27 Stunden, 11 Minuten und 32 Sekunden lang kämpfte Svenja Betz nicht nur mit der Konkurrenz, sondern vor allem gegen Hitze, Regen und Matsch. Dann durfte sie sich zum zweiten Mal nach 2024 zur Königin des Unbound Gravel XL küren.
Mega geil. Und auch krass, vor allem da ich den Fokus in letzter Zeit nicht aufs Fahrradfahren gelegt hatte und das Training immer erst an vierter, fünfter Stelle stand. Alles, was mein Referendariat an der Schule und die Abschlussprüfung anging, hat einfach so viel Raum eingenommen. Mitte Mai habe ich meine letzte Prüfung absolviert.
Genau, die war relativ mau. Auch mein Fahrrad habe ich erst kurz vor dem Rennen bekommen. Da musste ich die letzten Tage noch alles einstellen. Das hat auch viel Kraft und Nerven gekostet. Entsprechend fühlt sich dieser Sieg noch krasser und noch besser an.
Vor allem ganz und gar nicht so, wie ich es geplant hatte. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass es so viele Matsch-Passagen sind. Ich habe allerdings auch keine Zeit für den Recon gehabt, da ich erst kurz vor dem Start nach Kansas geflogen bin. Natürlich habe ich mit Matsch gerechnet, aber ich wusste eben nicht, wann und wo. Und vor allem hätte ich nicht gedacht, dass es über 20 Kilometer so geht. Entsprechend war das Rennen auch viel länger als geplant. Ich hatte mit 22 oder 23 Stunden gerechnet, im Endeffekt waren es jetzt über 27 Stunden. Das macht es natürlich auch mental super hart. Beim Badlands bin ich schonmal daran zerbrochen, dass es viel länger gedauert hat, als ich dachte. Aber daraus habe ich auch gelernt, solche Situationen zu akzeptieren.

Jubel nach 27 Stunden Hitze, Regen und Matsch: Svenja Betz bei der Zieldurchfahrt des Unbound XL.
Am Anfang musste ich sie erstmal ziehen lassen, weil ich es nicht geschafft habe, mit der schnellen Gruppe mitzufahren. Das hätte auch nach hinten losgehen können, denn als Frau in der Männergruppe kommst du natürlich schneller voran, als wenn du hinten alleine im Wind kämpfst und vielleicht noch langsamere Männer mitziehst. Aber es kostet auch mehr Kraft, da vorne mitzufahren. Der Dreikampf war dann spannend. Dabei wusste ich von Larissa lange gar nichts und dachte, ich sei hinter Maddie auf dem zweiten Rang. Irgendwann habe ich Larissa dann an einer Verpflegungsstation getroffen. Nach dem Regen habe ich die Gruppe um sie aber verloren. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht, in dem Gewitterregen in der Nacht. Da bin ich zügiger gefahren und habe dann irgendwann im Matsch auch Maddie eingeholt. Die war total sauer und hatte überhaupt keinen Bock mehr, ihr Fahrrad durch den Matsch zu tragen.
Na ja, ich habe natürlich auch geflucht und zwischendurch mal geweint und hatte keine Lust mehr. Aber man muss da irgendwie durch. Da habe ich vielleicht einfach die Erfahrung aus mehr Ultra-Rennen, dass man solche Situationen einfach akzeptieren und das Beste draus machen muss. Eigentlich wollte ich Maddie dann gar nicht direkt überholen. Ich dachte, wir können auch ein bisschen zusammen fahren. Denn Maddie ist eine richtig coole Person, mit der man super quatschen kann. Das wären bestimmt ein paar tolle Stunden gewesen.
Ich bin nach dem Ende der Matsch-Passage einfach weitergefahren, aber sie hat irgendwie noch ein bisschen länger gebraucht. Dann war sie plötzlich weg und ich habe sie nicht mehr wiedergesehen. Ich bin dann aber schon bis ans Ende ziemlich am Limit gefahren, weil ich nie genau wusste, wo sie und die anderen Frauen hinter mir sind. Da wollte ich jede Sekunde herausholen. Am Ende war es dann ein relativ großer Vorsprung, sodass ich die Zieleinfahrt und den Sieg richtig genießen konnte.

Die Teilnehmer:innen des Unbound Gravel hatten ordentlich mit den Elementen zu kämpfen.
Der Fakt das ich geschafft habe zu sagen: "Okay, der Matsch ist scheiße und ich habe keinen Bock, aber ich muss es akzeptieren und mich irgendwie dadurch kämpfen." Und ich habe viele liebe Leute getroffen, bin mit ihnen zusammen gefahren und habe mich nett unterhalten. Auch das Racing im starken Frauenfeld hat richtig Spaß gemacht.
Es war superheiß, darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet. Das war so auch nicht vorhergesagt. Das war ziemlich ungeil. Ich bin gerade echt schlecht in Hitze. Ich war vor dem Rennen, glaube ich, einmal im kurzen Trikot unterwegs dieses Jahr. Aber auch da musst du durch. Entsprechend habe ich mich besonders auf die etwas kühlere Nacht gefreut. Von mir aus hätte es sogar gerne noch ein bisschen mehr regnen können, anstatt dieser Hitze. Wobei mit Regen natürlich auch Matsch verbunden ist. Aber das Wetter ist ja für alle gleich, da müssen alle durch.
Ich bin diesmal ganz alleine nach Amerika geflogen und habe alles auf eigene Faust gemacht. Ich war auch relativ spät dran, habe meinen Flug erst zwei Wochen vorher gebucht. Zum Glück konnte ich dann noch mit ins Schwalbe-Haus. Vor Ort habe ich liebe Leute getroffen, die mich unterstützt haben. Das war so schön, wie die sich im Ziel für mich gefreut haben. Ich habe auch ganz viele Nachrichten von Menschen bekommen, die mich per Dotwatching am Computer verfolgt haben. Das ist schön zu wissen, dass die Leute da so mitfiebern. Das hat auch nochmal richtig gepusht. Zudem wusste ich diesmal mit vielen Situationen besser umzugehen. Ich habe ja inzwischen ein paar mehr Ultra-Rennen in den Beinen und im Kopf. Aber natürlich habe ich auch in diesem Rennen wieder geflucht, dass ich sowas nie, nie wieder machen werde. Es ist krass, was man da für Emotionen erlebt.
Die Reifen haben wir tatsächlich kurz vor dem Start nochmal gewechselt auf 45 Millimeter breite Schwalbe G-One RS. Für 50 Millimeter hatte mein Fahrrad leider doch nicht genug Reifenfreiheit. Ich wäre sehr gerne 50er gefahren, aber so war es definitiv die bessere Wahl. Ich hatte zum Glück überhaupt keine Defekte, keine Probleme mit dem Fahrrad, trotz all dem Matsch hat alles gehalten und meine Gangschaltung super funktioniert.
Ich habe jetzt noch eine Woche Ferien. Die brauche ich auch, um mich zu erholen. Denn ich bin echt platt. Auch durch die letzte Zeit mit den ganzen Prüfungen und der Vorbereitung aufs Rennen. Bis Ende Juli habe ich noch ganz normal Schule. Ende August steht dann Badlands auf dem Programm als Paar. Das fahre ich zusammen mit meinem Freund, da freue ich mich schon sehr drauf. Ich bin gespannt wie das wird, das Badlands mal in einem ganz anderen Setting zu erleben. Dann habe ich gerade noch das Taurus Mountain Race in der Türkei im Oktober geplant. Da bin ich sehr gespannt. Und dann noch Across Andes im November.





