Voll-Carbon-Rahmen, minimalistische, aber edle Ausstattung, kleiner Motor, mittlerer Akku – das Specialized Turbo Vado SL soll mit seinen ab 14,9 Kilo (Top-Modell) City-Radler höher schlagen lassen. Wir haben uns die "EQ"-Variante mit alltagstauglicher Vollausstattung ganz genau angesehen – für stattliche 6500 Euro erwarten wir Höchstleistungen. Wem das zu viel ist: Das Turbo Vado SL gibt's auch für weniger Asche, das Einstiegs-Modell mit Alu-Rahmen startet bei 4250 Euro, noch günstigere E-Bikes haben wir hier in der Test-Zusammenfassung.

Als BikeX-Redakteur habe ich das riesige Glück, fast wöchentlich neue E-Bikes auf Herz und Nieren zu prüfen. Die bunte Mischung begeistert mich immer wieder: Vom schicken City-Cruiser über den treuen Touren-Begleiter bis hin zur Offroad-Maschine ist alles dabei. Schaut doch mal rein, was ich schon alles gefahren bin: Alle getesteten Räder findest du hier in der Übersicht!
Für mich zählt dabei vor allem eins: Wie schlägt sich ein Rad im Alltag? Technische Daten sind das eine, aber das echte Gefühl bekomme ich erst draußen. Auf dem Weg nach Hause, mit der schweren Einkaufstasche oder wenn der Waldweg mal wieder zur Schlammschlacht wird. Ich höre genau hin, was der Motor macht, fühle, wie das Rad reagiert, und freue mich wie ein Kind, wenn mich ein Bike mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurücklässt.
Woran man die besten E-Bikes erkennt? Ganz einfach: Man denkt gar nicht mehr über den Motor nach. Man genießt einfach nur den Moment und den Fahrtwind.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!
Leicht, schön, schnell?
Als Herzstück würden wir dieses Mal nicht den Motor nennen, sondern den Voll-Carbon-Rahmen des Specialized-E-Bikes, in der City-Klasse gar nicht so oft anzutreffen, wie man vielleicht annehmen würde. "Satin Sky Red" nennen die Kalifornier den edlen Tropfen, mit dem sie den Rahmen benetzt haben – makellos, so wie man es bei dem Preis erwarten würde. Im Tretlager steckt vergleichsweise unauffällig der Mittelmotor-Antrieb. Zum Light-Charakter passt dabei die Leistungsangabe: 50 Nm Drehmoment sind voll im Soll, maximal 320 Watt Spitzenleistung sind aber nach heutigem Stand auch für kleine Motörchen etwas wenig. Fluch und Segen ist hingegen der fest verbaute Akku, den bekommt man nur raus, wenn man auch den Motor aus dem Unterrohr ausbaut. Eine echte Option ist das also nicht. Ansonsten ist die Peripherie auf dem Stand der Zeit: Ein schönes, quadratisches und buntes Display thront auf dem Vorbau, eine kleine Fernbedienung links steuert den Motor. Und leicht ist das Rad auch noch: 18,8 Kilo sind – auch in Anbetracht des gar nicht mal so kleinen Akkus! – ein sehr guter Wert.
Sinnvoll-pfiffige Ausstattung
Keine Frage: Günstige Shimano-Schaltungen sind prima Dauerläufer. Doch für die aufgerufenen 6500 Euro gibt's natürlich Wertigeres. Die US-Marke verbaut bei unserem Turbo Vado SL ein XT-Schaltwerk samt Armatur, Kette und Kassette sind von der etwas günstigeren SLX-Baugruppe. Den Unterschied zur Deore merkt man auch als Unbedarfter schnell: Besonders der "Trigger" liegt besser am Daumen, die Schaltvorgänge sind einen Hauch schneller, knackiger, gefühlt noch präziser. Und besser sieht sie halt auch aus – und das macht bei so viel Zaster dann doch einen gefühlten Unterschied. Und dann haben wir noch gar nicht von der Bandbreite von 10 bis 51 Zähnen – also 510 % – gesprochen, die auch steilste Klippen fahrbar macht. Jetzt hätten wir uns noch über eine XT-Bremse gefreut, stattdessen gibt's eine gut zugreifende TRP-Bremse mit 180/160er-Bremsscheiben. Schwerere Piloten sollten aber hinten über eine größere Scheibe nachdenken. Die weiteren Anbauteile aus Spritzschützern, Front- und Rücklicht, Seitenständer und Gepäckträger sind wertige, nahtlos integrierte Bauteile und passen zur allgemein hohen Qualitätsanmutung. Das gilt übrigens auch für die Federgabel. Wie? Federgabel? Ja! Die Carbon-Gabel hat im Lenkkopf eine kleine Feder verbaut, die zumindest ganz grobe Unebenheiten wegbügeln soll. Drei verschiedene sind im Lieferumfang enthalten und lassen sich recht easy austauschen. Ob das etwas bringt?
Im Alltag gefahren: Specialized Turbo Vado SL 2 6.0 EQ Carbon
Irgendwas zwischen Fitness-Bike und zahmem Rennrad, so würden wir das Turbo Vado nach dem Aufsitzen beschreiben. Man sitzt nicht wirklich superhoch oder gestreckt, aber eben nicht klassisch-touristisch aufrecht. Wir finden es gefällig, zumal der Rahmen im Profil so pfeilschnell aussieht, wie es auch in der Ebene beschleunigt. Den Spezi-Motor hört man im Alltag quasi gar nicht, zudem unterstützt er so unmerklich, dass man sich manchmal fast wundert, ob er überhaupt an ist. Das geht am Berg dann zulasten der Sprintleistungen, ein kräftiger Wegbegleiter ist der Mini-Motor aber nicht – was die Fahrwertung klar in Richtung Fitness verschiebt. Und sonst? Ist das Specialized wohltuend einfach zu fahren. Die Reifen aus der eigenen Entwicklung sind griffige Alltagspneus und machen auch leichte Forstwege prima mit, die TRP-Bremse stoppt vorzüglich und ist auffallend temperaturfest. Auch die kleine Federung in der Front tut ihr Übriges und bringt tatsächlich merklich Komfort auf Pendelfahrten in die Front. Selbst in der Fahrdynamik-Wertung gibt es nur Bestnoten: Dank des geringen Gewichts und guten Schwerpunkts zirkelt es prima durch die Stadt, ohne dabei den Geradeauslauf bei Top-Speed zu vernachlässigen. Eine rundherum hervorragende Vorstellung also – bis auf eine größere hintere Bremsscheibe würden wir am Turbo Vado SL nichts ändern.
Test-Fazit: Specialized Turbo Vado SL 2 6.0 EQ Carbon
👍 Das gefällt
- schön gemachter Carbon-Rahmen
- vergleichsweise leicht ...
- ... daher auch gute Reichweite aus "nur" 520 Wattstunden Akku
- dem Preis entsprechend hochwertig ausgestattet
- gute Zuladung
👎 Das weniger
- ausgesprochen teuer
- Motorunterstützung für Powerverwöhnte ggf. zu mau
💗 Das perfekte Rad für ...
- City-E-Biker mit dem Hang zu exklusiven Gadgets





