Rennradschuhe: Auf diese Details musst du beim Kauf achten!

Rennradschuhe: Die große Kaufberatung
Rennradschuhe: Darauf musst du beim Kauf achten

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.02.2026
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Northwave,Rennradschuh,Person sitzend auf Rennrad
Foto: Northwave

Was muss man beim Kauf von Rennradschuhen beachten?

Der erste Schritt ist paradox: Nicht das Modell, sondern der eigene Fuß gibt die Richtung vor. Weil jeder Hersteller einen eigenen Leisten nutzt, kann dieselbe Größe je nach Marke spürbar anders sitzen. Wer sich von vornherein auf ein Label festlegt, verkleinert die Chance auf den wirklich passenden Schuh. Sinnvoll ist es, mehrere Hersteller zu testen und ein Modell mindestens in zwei Größen anzuprobieren.

Für die Anprobe kann die Tageszeit tatsächlich mitentscheidend sein, denn: Im Laufe des Tages sackt das Blut in die Füße und macht diese dicker als am Morgen. Einen zweiten Tipp gibt Physiotherapeutin Lotte Kraus, Bikefitterin bei Gebiomized: Innensohle herausnehmen, daraufstellen und Länge, Breite sowie Fuß- und Leistenform abgleichen. Danach wird der Schuh mit Radsocken angezogen und so geschlossen, wie er später gefahren wird. "Nimm die Innensohle heraus, stelle dich darauf und gleiche die Fußdimension (Länge und Breite) sowie Fuß- und Leistenform ab. Zieh die Schuhe anschließend mit Radsocken an und schließe die Schuhe, um sicherzugehen, dass keine Druckstellen entstehen. Auch die Ferse darf nicht zu hoch geschnitten sein, damit der Schuh nicht an Achillessehne oder Ferse reibt."

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Benjamin Hahn

Außerdem sollte das Schuhvolumen passen. "Das merkt man daran, dass der Schuh gut zu schließen ist und sowohl weiter als auch enger nachjustiert werden kann", sagt Lotte Kraus. Dritter Tipp fürs Anprobieren: "Die Ferse darf nicht herausrutschen. Zum Test mit geschlossenem Schuh die Ferse gegen den fixierten Schuh hochziehen", rät Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach von Kom Sport. Allerdings: Anprobieren ist nur der Anfang. Ob du mit dem Schuh am Ende wirklich glücklich wirst, weißt du frühestens nach einer ersten mehrstündigen Ausfahrt ...

Was sind die wesentlichen Eigenschaften eines Rennradschuhs – und warum?

Oliver Elsenbach von Kom Sport sagt: "Entscheidend ist die Passform – eng und kompakt, ohne zu drücken. Erst dann entsteht die stabile Basis für Kraftübertragung, auch über Stunden. Wenn der Schuh zu weit ist, arbeitet der Fuß im Schuh, es entstehen Scherkräfte und Druckspitzen. Ist er zu eng oder ungünstig geschnitten, drohen Druckstellen und Reibung." Hat die Passform überzeugt, rückt der Verschluss in den Fokus – denn über den Mittelfuß läuft ein Großteil der Kraftübertragung. Ein gutes System fixiert genau dort, ohne Druckstellen. Ebenfalls wichtig: gute Belüftung. "Es ist besser, eine gute Belüftung in Herbst und Winter mit guten Überschuhen auszugleichen, als im Sommer mit Schwitzfüßen rumzufahren", sagt Lotte Kraus von Gebiomized. Die Sohle sollte zudem ausreichend verwindungssteif sein. "Auch ein Hobbyschuh sollte nicht mit Handkraft in sich verwindbar sein", empfiehlt Lotte Kraus. "Das leisten auch die meisten Schuhe, manche allerdings auf Kosten des Gewichts." Dann kommen etwa Sohlen aus Nylon zum Zuge, die genauso steif sein können, aber dafür schwerer sind.

Warum gibt es solche Preisunterschiede?

"Reine" Carbonsohlen findet man erst ab etwa 170 Euro (etwa Van Rysel RCR-R); sie können steifer und dünner ausfallen als "normale" Kunststoffsohlen und damit Gewicht sparen. Ein zweiter Preistreiber ist der Verschluss: In der Mittelklasse von 150–200 Euro hat man eine größere Auswahl an Verschluss-Systemen, findet auch Modelle mit Boa- oder ähnlichen Drehverschlüssen statt des bei günstigeren Schuhen üblichen Klettriegels. Gut zu wissen: Ein 1fach-Drehverschluss kann den Rennradschuh günstiger machen als ein 2fach-Drehverschluss, der den Schuh noch ein Stück weit individueller an den Fuß anpassen lässt.

