Die Wahl der richtigen Rennrad-Pedale kann den Unterschied zwischen entspanntem Fahren und schmerzenden Knien ausmachen. Doch welches Modell passt zu dir – Look, Shimano, Time oder Speedplay (Wahoo)? ROADBIKE hat die Pedale der vier Top-Hersteller getestet und verrät, welche Pedale sich für Einsteiger, ambitionierte Fahrer oder Profis am besten eignen. In unserem Vergleich erfährst du alles zu Ein- und Ausklickverhalten, Bewegungsfreiheit, Auflagefläche und Haltbarkeit – damit du das Pedal findest, das perfekt zu deinem Fahrstil und deinen Rennrad-Schuhen passt.
Welches sind die wichtigsten Klickpedal-Systeme?
Look-Pedale und Shimanos SPD-SL-System sind mit Abstand am weitesten verbreitet, doch auch Time und Speedplay erfreuen sich einer treuen Fangemeinschaft. Andere, oft kleinere Hersteller greifen in der Regel auf die gleichen technischen Lösungen zurück.
Vier Rennrad-Pedalsysteme im großen Vergleich
ROADBIKE hat die Stären und Schwächen der System von Look, Shimano, Speedplay/Wahoo und Time bewertet. In diesem Vergleich kannst du sehen, welche Marke für dich am besten passt.
Look

Stärken des Look-Rennradpedals
klar definiertes Ein- und Ausklicken
Pedal wartungsarm und trotzdem langlebig weitverbreitet, gute Ersatzteilversorgung
Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° schwarz; 4,5° grau; 9° rot)
Auslösehärte bis Kéo 2 Max Carbon per Schraube einstellbar (9–15 Nm)
sicherer Stand, große Auflagefläche
Abstand vom Fuß zur Kurbel über Zwischenscheibe um 2 mm variierbar
Memory-Funktion: Positionierungshilfe beim Plattentausch (nur in Verbindung mit geeigneten Schuhen)
breites Sortiment: neun Modelle von 45,99 bis 299,99 Euro
Schwächen des Look-Rennrad-Pedals
Pedalplatten aus Kunststoff, etwas rutschig beim Gehen, recht hoher Verschleiß
Auslösehärte nur durch Austausch einer Feder variierbar
ROADBIKE-Empfehlung: Look Kéo 2 Max Carbon – unter 100 Euro, vergleichsweise leicht, alle wichtigen Features mit an Bord.
Shimano

Stärken des Shimano-Rennradpedals
klar definiertes Ein- und Ausklicken
Pedale wartungsarm und trotzdem langlebig
weitverbreitet, sehr gute Ersatzteilversorgung
Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° rot; 2° blau; 3° gelb)
Auslösehärte bei allen Modellen einstellbar
sicherer Stand, große Auflagefläche
unterschiedliche Beinlängen lassen sich durch Distanzstücke ausgleichen
Ausführung mit geringerer Auslösehärte für Anfänger
breites Sortiment: neun Modelle von 44,95 bis 269,95 Euro
Schwächen des Shimano-Rennradpedals
Pedalplatten aus Kunststoff, verschleißen eher schnell
Konkurrenzmodelle zum gleichen Preis oft leichter
ROADBIKE-Empfehlung: Shimano PD-R7000 – das Pedal auf 105-Niveau (UVP 119,99 Euro) wiegt bei gleicher Technologie kaum mehr als die Ultegra-Ausführung.
Wahoo Speedplay

Stärken des Wahoo-Rennrad-Pedals
sehr einfaches, beidseitiges Einklicken
Pedal klein, trotzdem große Auflagefläche dank voluminösem Cleat
Bewegungsfreiheit der Ferse stufenlos von 0° bis 15° einstellbar
Q-Faktor dank fünf verschiedener Achslängen um bis zu 15 mm variierbar
geringe Bauhöhe
sehr haltbare Cleats
Cleats besser zum Gehen geeignet als andere (walkable Cleats)
Schwächen des Wahoo-Rennrad-Pedals
optimal niedrige Bauhöhe nur mit speziellen Sohlen (gibt es u.a. von Northwave, Gaerne oder Lake)
Auslösehärte nur über das Cleat (Standard-Tension/Easy Tension) anpassbar
kein wirklich günstiges Einstiegsmodell
ROADBIKE-Empfehlung: Speedplay Zero – richtig leicht und dabei für Speedplay-Verhältnisse mit 229,99 Euro vergleichsweise "günstig".
