Der Mont Ventoux ist ein Sehnsuchtsberg des Radsports. Am "Giganten der Provence" spielten und spielen sich Dramen auf schmalen Reifen ab – egal, ob bei den Profis der Tour de France oder bei den Hobbysportlerinnen und -sportlern, die Jahr für Jahr zu Zehntausenden auf den Gipfel fahren.
Wir stellen drei Rennrad- und eine Gravel-Route auf den Gipfel vor und vier Touren, bei denen man den Giganten in vollen Zügen genießen kann, ohne sich auf die strapaziöse Auffahrt begeben zu müssen.
Mont Ventoux – die Fakten
- 🏔️ 1909 Meter hoch
- 🌄 Französische Provence (Teil der provenzalischen Voralpen)
- 🌵 Bekannt für solitäre Lage und karge Gipfel-Landschaft
- 💨 Oft extremes Wetter: Hitze oder kalter Wind (Name könnte von Mons Ventous "Windiger Berg" kommen)
- 🚗 Anfahrt: mit dem Auto von Frankfurt über Freiburg, Mulhouse und Lyon. Fahrzeit ca. 10 Stunde
- ⛅ Beste Zeit: schneefrei von frühestens Mai bis Ende Oktober
Drei Rennrad-Auffahrten zum Ventoux-Gipfel
1. Bédoin: die schwierigste Auffahrt
Die Auffahrt von Bédoin ist die schwierigste der drei Ventoux-Anstiege: Kommt die Tour de France, erklimmt sie den kahlen Riesen der Provence meist via Bédoin. Die ersten 5,5 Kilometer bis zur Haarnadelkurve von Saint Estève – der einzigen Serpentine dieser Auffahrt – sind mit 4 bis 6 Prozent vergleichsweise harmlos. Allerdings sieht man erstens linkerhand fast dauerhaft den Gipfel und zweitens muss man später entsprechend steiler berghochfahren, um auf die Höhenmeter zu kommen. Nach Saint-Estève geht`s in den Wald und gute neun Kilometer durchgängig brutal steil mit acht bis zehn Prozent berghoch. Chancen zum kurzfristigen Erholen? Mangelware! Ab dem Chalet Reynard, wo auch die Ostauffahrt von Sault einmündet, geht die Steigung geringfügig zurück, dafür fährt man nun in die Steinwüste hinein – und damit in die sengende Hitze und/oder den Mistralwind. Etwa 1,5 Kilometer bietet sich der Gedenkstein für den 1967 bei der Tour de France dort verstorbenen britischen Rennfahrer Tom Simpson für eine Pause an, dann wartet die finale Rampe zum Gipfel. Viel Spaß!
👉 Zahme Wildschweine, Opfergaben für verunglückte Radsportler, 100 km/h-Abfahrten: Wie die ROADBIKE-Kollegen den Mont Ventoux erlebt haben, liest du hier: 8 persönliche Storys vom Mont Ventoux.
2. Malaucéne: die trügerische Auffahrt
Die Westauffahrt von Malaucène auf den Mont Ventoux ist trügerisch: Passagen mit mittleren Steigungswerten und Gelegenheit zum Erholen wechseln sich ab mit steilen Rampen. Endgegner ist das knapp vier Kilometer lange Steilstück vor der Skistation am Mont Serein, wo die Straße abgesehen von einer Serpentine fast schnurgerade mit konstant zehn Prozent Steigung den Berg hinaufführt. So brutal, so unerbittlich diese Passage in der Auffahrt ist, so schnell wird man hier in der Abfahrt – wer meint, mit dem Rennrad mal die 100 km/h knacken zu müssen, ist hier richtig. Nach dem Restaurant Chalet Liotard geht es wieder in den Wald, wo sich erneut Steilstücke und humanere Passagen abwechseln. Anders als auf den anderen beiden Auffahrten von Sault und Bédoin kommt man erst auf den letzten ca. 200 Höhenmetern richtig in der Steinwüste an, dafür mit einigen schönen Serpentinen. Viel Spaß!
3. Sault: die sanfte Auffahrt
Von allen drei asphaltierten Auffahrten auf den Mont Ventoux ist die Straße von Sault die wohl einfachste – ohne deshalb einfach zu sein. Allerdings startet sie schon auf ca. 775 Metern, d.h. es sind deutlich weniger Höhenmeter zu bewältigen und das auf deutlich längerer Strecke. Knapp 20 Kilometer geht es mit mäßiger Steigung durch Wald und Felder. Am Chalet Reynard trifft die Ostauffahrt dann auf die von Bédoin kommende D974 – und ab hier ist Schluss mit lustig, und es gilt, bei deutlich steilerer Straße durch die Steinwüste, Hitze und Wind den Gipfel zu erreichen. Tipp: Wer sich in den "Club der Verrückten des Mont Ventoux" eintragen lassen und dafür alle drei Auffahrten an einem Tag absolvieren möchte, sollte die Sault-Auffahrt als letzte angehen. Viel Spaß!