Fizik Kudo,Expertenbox
Thomas Terbeck
Redakteur

Wie viel Geld muss man für ein Paar solide Rennradschuhe investieren?

Elsenbach rät ausdrücklich, beim Radschuh nicht zu sparen, weil er als Kontaktstelle eine zentrale Funktion hat. Gleichzeitig muss ein solider Einstieg kein Luxus sein: Viele Hersteller starten mit aktuellen Rennradschuhen knapp unter 100 Euro oder leicht darüber, und in dieser Klasse sind grundsolide Modelle möglich. Kraus setzt die Priorität klar: Passform schlägt Preiskategorie, der teurere Schuh ist nicht automatisch der besser passende. Schlussverkauf und Restposten können den Einstieg zusätzlich erleichtern

Rennradschuh oder doch lieber MTB-Schuh?

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Q36.5

Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach rät Einsteigern von MTB-Schuhen ab, die häufig wegen des besseren Gehverhaltens gekauft werden. Rennradschuhe und -pedale bieten deutlich bessere Stabilität; für viele Systeme gibt es zudem Schutz, der sich beim Gehen über die Platte ziehen lässt. Zudem sind Rennradschuhe meist leichter als MTB-Pendants. Trotzdem bleibt es eine Abwägung: Wer touristisch fährt, häufig absteigt oder auf Mehrtagestouren unterwegs ist, profitiert beim Gehen vom Grip einer MTB-Sohle.

Die Sohle: 3-Loch-Standard, 4-Loch-Standard oder auch die Option auf die SPD-Pedale – worauf muss ich bei der Sohle achten?

Q36.5 Unique Pro 4.0,Vier-Loch-System
Q36.5

Technisch wird es bei der Plattenaufnahme. Im Rennradbereich ist der 3-Loch-Standard gängig; damit lassen sich Cleats von Shimano (SPD-SL), Time und Look montieren. Manche günstigeren Schuhe bringen zusätzlich zwei Gewinde für SPD-MTB-Cleats mit, doch hier steht das Cleat aus der Sohle heraus und kann sehr rutschig sein. Wer Speedplay-Pedale mit 4-Loch-Aufnahme fährt, kann sie auch an 3-Loch-Sohlen nutzen, braucht dann aber einen Adapter, der etwa drei Millimeter aufbaut. Direkt montierbare 4-Loch-Sohlen sind möglich, aber selten; sie gibt es unter anderem von Q36.5, Northwave, Gaerne oder Lake.

Getting ready for a ride.
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Leider fallen Rennradschuhe je nach Hersteller deutlich unterschiedlich aus. Passt etwa ein Gaerne in 45, muss das nicht heißen, dass auch ein Shimano-Schuh in Größe 45 passt. Deshalb solltest du von einem Modell am besten immer mehrere Größen anprobieren und dich erst danach entscheiden. Wichtig: Bei Rennradschuhen sollte der Fuß insgesamt sehr passgenau sitzen, denn durch die Druck- und Zugphase sind Passform und Funktion eines Radschuhs anders ausgelegt als bei einem Laufschuh. Deshalb passt die Bohrung der Cleat-Löcher und damit die Pedalachse auch nur optimal unter das Mittelfußzentrum, wenn der Fuß in der Länge ohne Spiel im Schuh sitzt.

Gut zu wissen: Der Zehenbereich sollte nicht zu eng sein, denn bei Wärme schwellen die Füße merklich an. Außerdem führen eine steife Sohle und straffes Obermaterial bei zu wenig Platz schnell zu Kribbeln oder Taubheitsgefühl, "brennnenden" Fußsohlen oder sogar eingeklemmten Nerven.

So passt ein Rennradschuh typischerweise richtig

  • Ferse: sitzt bombenfest, kein Hochrutschen beim Gehen/Anziehen am Pedal.
  • Mittelfuß/Rist: eng anliegend, aber ohne Druckstellen oder Taubheitsgefühl.
  • Vorfuß/Zehenbox: genug Platz, dass du die Zehen noch leicht bewegen/spreizen kannst. Nicht so eng, dass Zehen gequetscht werden oder der große Zeh seitlich gedrückt wird.

