Neue E-MTBs von Giant und Liv im ersten Test: Volle Power, weniger Kilos, ein kleiner Haken

Giant Trance E+ und Liv Intrigue Advanced E+
Volle Power, weniger Kilos: die neuen E-MTBs von Giant und Liv

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.10.2026
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Als weltweit agierendes Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten gehört Giant zu den großen Playern im Fahrradmarkt. Auch bei E-Bikes nimmt Giant die Entwicklung weitgehend selbst in die Hand: Während die Motorhardware von Yamaha stammt, entstehen Steuerung und das System drumherum in Taiwan. Mit dem neuen Trance Advanced E+ und dem frauenspezifischen Liv Intrigue Advanced E+ steht nun die nächste Entwicklungsstufe bereit.

Kurz & knapp: Giant Trance Advanced E+ & Liv Intrigue Advanced E+

  • Motor: Beide mit neuem SyncDrive Pro 4 – bis zu 120 Nm und 850 Watt Spitzenleistung.
  • Giant: Fokus auf große Akkukapazität mit 840 Wh, optional um 280 Wh erweiterbar.
  • Liv: Fokus auf geringes Gewicht und kleine Rahmengrößen ab XS. 560-Wh-Akku plus 280-Wh-Range-Extender im Lieferumfang.
  • Federweg: Beide mit 160 mm vorne und 150 mm hinten.
  • Rahmen: Carbon mit Maestro-Hinterbau und dreistufigem Geometrie-Flip-Chip.
  • Preise: Jeweils vier Modelle von 6000 bis 10.000 Euro.

Mehr Power bei weniger Gewicht

Ein kräftiger Motor und ein möglichst leichtes Bike: Diesen Spagat wollen Giant und Liv mit dem neuen Trance Advanced E+ und Intrigue Advanced E+ schaffen. Beide E-Trailbikes setzen auf Carbonrahmen, 160 mm Federweg vorne und 150 mm hinten sowie den neuen SyncDrive Pro 4. Giant nennt für das Trance ein Komplettgewicht von 21,3 kg (Größe M), Liv für das Intrigue 20 kg. Das maximal zulässige Gesamtgewicht beträgt je nach Modell 140 oder 156 kg.

Das Trance bringt 840 Wh mit. Liv setzt beim speziell für Frauen entwickelten Intrigue auf einen kleineren 560-Wh-Akku und ergänzt die Kapazität bei Bedarf über einen Range Extender.

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Sterling Lorence

Der neue Motor SyncDrive Pro 4: 120 Nm und 850 Watt

Herzstück beider Bikes ist der SyncDrive Pro 4. Der gemeinsam mit Yamaha entwickelte Antrieb arbeitet jetzt mit 48-Volt-System, wiegt laut Hersteller nur 2,4 kg und liefert maximal 120 Nm Drehmoment sowie 850 Watt Spitzenleistung. Bis zu 500 Prozent Unterstützung sind möglich.

Neben den Modi Eco, Tour, Sport, Active und Turbo gibt es einen neuen Boost-Modus. Er wird durch zweisekündiges Drücken der Remote-Taste aktiviert und liefert die volle Motorleistung. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht: Boost lässt sich also auch dauerhaft nutzen.

Giant verspricht ein besonders schnelles Ansprechen: Das maximale Drehmoment soll innerhalb von 0,28 Sekunden anliegen. Schon bei niedriger Trittfrequenz soll der Motor kraftvoll unterstützen, um technische Passagen zu meistern. Auch bei hoher Kadenz soll die Unterstützung nicht nachlassen: Der Hersteller verspricht eine anhaltende Leistungsabgabe bis zu 140 Kurbelumdrehungen pro Minute.

Die RideControl-App wurde neu aufgelegt. Über sie lassen sich unter anderem Unterstützungsgrad, maximales Drehmoment, Beschleunigung, Ansprechverhalten und Nachlauf einstellen. Der Flow Mode soll die Kraftentfaltung wahlweise sanfter oder direkter gestalten. Hinzu kommt eine Traktionskontrolle: Erkennt das System ein durchdrehendes Hinterrad, reduziert es die Motorleistung und stellt anschließend die ursprüngliche Unterstützung wieder her.