Time

Stärken des Time-Rennradpedals
weiches Ein- und Ausklicken
sicherer Stand, sehr große Auflagefläche
geringe Bauhöhe
Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° oder 5°)
Bewegungsfreiheit nicht nur an der Ferse, sondern auch seitlich
Auslösehärte in drei Stufen einstellbar
Q-Faktor in Abhängigkeit der Cleat-Montage um 2,5 mm variierbar
haltbare Cleats
breites Sortiment: acht Modelle von 56 bis 450 Euro
Schwächen des Time-Rennradpedals
für Einsteiger beim Einklicken ggf. zu wenig Feedback
Kunststoffschraube zur Einstellung der Auslösehärte verschleißt schnell
Top-Modell mit Carbon-Körper, Keramiklagern und Titanachse extrem teuer
ROADBIKE-Empfehlung: Das XPRESSO 4 von Time ist nicht teuer (UVP 79,99) wiegt weniger als deutlich teurere Modelle der Konkurrenz.
FAQ: Alles, was du über Rennrad-Klickpedale wissen musst
Unter einen speziellen Radschuh wird eine Platte ("Cleat") montiert, die in ein dazu passendes Pedal einrastet. In der Regel sitzt im Rennrad-Pedal ein einfacher Klickmechanismus mit Spannfeder. Zum Lösen der Verbindung wird der Fuß gedreht, die Auslösehärte lässt sich dabei meist individuell einstellen.
Die französische Firma Look übertrug in den frühen 1980er-Jahren das Prinzip von Skibindungen auf Fahrradpedale. 1984 brachte Look das erste Klickpedal auf den Markt, ein Jahr später gewann Bernard Hinault damit die Tour de France – und "Klickies" verdrängten bald die bis dato üblichen Hakenpedale.
Eingeklickt gibt es kein Herumrutschen auf dem Pedal oder gar ein Abrutschen bei Nässe, die bis dato im Radsport üblichen (und bei Stürzen gefährlichen) Pedalriemen erübrigen sich. Die vom Fahrer investierte Kraft wird durch die feste Bindung effektiv genutzt, der runde Tritt mit Druck- und Zugphase erleichtert. Klickpedale vereinfachen zudem Sprünge über kleine Hindernisse oder das Hochlupfen des Hinterrads auf den Bordstein. Bei Stürzen lösen Klickpedale in der Regel wie Skischuhe aus. Bleibt die Schwierigkeit für Anfänger, vor dem Anhalten rechtzeitig aus dem Pedal zu kommen, damit man nicht umkippt. Hier hilft nur: fleißig üben!
Pedale sind in der Regel robuste Dauerläufer. Dennoch freuen sie sich über regelmäßige Wartung: etwas Fett, wenn sie quietschen, oder einen Routinecheck, ob alle Schrauben noch sitzen bzw. die Pedalachse spielfrei läuft. Auf den Websites der Hersteller finden sich Anleitungen zur Pflege und Wartung. Gerade Powermeter-Pedale können durch auftretendes Achsspiel fehlerhafte Werte liefern, die das Training oder Pacing erschweren. Zudem sind Pedale aufgrund von Schmutz und Erschütterungen – etwa durch den Offroad- oder bei häufigem Schlechtwettereinsatz – regelmäßiger zu warten.
Rennradpedale sind explizit für den Einsatz an Straßenrennern entworfen: Die Pedalkörper sind so konstruiert, dass sie in Schräglage später aufsetzen (was zu bösen Stürzen führen kann); die größere Auflagefläche verbessert zudem die Kraftübertragung. Vorteil von MTB-/Gravelpedalen: beidseitiges Einklicken, die Schuhe eignen sich besser zum Gehen, und die versenkten Metallcleats verschleißen weniger schnell als bei Rennradtretern. Es kommt also auf den Einsatzzweck an – und ob man mit MTB-Pedal die pikierten Blicke eingefleischter Rennradler erträgt.
"Wirklich falsch im Sinne der Biomechanik gibt es nicht", sagt Tanja Willersinn, Sportwissenschaftlerin und Leiterin des Freiburger Radlabors. Grundsätzlich kann man mit jedem Pedal glücklich werden. Es gibt aber besser und schlechter geeignete Modelle. "Je niedriger die Bauhöhe ist, umso näher kommt man an die Pedalachse heran, und umso besser ist die Kraftübertragung", erklärt Willersinn. "Menschen mit sehr großen Füßen sollten übrigens darauf achten, weiter von der Kurbel wegzukommen, sonst reibt der Schuh an Kettenstrebe oder Kurbel." Geeignet sind hier Modelle, bei denen der Q-Faktor über die Cleats oder die Pedalachse variiert werden kann.
"Der Q-Faktor bezeichnet den Abstand der beiden Kurbelarme zueinander (außen-außen gemessen). Er ist bei Athleten wichtig, deren Füße sehr eng beieinander- oder sehr weit auseinanderstehen. Kommt es immer wieder zu Beschwerden, können diese also mit solchen anatomischen Gegebenheiten zu tun haben. In der Regel spielt der Q-Faktor jedoch eine untergeordnete Rolle", sagt Sportwissenschaftlerin Willersinn.
