dass Traktion und Kontrolle wichtiger seien als reine Spitzenleistung.

Deshalb begrenzt Orbea die Leistung in allen Fahrmodi außer Superboost bewusst auf maximal 750 Watt.

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RS-Ökosystem: Alles arbeitet zusammen

Unter dem Label RS (Rider Synergy) verpasst Orbea seinen E-MTBs seit dem ersten Rise eine ganz eigene Note. Statt lediglich einen Motor zu verbauen, entwickeln die Basken eine eigene Hard- und Softwareabstimmung. Beim ersten Rise 2020 reduzierte Orbea die Leistung des damaligen Shimano-EP8 bewusst und prägte damit die noch junge Light-E-MTB-Kategorie. Mit dem Rallon RS folgten der RS-Trigger, die elektronische Variostütze und ein vollständig vernetztes System aus Motor, Display, Fernbedienung, Beleuchtung und Fox-Neo-Fahrwerk. Sämtliche Komponenten kommunizieren miteinander und werden über den Hauptakku versorgt – ein weiterer Baustein der RS-Philosophie.

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Zusätzliche Akkus für Variostütze oder Schaltung entfallen ebenso wie mehrere Ladegeräte. Gleichzeitig lassen sich Unterstützungsstufen direkt über die Lenkerfernbedienung feinjustieren – ohne App oder Menü.

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Auch die Fahrmodi hat Orbea grundlegend überarbeitet. Statt der von Avinox bekannten Reihenfolge startet das Wild LT nun im sparsamen Eco-Modus, gefolgt von Auto, Trail und Turbo. Gleichzeitig entwickelte Orbea eine eigene Motorabstimmung, die das Ansprechverhalten laut Hersteller um den Faktor drei verbessert. Das Ergebnis soll ein deutlich direkteres, feinfühligeres Fahrgefühl sein – insbesondere auf technischen Uphills und in anspruchsvollem Gelände entscheidend.

Orbea spricht hier bewusst von einem "Ökosystem". Das Bike soll sich wie ein Gesamtsystem anfühlen und nicht wie eine Sammlung einzelner Komponenten verschiedener Hersteller. Auch eine App soll folgen.

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Modelle und Preise

Das neue Wild LT ist sowohl mit Carbon- als auch mit Aluminiumrahmen erhältlich. Alle Modelle basieren auf derselben Rahmenplattform und unterscheiden sich vorrangig bei Ausstattung und – bei den beiden Topmodellen – dem RS-Ökosystem.

Carbon

  • Wild LT M20 – 6.999 €
  • Wild LT M10 – 8.499 €
  • Wild LT M-Team RS – 9.999 €
  • Wild LT M-LTD RS – 12.699 €

Hydro (Aluminium)

  • Wild LT H20 – 5.599 €
  • Wild LT H10 – 6.999 €
  • Wild LT H-Team – 7.999 €

Alle Modelle sind mit dem Avinox-M2S-Antrieb samt Orbeas eigener RS-Software ausgestattet. Das vollständige RS-Paket bleibt jedoch den beiden Topmodellen vorbehalten. Nur sie verfügen über den RS-Trigger, die elektronische RS-Variostütze, das RS-HMI sowie das vollständig vernetzte RS-Ökosystem. Die übrigen Modelle setzen auf klassische Komponenten mit mechanischer Variostütze.

Typisch Orbea fällt auch der hohe Individualisierungsgrad aus. Über den MyO-Konfigurator können Käufer*innen nicht nur aus zahlreichen Farben und Ausstattungsoptionen wählen, sondern sich auch direkt für den 600- oder 800-Wh-Akku sowie eine 29er- oder Mullet-Konfiguration entscheiden. Wer sich später umentscheidet, kann den passenden Umlenkhebel für den Wechsel der Laufradgröße ebenso nachrüsten wie die elektronische RS-Variostütze.

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Unter 21 Kilo möglich

Auch beim Gewicht setzt Orbea ein Ausrufezeichen. Der lackierte Carbonrahmen soll lediglich rund 2,6 Kilogramm wiegen, die Aluminiumversion bringt laut Hersteller etwa 4,5 Kilogramm auf die Waage. Für das Topmodell M-LTD RS verspricht Orbea ein Komplettgewicht von unter 21 Kilogramm. Unser Testbike in Größe XL mit großem 800-Wh-Akku brachte allerdings 21,3 Kilogramm auf die Waage – ein weiterhin bemerkenswert niedriger Wert für ein Full-Power-E-Enduro dieser Klasse.

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So fährt sich das neue Wild LT

Wir konnten das neue Orbea Wild LT bereits exklusiv in den Pyrenäen testen. MOUNTAINBIKE-Redaktionsleiter Chris war auf Größe XL unterwegs.