Smartes Cockpit und elektrische Variostütze

Ein Highlight an den neuen Bikes ist die drahtlose RideControl-Ergo-5-Fernbedienung. Die kleine Remote wiegt 61 Gramm und liegt mit ihren ergonomisch geformten Tasten und Hebeln gut am Daumen. Links werden die Unterstützungsmodi gewählt, bei den höherpreisigen Modellen lässt sich darüber auch die elektrische Variostütze bedienen. Bei den SE-Modellen nutzen Giant und Liv eine zweite Ergo 5 zur Bedienung der elektronischen TRP-Schaltung. Ein dritter Hebel steht für individuell zuweisbare Funktionen zur Verfügung.

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Sterling Lorence

Das neue Smart Gateway 2.0 verknüpft Motor, Akku, Bedienelemente und weitere elektronische Komponenten. Die neue elektrische Contact Switch E+ bezieht ihren Strom direkt aus dem Hauptakku. Ein separater Stützenakku entfällt. Giant nennt hier eine Reaktionszeit von 0,23 Sekunden.

Das Display RideControl Go Lux zeigt alle wichtigen Infos, wie Akkustand und verbleibende Reichweite an; ein integrierter Lichtsensor passt die Helligkeit automatisch ans Umgebungslicht an. Mit dem entsprechenden Aegis Tire Checker lässt sich auch der Reifendruck überwachen. Weitere Systemfunktionen sind eine elektronische Sperre, Apple Find My sowie Updates over the Air.

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Zum neuen Komponentenprogramm gehören außerdem die TRX- und TRA-HD-Laufräder mit 30 mm Innenweite und verstärktem Freilauf sowie ein integriertes Carboncockpit. Beim Contact SLR Trail lassen sich trotz der einteiligen Konstruktion Winkel und effektive Reichweite über unterschiedliche Vorbau- und Winkel-Spacer anpassen.

300 Gramm am Rahmen eingespart

Giant hat auch am Carbonchassis stark gearbeitet. Der Rahmen wiegt laut Hersteller 2773 Gramm und soll damit 300 Gramm weniger als beim Vorgänger wiegen. Satte 200 Gramm konnten die Entwickler am Hinterbau einsparen, 100 Gramm am Hauptrahmen. Gleichzeitig soll die Steifigkeit gegenüber dem Vorgänger gestiegen sein. Beim Komplettbike nennt Giant eine Gewichtsersparnis von 1,85 kg.

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Sterling Lorence

Gleichzeitig wächst der Federweg gegenüber der vorherigen Generation vorne und hinten um jeweils 10 mm auf 160/150 mm. Die bewährte Maestro-Kinematik bleibt erhalten. Das Motorgehäuse des Yamaha-Motors wurde sogar eigens auf den Maestro-Hinterbau abgestimmt, um die gewünschte Positionierung der Drehpunkte zu ermöglichen. Die überarbeitete Kinematik soll den Einfluss von Antriebs- und Bremskräften auf das Fahrwerk verbessern.

Das Trance setzt auf einen Laufradmix mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten. Das kleinere Hinterrad schafft Bewegungsfreiheit und ermöglicht einen kurzen 443 mm Hinterbau. Der höhere Stack bringt die Front weiter nach oben und ermöglicht eine aufrechtere Fahrposition. Über einen Flip-Chip am Maestro-Hinterbau lassen sich drei Geometriepositionen wählen: Low, Mid und High. Dabei verändert sich der Lenkwinkel von flachen 64,1 Grad über 64,5 bis zu 64,9 Grad. Erhältlich ist das Trance in den Rahmengrößen S bis XL.

840 Wh im Giant, 560 Wh im Liv

Im Giant steckt der neue EnergyPak Smart 840. Trotz 840 Wh Kapazität soll der Akku mit 3,7 kg rund 700 Gramm leichter und 23 Prozent kleiner sein als der bisherige Smart 800. Mit dem zusätzlichen EnergyPak Plus 280 steigt die Gesamtkapazität auf 1120 Wh.

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Sterling Lorence

Liv verfolgt einen anderen Ansatz: Der EnergyPak Smart 560X bringt 560 Wh und wiegt laut Hersteller 2,6 kg. Damit fällt der Hauptakku 1,1 kg leichter aus als die 840-Wh-Version des Giant. Für längere Touren lässt sich ein EnergyPak Plus 280 ergänzen. Dieser wiegt 1,5 kg und erweitert die Kapazität des Intrigue auf insgesamt 840 Wh. Bei den höherwertigen Liv-Modellen gehört der Range Extender zum Lieferumfang.

Der Zusatzakku sitzt an der Flaschenhalteraufnahme und verfügt über einen USB-C-Anschluss. Das System nutzt zuerst seine Energie, bevor es auf den Hauptakku zurückgreift.

