Im ROADIBKE-Dauertest: Srams neue Force AXS

Im Dauertest: Sram Force AXS
Herausforderer? Oder schon der neue Platzhirsch?

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ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 08.06.2026
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Die neue Sram Force AXS im ROADBIKE-Dauertest.
Foto: Christian Brunker/ROADBIKE

Lange war Shimano der unbestrittene Platzhirsch bei den Rennradschaltungen, doch in den vergangenen Jahren haben sich die US-Amerikaner von Sram nach und nach an die Japaner herangerobbt und machen ihnen den Platz als Nummer 1 streitig. Vor allem in Sachen Innovationen hat Sram des Öfteren vorgelegt und Shimano zum Nachziehen gezwungen. Beispielsweise bei der Funk-Technik: Lange setzte Shimano auf einen zentralen Akku, der Schaltwerk, Umwerfer und Schalthebel gemeinsam mit Energie versorgt. Sram verwendete von Beginn seiner AXS-Schaltungen separate Akkus. Mittlerweile haben immerhin die Schalthebel bei Shimano eigene Knopfzellen, was das mühsame Verlegen von Kabeln durch den Lenker erspart. Und auch bei den günstigen Gruppen hat Sram Shimano zum Nachziehen gezwungen: Lange hieß es, es werde keine 105 Di2 geben. Doch als Sram mit der Rival AXS das elektronische Schalten immer günstiger machte und am Markt damit ankam, zog Shimano schließlich doch nach. Es zeigt sich, wie wichtig Konkurrenz ist, um sich gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben.

Kurz&knapp: Sram Force AXS

  • Hersteller: Sram
  • Modell: Force AXS E1 inkl. Powermeter
  • Preis: 2640 Euro
  • Gewicht: 2776 Gramm
  • Kettenblatt-Optionen: 46/33, 48/35, 50/37
  • Kassetten: 10-28, 10-30, 10-33, 10-36

Für ambitionierte Hobbyfahrer gelten die jeweiligen Mittelklasse-Gruppen Force AXS und Ultegra Di2 als das Maß der Dinge. Beide bieten nahezu die identische Performance wie die Top-Gruppen Red und Dura-Ace – das aber zu einem deutlich günstigeren Preis. Doch für welche Gruppe soll man sich entscheiden? ROADBIKE-Redakteur Christian Brunker ist die aktuelle wie frühere Versionen von Shimanos Ultegra Di2 über viele Tausend Kilometer gefahren – und nun im Sommer zur neuen Sram Force AXS gewechselt. Hier teilt er seine Erfahrungen und Testeindrücke mit der neuen Schaltung – immer auch im Vergleich mit Shimanos bewährter Ultegra Di2.

Die neue Sram Force AXS im ROADBIKE-Dauertest.
Christian Brunker/ROADBIKE

1. Eintrag Oktober 2025: Montage, Einrichtung und erste Kilometer.

Knapp 500 Kilometer sind mit der neuen Force jetzt zusammengekommen, Zeit für eine erste kleine Zusammenfassung. Die Montage der Force am Canyon Ultimate CF SLX-Testrad ging relativ problemlos – ohne zentralen Akku wie bei Shimano entfällt der Aufwand, die Kabel durch den Rahmen zu ziehen. Die einzelnen Bauteile Schaltwerk, Umwerfer und Schaltgriffe werden miteinander gekoppelt und am Rahmen montiert – fertig. Die Umstellung auf die neue Übersetzung ging relativ problemlos ohne größere Auffälligkeiten. Bei Shimano bin ich 52/36 mit 11-32er Kassette gefahren, bei der Force ist es jetzt ein 48/35er Kettenblatt mit 10-33er Kassette. Sowohl Abstufung als auch Bandbreite war relativ schnell vertraut, auch wenn noch wirkliche Herausforderungen wie lange Bergetappen fehlen. Was allerdings noch auffällt: Die Grundeinstellung der Schaltung ging relativ einfach, aber im täglichen Betrieb hakt die Schaltung doch noch ein der einen oder anderen Stelle, sodass ein bisschen Feintuning nötig ist, bis die Kette wirklich perfekt läuft. Praktisch: Einstellen lässt sich die AXS sowohl über den kleinen AXS-Button auf der Innenseite der Schalthebel als auch über die Sram AXS-App. Großer Vorteil dort: Die aktuelle Position des Schaltwerks wird per Zahl angezeigt. So lässt sich leicht die ursprüngliche Position einstellen, sollte man mit der neuen Einstellung doch nicht zufrieden sein.

Die neue Sram Force AXS im ROADBIKE-Dauertest.
Christian Brunker/ROADBIKE

Etwas knifflig ist die Verbindung mit dem Garmin-Radcomputer, um ihn über die Zusatz-Buttons steuern zu können. Hier muss man sich etwas tiefer in die jeweligen Bedienungsanleitungen einlesen, um herauszufinden, wo man was einstellen muss. Aber einmal eingerichtet, klappt das problemlos.

Ansonsten wechselt die Kette schnell und präzise über die Ritzel, auch wenn ich am Anfang manchmal Komfort-Funktionen wie das Synchro-Shift von Shimano vermisst habe. Dabei wechselt die Ultegra Di2 je nach Einstellung von selbst das Kettenblatt (also bei Full-Synchro-Shift) oder schaltet beim Kettenblatt-Wechsel hinten ein paar Gänge gegen (Semi-Synchro-Shift). Erst bei der tiefergehenden Beschäftigung mit der Sram fand ich die entsprechenden Funktionen in der AXS-App unter "Erweiterter Modus". Kleiner Kritikpunkt: Die Bezeichnungen "Ausgeglichen" und "Sequentiell" sind nicht wirklich selbsterklärend, aber sie funktionieren quasi wie der Synchro-Shift-Modus bei Shimano.