Kurz gesagt: Eng ja – aber vor allem an Ferse und Mittelfuß. Vorn sollte es eher "komfortabel knapp" als eng sein.

Sind alle Leisten eines Herstellers gleich?

Die meisten Hersteller haben für ihre Schuhmodelle genau einen Leisten. Aber: Von einigen Herstellern gibt es Rennradschuhe auch in einer breiteren Ausführung. Ergänzend lohnt daherder Blick auf Varianten eines Herstellers: Einige Modelle, sowohl bei den Frauen als auch bei den Herren, gibt es in breiter Ausführung, oft als "Wide"-Modell gekennzeichnet. Ausprobieren lohnt sich!

Worin unterscheiden sich Frauenschuhe?

Cyclist taking a break in urban park
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Der wesentliche Unterschied zu Herrenschuhen ist der Leisten, auf dem der Schuh gefertigt wird – laut Lotte Kraus von Gebiomized oft mit einem breiteren Vorfuß und einem höheren Spann ausgestattet. Auch die erhältlichen Größen sind andere: Die meisten Frauenschuhe gibt’s ab Größe 36, kleinere sind selten. Die Obergrenze bei den meisten Frauenschuhen liegt bei Größe 43. Herrenschuhe fangen meist bei Größe 36 oder 37 an und sind bis 48 oder 50 zu haben. Wenn sie passen, spricht aber nichts dagegen, beim anderen Geschlecht zu wildern.

Entscheidendes Obermaterial

Essenziell für eine gute Kraftübertragung ist nicht nur eine steife Sohle – auch das Obermaterial spielt eine wichtige Rolle. Es muss einerseits anschmiegsam genug sein, um sich der jeweiligen Fußform gut anzupassen, ohne Falten zu werfen oder zu drücken, andererseits muss es maximal fest sein, um Zugkräfte, etwa im Wiegetritt, aufnehmen zu können und den Fuß gleichzeitig gut zu fixieren.

Stichwort Innensohle: Was zeichnet eine gute Innensohle aus?

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Benjamin Hahn

"Aus meiner Sicht ist die Innensohle das Herzstück eines Radschuhs", sagt Oliver Elsenbach von Kom Sport. "Die Innensohle kann direkt am Fuß arbeiten, die natürliche Verdrehung des Fußes, Pronation und Supination, lässt sich mithilfe der Innensohle korrigieren bzw. unterstützen. Durch die Stabilisation des Fußes wer- den die Scherkräfte zudem deutlich reduziert und kommen so auch dem Vortrieb zugute." Allerdings sind nach RB-Erfahrung selbst viele teure Schuhe mit eher einfachen, teils schwachen Innensohlen ausgestattet. Deshalb können Sohlen zum Nachrüsten einen spürbaren Komfortgewinn bringen. Anbieter sind beispielsweise Ergon, Solestar, SQLab, Bontrager, Specialized oder Giro. Die Preise reichen von ca. 30 Euro bis rund 100 Euro. "Das Konstrukt Fuß, Radschuh und Sohle sollte sich damit harmonisch und stabil anfühlen", rät Elsenbach.

Was bedeutet der "Steifigkeitsindex" auf den Sohlen einiger Hersteller?

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Benjamin Hahn

Einige Hersteller wie Specialized, Northwave oder Scott geben für ihre Sohlen einen "Steifigkeitsindex" an, beispielsweise Steifigkeit 6 oder 10. Diese Angaben sind aber nur herstellerintern vergleichbar und nicht etwa eine allgemeingültige Skala. Der Index ist auch nicht mit einer Einheit, etwa mm/Nm, gekoppelt, sondern ein reiner Orientierungswert für das Portfolio eines Herstellers.

Müssen die Sohlen wirklich maximal steif sein?

Geht es um maximale Effizienz, ist die Marschrichtung klar: "Aus meiner Sicht sollten die Sohlen von Radschuhen immer maximal steif sein", so Oliver Elsenbach von Kom Sport. "Dabei ist das verwendete Material egal; Nylon kann genauso steif sein wie Carbon, ist dann allerdings schwerer." Denn je steifer die Sohle, desto weniger Torsion des Fußes. "Das bringt eine direktere Kraftübertragung und schützt so auch vor Überlastungssymptomen", sagt Elsenbach.

