Um den Titel "schnellstes Rennrad der Welt" streiten sich aktuell eine ganze Reihe an Modellen. Angefangen bei Storcks Aerfast über das Factor One bis hin zu Specializeds neuem Tarmac SL9. Und nun erheben auch die Kanadier von Argon 18 für ihr neues Nitrogen Pro genau diesen Anspruch. Je nachdem, wo die jeweiligen Schwerpunkte liegen – ob bei der Aerodynamik mit unterschiedlichsten Anströmwinkeln, beim Gewicht oder dem Rollwiderstand –, haben alle Hersteller gute Argumente für ihre Lesart.

Ich fahre seit mittlerweile rund 25 Jahren Rennrad und bin seit rund 10 Jahren für die Radtests verantwortlich. In dieser Zeit habe ich mehrere Hundert Rennräder aller Klassen und Kategorien gefahren. Auch in meiner Freizeit bin ich auf dem Rennrad unterwegs, mit ca. 7000 bis 8000 km pro Jahr, gerne im Schwarzwald, aber auch in den Alpen bei ausgedehnten Pässetouren und Rennen, wie dem Granfondo La Fausto Coppi.
Und vor der Konkurrenz verstecken muss sich auch das Nitrogen Pro nicht, das wird bei den Testfahrten schnell klar. Optisch punktet der Rahmen mit seinem flächigen Steuerrohr und den sehr tief angesetzten Sitzstreben mit charakteristischem Knick, der die Silhouette des Nitrogen unverwechselbar macht.
Wie detailversessen die Entwickler waren, zeigt der hintere Flaschenhalter beispielhaft. Der verfügt über Luftdurchlässe, die die Aerodynamik signifikant verbessern sollen, wenn dort keine Flasche eingesteckt ist.

Die Sitzstreben sind sehr tief angesetzt – für bessere Aerodynamik und Komfort; der Knick ist sehr charakteristisch.
Das absolute Highlight sind jedoch die sehr noblen Atten x Scope Artech6A+- Carbon-Laufräder. Komplett wiegen sie trotz ihrer hohen Felgen nur 2646 Gramm. Vor allem beim Tempobolzen in der Ebene machen sie richtig Laune, doch auch bergauf bremsen sie das Nitrogen nicht wirklich. Und wer auf lautes Freilaufsägen steht, wird die Scopes definitiv lieben! Einzig bei Hochgeschwindigkeitsabfahrten an windigen Tagen können sie eine gewisse Sensibilität nicht leugnen, sie erfordern dann eine geübte Hand am Lenker.

Extrem nobel sind die Atten x Scope-Artech 6.A+-Laufräder, die trotz ihrer hohen Felgen mit 2646 Gramm richtig leicht sind. Sie wurden für das Nitrogen Pro entwickelt.
Doch jenseits dessen liefert das Nitrogen Pro eine sehr überzeugende Performance ab. Besonders beeindruckend: Das Argon 18 glänzt nicht nur bei der Tempohatz auf flachen Kursen, sondern klettert auch mit großem Elan – wie unsere Testrunde mit über 2000 Höhenmetern bewiesen hat. Dank nur 7,26 Kilogramm Gesamtgewicht nimmt der Aero- Renner Anstiege mit sprichwörtlicher Leichtigkeit – selbst wenn die montierte Übersetzung mit 52/36-Ultegra-Di2-Kurbel und 11–30er-Kassette ziemlich sportlich ausfällt und nach ausdauernd-kräftigen Beinen verlangt. Bewegt sich die Steigung in Richtung 10-%-Marke, wäre ein größeres 32er- oder 34er-Ritzel allerdings hilfreich.

Die Flaschenhalter sollen außerdem die Aerodynamik verbessern.
Ebenfalls nicht typisch für einen Aero-Renner ist der Komfort: Weil Argon 18 auf eine allzu flächige Aerostütze verzichtet, flext das Heck richtig stark, wie die Messung in unserem ROADBIKE-Labor bestätigt. Auch das gut geformte, 38 Zentimeter breite Atten-Carbon-Cockpit nimmt Vibrationen und schlechtem Asphalt den Schrecken – ein feines Set-up für lange Touren. Allerdings: Für 10995 Euro im Spec mit Shimanos Ultegra Di2-Gruppe hat so viel Leistung leider auch ihren Preis.

Das Atten-Cockpit misst 38 Zentimeter und liegt sehr gut in der Hand; im Steuersatz sind Ceramic-Speed-Lager verbaut.
👍 Das gefällt
Ab in den Unterlenker und Vollgas: Das Nitrogen Pro ist ein herausragender Tempobolzer mit starken Laufrädern.
👎 Das weniger
Fast 11000 Euro für ein Ultegra-Rad? Bei allen Qualitäten, als Preis-Leistungs-Kracher geht das Nitrogen Pro nicht durch.
♥️ Das perfekte Rad für...
... alle, die einen richtig schnellen AeroRenner suchen, der nur so durch den Wind schneidet, dabei aber auch viel Talent als starker Allrounder beweist.

* Gesamtgewicht ohne Pedale
** Größe M