Giant legt besonderen Wert auf ein langlebiges Batteriemanagementsystem (BMS). Es soll die Akkus schonend steuern und eine Lebensdauer von bis zu 2300 Ladezyklen ermöglichen. Nach mehr als 800 Ladezyklen sollen noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität erhalten bleiben. Ein Schnellladegerät bietet Giant für das neue System allerdings nicht an.

Liv Intrigue Advanced E+: für Frauen entwickelt

Beim Intrigue Advanced E+ verbindet Liv den kräftigen Antrieb mit einem auf Fahrerinnen abgestimmten Rahmen- und Fahrwerkskonzept. Die Größen reichen von XS bis L; auch die Fahrwerksabstimmung wurde von Frauen für Frauen entwickelt.

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Cameron Baird/Giant

Wie das Trance bietet das Intrigue 160 mm Federweg vorne und 150 mm hinten sowie einen Flip-Chip mit drei Positionen. Liv nennt einen flachen Lenkwinkel von 64,1 Grad und je nach Geometriekonfiguration einen Sitzwinkel von 76,6 bis 77,4 Grad. Die Kettenstreben verkürzen sich gegenüber dem Vorgänger um 4 mm auf 443 mm.

Mehr Stack soll die Position auf steilen Abfahrten verbessern. Außerdem hat Liv die Einstecktiefe für die Sattelstütze optimiert: Je nach Größe sind 225 bis 290 mm vorgesehen. Davon sollen insbesondere Fahrerinnen auf XS- und S-Rahmen profitieren, die längere Variostützen nutzen möchten.

Erster Fahreindruck: zwei Tage mit dem Giant Trance Advanced E+

MOUNTAINBIKE-Redaktionsleiter Chris Pauls konnte das neue Trance Advanced E+ zwei Tage in Livigno ausgiebig fahren. Auf dem Programm standen zunächst rund 800 Höhenmeter mit einem knackigen technischen Anstieg und anschließenden Bikepark-Abfahrten. Am zweiten Tag folgte eine lange Tour mit mehr als 2000 Höhenmetern. Gefahren wurde das Topmodell in Größe L.

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Sterling Lorence
MOUNTAINBIKE-Testchef Chris Pauls
Chris Pauls
Redaktionsleiter MOUNTAINBIKE

Modelle und Ausstattung

Giant und Liv bieten ihre neuen E-Trailbikes jeweils in vier Ausstattungsvarianten von 6000 bis 10.000 Euro an.

Giant Trance Advanced E+

  • E+ 0 – 10.000 Euro: Fox 36 Factory / Float X Factory, SRAM X0 Transmission AXS.
  • E+ 1 – 8000 Euro: Fox 36 Performance / Float X Performance, SRAM GX Transmission AXS.
  • E+ SE – 6500 Euro: Giant Crest 36 Elite / Flotrac TR, TRP Electric, 11-fach.
  • E+ 2 – 6000 Euro: Rock Shox Psylo Gold RC / Deluxe Select, Shimano Deore, 12-fach.
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Cameron Baird/Giant Sterling Lorence

Liv Intrigue Advanced E+

  • E+ 0 – 10.000 Euro: Fox 36 Factory / Float X Factory, SRAM X0 Transmission AXS.
  • E+ 1 – 8000 Euro: Fox 36 Performance / Float X Performance, SRAM GX Transmission AXS.
  • E+ SE – 6500 Euro: Giant Crest 36 Elite / Flotrac TR, TRP Electric, 11-fach.
  • E+ 2 – 6000 Euro: Rock Shox Psylo Gold RC / Deluxe Select, Shimano Deore, 12-fach.
Giant Trance Advanced E+ SE_Liv Intrigue Advanced E+ Neuheit freisteller 1
Cameron Baird/Giant

Fazit: Weiterentwicklung gelungen

Das neue Trance Advanced E+ erweist sich als echtes Komfortwunder und gelungene Weiterentwicklung, das nicht nur Giant-Fans begeistern dürfte. Die passende Geometrie, das agile Handling und die angenehme Nachgiebigkeit des Chassis ergeben ein stimmiges Gesamtpaket, das sich auch in Sachen Motorleistung, Reichweite und Tourentauglichkeit sowie den sogenannten Smart-Features der Konkurrenz stellen kann. Ein besonderes Highlight ist die drahtlos angesteuerte Variostütze, die ihren Strom direkt aus dem Hauptakku bezieht. Der größte Makel bleibt der (noch) zu laute Motor.