Von Anfang an haben die Sram-Bremshebel gefallen, vor allem dank der kleinen Nase am unteren Ende liegen sie perfekt und abrutschsicher in der Hand. Selbst mit zwei Fingern bringen sie ordentlich Bremspower auf die Straße. Ganz geräuschlos arbeiten aber auch sie nicht bei Nässe, aber gefühlt sind sie doch etwas leiser als die Ultegra-Stopper.

Die neue Sram Force AXS im ROADBIKE-Dauertest.
Christian Brunker/ROADBIKE

Srams Powermeter liefert bisher gute Werte ohne Aussetzer, allerdings ist die Stromversorgung via CR2032-Knopfzelle ein Schwachpunkt. Schon nach rund 300 Kilometern gab es Verbindungsaussetzer wegen zu wenig Energie und die Batterie musste getauscht werden. Deshalb immer eine Ersatz-Batterie einpacken. Ein integrierter Akku wäre sicherlich eine nachhaltigere Lösung.

Und Stichwort Akku-Leistung: Der Akku am Schaltwerk leuchtete nach 360 Kilometern rot und zeigte an, dass er aufgeladen werden möchte. Erfreulich: die LED zeigt nach oben und ist auch vom Sattel aus beim Blick nach hinten gut zu sehen. Ein Vorteil von Sram ist, dass man die Akkus einfach entnehmen und bequem in der Wohnung laden kann und nicht das Rad irgendwie in die Nähe einer Steckdose bugsieren muss. Im Notfall ließe sich auch der Akku am Schaltwerk mit dem am Umwerfer tauschen, sodass man zumindest noch am Ritzel schalten kann. [Bei Shimano reagiert bei niedrigem Akkustand der Umwerfer nicht mehr, das Schaltwerk tut aber noch einige Zeit, sodass man mit etwas Glück noch nach Hause kommt]. Und nach jetzt fast genau 500 Kilometern signalisierte auch der Akku am Umwerfer, dass er geladen werden möchte. Sehr praktisch in diesem Zusammenhang: Ist die AXS mit dem Radcomputer gekoppelt, poppt eine Warnmeldung auf, dass der Akkustand am Umwerfer niedrig ist. So sollte man eigentlich kaum unvermittelt von einer leeren Schaltung überrascht werden.

2. Eintrag Juni 2026: Nach 2000 Kilometern

So, nach dem Winter kamen im Frühjahr 2026 endlich mal richtig Kilometer auf unsere Testgruppe und es wird höchste Zeit für ein neues Update. Stand Juni 2026 sind es ziemlich genau 2000 Kilometer, die die Force jetzt absolviert hat. Vorab: Der Zufriedenheits-Faktor ist immer noch sehr hoch, die eingängige Schaltlogik bleibt das größte Pfund der Force. Seit rund 1000 Kilometern fahre ich jetzt auch mit einer gewachsten Kette, was die Performance noch einmal verbessert und noch einen weiteren Vorteil hat. Denn leider kommt es – zwar selten, aber doch immer wieder mal – vor, dass der Umwerfer die Kette nach innen zum Tretlager hin abwirft. Ich habe die Anschlagschraube noch nachgestellt, aber noch ist das Problem nicht ganz behoben. Vielleicht benötigt sie noch eine Viertelumdrehung oder so. Aber Stichwort Kettenwachs: Immerhin bleiben so die Finger sauber, wenn man die Kette mal wieder aufs Kettenblatt legen muss.

Zweite kleine Auffälligkeit: In vermutlich genau einer Gangkombination will die Kette hinten nicht das Ritzel wechseln. Elektronisches Feinjustieren hat auch noch nicht zu einem 100%igen Erfolg geführt, die genaue Ursache konnte ich noch nicht herausfinden. Es kann auch einfach sein, dass irgendwo etwas Schmutz hängt.

Und Stichwort Akku-Laufzeit: Gerade am Wochenende bekam ich unterwegs von meinem Garmin die Info, dass das Akku am Schaltwerk einen niedrigen Ladestand hat – das sind Sachen, die man mitten auf der Tour natürlich nicht sehen will. Auch die Kontroll-LED leuchtete beim Schalten rot, d.h. es hat nur noch weniger als 25% Akku.

Dabei war es noch gar nicht so lange her, dass ich die Akkus zuletzt geladen habe. Ich habe mir vorgenommen, beim nächsten Ladezyklus genau darauf zu achten, wie viele Kilometer der Akku wirklich durchhält. Die aktuelle Tour habe ich dann abgekürzt und versucht, überflüssige Schaltvorgänge zu vermeiden, kam aber noch problemlos nach Hause. An dieser Stelle fände ich es besser, wenn es eine etwas feinere Abstufung bei Sram gäbe als die aktuellen >25% für grün und danach direkt rot. Auch wenn man mit den 25% vermutlich noch problemlos die allermeisten Touren normal zu Ende fahren kann, macht einen das doch im Kopf nervös und lenkt ab.

Gleiches gilt für die Anzeige im gekoppelten Garmin: Bei Shimano wird dort der Ladestand genau in Prozent angezeigt, bei Sram hingegen nur grün bis >25%, danach kommt dann die Warnmeldung. Mit einer prozentgenauen Angabe hätte man es genauer im Blick und würde nicht überrascht.

Sehr gut hingegen gefällt der Akku beim Powermeter – der hält immer noch problemlos durch. Auch die Messgenauigkeit überzeugt – und das ohne permanentes Kalibrieren.