Falsch eingestellte Platten können in der Tat Schmerzen verursachen. "Bei Kniebeschwerden sollte man prüfen, ob die Cleats korrekt ausgerichtet sind und parallel stehen", erklärt Sportwissenschaftlerin Willersinn. "Beschwerden an der Achillesferse oder brennende bzw. einschlafende Füße entstehen oft, wenn die Platten punktuell am Fuß drücken." Tipp: Prüfen Sie, ob Pedalachse und Großzehengrundgelenk im passenden Verhältnis zueinander stehen. Aber: "Beschwerden können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine falsche Sitzhöhe oder zu weiche Schuhsohlen. Bevor Sie teure neue Produkte kaufen, lohnt sich ggf. eher ein Bikefitting", so Willersinn.
Um zu überprüfen, ob der Rennradschuh passt, kann man den Einlagen-Check machen: Nimm dazu die Einlage aus dem (zu kaufenden) Schuh und stell einen Fuß drauf. Im Optimalfall steht die Einlage leicht, aber nicht zu viel über. Ist sie nicht mehr sichtbar, ist der Schuh zu klein, lappt sie stark über, ist der Schuh zu groß. Dünne, harte (Carbon-) Sohlen verbessern die Kraftübertragung, erschweren allerdings selbst kurze Fußwege, zu weiche Sohlen können Schmerzen verursachen, weil die Pedalverbindung spürbar wird. Egal ob Boa-Seilverschluss, Klett oder Schnürung: Das ideale Schließsystem des Schuhs verteilt den Druck flächig statt punktuell, ist zugleich aber trotzdem zwischen vorne und hinten getrennt einstellbar. Vorgeformte Einlagen können helfen, Beschwerden an den Füßen, aber auch an den Knien zu lindern.
Spezielle Leistungsmesspedale ermitteln die getretenen Wattwerte, auf deren Grundlage gezieltes Training möglich ist. Vor allem bietet das Pedalieren selbst viel Potenzial: "Der berühmte runde Tritt kann die Leistung optimieren und Kräfte zielgerichteter nutzen", erläutert Tanja Willersinn vom Radlabor Freiburg. "Als Übung empfehlen wir, kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum Phasen einbeinigen Tretens in das Training zu integrieren. Natürlich abwechselnd mit beiden Beinen." Professionelle Pedalkraftanalysen erlauben es, die Druck- und Zugphasen zu optimieren.
Um Rennrad-Pedale zu lösen oder abzuschrauben, musst du die Pedale in die entgegengesetzte Richtung drehen, als ob du das Fahrrad fahren würden. Die Pedale auf der rechten Seite des Fahrrads werden gegen den Uhrzeigersinn gelöst, während die Pedale auf der linken Seite im Uhrzeigersinn gelöst werden müssen. Dies liegt daran, dass die Pedale aufgrund der Drehung des Tretlagers in entgegengesetzte Richtungen eingeschraubt werden, um sicherzustellen, dass sie sich nicht während des Fahrens lösen.
Es ist wichtig zu beachten, dass du spezielles Werkzeug benötigst, um die Pedale abzuschrauben, da die meisten Rennrad-Pedale mit einem 15-mm-Maulschlüssel oder einem Pedalschlüssel gelöst werden müssen. Verwende kein Werkzeug, das nicht für diesen Zweck vorgesehen ist, da dies das Gewinde an den Pedalen oder Kurbeln beschädigen könnte.
Die Preise für Rennrad-Pedale können je nach Marke, Modell und Funktion stark variieren. Wenn du nach einem Einsteigermodell suchst, kannst du Pedale zwischen 20 und 50 Euro finden. Wenn du jedoch ein fortgeschrittenes Modell suchst, das aus leichten Materialien hergestellt wird und über verbesserte Funktionen wie zum Beispiel höhere Effizienz oder größere Kontaktflächen verfügt, kannst du Pedale zwischen 100 und 300 Euro finden.
Es gibt auch spezialisierte Pedale für den Rennrad-Straßenrennsport wie z.B. das Look Keo Blade Carbon, das etwa 250 Euro kostet. Es verfügt über eine Carbon-Klinge und einen leichten Körper, um die Effizienz zu erhöhen. Ein anderes Beispiel ist das Shimano Ultegra PD-R8000, das zwischen 90 und 120 Euro kostet und sich durch ein breites Auflagefeld und eine einstellbare Auslösehärte auszeichnet.
Es ist wichtig, dass du Deine Anforderungen berücksichtigst und ein Pedal kaufst, das zu deinem Fahrrad und deinem Fahrstil passt. Wenn du nur gelegentlich fährst oder gerade erst mit dem Rennradfahren beginnst, kann es sinnvoll sein, ein günstigeres Modell zu wählen, während ernsthafte Rennradfahrer möglicherweise bereit sind, mehr für ein qualitativ hochwertiges Pedal zu investieren.
Hier kannst du direkt weiter mit dem Bikefitting machen:
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