Klett, Drehverschluss oder Schnürung? Wo liegen die Stärken und Schwächen der jeweiligen Verschluss-Systeme?

"Alle Verschluss-Systeme können sinnvoll sein, je nachdem, welche Form der Fußspann hat", sagt Lotte Kraus von Gebiomized. Gut gemacht, lässt sich auch mit einfachen Klettverschlüssen der Druck sehr gut auf dem Spann verteilen, besonders wenn der Schuh drei davon aufweist. Achte jedoch darauf, dass die Klettriegel nicht zu dick und/oder steif sind und sich gut mit der gewünschten Spannung schließen lassen. Ein Nachteil: Zum Anpassen unterwegs muss ein Klett komplett gelöst und wieder geschlossen werden, er lässt sich nicht wie andere Verschlüsse dosiert verstellen.

Specialized Torch Laze,Rennradschuh
Specialized

Rennradschuhe mit klassischer Schnürung sind eigentlich eine extrem günstige Lösung, interessanterweise findet sich diese Variante auch manchmal im Top-Segment wieder. Der größte Vorteil der Schnürung ist das geringe Gewicht und die angeblich gute Aerodynamik, weil keine überstehenden Bauteile Windwiderstand verursachen. Mit der Schnürung lässt sich die Druckverteilung auf dem Spann gut individuell an den jeweiligen Fuß anpassen, sodass Druckstellen nicht auftreten sollten. Nachteil: Eine Anpassung unterwegs ist etwas aufwendiger und erfordert einen kurzen Stopp.

roberto.zanzot@libero.it

Drehverschlüsse wie etwa von Boa (oder vergleichbare Eigenentwicklungen der Schuhhersteller) finden sich eher im Hochpreissegment, vor allem wenn nicht nur einer, sondern gleich zwei verbaut sind. Für Drehverschlüsse spricht, dass sie sich bequem sowie fein gerastert schließen/öffnen lassen – sogar während der Fahrt! Mit zwei Drehverschlüssen lässt sich überdies der Druck hervorragend und individuell auf dem Spann verteilen. Wichtig: Es gibt immer noch ältere Schuhmodelle, deren Drehverschlüsse sich nur klickweise schließen, aber nicht dosiert öffnen lassen. Gelegentlich lassen sich auch neue Kombinationen am Markt finden: "Gerade die ergonomisch angelegten Verschlusskombinationen, beispielsweise mit Klettverschluss im Vorfuß und Boa-Drehrad über dem Mittelfuß zum Nachjustieren beim Fahren, sind meiner Meinung nach sehr sinnvoll", sagt Lotte Kraus.

Welche Rolle spielt das Gewicht eines Radschuhs?

"Da es sich um rotierende Masse handelt, ist das Thema Schuh- und Sohlengewicht von Bedeutung", sagt Elsenbach, "allerdings müssen Schuh und Schuhgewicht zum Fahrer passen." Mit einem Fahrergewicht von beispielsweise 110 kg sollte der Schuh ausschließlich unter dem Aspekt der Stabilität gekauft werden. Das gilt auch für große Schuhgrößen – wegen der Hebelverhältnisse." Ein 60-kg-Bergfahrer habe hingegen andere Anforderungen an seinen Schuh, eine leichte und filigrane Bauweise des Radschuhs erlaube ihm ein flüssigeres Pedalieren bei insgesamt geringerem Energieaufwand, erklärt der Experte weiter.

Radsocken, Übersocken, Winter-Überschuhe oder Aero-Überzieher: Welches Zubehör braucht man wirklich?

Überschuhe,Übergangszeit,GripGrab
Grip Grab

Zum passenden Schuh gehört das passende Zubehör, aber nicht jedes Teil ist Pflicht. Spezielle Funktionssocken sind laut Beratung unverzichtbar, weil sie Schweiß aufnehmen, nach außen ableiten, eng anliegen und keine Falten werfen sollen – das reduziert Reibung und Druckstellen. Als zweite, praxisnahe Ergänzung seien wärmende, wasserdichte Überschuhe aus Neopren genannt: Sie sparen häufig teure Winter-Rennradschuhe, schützen zumindest vor dem Auskühlen und sind vergleichsweise günstig. Dünne Aero-Überzieher sehen wir eher bei ambitionierten Hobbyfahrern oder Profis.

Fazit