Scope R4.A im Langzeittest: Der Allround-Laufradsatz, den wir nicht mehr hergeben wollten

Im Dauertest: Scope Cycling R4.A-Laufräder
Schnelle Allroad-Laufräder aus den Niederlanden

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.06.2026
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Hintergrund: R-Serie

Erst im vergangenen Herbst hat der niederländische Laufradhersteller Scope Cycling seine Mittelklasse-Produktfamilie – die R-Serie – generalüberholt. Angesiedelt ist die R-Serie zwischen der Einstiegsmodellreihe S-Serie (998 Euro) und den High-End-Laufrädern Artech (ab 3998 Euro), die auch das Profiteam Netcompany Ineos um Egan Bernal, Oscar Onley und Kevin Vauquelin fährt. Beeindruckend ist die Angebotsvielfalt bei der R-Serie, die in einer "normalen" Straßenversion erhältlich (R) ist, als Allroad-Modell (R.A), in Gravelausführung (R.G) und als Triathlon- bzw. Zeitfahr-Version (R.T) – in verschiedenen Felgenhöhen und Maulweiten. Wir haben die Allroad-Variante R4.A getestet – diese kommt mit 25 Millimetern Maulweite, die Carbonhakenfelge ist 45 Millimeter hoch.

Scope R4.A
Agron Beqiri

Labortest Scope R4.A

Entwickelt wurden die R4.A für 30-Millimeter-Reifen, und mit ebensolchen wurde der Laufradsatz auch gefahren: sowohl mit dem Continental Grand Prix TR auf der Straße als auch mit dem Schwalbe Pro One Allroad TLE im Asphalt-Schotter-Mix. Hinzu kamen noch einige hundert Kilometer mit einem "normalen" Conti GP 5000 Clincher mit TPU-Schlauch. Die beiden Tubelessreifen ließen sich erfreulich einfach montieren, hielten vorbildlich die Luft und dämpften spürbar Vibrationen des Untergrunds – nicht zuletzt, weil sie auf der üppigen 25-mm-Maulweite recht breit bauen.

Demontierter Freilauf Scope R4.A
Agron Beqiri

Im Labor gefiel der Laufradsatz vor Testbeginn mit einem tadellosen Aufbau – Vorder- und Hinterrad stehen mittig und sind ohne Seiten- oder Höhenschlag zentriert (Seitenschlag: 0,11mm vorne, 0,22mm hinten; Höhenschlag: 0,14mm vorne, 0,26mm hinten – wir definieren ab 0,5mm Abweichung einen Seiten- bzw. Höhenschlag). Die SKF-Lager der Naben liefen bei Testbeginn leicht und widerstandsfrei. Das Gewicht der Laufräder beträgt 648 Gramm vorne und 776 Gramm hinten. Sprich: 1424 Gramm für das Set. Gemessen wurde übrigens mit montierten Tubelessfelgenbändern, was auch die Differenz zur Herstellerangabe von 1398 Gramm erklären mag.

Praxistest Scope R4.A

Zum Einsatz kamen die Scope R4.A über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten, in denen mehrere tausend Kilometer gesammelt wurden. Erfreulich ist die Gewichtsersparnis von 176 Gramm gegenüber den Vorgängern: Die R4.A gehen lebhaft nach vorne und klettern auch flinker als früher. Auch die Kraftübertragung gibt subjektiv keinen Anlass für Kritik. Sehr angenehm ist wie bereits erwähnt der Dämpfungskomfort, wobei dieser vermutlich eher auf die breit bauenden Tubelessreifen zurückzuführen ist als auf die Laufräder, zumal diese am Vorderrad zumindest einseitig radial eingespeicht sind – nicht unbedingt Garant für einen komfortablen Fahreindruck.

Scope R4.A mit Schwalbe Pro One Allroad in einem Specialized Allez Sprint
Moritz Pfeiffer

Hohes Tempo halten die Laufräder sehr gut, auch dank der leicht laufenden SKF-Lager. Bei hoher Geschwindigkeit, Abfahrten und Seitenwind fühlte sich das Vorderrad jedoch mitunter spürbar nervös an – streng genommen der einzige Wermutstropfen in der Praxis. Besonders bei der langen schnellen Abfahrt vom San Lugano-Pass in Südtirol hinab ins Etschtal, wo auf den Geraden über 70 km/h erreicht wurden, aber auch immer wieder für Serpentinen stark abgebremst werden musste und ein ordentlicher Wind das Tal hinauf blies, verlangten die Scope R4.A-Laufräder nach einer sehr festen Hand am Lenker – anders als wir es vom selben Rad mit anderen Laufrädern in vergleichbaren Situationen gewohnt waren.

Aufschrift "Developed in the Netherlands" auf Scope R4.A
Moritz Pfeiffer

Geschmackssache ist der sehr laute Freilauf: Die zwei unterschiedlich großen Zahnscheiben sägen fast schon ohrenbetäubend. Vorteil: Fußgänger und andere Radfahrer werden auch ohne Klingel frühzeitig aufmerksam. Nachteil: Gespräche mit Mitfahrenden verlangen nach großem Stimmeinsatz, und ob man immer Grund für sich-nach-einem-umdrehende-Köpfe sein will, ist eine Typfrage.

Testauswertung und Fazit

Nach Abschluss des Dauertests kam der Scope R4.A-Laufradsatz erneut ins Labor. Positiv: Echten Grund zur Kritik gab es nicht. An Naben, Felgen und auch den Sapim CX-Ray-Speichen ist kein nennenswerter optischer Verschleiß feststellbar. Die Vorderradnabe läuft zwar nicht mehr seidenweich, aber doch leicht, allein an der Hinterradnabe sind geringfügige Rastpunkte zu erspüren – allerdings keinesfalls so, als dass bereits ein Nabenservice fällig wäre.

Was den Rundlauf angeht, gibt es ebenfalls nichts zu meckern: Zwar entsprechen die Werte nicht mehr eins zu eins jenen vor Testbeginn, die Grenzwerte von 0,5mm Abweichung werden aber weder am Vorder- noch am Hinterrad, weder seitlich, noch in der Höhe erreicht (Seitenschlag: 0,15mm vorne, 0,24mm hinten; Höhenschlag: 0,40mm vorne, 0,30mm hinten – wir definieren ab 0,5mm Abweichung einen Seiten- bzw. Höhenschlag) .

Vorderradnabe Scope R4.A
Moritz Pfeiffer

Was die weichen Faktoren angeht – Stichwort Service -, schnürt Scope Cycling traditionell attraktive Angebote: 30 Tage unverbindliches Ausprobieren, drei Jahre Garantie und lebenslanges Crash Replacement. Dazu sind die Laufräder ohne Gewichtslimit freigegeben, was nicht zuletzt für den Einsatz am vollbeladenen Bikepacking-Rad prädestiniert.

Leichte Kritik verdient der etwas karge Lieferumfang: "Nur" Tubelessfelgenband und -ventile liegen bei – sonst nichts. Hier zeigt sich mancher Konkurrent spendabler, etwa mit Ersatzspeichen und -nippeln, Dichtmilch oder Laufradtaschen. Dieser letzte Punkt ist auch insofern relevant, da die R4.A und allgemein die Laufräder der R-Serie mit 1698 Euro pro Satz kein ausgewiesener Preis-Leistungs-Schnapper sind. Immerhin 300 Euro sind die neuen R-Modelle zudem gegenüber ihren Vorgängern teurer geworden. Zwar erhält man viel Laufrad für dieses Geld – aber die Konkurrenz schläft auch nicht.

Moritz Pfeiffer
Moritz Pfeiffer
Redakteur