Gravelauffahrt via Bédoin
Der Mont Ventoux ist nicht nur ein Mythos für Rennradfahrer, sondern auch ein beeindruckendes Ziel für Gravelbiker. Rund um den Ventoux wartet ein weit verzweigtes Netz aus Schotterwegen, Forststraßen und ruhigen Nebenstrecken, das eine ganz neue Perspektive auf den weißen Riesen eröffnet. Die Gravelauffahrt via Bédoin führt abseits der stark befahrenen D974 durch Weinberge, lichte Wälder und die abwechslungsreiche Landschaft des Parc Naturel Régional du Mont-Ventoux. Statt durchgehendem Asphalt dominieren feste Kieswege und Naturstraßen – rund 70 Prozent der Strecke verlaufen auf Schotter, nur etwa 30 Prozent auf Asphalt. Das sorgt für echtes Gravel-Feeling, verlangt aber auch eine gute Reifenwahl und etwas Offroad-Erfahrung. Charakteristisch sind die stetigen Anstiege auf grobem Untergrund, die konditionell fordernd sind. Immer wieder öffnen sich spektakuläre Blicke über die Provence, bevor sich die Route weiter durch Wälder und karge Hochflächen windet. Je höher man kommt, desto alpiner wirkt die Landschaft – bis schließlich die berühmte Steinwüste des Ventoux erreicht ist. Diese Variante ist ideal für alle, die den Mont Ventoux fernab des klassischen Rennrad-Trubels erleben möchten. Weniger Verkehr, mehr Natur, dafür etwas mehr Abenteuer.
Vier Rennrad-Touren ohne Ventoux-Gipfel
1. Ventoux-Umrundung
Diese Traumtour umrundet den Mont Ventoux und bietet vor allem nach dem Col de Fontaub ungewohnte Ventoux-Blicke auf die schroffe Nordwand. Am Ende wartet die spektakuläre Schlucht Gorges de la Nesque inklusive vieler Felsentunnel.
2. Dentelles de Montmirail
Ausgehend von der sehenswerten Römerstadt Vaison-la-Romaine führt diese Tour durch die Weinberge und Felslandschaften der kleinen Bergkette Dentelles de Montmirail westlich des Ventoux. Highlight: das an einen Felsen gebaute Örtchen La Roque-Alric. Wer 1,5 Kilometer Naturstraße nicht scheut, fährt über den Col de Cayron – und damit mitten durch die Felsen der Dentelles de Montmirail.
3. Bergdorf Gordes
Nach dem gleichmäßig zu fahrenden Col de Murs geht‘s links ab durch eine schöne Felsenschlucht. In der Abfahrt vom Col de Trois Termes wartet die Abtei von Sénanque mit Lavendelfeldern. Das auf einem Berg thronende Gordes gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Über einen feinen Radweg zurück nach Apt.
4. Fernblicke auf den Mont Ventoux
Bonnieux bietet gleich zu Beginn tolle Blicke ins Tal, dann geht‘s durch eine enge Schlucht auf die andere Seite des Luberon. Zurück über den kleinen Pass deï Masco. Krönender Abschluss: die schnurgerade, leicht abfallende Luberon-Kammstraße mit Lavendelfeldern und Ventoux-Blick.
Fazit: Der Mont Ventoux bleibt ein Erlebnis – egal auf welcher Route
Der Mont Ventoux ist weit mehr als nur ein hoher Berg in der Provence. Er ist Mythos, sportliche Herausforderung und Naturerlebnis zugleich. Ob über die legendäre Tour-de-France-Auffahrt von Bédoin, die trügerische Rampe von Malaucène, die gleichmäßigere Strecke von Sault oder auf Schotterwegen mit dem Gravelbike – jede Route hat ihren eigenen Charakter und Reiz. Wer den Gipfel erklimmt, erlebt die berühmte Steinwüste, das wechselhafte Wetter und die besondere Atmosphäre dieses Solitärs hautnah. Wer sich stattdessen für eine der Rundtouren rund um den Ventoux entscheidet, wird mit spektakulären Landschaften, ruhigen Straßen und immer neuen Perspektiven auf den weißen Riesen belohnt.





